Parallele Mütter

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Film
Deutscher TitelParallele Mütter
OriginaltitelMadres paralelas
Produktionsland Spanien
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 123 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
Stab
Regie Pedro Almodóvar
Drehbuch Pedro Almodóvar
Produktion Agustín Almodóvar,
Esther García
Musik Alberto Iglesias
Kamera José Luis Alcaine
Schnitt Teresa Font
Besetzung

Parallele Mütter (Originaltitel Madres paralelas) ist ein Spielfilm von Pedro Almodóvar aus dem Jahr 2021. Die Hauptrollen in dem Drama um zwei Frauen, die ungeplant schwanger werden, übernahmen Penélope Cruz und Milena Smit. Das Werk eröffnete Anfang September die Internationalen Festspiele von Venedig 2021.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janis ist um die 40, lebt in Madrid und arbeitet als Werbefotografin. Sie wurde von ihrer Hippie-Mutter nach Janis Joplin benannt. Als sie den gutaussehenden forensischen Anthropologen Arturo für eine Zeitschriftenstrecke fotografiert, bittet sie ihn um Hilfe in einer Familienangelegenheit. Ihr Urgroßvater wurde während des Spanischen Bürgerkriegs unter der brutalen Herrschaft von Francisco Franco von Falangisten ermordet und in einem Massengrab vor den Toren des Heimatdorfes ihrer Familie beigesetzt. Sie hofft, von der Regierung die Genehmigung zu erhalten, dieses ausheben zu dürfen, sollte er die Ausgrabung leiten. Sie und ihre Familie wollen den Leichnam exhumieren lassen, um ihn zusammen mit seiner Frau angemessen beerdigen können. Janis und Arturo landen im Bett.

Monate später ist Janis schwanger. Sie freut sich darauf, Mutter zu werden, auch wenn sie das Kind alleine großziehen muss. Auf der Entbindungsstation teilt sie sich mit der 17-jährigen Ana das Zimmer, die der bevorstehenden Mutterschaft mit gemischten Gefühlen entgegenblickt. Sie weiß nicht wer der Vater des Kindes ist, da sie von mehreren jungen Männern, die ihr drohten ein Videotape mit Aufnahmen von ihr zu veröffentlichen, zum Sex gezwungen wurde. Von ihrer egoistischen Mutter erwartet Ana nur wenig Unterstützung, da sich diese mit fast Fünfzig ihrer Karriere am Theater widmet. Janis versucht die unschuldige Ana zu ermutigen, während sie sich durch die Krankenhausflure bewegen. Sie freunden sich an und bleiben zunächst auch in Kontakt.[2][3][4][5]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Pedro Almodóvar, der auch das Drehbuch schrieb. In Madres paralelas stehen das Gespräch „über Vorfahren und Nachkommen, über die Wahrheit der historischen Vergangenheit und die intimste Wahrheit der Figuren“ sowie „Identität und mütterliche Leidenschaft“ im Mittelpunkt. Dabei würden sich die drei im Film auftauchenden, unvollkommenen Mütter sehr von den Figuren in seinem bisherigen Gesamtwerk unterscheiden. Almodóvar bezeichnete Penélope Cruz’ Rolle als schwierigste Figur, die sie je unter seiner Regie gespielt habe.[2]

Javier Bardem & Penélope Cruz at Goya Awards 2018.jpg

Penélope Cruz spielt Janis

Sie spielt Janis, eine der beiden Frauen, die ungeplant schwanger werden, während Milena Smit die Rolle von Ana übernahm. Aitana Sánchez-Gijón spielt Anas Mutter Teresa, Rossy de Palma Janis' beste Freundin und Israel Elejalde den forensischen Anthropologen Arturo, den Vater ihres Kindes.[4][3]

Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2021 einen Monat lang in und um Madrid statt.[3] Als Kameramann fungierte José Luis Alcaine, mit dem Almodóvar zuletzt für Fliegende Liebende und Leid und Herrlichkeit zusammenarbeitete.

Die Filmmusik komponierte Alberto Iglesias, der mit dem Regisseur ebenfalls zuletzt für Fliegende Liebende und Leid und Herrlichkeit zusammenarbeitete.[6] Das Soundtrack-Album, auf dem auch zwei Songs von Janis Joplin und Miles Davis enthalten sind, wurde im Oktober 2021 von Quartet Records als Download veröffentlicht.[7] Iglesias' Arbeit befindet sich in einer Shortlist in der Kategorie Beste Filmmusik bei der Oscarverleihung 2022.[8]

Die erste Vorstellung fand am 1. September 2021 bei den Internationalen Festspielen von Venedig statt, wo Madres paralelas als Eröffnungsfilm gezeigt wurde.[9] Am 8. Oktober 2021 wurde er beim New York Film Festival als Abschlussfilm gezeigt. Am gleichen Tag kam er in die spanischen Kinos.[10] Im November 2021 wurde er beim AFI Fest gezeigt.[11] Der Kinostart in den USA erfolgte am 24. Dezember 2021[12], in Deutschland ist dieser am 10. März 2022 geplant.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang alle Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8,4 von 10 möglichen Punkten.[14] Auf Metacritic erhielt er einen Metascore von 87 von 100 möglichen Punkten.[15]

David Rooney von The Hollywood Reporter schreibt, Pedro Almodóvars Film sei erneut von unbeschreiblicher Schönheit und zeige, dass niemand die Ausdruckskraft von Farbe und Design so nutzt wie der Regisseur. Besonders hebt Rooney das Szenenbild von Antxón Gómez hervor, so die stilvollen Innenräumen von Janis' Wohnung, deren Terrassenzitronenbaum eine ununterbrochene Verbindung zwischen Stadt- und Landleben suggeriere, oder das rustikale Elternhaus, in das sie zurückkehrt, mit seinen gefliesten Küchenwänden. In der einzigartigen ästhetischen Vision von Almodóvar sei selbst die normalerweise sterile Umgebung einer Entbindungsstation eines Krankenhauses in kräftigen Farben lebendig, deren Grün- und Gelbtöne eher in einer Eisdiele zu finden seien. Vor allem sei es aber eine wunderbare Penélope Cruz, die in Madres paralelas in einer der besten Rollen ihrer gesamten Karriere zu sehen sei und in ihrer herausragendsten Arbeit seit Volver. Die grenzenlose Liebe, die Almodóvar seinen weiblichen Figuren während seiner gesamten Karriere entgegengebracht hat, werde auch in diesem Film reichlich zur Schau gestellt. Er verurteile nicht und finde Vergebung, auch für die Fehler und den Egoismus, der die Frauen in ihre Situation brachten. Ganz besonders gelte dies für Aitana Sánchez-Gijón, die Teresa spielt und zugibt, dass sie sich nie als Ehefrau oder Mutter berufen fühlte, sondern das Theater immer ihre große Liebe war. Auch Newcomerin Milena Smit sei in der Rolle von Ana eine echte Entdeckung, so Rooney, und Almodóvar zeige die Verletzlichkeit dieser Figur in einem Kontrast zu Janis' sprunghaften Wesen.[16]

Thomas Schultze von Blickpunkt:Film schreibt, der Film entfalte sich vom Politischen zum Intimen zum Privaten und zum Schluss, mit überwältigender emotionaler Wucht, wieder zurück zum Politischen. Mit der stilistischen Klarheit und Eleganz, die schon die zutiefst autobiographische Betrachtung Leid und Herrlichkeit zum Meisterwerk werden ließ, erzähle Almodóvar in Parallele Mütter nun von dem Land, in dem er lebt, auf dass seine Geschichte nicht vergessen werde von einer Generation, die schon die Achseln zuckt, wenn man den Namen Janis Joplin erwähnt. Was der Filmemacher zum Schluss bereithält, sei eine Geschichtslektion, die unter die Haut geht und die bitterer und düsterer sei, als es jeder noch so raffinierte Plottwist sein könnte, so Schultze: "Politisch war das Kino von Pedro Almodóvar immer schon, ohne zu politisieren, einfach nur im Aufzeigen von Lebensentwürfen, die selbstverständlich sein sollten und bei Almodóvar immer selbstverständlich erscheinen, ein weltoffenes, diverses Spanien, aber eben nicht selbstverständlich sind."[5]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golden Globe Awards 2022

  • Nominierung als Bester fremdsprachiger Film
  • Nominierung für die Beste Filmmusik (Alberto Iglesias)[17]

Goya 2022

Hollywood Music in Media Awards 2021

  • Auszeichnung als Beste Filmmusik – fremdsprachiger Independentfilm (Alberto Iglesias)[19]

Independent Spirit Awards 2022

  • Nominierung als Bester internationaler Film[20]

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2021

Los Angeles Film Critics Association Awards 2021

National Society of Film Critics Awards 2022

Palm Springs International Film Festival 2022

  • Auszeichnung mit dem International Star Award (Penélope Cruz)[22]

Satellite Awards 2021

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Parallele Mütter. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 211056/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b Madres paralelas. In: labiennale.org, abgerufen am 31. August 2021.
  3. a b c Nicholas Barber: 'Parallel Mothers' Review: Almodóvar Serves Up Cinematic Comfort Food with an Emotional Punch. In: indiewire.com, 1. September 2021.
  4. a b Owen Gleiberman: 'Parallel Mothers' Review: Pedro Almodóvar’s Best Since 'All About My Mother'. In. Variety, 1. September 2021.
  5. a b Thomas Schultze: Alles über mein Spanien. In: Blickpunkt:Film, 1. September 2021.
  6. Alberto Iglesias Scoring Pedro Almodóvar’s 'Parallel Mothers'. In: filmmusicreporter.com, 28. Juli 2021.
  7. 'Parallel Mothers' Soundtrack Album Announced. In: filmmusicreporter.com, 11. Oktober 2021.
  8. Original Score & Song Shortlists for 94th Academy Awards Announced. In: filmmusicreporter.com, 21. Dezember 2021.
  9. Jochen Müller: Almodovars „Madres paralelas“ eröffnet die Mostra. In: Blickpunkt:Film, 19. Juli 2021.
  10. 'Madres paralelas', la nueva película de Almodóvar, llegará a la cartelera un mes más tarde. In: abc.es, 23. August 2021. (Spanisch)
  11. Jude Dry: AFI FEST Full Lineup: 2021 Festival Adds Pedro Almodovar’s 'Parallel Mothers' and More. In: indiewire.com, 13. Oktober 2021.
  12. Hilary Lewis: NY Film Festival Sets Pedro Almodovar’s 'Parallel Mothers' as Closing Night Screening. In: The Hollywood Reporter, 3. August 2021.
  13. http://www.insidekino.com/DStarts/DStartplan.htm
  14. Parallel Mothers. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 13. Oktober 2021.
  15. Parallel Mothers. In: Metacritic. Abgerufen am 27. Dezember 2021.
  16. Penélope Cruz in Pedro Almodóvar’s ‘Parallel Mothers’ (‘Madres Paralelas’): Film Review | Venice 2021. In: The Hollywood Reporter. 21. September 2021, abgerufen am 6. Oktober 2021.
  17. https://variety.com/2021/film/news/golden-globes-nominations-list-nominees-1235129390/
  18. https://awardswatch.com/spains-oscar-entry-the-good-boss-tops-goya-award-nominations-with-record-breaking-20-nods/
  19. Paul Grein: 'No Time to Die' Wins at 2021 Hollywood Music in Media Awards: Full List of Film Music Winners. In: billboard.com, 17. November 2021.
  20. https://www.indiewire.com/2021/12/independent-spirit-awards-nominations-2022-see-full-list-1234685383/
  21. Films in Competition. In: queerlion.it, abgerufen am 31. August 2021.
  22. Katie Song: Penélope Cruz Honored By Palm Springs Film Awards as International Star. In: Variety, 15. November 2021.
  23. Jeremy Fuster: 'Power of the Dog' and 'Belfast' Lead Nominations for IPA Satellite Awards. In: thewrap.com, 1. Dezember 2021.