Otto Reuleaux

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Otto Hermann Karl Henning Reuleaux (* 17. Januar 1896 in Küstrin;[1]14. März 1979 in Basel) war ein deutscher Ingenieur und Industriemanager.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Reuleaux war ein Mitglied der durch zahlreiche Techniker und Ingenieure bekannt gewordenen und aus dem Revier um Aachen stammdenden Familie Reuleaux.[1] Der 1896 in Küstrin Geborene wuchs in den späten Gründerjahren des Deutschen Kaiserreichs auf und war ein Enkel des Maschinenbau-Ingenieurs und Begründers der Kinematik[3] beziehungsweise der Getriebelehre, aber auch Rektor der Technischen Hochschule Berlin, Franz Reuleaux.[1]

Nach dem Besuch des Realgymnasiums,[1] konkret dem Grunewald-Gymnasium in Berlin, studierte Otto Reuleaux in Charlottenburg an der dortigen Technischen Hochschule die Fächer Chemie- und Hüttenkunde,[4] sowie Rechtswissenschaften,[1] Nationalökonomie und Geschichte an der Universität Berlin sowie in Bonn an der dortigen Universität.[4] 1922 erhielt er sein Examen als Diplomingenieur und promovierte im Folgejahr[1] zum Dr.-Ing.[2] zum Thema Reaktionen und Gleichgewichte im System Cu-Fe-S mit besonderer Berücksichtigung des Kupfersteins.[5] Noch 1923 wurde Reuleaux bei der Metallgesellschaft in Frankfurt am Main tätig.[2]

Im Auftrag von Reuleaux als eines der ersten von dem Architekten Ernst Zinsser in Hannover errichteten Bauten: Gebäude der Vereinigte Aluminiumwerke von 1935 an der Göttinger Chaussee in Linden-Süd; denkmalgeschützt

Ebenfalls noch zur Zeit der Weimarer Republik übernahm Otto Reuleaux im Jahr 1929 in Bonn die Leitung der durch eine Interessengemeinschaft verbundenen Vereinigten Leichtmetallwerke GmbH Bonn. Ausgehend von seiner Bonner Tätigkeit „entstanden unter seiner verantwortlichen Führung“[1] zur Zeit des Nationalsozialismus zunächst 1935 in Hannover auf dem Betriebsgelände der stillgelegten Hannoverschen Waggonfabrik (HAWA) in Linden eine Halbzeug-Fabrik für die Verarbeitung von Aluminium und Aluminiumblechen errichten.[2] Für den Bau der Werksgebäude an der Göttinger Chaussee in Linden-Süd konnte Reuleaux den seinerzeit noch in Berlin tätigen Architekten Ernst Zinsser gewinnen, der bald darauf sein Atelier dauerhaft nach Hannover verlegte. Denn ebenfalls durch Zinsser ließ Reuleaux unweit von Hannover ein weiteres Alumnium-verarbeitendes Werk in Laatzen errichten,[6] das sich rasch zu einem der größten und leistungsfähigsten Unternehmen der Leichtmetallverarbeitung in Europa entwickelte. Schließlich wurde Reuleaux, der sich vor allem mit dem Laatzener Werk „besondere Verdienste auf dem Gebiet des Aluminium-Giess- und Plattierverfahrens“ erwarb,[1] zum „Wehrwirtschaftsführer“ ernannt und nutzte sowohl das Lindener wie auch die Laatzener Fabrik dann zur Produktion von Rüstungsgütern im Einsatz für den Zweiten Weltkrieg.[2]

Nach dem Krieg, am 12. Oktober 1946 schrieb der in Russland geborene deutsche Metallurge jüdischer Abstammung Georg Sachs, ein Fürsprecher für den Industriellen Herbert Quandt, in einem Brief an Friedrich Dörge:

„Daß Reuleaux wieder obenauf ist, bedauere ich sehr. Falls ich ihm irgendwie schaden kann, würde ich es gerne tun.[7]

Nach dem Krieg wurde das Lindener Aluminiumwerk nur teilweise, das Laatzener Aluminiumwerk unter der Britischen Besatzungsmacht 1947 jedoch total demontiert. In Laatzen blieben lediglich einige Hallen stehen, die – ebenfalls 1947 – für die erste Export-Messe genutzt wurden.[2] Dennoch entwickelten sich die VLW bald wieder zu einem international tätigen Unternehmen.[4]

Unterdessen war Otto Reuleaux allerdings – ebenfalls schon 1947 – mit Genehmigung der Britischen Militärbehörden zum Vorstandsvorsitzenden der Kali Chemie AG in Hannover gewählt.[2] In den Folgejahren wurde er zudem in den Aufsichtsrat auch anderer großer Industrieunternehmen[4] wie Solvay und Gerling International,[8] zudem in den Vorstand der Metallgesellschaft berufen.[1]

1953 wurde Reuleaux mit der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Hannover ausgezeichnet.[9] Im selben Jahr erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[4] 1957 übernahm Reuleaux die Aufgaben eines Konsuls von Italien.[10]

Auf Initiative von Reuleaux, der zudem Mitglied des am 5. September 1957 gegründeten Wissenschaftsrates war, sowie unter Mitwirkung beispielsweise von Rudolf Schoen, wurde am 8. Januar 1964 im Hotel Luisenhof in Hannover die Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Akademie e.V gegründet, die spätere Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).[8]

Am 31. Oktober 1964 wurde Otto Reuleaux die Karmarsch-Denkmünze der Hannoverschen Hochschulgemeinschaft verliehen. Der Verleihungstext zur Denkmünze würdigte Reuleaux,

„dem es gelang, auf dem Gebiet der Metallurgie der Leichtmetalle bedeutende Fortschritte zu erzielen, und der es in seltener Weise verstand, Technik und Wissenschaft zu verbinden und zusammen mit wissenschaftlichem Denken zum Erfolg zu führen.[4]

Otto Reuleaux starb am 14. Januar 1979 in Basel in der Schweiz.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reaktionen und Gleichgewichte im System Cu-Fe-S mit besonderer Berücksichtigung des Kupfersteins, Maschinenschrift, 98 Seiten mit Tabellen und Abbildungen, Dissertation 1923 an der Technischen Hochschule Berlin, [o.O, o. D.; Berlin, 1923]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Plath, Herbert Mundhenke, Ewald Brix: Vereinigte Leichtmetall-Werke Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in dies.: Heimatchronik der Stadt Hannover (= Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes, Bd. 17), Köln: Archiv für Deutsche Heimatpflege G.m.b.H., 1956, S. 412ff.
  • Lebenslauf in der Unterlagen der Hannoverschen Hochschulgemeinschaft.
  • Wer ist wer? Das deutsche Who’s who, Bd. 15 (1967), S. 1571.
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie, 2. Ausgabe, Bd. 8, München 2007, S. 339 (dort mit abweichenden Lebensdaten!)[4]
  • Waldemar R. Röhrbein: Vereinigte Aluminiumwerke (VAW). In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 640.
  • Rainer Ertel (Bearb.), Antje Doll, Gunther Mühge (Red.): Die Träger der Karmarsch-Denkmünze. 1925 bis 2011. Ein Streifzug durch die deutsche Wissenschafts- und Wirtschaftsgeschichte, u. a. mit dem Abdruck eines Gruppenbildes der Metallgesellschaft von Ende der 1930er Jahre mit Otto Reuleaux und Alfred Petersen, hrsg. vom Freundeskreis der Leibniz-Universität Hannover e.V., Hannover: Verlag der Hahnschen Buchhandlung, 2011, ISBN 978-3-7752-6163-0, S. 68–69.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Otto Reuleaux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i o. V. Reuleaux, Otto. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv 21/1956 vom 14. Mai 1956
  2. a b c d e f g o. V.: Reuleaux, Otto in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Bearbeitung vom 1. März 2012, zuletzt abgerufen am 8. Juni 2017
  3. Wolfhard WeberReuleaux, Franz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 453 f. (Digitalisat).
  4. a b c d e f g h Rainer Ertel (Bearb.), Antje Doll, Gunther Mühge (Red.): Die Träger der Karmarsch-Denkmünze. 1925 bis 2011. Ein Streifzug durch die deutsche Wissenschafts- und Wirtschaftsgeschichte, hrsg. vom Freundeskreis der Leibniz-Universität Hannover e.V., Hannover: Verlag der Hahnschen Buchhandlung, 2011, ISBN 978-3-7752-6163-0, S. 68–69.
  5. Vergleiche die Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
  6. Ralf Haas: Vortrag über Ernst Zinsser und das Verwaltungsgebäude der Continental AG am Königsworther Platz 1 in Hannover / 28. Oktober 2010@1@2Vorlage:Toter Link/www.wiwi.uni-hannover.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Dokument), S. 2
  7. Vergleiche Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie, München: Beck, 2011m ISBN 978-3-406-62251-9; S. 320, 934; Vorschau über Google-Bücher
  8. a b Brigitte Lohff (Bearb.), Lisa Schulz, Andreas Siegwarth (Mitarb.): Die Gründungsgeschichte der Gesellschaft der Freunde der MHH, in dies.: Die Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover und ihre Preise. 50 Jahre Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover. 1964 - 2014, 1. Auflage, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2014, ISBN 978-3-86525-384-2, S. 9f.
  9. Vergleiche das Jahrbuch der Technischen Hochschule Hannover, Giersen 1953, S. 42; Vorschau über Google-Bücher
  10. Wer ist wer? Das deutsche Who’s who, Bd. 15 (1967), S. 1571