Oberhörlen

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Oberhörlen
Gemeinde Steffenberg
Wappen von Oberhörlen
Koordinaten: 50° 50′ 4″ N, 8° 25′ 12″ O
Höhe: 418 m ü. NHN
Fläche: 7,1 km²[1]
Einwohner: 776 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 35239
Vorwahl: 06464
Luftaufnahme Oberhörlen
Luftaufnahme Oberhörlen

Oberhörlen ist das nach Einwohnerzahl drittgrößte von insgesamt sechs Dörfern[2] der Gemeinde Steffenberg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhörlen liegt in einem Talkessel im Gladenbacher Bergland, das sich am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges zur Hessischen Senke hin erstreckt.[3] Es ist der flächenmäßig größte Ortsteil von Steffenberg. Er besitzt außerdem den größten Waldbestand der Gemeinde, welcher vorwiegend aus Mischwäldern besteht.

Namensgeber ist die Hörle, die nach ca. 4 Kilometern in die Perf, einen Nebenfluss der Lahn, mündet. Der Mattenberg (577 m) ist die höchste Erhebung in der Dorfgemarkung; damit hat Oberhörlen, nach der bei Biedenkopf gelegenen Sackpfeife, die höchste Erhebung im Landkreis.

Nachbarorte sind Oberdieten (Gemeinde Breidenbach) im Norden, Niederhörlen im Osten, Gönnern und Lixfeld (beide Gemeinde Angelburg) im Süden und Simmersbach (Gemeinde Eschenburg) im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Oberhörlens vor dem 13. Jahrhundert n. Chr. liegt bislang im Dunklen. Sie setzt erst nachweisbar mit den in der Gegend residierenden Adelsgeschlechtern ein und ist eng mit den Herren von Breidenbach verbunden. Oberhörlen selbst wurde zum ersten Mal im Jahr 1327 als „Horla“ urkundlich erwähnt.[4]

Am 1. April 1972 wurde Oberhörlen in die neue Gemeinde Steffenberg eingegliedert.[5]

Flurnamen und ihre Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Grube, Im Nickel, Bei der Eisenkaute; Diese Flurnamen weisen auf Erzvorkommen und ehemaligen Abbau hin. 1639 wurde in Oberhörlen Eisenstein gefunden, 1731 Stahlstein und Bleierz.[1]

Am gebrannten Stock

Dieser Name dürfte auf eine ehemalige Köhlerei verweisen.[1]

Galgenberg

Oberhörlen war seit Anfang des 16. Jahrhunderts Gerichtvorort des Gerichts Lixfeld. Das Plateau, auf dem heute die Schutzhütte steht, mit dem steil aufragenden Felsen darüber war wohl einst eine Hinrichtungsstelle, die gemäß mittelalterlichem Brauch an einer weithin sichtbaren Stelle und im Grenzbereich eines Gerichtsbezirks lag. Oberhörlen unterstand ab dem 13. Jahrhundert der Gerichtsbarkeit der Herren von Breidenbach, deren Herrschaftsbereich auf heutigem Simmersbacher Gebiet an das der Grafen von Nassau grenzte. Die Grenze verlief hier wahrscheinlich über den Bergrücken, und die Hinrichtungsstelle am 541 m hohen Galgenberg befand sich somit in markanter Lage an der Grenze der Breidenbacher Gerichtsbarkeit.

Teufelsgraben

Der Teufelsgraben war offenkundig eine Grenzmarkierung. Er kann Teil einer Landwehr, eines mittelalterlichen Grenzsicherungssystems, gewesen sein. Möglicherweise sollte er auch den Personen- und Warenverkehr von Norden nach Süden (und umgekehrt) lenken. Wie die Landwehren besaß vielleicht auch der Teufelsgraben auf seinen Wällen Dornenhecken und dichtes Buschwerk und darf in erster Linie nicht als wasserführender Graben verstanden werden. Das „Gönnersche Wejelche“ könnte ein Durchlass gewesen sein.

Kimmelholz

Diese Bezeichnung hat nichts mit „Kümmel“ zu tun, sondern leitet sich wohl wahrscheinlicher von dem altkeltischen „cammino“ (gepflasterter Weg) ab.[6] Denkbar ist daher, dass durch das Kimmelholz, am Galgenberg vorbei, ein befestigter Weg führte, der eine Verbindung mit dem nassauischen Gebiet darstellte.

Steinbruch Hessel

Im Lahn-Dill-Bergland wurden Ende des 19. Jahrhunderts große und ertragreiche Steinbrüche erschlossen. Bis heute wird hier Diabas („Hinterländer Grünstein“) abgebaut. Aus diesem Material wurden und werden bis heute Werksteine, Grabsteine, Pflastersteine, Splitt, Schotter sowie Fußbodenplatten und Fassadenverkleidungen hergestellt. Der Steinbruch Hessel wurde in den 1880er Jahren in Betrieb genommen. Bis in die 1950er Jahre wurden die Kellergeschosse der Häuser in Oberhörlen meistens aus den Steinen des Steinbruchs erstellt. Auch für öffentliche Gebäude wurde hier schon sehr früh Diabas aus dem Steinbruch verwandt, wie zum Beispiel für die in 1901 erbaute Schule und das Pfarrhaus aus dem Jahr 1913. Gegen Ende der 1950er Jahre wurde der Steinbruch aufgegeben.

Knechtsburg

Den interessantesten Flurnamen trägt wohl die „Knechtsburg“. Seit Generationen wird überliefert, dass es beim Befahren des Wirtschaftsweges, der den heutigen Sportplatz nach Westen hin begrenzt, bei den damaligen eisenbereiften Gespannen „hohl“ geklungen habe.

Es gibt bisher keinerlei Anhaltspunkte, die einen Hinweis geben könnten, aus welcher Zeit der Flurname stammt, warum man die Gegend so nennt, und ob und in welcher Form auf der Knechtsburg eine Wehreinrichtung vorhanden gewesen sein mag. Erinnert man sich an die Erzählungen längst verstorbener Vorfahren, dass das Dorf Oberhörlen ursprünglich am Oberlauf der Hörle gestanden haben soll, dann ist zumindest bemerkenswert, dass dies nur wenige hundert Meter bis zur Knechtsburg sind.

Oberhörlener Kirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barocke Fachwerkkirche mit Pfarrhaus im Ortskern
  • Hörlepanoramaweg – ein zertifizierter Premiumwanderweg im Naturpark Lahn-Dill-Bergland;[7] gehört lt. Deutschem Wanderinstitut in Deutschland zur Spitzengruppe[8].

Vereine und Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfverein „Mer Uwernhöller“
  • Freiwillige Feuerwehr Oberhörlen 1934
  • SSV Hörlen 1954
  • 1. TC Steffenberg 1978
  • CVJM-Posaunenchor
  • Flötenkreis
  • Regenbogenchor
  • Pray-bih (Jugendkreis)
  • CVJM-Mädchen- und Jungen-Jungschar
  • Jugend-Cafe
  • Jugendgruppe „Guggugs 1990“
  • Besuchskreis Gemeindekaffee der ev. Kirche
  • Kaffeekränzchen 1974
  • Aerobics Hotline 1992
  • DRK-Senioren-Tanzgruppe 1987
  • DRK-Gymnastikgruppe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Oberhörlen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Juni 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b „Zahlen Daten Fakten“ im Internetauftritt der Gemeinde Steffenberg, abgerufen im März 2018.
  3. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.steffenberg.deSteffenberg Umweltbericht 2008
  4. Festschrift Oberhörlen 1984; Steinmann, Bauer, S. 22
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350.
  6. Wiktionary:de:camminus
  7. Hörlepanoramaweg (Memento vom 11. August 2016 im Internet Archive) Auf der Website der „Region Lahn-Dill-Bergland e. V.“
  8. Extratour Hörlepanoramaweg