Quäle nie ein Kind zum Scherz

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Filmdaten
Deutscher TitelQuäle nie ein Kind zum Scherz
OriginaltitelNon si sevizia un paperino
ProduktionslandItalien
OriginalspracheItalienisch
Erscheinungsjahr1972
Länge102 Minuten
AltersfreigabeFSK ungeprüft
Stab
RegieLucio Fulci
DrehbuchGianfranco Clerici
Lucio Fulci
Roberto Gianviti
ProduktionRenato Jaboni
MusikRiz Ortolani
KameraSergio D’Offizi
SchnittOrnella Micheli
Besetzung
Synchronisation

Quäle nie ein Kind zum Scherz (Originaltitel: Non si sevizia un paperino, internationaler Titel: Don’t Torture a Duckling) ist ein italienischer Thriller (Giallo) von Lucio Fulci aus dem Jahr 1972 mit Florinda Bolkan, Barbara Bouchet, Tomás Milián, Marc Porel und Irene Papas in den Haupt- bzw. tragenden Rollen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im süditalienischen Dorf Accendura quälen drei kleine Jungen Tiere, bedrohen den geistig behinderten Jungen Giuseppe und beobachten Prostituierte bei deren Gewerbe. Als kurz darauf einer der Jungen ermordet aufgefunden wird, verdächtigt die Dorfbevölkerung Giuseppe. Dann taucht eine weitere Kinderleiche auf, es ist die von Bruno, der ebenfalls zu dem Trio gehörte. Der junge Pfarrer des Dorfes, Don Alberto Avallone, segnet die Körper der Jungen.

Bald schon geraten auch andere unter Verdacht, wie die aus der Stadt angereiste Urlauberin Patrizia, als auch die als Hexe verschriene Maciara. Diese wird vom Mob fast gelyncht und gibt zu, die Kinder mittels Voodoo getötet zu haben. Daraufhin jagen die Männer, Frauen und Kinder des Dorfes sie auf den Friedhof neben der Kirche und trampeln die arme Frau im religiösen Rausch zu Tode. Der junge Journalist Andrea Martelli glaubt allerdings nicht an die Schuld von Maciara und stellt Nachforschungen an. Schließlich stirbt auch der dritte Junge. Nun mischt sich auch Albertos Mutter, Aurelia Avallone, ein.

Währenddessen predigt Don Alberto, dass wohl die Sünde und Verderbtheit Schuld sei am Tod der Jungen. Am Ende des Films stellt sich heraus, dass er selbst der Mörder ist. Als er seine kurz zuvor verschwundene Schwester von einer Klippe werfen will, wird er von Martelli erwischt und während eines Faustkampfs von den Klippen gestoßen.

Hintergrund und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lucio Fulci siedelte seine Geschichte im Süden Italiens an, wo katholischer Glaube, tiefe Religiosität und Aberglaube das Wesen der Dorfmenschen bestimmen. So verdächtigen die Hinterwäldler aus dem Süden eine junge Frau aus der Stadt im Norden. Eine Nähe ist zweifelsohne zu Brunello Rondis 1963 entstandenem Werk Il Demonio gegeben, wo die im Mittelpunkt stehende Protagonistin ebenfalls als Hexe gilt und von der Dorfgemeinschaft attackiert wird. Die Aufnahmen dieses Films entstanden sogar an denselben Orten wie seinerzeit Il Demonio.[1][2]

Und das Lynchen der Maciara (Florinda Bolkan) erinnert an das Lynchen Marina Vladys in Die blonde Hexe, wo der gläubige Mob ebenfalls vor einer Kirche entfesselt agiert. Die tiefe Kirchenkritik gipfelt bei Fulci im Motiv des Mörders: Der junge Pfarrer Alberto (Marc Porel) tötet die bösen Buben, um sie von Sünde zu reinigen.[2][3]

Wie schon anlässlich Fulcis Film Una lucertola con la pelle di donna von 1971, wo er dem Gericht Rede und Antwort stehen musste wegen des Verdachts der Tierquälerei bezogen auf eine allzu realistische Szene mit einem Hund, kam es auch für eine Szene aus diesem Film zu einer Untersuchung. Fulci musste erklären, wie die Szene mit der von Barbara Bouchet gespielten Patrizia, die nackt einen minderjährigen Jungen zu verführen sucht, zustande gekommen ist, und ob das Kind wirklich einer splitternackten Schauspielerin gegenüberstehen musste.[1][4]

Uraufgeführt wurde der Film am 29. September 1972 in Italien. In Frankreich lief er am 22. März 1978 an. In den USA hatte er am 23. Mai 2000 Video-Premiere. In Irland wurde er am 24. Oktober 2003 auf dem Dublin Horrorthon Film Festival vorgestellt. In Australien erschien er am 5. Mai 2015 auf DVD/Blu-ray.

Er wurde außerdem in folgenden Ländern gezeigt: Bulgarien, Brasilien, Kanada, Chile, Spanien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Norwegen, Portugal, Sowjetunion und in der Türkei.

Am 20. November 2015 erschien der Film als Premiere mit einer deutschen Tonspur auf DVD (109 Min.), herausgegeben vom Studio Elea-Media.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wesentlichen erhielt Quäle nie ein Kind zum Scherz positive Kritiken. Auf Rotten Tomatoes erhielt Quäle nie ein Kind zum Scherz eine durchschnittliche Benutzerbewertung von 78 %.[6]

Jacko Kunze gab dem Film auf Moviebreak.de 7,5 Punkte und bezeichnete ihn als „Verstörend, spannend und weitaus hintergründiger, als man es beim Namen Lucio Fulci vielleicht im ersten Moment erwarten würde“. Er lobte das Werk als „starkes Stück Genre-Kino, das auch nach über 40 Jahren noch deutlich aus der Masse heraussticht und nichts von seiner Kraft verloren hat.“[7]

Robert Firsching schrieb auf allmovie.com, der Film sei „einer der gelungeneren Filme von Lucio Fulci[8] Auch TV Guide urteilte positiv, der Film sei „überraschend gelungen und nicht übertrieben“.[9]

Haikos Filmlexikon bescheinigte dem Film, dass die Synchronisation „ziemlich gut gelungen“ sei. Im Film gebe es „zwei Szenen, die einem in Erinnerung bleiben, doch der Rest ist eher Psychothriller und Drama, und das vom Feinsten, muss man sagen. Fulci gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, die jegliche Poesie aus dem Dorf fernhält und auf den Zuschauer eher verstörend wirkt, speziell wenn die Bewohner zur Lynchjustiz greifen und ohne Verhandlungen und nur aus reinem Verdacht heraus das Gesetz selbst in die Hand nehmen“.[10]

Christian Ade von filmtipps.at war voll des Lobes über den Film und äußerte zum Lynchmord, dass dieser „mehr unter die Haut“ gehe, als der in Fulcis The Beyond. „Die Minuten extremer Gewalt in Don’t Torture a Duckling [seien] derart quälend, dass man die Agonie des Opfers bis ins heimische Wohnzimmer schmecken [könne]. Das [sei] schmerzhaft. Intensiv. Näher an der Realität als uns lieb sein [könne].“ Ades Fazit: „Hexenglauben und Knabenmorde in einem reaktionären italienischen Bergdörfchen – das ist bitterböse, bisweilen blutrünstig, aber gibt sich auch gesellschaftskritisch. Ergibt einen ziemlich finsteren Stoff.“[11]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine deutsche Synchronfassung des Klassikers von Lucio Fulci entstand erst im Jahr 2015. Dafür verantwortlich zeichnete die Synchronfirma Synch! Synch! Kino- &TV-Synchronisation, Hamburg, Dialogbuch und Dialogregie: Angelika Scharf.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Non si sevizia un paperino bei schatten-lichter.blogspot.de
  2. a b Mikel J. Koven: Mord und andere sexuelle Perversionen La Dolce Morte: Vernacular Cinema and the italian Giallo Film, S. 57, Scarecrow Press, ISBN 978-1461664161
  3. Danny Schipka: Italy, Perversee Titillation The Exploitation Cinema of Italy, Spain and France, 1960-1980, McFarland & Company, ISBN 978-0786448883
  4. Mikel J. Koven: Space and Place in Italian Giallo Cinema: The Ambivalence of Modernity, La Dolce Morte: Vernacular Cinema and the Italian Giallo Film, Scarecrow Press, ISBN 978-1461664161
  5. Don’t Torture a DucklingQuäle nie ein Kind zum Scherz DVD movie-check.at
  6. Quäle nie ein Kind zum Scherz bei Rotten Tomatoes (englisch)
  7. Don't Torture a Duckling Kritik auf moviebreak.de. Abgerufen am 27. August 2016.
  8. Don't Torture a Duckling Kritik im All Movie Guide (englisch). Abgerufen am 27. August 2016.
  9. Don't Torture a Duckling Kritik im TV Guide (englisch). Abgerufen am 27. August 2016.
  10. Don’t Torture a DucklingQuäle nie ein Kind zum Scherz In: kaiosfilmlexikon.de
  11. Don’t Torture a Duckling bei filmtipps.at
  12. Don’t Torture a DucklingQuäle nie ein Kind zum Scherz in synchronkartei.de