René Girard (Fußballspieler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
René Girard

René Girard (2012)

Spielerinformationen
Geburtstag 4. April 1954
Geburtsort VauvertFrankreich
Größe 178 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
0000–1972 Nîmes Olympique
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1972–1980
1980–1988
1988–1991
Nîmes Olympique
Girondins Bordeaux
Nîmes Olympique
202 (27)
240 (17)
92 0(5)
Nationalmannschaft
1981–1982 Frankreich 7 0(1)
Stationen als Trainer
1991–1992
1994
1996–1997
1998
1998–2002
2002–2003
2003–2004
2004–2008
2009–2013
2013–2015
2016
Nîmes Olympique
Nîmes Olympique
FC Pau
Racing Straßburg
Frankreich (Co-Trainer)
Frankreich U-19
Frankreich U-16
Frankreich U-21
HSC Montpellier
OSC Lille
FC Nantes
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

René Girard (* 4. April 1954 in Vauvert, Département Gard) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler und heutiger -trainer.

Der Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

René Girard stammt aus dem Languedoc. Er spielte schon als Jugendlicher bei Nîmes Olympique, dessen Trainer Kader Firoud den 18-jährigen Mittelfeldspieler erstmals in der Saison 1972/73 in der Erstligaelf einsetzte. Unter Firoud, der schon bald nicht mehr auf Girards Mitwirkung verzichten wollte, „entwickelte er sein fußballerisches Rüstzeug“.[1] Der Klub gehörte in dieser Zeit allerdings nicht mehr zu den Spitzenteams der Division 1 und belegte meist nur noch einen Platz in der Tabellenmitte.

1980 unterschrieb Girard einen Vertrag bei den Girondins Bordeaux. Dort etablierte er sich als „Wasserträger“ mit großem Aktionsradius an der Seite des Mittelfeldregisseurs Jean Tigana ebenfalls in der Stammelf, allerdings mit dem Unterschied, dass er in Bordeaux auch maßgeblich dazu beitragen konnte, in Meisterschaft und Pokal die Titel zu gewinnen, die ihm in Nîmes versagt geblieben waren. Girard, „athletisch, technisch gut ausgestattet und immer auf das mannschaftliche Zusammenwirken bedacht“,[1] wurde schnell fester Bestandteil des Teams, zu dem in der Abwehr Marius Trésor, Gernot Rohr und etwas später Patrick Battiston, im Mittelfeld neben Tigana auch Alain Giresse gehörten. Sein Trainer Aimé Jacquet verzichtete ab 1981 nur noch dann auf Girard, wenn dieser verletzt war. Dazu zählten auch die regelmäßigen Auftritte in den Europapokalwettbewerben, in denen die Bordelais ab 1981 jährlich vertreten waren.

Nur gut ein Jahr nach seinem Wechsel wurde er auch erstmals in die Nationalelf berufen. Im Verein wurde er nach einer Vizemeisterschaft 1983 mit seinem Team 1984 und 1985 französischer Meister, gewann 1986 den Landespokal und schaffte 1987 den Gewinn beider großer Wettbewerbe, der in Frankreich als Doublé bezeichnet wird. Ein Jahr später beendete er, noch einmal Vizemeister geworden, seine Zeit bei Girondins Bordeaux und kehrte nach 16 Erstligaspielzeiten zum inzwischen zweitklassigen Nîmes Olympique zurück, für das er noch drei Jahre spielte. Girard war 1991 auch noch an dessen Rückkehr in die Division 1 beteiligt, bevor er, 37-jährig, auf die Trainerbank wechselte.

Der Nationalspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

René Girard hat zwischen Oktober 1981 und Juli 1982 sieben Länderspiele für die Équipe tricolore bestritten. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien gehörte er zum französischen Aufgebot und bestritt fünf der sieben Begegnungen; allerdings wurde er dreimal (darunter das Zwischenrundenspiel gegen Österreich) erst in den allerletzten Minuten eingewechselt und fehlte beim Halbfinale gegen Deutschland ganz. Sein einziges Länderspieltor gelang ihm dann im Spiel um Platz 3; dieser frühe Führungstreffer konnte die 2:3-Niederlage gegen Polen aber auch nicht verhindern.

Der Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon wenige Monate nach seinem letzten Spiel in der Ligaelf sprang René Girard im November 1991[2] als Cheftrainer bei Nîmes Olympique ein und half entscheidend beim Klassenerhalt mit. Anschließend schien er sich aus dem Ballsport zurückziehen zu wollen und eröffnete einen kleinen Laden für Zeitungen und Tabakwaren in Nîmes. Diese Zeit nutzte er auch, um sein Trainerdiplom zu erwerben. Ende 1994 half er, erneut nur kurzzeitig, wieder als Trainer bei Nîmes aus. In der Saison 1996/97 wurde er dann Cheftrainer beim viertklassigen Amateurclub FC Pau. Dort blieb er bis Dezember 1997, ehe er für die Rückrunde der Saison 1997/98 beim Erstligisten Racing Strasbourg erneut den Klassenerhalt sichern half.

Nach dem erstmaligen WM-Gewinn Frankreichs war er von 1998 bis 2002 Co-Trainer der französischen Nationalelf unter Roger Lemerre und übernahm nach dessen Rücktritt die Leitung der französischen U19- (2002/03), anschließend ein Jahr lang der U16- und danach von 2004 bis 2008 der U21-Nationalmannschaft, genannt Espoirs. Mit Letzterer stieß er im Sommer 2006 bei der Europameisterschaft in Portugal nach gegentorlosen Siegen über den Gastgeber, die deutschen und die serbischen Junioren ins Halbfinale vor, in dem die Niederlande mit 3:2 nach Verlängerung das bessere Ende für sich hatten.

Als er im April 2008 vom französischen Verband durch Erick Mombaerts ersetzt und stattdessen mit der U-18 betraut werden sollte, beendete er sein Engagement für den Verband. Nach einem Jahr der Suche[3] übernahm er elf Jahre nach seiner letzten Vereinsstation die Erstligaelf des Aufsteigers HSC Montpellier. Diese führte er 2011 in das schließlich verlorene Endspiel des Ligapokals und nur ein Jahr nach knapp erreichtem Klassenerhalt im Mai 2012, zur großen Überraschung der Fachwelt, erstmals in der Vereinsgeschichte zum Gewinn des Französischen Meistertitels.[4]

René Girard beim OSC Lille (2014)

Ab 2013 trainierte er den OSC Lille,[5] den er in der Saison 2013/14 hinter den deutlich finanzstärkeren Paris SG und AS Monaco auf den dritten Rang im Endklassement führte. Dennoch musste er sich bald mit der Kritik auseinandersetzen, gerade der LOSC spiele extrem defensiv und unattraktiv; so gab es häufige 1:0-Siege. Girard entgegnete, dass Lille „in England Beifall für seine Spielweise“ erhielte.[6] Zum Ende der Spielzeit 2014/15 löste Lille, nur noch auf dem achten Platz der Tabelle, den Vertrag mit Girard „im Einvernehmen mit dem 61-jährigen Coach“ auf.[7] Nach einem Jahr Pause übernahm er zur Saison 2016/17 die Cheftrainerposition beim FC Nantes in der Nachfolge von Michel Der Zakarian;[8] den Zweijahresvertrag kündigte sein Verein allerdings bereits nach fünf Monaten nach einer 0:6-Heimniederlage gegen Olympique Lyon und dem Sturz auf den vorletzten Tabellenplatz.[9]

Girards Temperament und Engagement brachten ihn wiederholt mit Schiedsrichtern in Konflikt. So wurde er seit 2009 bereits in sieben Punktspielen auf die Tribüne verbannt.[10]

Wichtige Daten und Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: René Girard – Sammlung von Bildern

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Denis Chaumier: Les Bleus. Tous les joueurs de l’équipe de France de 1904 à nos jours. Larousse, o.O. 2004, ISBN 2-03-505420-6, S. 140
  2. a b Datenblatt bei footballdatabase.eu
  3. France Football vom 19. August 2008, S. 39
  4. France Football vom 15. Mai 2012, S. 11 und 17f.
  5. René Girard, nouvel entraîneur du LOSC. Mitteilung des OSC Lille, 14. Juni 2013, abgerufen am 15. Juni 2013 (französisch).
  6. Interview mit René Girard in France Football vom 14. Oktober 2014, S. 37
  7. Ligue 1: OSC Lille trennt sich von Trainer Rene Girard. Sport1.de, 19. Mai 2015.
  8. Artikel „René Girard der Presse vorgestellt“ vom 17. Mai 2016 bei francefootball.fr
  9. Meldung „René Girard ist nicht länger Nantes' Trainer“ vom 2. Dezember 2016 bei lequipe.fr
  10. France Football vom 4. März 2015, S. 14
  11. Datenblatt bei L'Équipe
  12. Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o.J.; gibt 45 Treffer an.