Radmer

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Radmer
Wappen Österreichkarte
Wappen von Radmer
Radmer (Österreich)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leoben
Kfz-Kennzeichen: LN
Hauptort: Radmer an der Stube
Fläche: 82,60 km²
Koordinaten: 47° 33′ N, 14° 45′ OKoordinaten: 47° 32′ 42″ N, 14° 45′ 28″ O
Höhe: 729 m ü. A.
Einwohner: 498 (1. Jän. 2022)
Bevölkerungsdichte: 6 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8795
Vorwahl: 03635
Gemeindekennziffer: 6 11 12
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Radmer 31a
8795 Radmer
Website: www.radmer.at
Politik
Bürgermeister: Ludwig Gottsbacher
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(9 Mitglieder)
5
4
Insgesamt 9 Sitze
Lage von Radmer im Bezirk Leoben
EisenerzKalwangKammern im LiesingtalKraubath an der MurLeobenMautern in SteiermarkNiklasdorfProlebRadmerSankt Michael in ObersteiermarkSankt Peter-FreiensteinSankt Stefan ob LeobenTrabochTrofaiachVordernbergWald am SchoberpaßSteiermarkLage der Gemeinde Radmer im Bezirk Leoben (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Radmer ad Stube.jpg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Radmer ist eine Gemeinde mit 498 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2022) in der Steiermark, im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Leoben in Österreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Radmer liegt in der Obersteiermark zwischen Eisenerz, Hieflau und Johnsbach. Die Entwässerung erfolgt über den Radmer Bach, der im Norden durch eine Talenge zum Erzbach fließt. Im Osten, Süden und Westen ist das Gemeindegebiet von den Ennstaler Alpen umschlossen. Die markantesten Gipfel sind der Hochkogel (2105 m) im Osten, Zeiritzkampel (2125 m) im Süden und der Lugauer (2217 m) im Westen.

Die Gemeinde hat eine Fläche von 82,60 Quadratkilometer. Davon sind 3 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 10 Prozent Almen und 77 Prozent Wald.[1]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften und gleichnamige Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2022[2]):


Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landl
Admont Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Eisenerz
Wald am Schoberpaß Kalwang

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das früheste Schriftzeugnis ist von 1426 und lautet „Redmir“. Der Name geht auf den slawischen Personennamen Radomir oder Radimir zurück.[3]

In der Mitte des 16. Jahrhunderts begann der Abbau von Kupfer in der Radmer. Der Höhepunkt wurde im Jahr 1760 mit 1100 Zentner Kupfer erreicht. In dieser Zeit waren über 200 Personen im Bergbau beschäftigt.[4] Der Abbau wurde 1855 eingestellt. Vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis 1979 wurde auch Eisenerz abgebaut.[5] Bis Ende der 1970er Jahre wurde durch die Waldbahn Radmer Holz und Erz Richtung Hieflau befördert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Daten laut Statistik Austria[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Radmer

Paradeisstollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hl. Barbara im Kupferschaubergwerk Radmer

Der Paradeisstollen ist ein Kupferschaubergwerk und erinnert an den Bergbau Radmer. Mit einer Stollenbahn können Besucher das spätmittelalterliche Kupferbergwerk befahren. Der Radmerer Kupferbergbau zählte in seiner Blütezeit zu den vier bedeutendsten Kupferabbaustätten in Mitteleuropa und bestand aus etwa 60 Stollen. Die höchste Fördermenge wurde im Jahre 1596 mit 480 Tonnen Rohkupfer erreicht. 1634 fand in diesem Bergbau eine der ersten Sprengungen mit Schwarzpulver in den Alpenländern statt. Im 16. und 17. Jahrhundert war das Kupferbergwerk im Besitz der Äbte des Stiftes Seitenstetten in Niederösterreich. Im Betriebsgebäude des Schaubergwerkes befindet sich ein Schauraum, in dem Funde aus dem Bergwerk sowie Mineralien und andere Exponate ausgestellt sind.

Wallfahrtskirche zum heiligen Antonius von Padua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Patronatskirche
Der Altarraum der Patronatskirche

Die Wallfahrtskirche zum heiligen Antonius von Padua, die am 10. August 1602 eingeweiht wurde, befindet sich im Ortsteil Radmer an der Stube. Entworfen wurde die Kirche vom Hofbaumeister Giovanni Pietro de Pomis, die Umsetzung der Pläne erfolgte durch den Baumeister Hans Reßl. Diese Kirche galt als Patronatskirche des Kaisers Franz Joseph.

  • Der Hochaltar aus der Zeit um 1727 mit seiner Säulenarchitektur und Umgangsportalen nimmt den gesamten Chorschluss ein. Kernstück ist das Altarblatt aus dem Jahr 1602. Es zeigt den Heiligen Antonius von Padua mit dem Jesuskind am Arm.
  • Zwei gleich große Seitenaltäre aus dem Jahr 1681 schmücken den Triumphbogen am Eingang zum Hochaltar. Ein Bild der Immakulata beherrscht den evangelienseitigen Marienaltar. Epistelseitig zeigt das große Altarblatt die „heiligen drei Madln“ (Die Heiligen Barbara, Katharina und Margaretha).
  • Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1714 und wird Josef Claudius Zeller zugeschrieben.
  • Auf der ursprünglich doppelten Empore wurde 1737 eine neue Orgel vom Grazer Orgelbauer Johann Georg Mitterreither aufgestellt.
  • Im Hinblick auf die Dreihundertjahrfeier 1902[7][8] wurden die Fresken des Gotteshauses 1899/1900 neu ausgemalt. Hierzu waren die Wiener Maler Hermann Ulrich und Carl Otto Czeschka beauftragt. Nach einem Brand 1951 musste die Kirche erneut renoviert werden. Eine weitere Renovierung außen fand 1990 und für den Innenraum 1992–1993 statt. Außerdem erhielt die Gemeinde durch einen Münchner Stifter namens „Radmer“ zwei neue Kristallluster geschenkt.[9]

Schloss Greifenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Greifenberg um 1830
Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz
Schloss Greifenberg (2012)

Das einstige kaiserlich-österreichische Jagdschloss Greifenberg (ursprünglich Greifenstein genannt) im oberen Radmertal mit viergeschossigen runden Ecktürmen geht auf einen Schlossbau um das Jahr 1600 zurück. Es wurde seinerzeit unter dem geadelten Juristen Johann Baptist Linsmayr von Greiffenberg (1542–1608), Großvater der barocken Dichterin Catharina Regina von Greiffenberg, der Sitz eines Gewerken und erhielt baulich die heutige Erscheinungsform. Es gehörte im 19. Jahrhundert dem Stift Seitenstetten in Niederösterreich, wurde Ende des Jahrhunderts ein Jagdschloss des österreichischen Kaisers Franz Joseph. Als Erbteil des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand von Habsburg-Este kam es nach dessen Ermordung im Jahr 1914 in Sarajewo an seine morganatischen Nachkommen, die Fürsten und Herzöge von Hohenberg. Schloss Greifenberg ging durch Besitzteilung des Hohenberg’schen Forstbetriebes auf Heide und Franz Hohenberg über. Das Schloss ist unbewohnt und befindet sich im Verfall.[10]

Herrschaftshaus in Radmer Nr. 19[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk war schon zu Zeiten des Kaiser Maximilian I. von Habsburg (1459–1519) ein Jagdhaus „in Redmeregg“, wurde im Jahr 1602 zu einem Schloss ausgebaut und war später ein Verwaltungsgebäude für den Bergbau. Heute zeugen das Portal, die vermauerten Doppelfenster, mächtige Gewölbe und Türleibungen von dem Alter und der Bedeutung des Gebäudes.

Jagdschloss in Radmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1872/1873 wurde das einstöckige ehemalige kaiserlich-österreichische Jagdschloss östlich der Sankt Antoniuskirche im Ortsteil Radmer an der Stube im Aussehen eines Berghauses in der Schweiz nach den Plänen des Hofbaumeisters Anton Ölzelt erbaut. Hier logierte der Kaiser Franz Joseph I., wenn er zu den Hofjagden in die Radmer kam. Die 20.000 Hektar Waldbesitz wurden nach dem Tod des Kaisers auf Grund seiner testamentarischen Verfügungen an die Waisenkinder des 1914 in Sarajevo ermordeten Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, Max, Sophie und Ernst von Hohenberg übertragen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden Maximilian und Ernst Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau deportiert, weil sie sich für die Selbstständigkeit Österreichs und gegen den „Anschluss“ an das Deutsche Reich ausgesprochen hatten. Ihre Besitzungen, darunter auch der Forstbesitz in Radmer, wurden vom Deutschen Reich enteignet. Erst 1949 erfolgte die Rückgabe. Später wurde der Forstbesitz unter den Erben aufgeteilt. Das Jagdschloss dient heute der Familie Hohenberg als Wohnhaus und Forstverwaltung.[11]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Berge rund um die Radmer werden häufig für Wanderungen und Schitouren genutzt. Bekannt ist vor allem der steile Aufstieg auf den Lugauer. Radmer ist auch Etappenort entlang des Nordalpenwegs, einem österreichischen Weitwanderweg.

In der Umgebung befinden sich mehrere Almen wie z. B. die Seekaralm, die Kammerlalm, die Neuburgalm oder die Schafbödnalm, wobei auch die Brunnkaralm am Fuße des Zeiritzkampel sehenswert ist. Das Wandergebiet um Radmer zeichnet sich auch dadurch aus, dass es im Herbst meist nebelfrei ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Almabtrieb findet jeden Herbst in der Hinterradmer statt.

In der Vorderradmer findet jedes Jahr zu Antoni (Mitte Juni) am Samstag ein Fest statt, am darauffolgenden Sonntag ist ein Kirtag.

Zu Pfingsten gibt es jedes Jahr ein Pfingstfußballturnier.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Gemeinderat werden neun Mandatare gewählt:

  • Die Gemeinderatswahl 2005 brachte folgendes Ergebnis: SPÖ: 5, ÖVP: 4.[12]
  • Die Gemeinderatswahl 2010 brachte folgendes Ergebnis: SPÖ: 5, ÖVP: 4.[13]
  • Die Gemeinderatswahl 2015 brachte folgendes Ergebnis: SPÖ: 5, ÖVP: 4.[14]
  • Die Gemeinderatswahl 2020 brachte folgendes Ergebnis: SPÖ: 5, ÖVP: 4.[15]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister von Radmer ist Ludwig Gottsbacher.[16]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werkzeuge Schlägel und Eisen weisen auf den langen Erzabbau hin. Der Tannenreisigkranz steht für den Waldreichtum der Gemeinde.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Radmer verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl A. Redlich: Der Kupferbergbau Radmer an der Hasel, die Fortsetzung des steirischen Erzberges. In: Berg- und hüttenmännisches Jahrbuch der K.K. Montanistischen Hochschulen zu Leoben und Přibram. Band 53, 1905, ZDB-ID 512297-1, S. 1–38.
  • Susanne Gröbl: Der Kupfererzbergbau in der Radmer von den Anfängen bis 1650 (= Dissertationen der Karl-Franzens-Universität Graz. 69). dbv-Verlag für die Technische Universität, Graz 1986, ISBN 3-7041-9029-2 (Zugleich: Graz, Universität, Dissertation, 1986).
  • Benedikt Wagner: Quellen zum steirischen Bergbau im Benediktinerstift Seitenstetten. In: 2. Erbe-Symposium: Das Kulturelle Erbe in den Montan- und Geowissenschaften, Bibliotheken – Archive – Museen. Leoben 1995. (= Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Band 41, ISSN 1017-8880). Geologische Bundesanstalt, Wien 1997, S. 257–260, (Digitalisat (PDF; 271,22 kB)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Radmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein Blick auf die Gemeinde Radmer, Fläche und Flächennutzung. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  2. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2022 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2022) (ODS)
  3. Fritz Frhr. Lochner von Hüttenbach: Zum Namengut des Frühmittelalters in der Steiermark (= Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Band 99). Böhlau Verlag, Wien 2008, S. 48 (historischerverein-stmk.at [PDF; 16,9 MB]).
  4. Bendikt Wagner: Quellen zum steirischen Bergbau im Benediktinerstift Seitenstetten. (PDF) Geologische Bundesanstalt, 1997, S. 257–258, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  5. a b Geschichte. Gemeinde Radmer, abgerufen am 22. Oktober 2021 (deutsch).
  6. Ein Blick auf die Gemeinde Radmer <61112>. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 30. September 2019.
  7. Der Kaiser beim Jubiläum der Pfarrkirche in Radmer. In: Neuigkeits-Welt-Blatt, 14. August 1902, S. 9. Bogen (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwb
  8. siehe auch ausführlicher Artikel von Karl von Bentele: Die Kirche in der Radmer.Allgemeine Bauzeitung, Jahrgang 1905, S. 35–39 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/abz, dazu Tafel 11–14.
  9. radmer.at
  10. Radmer – Greifenberg. In: burgen-austria.com. Private Webseite von Martin Hammerl;
  11. Website Forstgut Hohenberg
  12. Wahlen 2005. Land Steiermark, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  13. Wahlen 2010. Land Steiermark, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  14. Wahlen 2015. Land Steiermark, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  15. Wahlen 2020. Land Steiermark, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  16. Bürgermeister. Gemeinde Radmer, abgerufen am 22. Oktober 2021 (deutsch).