Regula Lüscher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Regula Lüscher (2009)

Regula Lüscher (* 9. Oktober 1961 in Basel) ist eine Schweizer Architektin und Stadtplanerin. Sie ist Senatsbaudirektorin von Berlin im Range einer Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Seit 2016 besitzt Lüscher auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Matura, die sie 1980 in Basel absolvierte, studierte sie Architektur an der ETH Zürich. Danach arbeitete sie in einem Zürcher Architekturbüro und daraufhin im Atelier von Adolf Krischanitz in Wien. 1989 bis 1998 führte sie zusammen mit Patrick Gmür ein eigenes Architekturbüro in Zürich.

1998 verliess sie das Büro und wechselte in die Verwaltung: Sie arbeitete für das Amt für Städtebau der Stadt Zürich – zuerst als Bereichsleiterin „Architektur und Städtebau“, ab 2000 als Gesamtleiterin Stadtplanung und von 2001 bis 2007 als stellvertretende Direktorin. Dort entwickelte sie unter anderem das Gewerbeareal Zürich West zu einem neuen Wohn- und Dienstleistungsviertel.

Seit dem 1. März 2007 war sie Senatsbaudirektorin im Rang einer Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Sie wurde damit Nachfolgerin von Hans Stimmann. Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer holte Lüscher aus Zürich, weil sie sich im dortigen Städtebauamt „als fachlich kompetent bewiesen“ und einen „exzellenten Ruf“ erworben habe. Der ihr nachfolgende Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, im Senat Wowereit IV, Michael Müller, hatte Lüscher als eine der wenigen Staatssekretärinnen als Senatsbaudirektorin im Amt bestätigt und auch dessen Nachfolger Andreas Geisel im Senat Müller I setzte die Zusammenarbeit mit ihr fort. Auch im neuen rot-rot-grünen Berliner Senat von 2016 behält sie dieses Amt unter Senatorin Katrin Lompscher (Die Linke).[1]

2011 wurde Regula Lüscher von der Universität der Künste Berlin (UdK) zur Honorarprofessorin ernannt. Die Ernennung wurde mit der großen Expertise, der Kompetenz und der hervorragenden Vernetzung im Bereich Städtebau begründet.[2]

Regula Lüscher ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA) sowie in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).

Regula Lüscher, die in Berlin-Wilmersdorf wohnt, ist seit dem 5. Januar 2013 mit einem Schweizer verheiratet, der in der Schweiz lebt.[3]

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989–2007: Lehrtätigkeit für Architektonischen Entwurf und Städtebau an der ETH Zürich und verschiedenen Fachhochschulen in der Schweiz
  • 2012: Honorarprofessorin an der Universität der Künste Berlin, Fachgebiet Stadterneuerung

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regula Lüscher steht – ganz in der Tradition der ETH Zürich – für eine Stadtgestaltung, die sich am Bauhaus bzw. dem Neuen Bauen der Mitte des 20. Jahrhunderts orientiert. Historische Bezüge zu Bautraditionenen und die Kontextualisierung zum Stadtbild vor dem Zweiten Weltkrieg sowie Rekonstruktionen lehnt sie weitgehend ab. So setzte sie als Preisrichterin eine minimalistisch reduzierte Umfeldgestaltung für das Humboldt Forum durch, die auf die zum Teil noch vorhandenen historischen Elemente (Neptunbrunnen, Skulpturen, Terrassen) völlig verzichtet, sondern im Wesentlichen aus einer durchgehend gepflasterten Fläche besteht.[4][5][6] Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass das Schloss als „Projekt des 21. Jahrhunderts“ erkennbar gemacht und außerdem ausreichend Parkflächen für Reisebusse aufweisen müsse.[7]

Kritik zog Regula Lüscher auch durch die Arbeitsweise des von ihr geleiteten Baukollegiums auf sich. Die Entscheidungswege seien „intransparent“ bzw. fänden im „Halbdunkel“ statt[8] und liefen im Ergebnis stets auf die gleichen, von Regula Lüscher bevorzugten Architekten hinaus.[9][10] Eine Publikation des Senats von Berlin zieht allerdings eine positive Zwischenbilanz über das Baukollegium.[11]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regula Lüscher (Hrsg.): »... ganz große Oper eben!« Die Staatsoper Unter den Linden von 2010 bis 2017. Eine Dokumentation. DOM publishers, Berlin, 2017, ISBN 978-3-86922-502-9.
  • Regula Lüscher (Hrsg.): Baukollegium Berlin, Beraten, vermitteln, überzeugen in einem komplexen Baugeschehen (Autoren Sonja Beeck, Martin Peschken, Jürgen Willinghöfer) Jovis Verlag, Berlin, 2016, ISBN 978-3-86859-441-6.
  • Kristin Feireiss, Oliver G. Hamm in Kooperation mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Regula Lüscher (Hrsg.): Transforming Cities, Urban Interventions in Public Space, Jovis Verlag, Berlin, 2015, ISBN 978-3-86859-337-2
  • Kristien Ring in Kooperation mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Regula Lüscher (Hrsg.): Urban Living, Strategien für das zukünftige Wohnen, Jovis Verlag, Berlin, 2015, ISBN 978-3-86859-331-0.
  • Franz Eberhard, Regula Lüscher (Hrsg.): Zürich baut. Konzeptioneller Städtebau (Autoren Angelus Eisinger und Iris Reuther) Birkhäuser, Basel 2007, ISBN 978-3-7643-7996-4.

Gremien, Aufsichtsräte und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Baukollegium Berlin, Vorsitzende
  • Landesdenkmalrat, Berlin
  • Mitglied in zahlreichen Preisgerichten für städtebauliche und architektonische Wettbewerbe

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regula Lüscher bleibt im Amt! In: B.Z. 6. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  2. Regula Lüscher in „Senatsbaudirektorin Regula Lüscher wird Honorarprofessorin der Universität der Künste Berlin“, Medienmitteilung UDK, 20. Dezember 2011
  3. Aufruf vom 15. Dezember 2014: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/weihnachten-in-berlin/article135377956/Regula-Luescher-feiert-ihr-persoenliches-Fest-der-Ringe.html
  4. Pressemitteilung: Freiraumwettbewerb Umfeld Humboldt-Forum entschieden. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 16. Januar 2013, abgerufen am 18. November 2016 (deutsch).
  5. Manfred Rettig: Der Neptunbrunnen gehört vor das Schloss. Wilhelm v. Boddien, Förderverein Berliner Schloss e.V., abgerufen am 18. November 2016.
  6. Thomas Loy: Überall Kopfsteinpflaster: So sieht der neue Schlossplatz aus. Tagesspiegel, 12. Juni 2015, abgerufen am 18. November 2016 (deutsch).
  7. Wilhelm von Boddien: Busbahnhof Berliner Schloss. Förderverein Berliner Schloss e.V., September 2016, abgerufen am 18. November 2016 (deutsch).
  8. Hans Kollhoff: "Wir brauchen eine neue Karl-Marx-Allee". Tagesspiegel, 30. März 2016, abgerufen am 18. November 2016 (deutsch).
  9. Ralf Schönball: Die Baufrau von Berlin. Regula Lüscher will auch nach der Wahl Senatsbaudirektorin bleiben. Viele schätzen sie – und beklagen dennoch fehlenden Mut bei Neubauten. Tagesspiegel, 26. Juni 2016, abgerufen am 18. November 2016 (deutsch).
  10. Andreas Kilb: Stadtplanung in Berlin: Die Hüterin der Brachen. Die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat keine Vision für die Zukunft der Stadt. Lieber will sie die architektonische Hinterlassenschaft der DDR konservieren. Hrsg.: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. April 2013, S. Feuilleton, Seite 24.
  11. Jürgen Tietz: "Das Berliner Baukollegium. Stadtkultur als Diskussionskultur". Neue Zürcher Zeitung, NZZ, 5. April 2017, abgerufen am 5. April 2017 (deutsch).