Motorenfabrik Hatz

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Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG
Logo der Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1880
Sitz Ruhstorf an der Rott, Deutschland
Leitung Geschäftsführer:
  • Christian Hatz
  • Wolfram Hatz jun.
Mitarbeiter circa 1000
Umsatz circa 160 Mio. Euro[1]
Branche Maschinenbau
Website www.hatz-diesel.com
Stand: 2012 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2012
Sommer-Hatz-Diesel
E89FG

Die Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG mit Sitz in Ruhstorf an der Rott ist ein deutscher Dieselmotorenhersteller,[2] der vor allem mit seinen leichten und robusten Kleindieselmotoren bekannt wurde.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlich haftender Gesellschafter der Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG ist die Hatz Beteiligungs GmbH mit Sitz in Ruhstorf an der Rott.

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde 1880 von Mathias Hatz gegründet und nahm 1904 den Motorenbau auf. 1910 begann man mit der Fabrikation von Glühkopfmotoren für den stationären Einsatz, 1918 erschien die H-Reihe dieser Motoren (Leistung: 6 kW, Drehzahl: 500/min, Gewicht: 430 kg). Drei Jahre später wurden ein neues Werk am heutigen Standort bezogen und der Export nach Südamerika aufgenommen. 1936 begann die Produktion der für die Bauwirtschaft gedachten liegenden Zwei-Takt-Dieselmotoren vom Typ L2 (Leistung: 8 kW, Drehzahl: 1100/min, Gewicht: 360 kg). 1948 erschien der Typ A2 (Leistung: 8 kW, Drehzahl: 1100/min, Gewicht: 360 kg).

1950 wurden die ersten landwirtschaftlichen Traktoren von Hatz vorgestellt. Drei Jahre später erschien der erste luftgekühlte Viertakt-Dieselmotor der Firma (Typ: E80 – Leistung: 7,5 kW, Drehzahl: 2000/min, Gewicht: 140 kg), der weltweit eingesetzt wurde. Der erste schnelllaufende Kleindiesel der Welt wurde ab 1958 gefertigt. Er hatte ein Gehäuse aus Leichtmetall, wog weniger als 50 kg und lief mit 3000/min im Dauerbetrieb (Typ: E75 – Leistung: 4,5 kW, Drehzahl: 3000/min, Gewicht: 49 kg).

1966 stellte Hatz den kleinsten Industriediesel der Welt vor (Typ: E671 – Leistung: 2,6 kW, Drehzahl: 3600/min, Gewicht: 34 kg) und begann zwei Jahre später mit der Produktion von leiseren Kleindieselmotoren. Bei dem ab 1978 gefertigten gekapselten Dieselmotor Silent Pack (ebenfalls luftgekühlt) liegt die Schallemission nochmals deutlich niedriger. Zum Zeitpunkt des 100-jährigen Firmenjubiläums beschäftigte die Motorenfabrik Hatz 950 Arbeitnehmer.

1986 wurde ein kompakter Zweizylinder-Motor vorgestellt (Typ: 2G3 – Leistung: 15 kW, Drehzahl: 3000/min, Gewicht: 85 kg). Zwei Jahre später begann Hatz mit der Fertigung von Pleueln. Heute werden mehrere Millionen Motorenteile pro Jahr für die Automobil- und Motorradindustrie produziert.

In den 1990er Jahren wurde die Produktion zahlreicher Neuentwicklungen aufgenommen; dazu gehörten etwa luftgekühlte Einzylinder-Dieselmotoren der Baureihe 1B mit vertikaler Welle. Dieselmotoren von Hatz werden aufgrund ihres niedrigen Gewichts auch in Motorräder eingebaut. So verwendet z. B. die Sommer Motorradmanufaktur mit Sitz in Eppstein den Einzylinder-Viertakt Hatz-Dieselmotor 1B40 (462 cm³, 8 kW/11 PS) zur Umrüstung der indischen Motorradbaureihe Royal Enfield (Modell Sommer Diesel 462).[3]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hatz 1D42
Hatz 1B27

Das Portfolio der Motorenfabrik Hatz umfasst drei Geschäftsbereiche: den Diesel-Motorenbau, den Systembau sowie die Herstellung von Komponenten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie.

Dieselmotoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell besteht die Produktpalette aus sechs Motoren-Baureihen in einem Leistungsbereich von 1,5 bis 56 kW.

B-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Slogan „Der Herausforderer“ wurde die Hatz 1B-Baureihe im Jahre 1996 mit einer Reihe an technischen Neuerungen vorgestellt. So sind im Steuergehäuse auf engstem Raum alle wichtigen Funktionskomponenten des Motors wie Dekompressionsautomatik, Einspritzpumpenantrieb, Ölpumpe mit Öldruckregelventil, Ein- und Auslasssteuertrieb, Fliehkraftregler, Drehzahlverstellhebel mit Reglerfeder sowie der multifunktionale mechanische Regler integriert. Aufgrund dieser Entwicklungen ist die B-Baureihe sehr leicht und kompakt bauend. Die luftgekühlten Einzylinder-Dieselmotoren der B-Serie sind je nach Hubraum mit 1,5 bis 7,6 kW Leistung und mit einer maximalen Drehzahl von bis zu 3600 min-1 erhältlich. Zudem sind Versionen mit vertikaler und horizontaler Kurbelwelle verfügbar. Die B-Serie erfüllt die strengen Anforderungen der EPA (Environmental Protection Agency) Tier IV final in den USA.

D-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur B-Serie ist die D-Serie, auch SUPRA genannt, wesentlich robuster konstruiert. So sind die luftgekühlten Einzylinder-Dieselmotoren dieser Baureihe häufig in Verdichtungsmaschinen zu finden, aber auch in anderen Einsatzgebieten, wie bspw. Stromerzeugern. Der Leistungsbereich liegt zwischen 3,5 und 15,2 kW bei einer Drehzahl von max. 3600 min−1. Das maximale Drehmoment liegt bei 40,7 Nm. Die hohe Laufruhe der Baureihe wird durch eine neuartige Konstruktion der Gegengewichte, zum anderen durch den optionalen Einsatz von zwei gegenläufigen Ausgleichswellen und damit einem 100%igen Massenausgleich 1. Ordnung erreicht. Der Motor kann werksseitig auf Wunsch mit dem patentierten SILENT PACK © ausgestattet werden, der die Lärmemission um bis zu 90 % reduziert. Zudem besitzen die D-Motoren bis zu 4 Kraftabnahmemöglichkeiten an Kurbelwelle bzw. an Nebentrieben. Wie die B-Serie ist der Motor ebenfalls in horizontaler oder vertikaler Ausführung erhältlich. Die D-Serie erfüllt ebenfalls die Anforderungen der EPA Tier IV final.

G-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die G-Serie zeichnet sich durch ihr geringes Gewicht und die Wartungsfreundlichkeit aus. Die Leistung des luftgekühlten Zweizylinder-Dieselmotors liegt zwischen 9,8 und 17 kW bei einer maximalen Drehzahl von 3600 min−1 und einem maximalen Drehmoment von 53,6 Nm. Die Zylinder sind vertikal angeordnet und lassen sich einzeln austauschen. Das Kurbelgehäuse besteht aus Leichtmetalldruckguss. Die Motoren der G-Serie erfüllen die Anforderungen der EPA Tier IV final.

M-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die leistungsstärksten Hatz-Motoren sind die der M-Serie. Die Leistungsdaten der luftgekühlten 2-, 3- oder 4-Zylindermotoren reichen von 15 bis 56 kW bei einer Maximaldrehzahl von bis zu 3000 min−1. Das maximale Drehmoment liegt bei der 4-Zylinder-Variante bei 219,6 Nm. Durch die Luftkühlung kann der Motor unter jeglichen klimatischen Bedingungen betrieben werden. Seit Juli 2013 stehen für die M-Serie ein Dieselpartikelfilter und Abgasrückführung zur Verfügung, um den Abgasvorschriften in den USA (EPA Tier IV final) und der EU (Stage IIIB) Rechnung zu tragen.

L-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hatz Diesel 4L43C auf der EIMA 2014 in Bologna.

Die L-Serie ist weitestgehend Baugleich mit der M-Serie. Die Serien unterscheiden sich lediglich durch das patentierte SILENT PACK © der L-Serie, das den Geräuschpegel um bis zu 90 % im Vergleich zu der ungekapselten M-Serie reduziert.

H-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hatz 4H50TIC Dieselmotor auf der Bauma 2013 in München.

Seit Januar 2014 bietet Hatz die H-Serie an. Beginnend mit dem wassergekühlten 4-Zylinder-Modell 4H50TIC werden Common-Rail-Technologie, Turbolader und externe Abgasrückführung eingesetzt. Der turboaufgeladene 2-Liter-Motor erreicht eine Maximalleistung von 55 kW und wiegt 173 kg. Der Motor erfüllt die Grenzwerte der EU 97/68 Stage IIIB und EPA Tier 4 final ohne Partikelfilter.[4]

Systembau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsfeld Hatz Systems entwickelt und produziert Spezialaggregate auf Basis von Industriedieselmotoren. Schwerpunkte sind dabei Lösungen rund um die Strom- und Energieversorgung, skalierbare Kraftwerke, Pumpenaggregate sowie Spezialanwendungen im maritimen und militärischen Bereich. Das Spektrum der Hatz-Aggregate reicht von 2 kW bis mehrere 100 kW Leistung. Neben einem Standardprogramm mit gängigen Leistungsgrößen in den Produktgruppen Stromerzeuger, Pumpentechnik und Schiffsantriebe werden auch Aggregate kundenspezifisch ausgelegt.

Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsfeld Hatz Components fertigt Motoren- und Antriebselemente wie Pleuel, Kurbelwellen, Gehäuse, Dreh- und Steuerungsteile für Motorenhersteller weltweit. Zu den eingesetzten Fertigungsverfahren gehören neben Form-, Oval- und Tieflochbohrung auch die Crack-Technologie sowie Trennschnitt- und Profilverzahnung. Die Bearbeitung von hochfesten, mikrolegierten Stählen, Aluminium, Guss und Sintermaterialien wird durch die Bearbeitung von Titan abgerundet.

Traktorenproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1953 und 1964 bot die Firma Hatz 23 verschiedene Traktorentypen an. Insgesamt wurden 7.201 Stück gefertigt. Hauptsächlich wurden Klein- und Universalschlepper hergestellt, zu Beginn der 1960er Jahre produzierte Hatz jedoch auch größere Schlepper mit kräftigen Zwei- und Dreizylindermotoren.

Produktionszahlen pro Typ

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikibooks: Traktorenlexikon: Hatz – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Hatz Traktoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hatz im Profil. Hatz Diesel, abgerufen am 24. Juli 2014.
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Zu den technischen Daten siehe die entsprechende Homepage der Sommer Motorradmanufaktur.
  4. Interview mit dem Geschäftsführer Christian Hatz