Mittelenglisch

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Mittelenglisch
Zeitraum ca. 1150 n. Chr.–1485 n. Chr.

Ehemals gesprochen in

Teile des heutigen Englands und Südschottlands
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

enm

ISO 639-3:

enm

Mittelenglisch nennt man die Form der englischen Sprache, die etwa zwischen dem 12. und der Mitte des 15. Jahrhunderts gesprochen wurde. Diese Periode ist von durchgreifenden Veränderungen auf allen sprachlichen Ebenen geprägt, und da die Belege zudem aus verschiedenen Dialektbereichen stammen, steht der Terminus Mittelenglisch für eine große Vielfalt von Varietäten, aus denen sich erst allmählich der Londoner Standard herauskristallisierte.

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  • Nach en:Middle English#Nouns stimmt folgendes nicht: "Von den Kasus des Substantivs bleibt nur eine Unterscheidung zwischen Genitiv und Nicht-Genitiv übrig."
  • Folgende Aussage ist womöglich ungenau: "Das grammatische wird durch das natürliche Geschlecht ersetzt." Ausnahmen wie neuenglisch "sun - he", "ship - she" gab es womöglich auch im Mittelenglischen.
  • Nach en:Middle English#Pronouns ist folgendes nicht ganz richtig: "Das nordische they (sie, 3. Person Plural) ersetzt die westgermanische Form hie".
  • Nach en:Middle English#Verbs stimmt folgendes nicht: "Singular und Plural des Präteritums fallen zusammen, die meisten Personalendungen der Verben fallen weg"

Denkbar wäre, daß hier Frühneuenglisch (oder spätes Mittelenglisch) bzw. Middle English in einem jüngeren Sinne beschrieben wird. Zu letzterem, der englischen Bezeichnung, vgl. z.B.

  • W V. Yates: "the Old English of the Thirteenth and Fourteenth centuries."
  • William Francis Collier: "Middle English. (1362 A.D.---1558 A.D.)" (davor kommt "Early English. (1258 A.D.---1362 A.D.)")
  • Richard Hiley: "Middle English Period, from 1400 to 1558" (davor kommt "Early English Period, from 1216 A. D. to 1399")

Im übrigen fehlt ein Abschnitt "Grammatik" fast vollständig und im Abschnitt Orthographie sollte auch das Alphabet angeführt werden.

Gegenüber dem Altenglischen weisen mittelenglische Texte folgende wichtige Veränderungen auf:

  • eine starke Vereinfachung der Flexionsformen; so wird z. B. die übliche Pluralendung für fast alle Substantive -es und -en (letzteres ist zum Neuenglischen hin ebenfalls stark reduziert worden). Das grammatische wird durch das natürliche Geschlecht ersetzt. Von den Kasus des Substantivs bleibt nur eine Unterscheidung zwischen Genitiv und Nicht-Genitiv übrig.
  • der daraus resultierende Ersatz bzw. die Bevorzugung analytischer anstelle synthetischer Konstruktionen
  • die Aufnahme zahlreicher Wörter französischen (und z. T. skandinavischen) Ursprungs in den Wortschatz
  • Das nordische they (sie, 3. Person Plural) ersetzt die westgermanische Form hie
  • Vereinfachung der Konjugation: Singular und Plural des Präteritums fallen zusammen, die meisten Personalendungen der Verben fallen weg. Verbale Präfixe (ge-, be-, for-) geraten als Ableitungsmittel außer Gebrauch und verschwinden.

Nach der normannischen Eroberung wurde Anglonormannisch zur Sprache des Hofes und der Verwaltung; Latein war die Sprache der Kirche und der Wissenschaft; nur das einfache Volk sprach weiter Englisch. Daraus ergab sich eine bis in die heutige Zeit reichende Differenzierung des Wortschatzes. So gibt es z. B. im Englischen drei verschiedene Adjektive, die alle eine Beziehung zum Begriff König ausdrücken: kingly aus dem Altenglischen, royal aus dem Französischen und regal aus dem Lateinischen. Jedes davon hat eine andere Bedeutungsnuance: das altenglische kingly lässt uns an einen König aus dem Märchen denken; das französische royal an den Prunk eines mittelalterlichen Königshofes und das lateinische regal an den König, der das Recht setzt.

Mittelenglische Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Mittelenglische Literatur

Das bekannteste Werk in mittelenglischer Sprache sind die Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer (um 1340 bis 1400), eine Sammlung von Erzählungen, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind und die eine Pilgerreise zur Kathedrale von Canterbury, an das Grab des heiligen Thomas Becket, zum Inhalt hat. Durch seine Werke trug Chaucer wesentlich dazu bei, das (Mittel-)Englische als Literatursprache zu etablieren.

Phonetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aussprache des Mittelenglischen lässt sich heute nur rekonstruieren. Über einige Details streiten sich die Gelehrten. Gesichert ist jedoch die Verschiebung der Vokale (Frühneuenglische Vokalverschiebung oder Great Vowel Shift), die das Ende der mittelenglischen Periode markiert. In der Phase des Übergangs vom Altenglischen zum Mittelenglischen kommt es zu einer Vokalisierung einiger Konsonanten: /j/ wird zu /i/, /w/ und die stimmhafte Variante von /x/ werden zu /u/. Die folgende Rekonstruktion bezieht sich auf das Chaucer-Englische.

Vokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Vorne Zentral Hinten
kurz lang kurz lang kurz lang
Geschlossen      
Fast geschlossen ɪ     ʊ  
Halbgeschlossen      
Mittel   ə    
Halboffen ɛ ɛː   ɔ ɔː
Offen   a  
Diphthonge der mittelenglischen Sprache
/ɛɪ/
/ɪʊ/
/ɔɪ/
/ʊɪ/
/ɛʊ/
/aʊ/
/ɔʊ/

Konsonanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Bilabial Labiodental Dental Alveolar Postalveolar Palatal Velar Glottal
Plosive p  b     t  d     k  g  
Affrikaten         tʃ  dʒ      
Nasale m     n     (ŋ)  
Frikative   f  v θ  ð s  z ʃ (ç) (x) h
Approximanten       r[1]   j w  
Laterale       l        

Anmerkungen:

  • ​[⁠ŋ⁠]​ ist ein Allophon von ​/⁠n⁠/​, das vor ​/⁠k⁠/​ und ​/⁠g⁠/​ auftritt.
  • [ç, x] sind Allophone von ​/⁠h⁠/​, die im Silbenauslaut auftreten, ​[⁠ç⁠]​ nach Vorderzungenvokal und ​[⁠x⁠]​ nach Hinterzungenvokal.

Orthographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß- und Kleinschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist noch nicht festgelegt. Großschreibung dient mehr der Hervorhebung als der Befolgung von Regeln. Inkonsequenzen sind häufig. Personen werden gewöhnlich großgeschrieben.

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personalpronomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Personalpronomen gibt es – abhängig von Autor und Mundart – drei Personen, zwei bis drei Numeri (Singular, Plural, manchmal auch Dual) und zwei bis vier Kasus (Nominativ, Dativ und Akkusativ oder Objektiv, manchmal auch Genitiv).

Im Ormulum (um 1200):[2]
Person,
Numerus,
Genus
Kasus
Nominativ Objektiv
1. Sg. icc, ī
2. Sg. þū þē
1. Pl. uss
2. Pl. ȝē ȝūw
3. Sg. m. himm
3. Sg. f. ȝhō hire
3. Sg. n. itt itt
3. Pl. þeȝȝ þeȝȝm
1. Du. witt unnc
Im Ancren Riwle:[3][4]
Person,
Numerus,
Genus
Kasus
Nominativ Objektiv
1. Sg. ich, ī
2. Sg. þū þē
1. Pl. us
2. Pl. ȝē ōu
3. Sg. m. Dat. him
Akk. him, hine
3. Sg. f. hēo hire
3. Sg. n. hit (it) Dat. him oder hit (it)
Akk. hit (it)
3. Pl. hēo ham, auch heom
Bei Geoffrey Chaucer:[5][6]
Person,
Numerus,
Genus
Kasus
Nominativ (Genitiv) Objektiv
1. Sg. ī, selten ich mīn (mȳn)
2. Sg. thou thīn (thȳn) thē (the͞e)
1. Pl. oure, our us
2. Pl. youre, your you (yow)
3. Sg. m. his him (hym)
3. Sg. f. shē hire, hir hire, hir
bzw. hire
3. Sg. n. hit, it his hit, it
3. Pl. they here, her hem

In Proben von 1250–1400:[7]

Person,
Numerus,
Genus
Kasus
Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
1. Sg. südlich: ich (uch)
nördlich: ic, ik, I
min, mi me
2. Sg. þu, þou þin, þi þe
1. Pl. we ure, ur ous, us
2. Pl. ȝe, ȝhe, ye eower,
ȝure (gure)
eow, ow, ou,
ȝou, yow
3. Sg. m. he
südlich auch: a, ha
his him him
südlich auch: hine
3. Sg. f. südlich: heo (hue), hi, hy, ho
nördlich: sco, sho
hire hire hire
südlich auch: hi, his (is)
3. Sg. n. hit, it his him hit, it
3. Pl.,
südlich
hi, hii, heo (hue) hire, here, heore (huere), hor hem, heom (huem), hom hi
südlich auch: his (hise, is)
3. Pl.,
nördlich
thai thair thaim (tham)
1. Du. wit unker unc, unk, hunke
2. Du. git, get gunker gunk
  • Der Dual ist selten und scheint vor dem Jahre 1300 verschwunden zu sein.

Textprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vaterunser in einer mittelenglischen Version nach John Wyclifs erster Bibelübersetzung aus den 1380er Jahren, zum Vergleich der Text in relativ modernem Englisch (Book of Common Prayer 1928) und Deutsch (ökumenischer Text 1971):

Mittelenglisch Neuenglisch Deutsch
Oure fadir that art in heuenes,
halewid be thi name;
thi kyngdoom come to;
be thi wille don
`in erthe as in heuene;
yyue to vs this dai oure `breed ouer othir substaunce;
and foryyue to vs oure dettis,
as we foryyuen to oure dettouris;
and lede vs not in to temptacioun,
but delyuere vs fro yuel.
Our Father who art in heaven,
hallowed be thy name.
Thy kingdom come.
Thy will be done
on earth as it is in heaven.
Give us this day our daily bread,
and forgive us our trespasses,
as we forgive those who trespass against us,
and lead us not into temptation,
but deliver us from evil.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fernand Mossé: Mittelenglische Kurzgrammatik. Lautlehre, Formenlehre, Syntax. München 1988, ISBN 3-19-002164-3 – ein Klassiker, aus dem Französischen übersetzt
  • Wolfgang Obst, Florian Schleburg: Die Sprache Chaucers: Ein Lehrbuch des Mittelenglischen auf der Grundlage von „Troilus and Criseyde“. Heidelberg, 1999. ISBN 3-8253-0898-7 – umfassendes und präzises modernes Lehrbuch
  • Dieter Bähr: Einführung ins Mittelenglische, UTB Uni-Taschenbücher, Bd. 361 – Standardwerk, das allerdings profunde Kenntnisse des Fachvokabulars aus Phonetik und Phonologie und Morphologie voraussetzt. Eher formalistisch als pädagogisch und daher für Einsteiger schwer verdaulich.
  • Walter Sauer: Die Aussprache des Chaucer-Englischen, Universitätsverlag Winter 1998, ISBN 3-8253-0783-2 – für Einsteiger geeignet; enthält eine Transkription des Prologs der Canterbury Tales.
  • Lilo Moessner: Diachronic English Linguistics – An Introduction. Tübingen 2003, ISBN 3-8233-4989-9 – Universitätslehrbuch, übersichtlich gestaltet, auch für Einsteiger
  • Hans Kurath et al.: Middle English Dictionary, Ann Arbor 1946ff. (vgl. MED online)

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die genaue Natur des mittelenglischen r ist unbekannt. Es könnte ein alveolarer Approximant ​[⁠ɹ⁠]​ gewesen sein, wie in den meisten modernen englischen Dialekten, ein alveolarer Tap ​[⁠ɾ⁠]​, oder ein alveolarer Vibrant ​[⁠r⁠]​. In diesem Artikel verwenden wir das Symbol ​/⁠r⁠/​ für diesen Laut, ohne damit eine Aussage über seine Natur treffen zu wollen.
  2. Henry Sweet: First Middle English primer[:] Extracts from the Ancren Riwle and Ormulum with grammar and glossary. Oxford, 1884, S. 45
  3. Henry Sweet: First Middle English primer[:] Extracts from the Ancren Riwle and Ormulum with grammar and glossary. Oxford, 1884, S. 10
  4. Stephen Howe: The Personal Pronouns in the Germanic Languages: A study of personal pronoun morphology and change in the Germanic languages from the frist records to the present day. 1996, S. 143
  5. Henry Sweet: Second Middle English primer[:] Extracts from Chaucer with grammar and glossary. 2. Aufl., Oxford, 1899, S. 13
  6. Chaucer The Clerkes Tale with Life, Grammar, Notes and an Etymological Glossary. London & Edinburgh, 1883, S. 16 f.
  7. R. Morris: Specimens of Early English selected from the Chief English Authors A. D. 1250–A. D. 1400 with Grammatical Introduction, Notes, and Glossary. Oxford, 1867, S. xiv f. und xxix f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]