Neuseeländisches Englisch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen:
Systematische Darstellung der Phonetik und Phonologie (in IPA); (vgl. Formatvorlage Sprache).
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Neuseeländisches Englisch ist eine Standardvarietät der plurizentrischen englischen Sprache, die vor allem in Neuseeland gesprochen wird. Es ist eng verwandt mit dem australischen Englisch und vom Māori beeinflusst.

Neuseeländisches Englisch ähnelt dem australischen Englisch in der Aussprache, und der Unterschied wird von Menschen außerhalb beider Länder oft nur schwer bemerkt. Manche dieser Unterschiede haben den Anschein, dass das neuseeländische Englisch dem britischen Englisch etwas näher sei als das australische Englisch. Einige der Unterschiede rühren vom Einfluss der Sprache der Māori auf das neuseeländische Englisch her. Der Hauptunterschied zwischen beiden Varietäten mag das langgezogene i (“Siiidney”) des australischen Englisch sein, obwohl aus Sicht anderer englischsprachiger Regionen der Welt schon das neuseeländische i deutlich länger ist. Das sehr lange i in Australien rührt wahrscheinlich von italienischen Einwanderern her.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Unterschied zu anderen Dialekten des Englisch wurde erstmals 1912 von Frank Swinnerton beschrieben, der das neuseeländische Englisch als “sorgfältig moduliertes Gemurmel” beschrieb. Sicherlich gab es schon zuvor Unterschiede, die wohl schon früh entstanden sind, bedingt durch die Sprache der Māori und deren Vokabular wie auch Namen für Orte und vor allem für Pflanzen und Tiere, die einzigartig in Neuseeland sind und deshalb im Englischen namenlos waren und blieben.[1]

Der neuseeländische Akzent ist auch vom Schottischen und Irischen Englisch beeinflusst[2], vor allem im Süden der Südinsel Neuseelands, als Folge zahlreicher früher schottischer und irischer Einwanderer im 19. Jahrhundert, beispielsweise nach Dunedin (schottisch für Edinburgh).

Schreibweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen der britischen und der amerikanischen Schreibweise, wie bei colour/color oder travelled/traveled. Im Allgemeinen folgt die neuseeländische Schreibweise der britischen, noch mehr als die australische Schreibweise. Manche Amerikanismen halten aber auch in Neuseeland Einzug, wie „thru“ als Nebenform von „through“, wenn auch bislang nicht im förmlichen Gebrauch.

”-ise”[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein offensichtlicher Unterschied zwischen der neuseeländischen und britischen Rechtschreibung ist bei der Endung -ise beziehungsweise -ize zu sehen: Neuseeländer verwenden ausschließlich die Endung -ise, Amerikaner und Kanadier -ize, während die Briten (und auch die Australier) beide benutzen.

Māori-Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vokabular[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Namen der einheimischen Pflanzen- und Tierwelt sind direkt dem Māori entnommen. Bekanntestes Beispiel ist wohl der Kiwi, aber auch andere einheimische Vögel wie der Kea, Kakapo, Tui, Pukeko, der ausgestorbene Moa, der Kotuku (Silberreiher) und der Hoiho (Gelbaugenpinguin) zeugen von dem deutlichen Einfluss, ebenso wie die Fische Hoki, Kahawai und Tarakihi, die Muschel Toheroa und die Meeresschnecke Paua.

Auch die meisten Bäume haben aus der Sprache der Māori stammende Namen, wie zum Beispiel Kauri, Rimu, Totara, Kowhai und Pohutukawa, der neuseeländische Weihnachtsbaum. Eine weitere Pflanze mit einem Maorinamen ist die Kumara, eine Süßkartoffel.

Das Wort Kiwi hat im Laufe der Jahre verschiedene zusätzliche Bedeutungen erhalten; am weitesten verbreitet ist wohl die Eigenbezeichnung für Neuseeländer und alles Neuseeländische, beispielsweise einer Bank namens Kiwibank oder der staatlichen Rentenversicherung namens Kiwisaver. Die Kiwifrucht hingegen wird stets als solche bezeichnet (kiwifruit); eine Bezeichnung nur als Kiwi kann zu Missverständnissen führen.

Viele Maoriwörter und Redewendungen, die die Kultur der Māori beschreiben, sind Bestandteil des neuseeländischen Englisch geworden. Beispiele finden sich unter der Liste neuseeländischer Wörter und Redewendungen.

Neuseeländer bezeichnen auch die Māori als Volk. Der Plural lautet Māori, nicht Māoris. Meist bleiben Māori-Wörter im Plural unverändert. In der māorischen Sprache werden Numeri oft durch den Artikel ausgedrückt: „te“ für Singular (=der/die/das), „ngā“ für Plural.

Māori als Amtssprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit die Sprache der Māori Amtssprache ist und beispielsweise Webseiten der öffentlichen Hand zweisprachig sein müssen oder auch Gesetzestexte in beiden Sprachen veröffentlicht werden, hat der Einfluss des Māori auf das neuseeländische Englisch zugenommen.

Aussprache der Māori-Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Māori-Ortsnamen wurden während des 19. und 20. Jahrhunderts recht plump wie englische Wörter ausgesprochen, aber seit sich in den 1980ern das Bewusstsein für die Sprache der Māori wieder stärker ausgebreitet hat, wird wieder Wert auf eine richtige Aussprache gelegt.

Die anglisierte Aussprache hält sich allerdings oft unter den Ansässigen, so dass man an einer korrekten Aussprache oft einen Ortsfremden erkennt.

Beispiele sind:

  • Paraparaumu: unter europäischen Neuseeländern oft nur Parapram (mit englischer Intonation) ausgesprochen
  • Hawera: oft nur Hara
  • Pauatahanui: oft nur Partanui

Die korrekte Aussprache von Māori-Wörtern fällt Deutschen allgemein wesentlich leichter als Englischsprachlern. Wer diese Wörter liest wie im Deutschen, liegt sehr nahe an der korrekten Māori-Aussprache. Vokale mit Makron, dem Strich über dem Vokal, werden verlängert. Das r wird wie ein schnell geschlagenes d gesprochen, das w ist kein deutsches w, sondern wie ein Englisches w ausgesprochen, wh wird wie f ausgesprochen und u liegt irgendwo zwischen u und ü in der Aussprache (fast genau wie der „oo“ in der neuseeländischen und australischen Aussprache von „boot“).

Redewendungen und Phrasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gebrauch von Maoriwörtern nimmt zu, insbesondere auf der Nordinsel, wobei es auch dort regionale Unterschiede gibt. Kia ora beispielsweise ist manchmal als Begrüßung gebraucht. Im Māori wird es hingegen auch oft für Danke schön und Ja genau! benutzt.

Andere Maoribegrüßungen wie Tēnā koe (zu einer Person) oder Tēnā koutou (drei und mehr Personen) werden nicht oft benutzt. Die Liste neuseeländischer Wörter und Redewendungen führt weitere Beispiele auf.

1998 hat die Oxford University Press ein Wörterbuch des neuseeländischen Englisch (Dictionary of New Zealand English) publiziert, das (nach Angabe des Verlags) auf einer mehr als 40-jährigen Forschung basiert.[3]

Unterschiede zum britischen Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im neuseeländischen Englisch kam es im Verlauf zu diversen Lautverschiebungen, beispielsweise Diphthongierungen, also Veränderungen von Vokalen, zudem werden Vokale oft länger ausgesprochen als im britischen Englisch.

Beispiele für Lautverschiebungen sind:

  • pan wird in Neuseeland ausgesprochen wie im britischen Englisch das Wort pen [pʰɛn]
  • pen wird entsprechend zu pin [pʰɪn]
  • pin wird zu pun [pʰʌn]
  • pair wird manchmal zu peer [pʰɪə̯].

Die Lautverschiebungen führen dazu, dass manche Wörter identisch ausgesprochen werden, wie chair, das gleich gesprochen wird wie cheer (beide [t͡ʃɪə̯]), oder auch share, das gleich wie shear ([ʃɪə̯]) gesprochen wird. Allerdings hängen solche Aussprachen von der Stärke des Akzents und der Region in Neuseeland ab. Ein weiteres Beispiel: ferry wird mit langem „e“ ununterscheidbar zu fairy (beide [ˈfɛːɹɪ]).

Die Tendenz, Vokale in die Länge zu ziehen, wird auch deutlich am Beispiel des Z, (wie in NZ), das sehr weit vorne (Tendenz zum i) und lang („zeet“) gesprochen wird. Es ist häufig zu hören, dass der Vokal e, wie in bed, ten oder dem Namen Ben, wie ein deutsches langes „e“ oder französisches „é“ gesprochen wird. Diese Eigenheit führt gelegentlich zu Missverständnissen zwischen Neuseeländern und Englischsprechern anderer Provenienz, beispielsweise in letter/litter, pen/pin, pet/pit, bet/bit etc.)

Ähnlich verhält es sich bei yes, das mitunter zum yeeh wird, manchmal mit auslaufender Tendenz zum a wie im yeah des Amerikanischen. Diese Aussprache findet sich vor allem in der jüngeren Generation und unter den Māori sowie auf der Südinsel.

Zusätzliches Schwa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie im australischen Englisch fügen manche Neuseeländer ein Schwa in die Aussprache mancher Wörter ein, wie in grown, thrown und mown, was zu grow-en [ˈɡɹɐʉ̯ən], throw-en [ˈθɹɐʉ̯ən] und mo-wen [ˈmɐʉ̯ən] führt. Wörter wie groan, throne und moan [-ɐʉ̯n] bleiben dagegen unverändert, und im Gegensatz zum britischen Englisch sind diese Wortpaare demnach voneinander unterscheidbar.

Ansteigende Tonhöhe am Ende des Satzes und eh![Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuseeländer heben oft gegen Ende eines Satzes die Tonhöhe an, was den Satz dann wie eine Frage klingen lässt. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch das sehr weit verbreitete eh, das an das Satzende angehängt wird.[4] Das „eh“ ersetzt zudem ein isn’t it am Satzende, oder auch is it, wasn’t it usw. Der Einsatz des eh hängt allerdings von der Stärke des Akzents ab. Es wird ungefähr ausgesprochen wie der Vokal im englischen may.

Der Einsatz von she im Sinne des deutschen es[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

She wird sehr gern benutzt anstatt it als Subjekt eines Satzes, vor allem, wenn ein solcher kurzer Satz mit diesem Subjekt beginnt. She’s right. ist ein allgemeines Lob, beispielsweise eines Barbecues, oder She’ll be right. sinngemäß wie Das geht in Ordnung.

Unterschiede zum australischen Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn auch von Menschen außerhalb der beiden Länder Australien und Neuseeland der Unterschied schwer zu erkennen sein mag, gibt es diese doch. Insbesondere Vokale werden teilweise unterschiedlich ausgesprochen. Der Hauptunterschied besteht in der Aussprache des i und e.

Kurzes ‚i’[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kürzere i des neuseeländischen Englisch wird oftmals ausgesprochen wie ein Schwa. Im australischen Englisch wird dieser Vokal fast wie ein (deutsches) a ausgesprochen, allerdings so kurz, dass es kaum mehr hörbar ist.

Beispiel: fish and chips werden in Neuseeland ausgesprochen mit Schwa, in Australien werden die a-ähnlichen Vokale fast fallengelassen, f’sh and ch’ps.

Langes ‚i’[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umgekehrt ziehen Australier ein schon in Neuseeland langes i wie in Sydney noch deutlicher in die Länge als Neuseeländer, in Australien hört man „Siiidney Harbour Briiidge“. Dieses lange i ist wahrscheinlich Folge italienischer Einwanderer nach Australien und deren Aussprache des Englischen einerseits, und schottischer und irischer Einwanderer nach Neuseeland und deren Dialekt andererseits. Filmaufnahmen zeigen, dass dieser Unterschied der Aussprache in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch nicht so ausgeprägt war und ab den 1950ern zugenommen hat. Der zunehmende Einfluss der Sprache der Māori auf das neuseeländische Englisch mag zudem die Unterschiede zwischen Australien und Neuseeland verstärken.

Chance, dance etc.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Neuseeland werden Wörter wie diese mit einem langen, dunklen a (/ɑː/) wie in car ausgesprochen, also wie im britischen Englisch z. B. in Südengland. In Australien hingegen wird der Vokal häufiger gesprochen wie (/æ/) in rat, also ähnlich wie im Amerikanischen oder Nordenglischen.

Fool, pool etc.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen australischem und neuseeländischem Englisch ist die Aussprache von Wörtern wie fool, pool usw. In Neuseeland werden diese Vokale weiter hinten betont, klingen also wie full und pull. In Australien bleiben die Vokale weiter vorn im Mund und werden oftmals durch einen Diphthong ergänzt.

Schwa in unbetonten Silben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuseeländer neigen häufiger dazu, unbetonte Vokale zu einem Schwa werden zu lassen. So wird das a in Queensland nicht mit einem ä gesprochen wie in Australien, sondern eher mit einem Schwa wie in seasoned. Allerdings hört man durchaus auch in Australien diese Aussprache, so dass dieses Unterscheidungsmerkmal nicht sehr verlässlich ist.

Vokabular[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Wörter existieren nur im neuseeländischen Englisch, manche nur in Neuseeland und Australien, aber nicht im britischen Englisch. Sicherlich der größte Unterschied besteht natürlich zum amerikanischen Englisch. Im Vergleich hierzu ist neuseeländisches Englisch dem britischen wesentlich ähnlicher, was sich natürlich durch die Herkunft neuseeländischer Einwanderer erklären lässt.

Zu Unterschieden im Vokabular siehe Liste neuseeländischer Wörter und Redewendungen.

Unterschiedliche Dialekte des neuseeländischen Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionale Unterschiede sind eher gering, auch wenn beispielsweise von Aucklandern immer wieder kolportiert wird, dass die „Hillbillys“ der Südinsel einen stärkeren Akzent haben. Im Süden der Südinsel hört man jedoch einen unterscheidbaren Akzent, der sich durch ein gerolltes 'r' auszeichnet. Dieser Akzent geht auf die vielen schottischen Einwanderer in diesem Gebiet zurück.

Hörproben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Hörproben können auf der Website des IDEA International Dialects of English Archive gefunden werden.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elizabeth Gordon et al.: New Zealand English: Its Origins and Evolution. Cambridge University Press, 2004. ISBN 978-0-521-64292-7.
  • Jennifer Hay, Margaret A. Maclagan, Elizabeth Gordon: New Zealand English. Edinburgh University Press, 2008. ISBN 978-0-7486-2530-7.
  • Orsman, Harry W: Heinemann New Zealand Dictionary, Heinemann Educational Books, Auckland 1979, ISBN 0-86863-373-9.
  • Orsman, Harry W / Cauchi, Simon: The Dictionary of New Zealand English. A dictionary of New Zealandisms on historical Principles, Oxford University Press, Auckland 1997, ISBN 0-19-558347-7.
  • Orsman, Harry W: A Dictionary of Modern New Zealand Slang, Oxford University Press, Auckland 1999, ISBN 0-19-558408-2.
  • Orsman, Harry W / Wattie, Nelson: The Reed Dictionary of New Zealand English, Reed, Auckland 2001, ISBN 0-7900-0752-5.
  • Deverson, Tony: The New Zealand Oxford Primary School Dictionary, Oxford University Press, Auckland 2003, ISBN 0-19-558461-9.
  • Deverson, Tony: The New Zealand Pocket Oxford Dictionary, Oxford University Press, Auckland 2005, ISBN 0-19-558482-1.
  • Macalister, John: A Dictionary of Maori Words in New Zealand English, Oxford University Press, Auckland 2005, ISBN 0-19-558495-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Story of English von Robert McCrum, William Cran und Robert MacNeil. 3. Revision 2002. Penguin Books. ISBN 0-14-200231-3
  2. Origins of New Zealand English, abgerufen am 26. September 2013
  3. Deverson, Tony: The New Zealand Oxford Dictionary, Oxford University Press, Auckland 2004, ISBN 0-19-558451-1
  4. en:Eh#Australia, New Zealand, and the United States Artikel zum eh in der englischen Wikipedia
  5. New Zealand. International Dialects of English Archive (IDEA), abgerufen am 3. Dezember 2015 (HTML, englisch).