Reckerode

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Reckerode
Gemeinde Kirchheim
Koordinaten: 50° 51′ 44″ N, 9° 35′ 52″ O
Höhe: 317 (280–480) m ü. NHN
Fläche: 14,24 km²[1]
Einwohner: 149 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 10 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36275
Vorwahl: 06625
Ansicht von Reckerode von der Anhöhe Hahnenpfalz aus. Rechts oberhalb vom Ort ist die Krämerskuppe und dahinter der Eisenberg zu sehen.

Reckerode ist ein Ortsteil der Gemeinde Kirchheim im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt nordöstlich von Kirchheim im Knüllgebirge, im oberen Tal des kleinen Wälsebaches. Dieser Bach mündet nach nur etwa vier Kilometer in Kirchheim in die Aula. Der Ort ist von drei Seiten von Bergen umgeben, die zum Teil steil in das Bachtal abfallen. Die Berge gehören zum breiten Höhenrücken des Eisenberges. Im Westen liegt die Krämerskuppe (402 m ü. NN) und im Osten die Hahnenpfalz (396,4 m ü. NN). Im Nordosten liegt die Stellerskuppe (480,5 m ü. NN). Über seinen den Gipfel verläuft die Gemarkungsgrenze zur nördlichen Nachbargemeinde Neuenstein mit dem Ortsteil Gittersdorf.

Die Stellerskuppe (480,5 m ü. NN) ist der höchste Punkt innerhalb der Ortsteilgemarkung, der niedrigste liegt bei etwa 280 m ü. NN am Wälsebach zwischen der Autobahn und der Wälsebachtalbrücke.

Die bebaute Fläche zieht sich an beiden Seiten des Baches, von etwa 310 m ü. NN bis auf etwa 330 m ü. NN hoch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Reckerode erfolgte im Jahr 1362.[1] Der Ort ist aber sicher früher entstanden, da der Ortsadel, die Herren von Reckerode, bereits am 8. Januar 1350 urkundlich genannt wurde. In dieser Urkunde sind sie als Hersfelder Ministeriale genannt und hatten Hattenbach vom Hersfelder Abt im Lehensbesitz. Auch eine Eigenkirche der Reckeröder Adeligen stammt vermutlich aus der Zeit um 1350, da es im und am Chorturm noch spätgotische Stilelemente gibt.

Der Ortsadel vergrößerte seinen Besitz im Jahr 1365, als die die Herren von Reckerode, Hersfelder Lehensbesitz vom Frielinger Ortsadel kauften. In einer Urkunde vom 24. August 1372 wird Hans von Reckerode als hessischer Amtmann von Rotenburg erwähnt.

Nach einer Schlichtungsurkunde vom 19. Oktober 1530 kam es zwischen dem Hersfelder Abt Crato I. und Martin von Hattenbach zum Streit um Besitz und Rechte in Reckerode, dem Scheidhof, Goßmannsrode und Reimboldshausen. Reckerode, Scheidhof und Reimboldshausen wurden durch den schiedsrichterlichen Spruch der Abtei zugesprochen, nur Goßmannsrode ging „mit aller obrigkeit gebot und verbott“ an Martin von Hattenbach.

Als sich um 1554 in der Region um Kirchheim die Reformation durchsetzte, war die ehemalige Kirche der Herren von Reckerode bereits Eigentum der Bürger geworden.

Die Adeligen von Reckerode starben im Jahr 1727 im Mannesstamm aus.[3]

Im Jahr 1747 kam der Ort zur Pfarrei Kirchheim. Um 1800 bekam die Kirche ein neues klassizistisches Kirchenschiff und der Turm bekam eine neue Haube.[4]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Reckerode zum 1. August 1972 kraft Landesgesetz in die Gemeinde Kirchheim eingegliedert.[5][6] Für Reckerode, wie für alle bei der Gebietsreform nach Kirchheim eingegliederten Gemeinden sowie für die Kerngemeinde, wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[7]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Reckerode lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1610, vor dem Dreißigjährigen Krieg, gab es 35 Haushalte, zehn Jahre nach Kriegsbeginn 1628 wurde die gleiche Anzahl der Haushalte beurkundet. Nach dem Krieg, im Jahr 1673, gab es noch 9 Haushalte und um 1747 gab es wieder 25 Familien. Bei der ersten Volkszählung im Jahr 1830 hatte der Ort 211 Einwohner.[11]

Reckerode: Einwohnerzahlen von 1830 bis 2015
Jahr  Einwohner
1830
  
211
1834
  
217
1840
  
113
1846
  
245
1852
  
229
1858
  
267
1864
  
246
1871
  
219
1875
  
219
1885
  
220
1895
  
223
1905
  
222
1910
  
222
1925
  
232
1939
  
204
1946
  
309
1950
  
338
1956
  
245
1961
  
230
1967
  
207
1970
  
217
1982
  
209
1990
  
?
2000
  
?
2006
  
167
2010
  
156
2011
  
153
2015
  
154
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1982:[11]; Zensus 2011[12]
Ab 2006 Daten jeweils zum Stichtag 31. Dezember des jeweiligen Jahres ohne Nebenwohnsitze[2]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Reckerode 152 Einwohner. Darunter waren 3 (2,0 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 66 zwischen 18 und 49, 39 zwischen 50 und 64 und 30 Einwohner waren älter.[12] Die Einwohner lebten in 51 Haushalten. Davon waren 6 Singlehaushalte, 15 Paare ohne Kinder und 27 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 6 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 27 Haushaltungen lebten keine Senioren.[12]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1885: 215 evangelische (= 100 %) Einwohner[1]
• 1961: 203 evangelische (= 88,26 %), 25 katholische (= 10,87 %) Einwohner[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmale des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Reckerode.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Backhaus mit der gleichnamigen Bushaltestelle an der L 3159 in der Dorfmitte

Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3159, die von Kirchheim über die „Lange Heide“ nach Bad Hersfeld führt. Die Kreisstraße 36 verbindet Reckerode direkt mit dem westlichen Nachbarort Goßmannsrode.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) gewährleistet. Die Buslinie 380 hält auf seinem Weg zwischen Kirchheim und Bad Hersfeld an der Haltestelle Backhaus. Weiterhin hält hier der Bürgerbus, der werktags auf seinem Weg von Bad Hersfeld nach Kirchheim durch den Ort kommt. Hier verkehrt auch das Anrufsammeltaxi.

Nur wenige hundert Meter westlich, oberhalb der Ortslage, führt die Bundesautobahn 7 über die Krämerskuppe. Durch diesen Berg führt auch die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg mit dem Krämerskuppetunnel und die südlich davor liegende Wälsebachtalbrücke, die beide zum Teil innerhalb der südlichen und westlichen Ortsteilgemarkung liegen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Fiehler (1858–1945), Baptistenpastor und Pionier der baptistischen Bewegung in Bayern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Breitbart: Geschichte und Geschichten Kirchheimer Dörfer, mit Pfarrergeschichte, Konvents- und Visitationsprotokollen und Einzelbetrachtungen. Kirchheim 1993
  • Literatur über Reckerode nach Register In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Reckerode, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen. (PDF; 139 kB) In: Webauftritt. Gemeinde Kirchheim, abgerufen im Oktober 2020.
  3. Peter Roßkopf: Sechs Jahrhunderte prägten das Gesicht von Reckerode in "Geschichte und Geschichten Kirchheimer Dörfer", Seite 212 bis 215
  4. Reckeröder Kirchenbau in "Geschichte und Geschichten Kirchheimer Dörfer", Seite 206
  5. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hersfeld und Rotenburg (GVBl. II 330-13) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 217, § 13 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 397.
  7. Hauptsatzung. (PDF; 26 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Kirchheim, abgerufen im Oktober 2020.
  8. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 79 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.
  11. a b Gemeindevorstand Kirchheim (Hrsg.): 1200 Jahre Kirchheim. Bad Hersfeld 1983
  12. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 18 und 74;.