Reservoir Dogs – Wilde Hunde

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Filmdaten
Deutscher TitelReservoir Dogs – Wilde Hunde
OriginaltitelReservoir Dogs
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1992
Länge95 Minuten
AltersfreigabeFSK 18[1]
Stab
RegieQuentin Tarantino
DrehbuchQuentin Tarantino
ProduktionLawrence Bender
MusikKaryn Rachtman
KameraAndrzej Sekuła
SchnittSally Menke
Besetzung
Synchronisation

Reservoir Dogs – Wilde Hunde ist der erste Kinofilm des Regisseurs Quentin Tarantino aus dem Jahr 1992. Als Heist-Movie erzählt er die Geschichte eines missglückten Raubüberfalls. Tarantino hat im Film eine kleine Nebenrolle als Mr. Brown.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Acht Männer, die einander zum großen Teil nicht kennen, sitzen in einem Restaurant. Sie unterhalten sich angeregt und streiten über verschiedene Themen, unter anderem über Madonnas Lied Like a Virgin und darüber, ob es sinnvoll ist, im Restaurant ein Trinkgeld zu geben. Bis auf den Verbrecherboss Joe Cabot und seinen Sohn „Nice Guy“ Eddie Cabot benutzen alle Decknamen, die nach Farben benannt wurden. Ein geplanter Überfall wird erwähnt.

In der nächsten Szene nach dem Vorspann fahren zwei der Männer in einem Auto. Einer der beiden – mit dem Decknamen Mr. Orange – liegt schwer verletzt auf dem Rücksitz, er blutet aus einer Schusswunde am Bauch. Sein Mitstreiter Mr. White sitzt am Steuer und versucht, ihn zu beruhigen. Sie fahren zu einem Treffpunkt, einem Lagerhaus, wo ihnen der kurz danach eintreffende Mr. Pink klarmacht, dass ihr gerade begangener Raubüberfall auf einen Diamantenhändler an die Polizei verraten wurde – einer aus der Bande müsse also ein Maulwurf sein. Mr. Pink beschreibt, wie er sich den Weg freigeschossen hat. Außerdem wird erwähnt, dass Mr. Brown tot sei. In einer Rückblende erfährt man, dass Mr. White und Joe Cabot sich lange kennen und dass Mr. White Joe vertraut.

Der psychopathische Mr. Blonde, durch dessen Schuld der Überfall zu einem Blutbad wurde, stößt ebenfalls zum Treffpunkt. Er trifft gerade in dem Moment ein, als sich Mr. White und Mr. Pink mit ihren Waffen bedrohen. Auch der anschließende Dialog zwischen Mr. White und Mr. Blonde führt fast zu einer gewaltsamen Eskalation. Mr. Blonde hat im Kofferraum seines Wagens einen gefesselten Polizisten mitgebracht. Dieser wird brutal ins Lagerhaus gezerrt und dort von den drei unverletzten Gangstern zusammengeschlagen.

Eddie, der Sohn des Auftraggebers Joe, kommt hinzu und fährt mit Mr. White und Mr. Pink die verdächtigen Autos weg. Mr. Blonde beginnt derweil damit, den gefangenen Polizisten namens Marvin Nash, den er an einen Stuhl gefesselt hat, zu foltern, während Mr. Orange anscheinend bewusstlos daneben liegt. Mr. Blonde schneidet dem Polizisten mit einem Rasiermesser das Ohr ab, übergießt ihn mit Benzin und will ihn gerade anzünden, als Mr. Blonde von Mr. Orange erschossen wird, der eben erst wieder zu Bewusstsein gekommen ist. Damit ist klar, dass Mr. Orange der Informant ist.

Mr. Orange erinnert sich in Form einer Rückblende, wie er seinen Vorgesetzten davon berichtet, dass er Kontakt zu einer Verbrecherbande aufgenommen und wie er sich auf die Zusammenarbeit vorbereitet hat. Dabei wird deutlich, warum die Bande Aliasnamen verwendet: Der Organisator Joe Cabot stellte das Team zusammen und wollte nicht, dass die Gangster sich untereinander kennenlernen und einander später verraten können.

Eddie, Mr. Pink und Mr. White kehren zurück. Eddie erschießt den gefolterten Polizisten. Die drei wollen von Mr. Orange eine Erklärung für den Tod von Mr. Blonde, und Mr. Orange behauptet, dass Mr. Blonde die ganze Bande verraten wollte. Eddie, der ein enger Freund von Mr. Blonde war und tief in dessen Schuld stand, glaubt Mr. Orange nicht und steht kurz davor, ihn zu ermorden.

Nun tritt auch Joe Cabot auf und beschuldigt ebenfalls Mr. Orange, der Spitzel zu sein. Er teilt den anderen mit, dass Mr. Blue tot sei. Cabot richtet seine Waffe auf Mr. Orange. Mr. White glaubt aber nicht an die Schuld von Mr. Orange und nimmt seinerseits Joe ins Visier. Eddie zielt daraufhin auf Mr. White, und der Mexican standoff ist perfekt. Als alle drei schießen, erwischt Mr. White sowohl Eddie als auch Joe, wobei Mr. White sich als einziger nach dem Schusswechsel noch schwer verwundet bewegen kann. Mr. Pink versteckt sich während des Schusswechsels unter der Rampe und verlässt danach die Örtlichkeit mit der Beute, wird aber vor der Halle von der Polizei überwältigt. Während der schwer verwundete Mr. Orange dem sterbenden Mr. White seine Spitzeltätigkeit gesteht, worauf Mr. White ihm seine Pistole an den Kopf hält, stürmt die Polizei das Lagerhaus und fordert ihn auf, seine Waffe zu senken. Die Kamera zeigt weiterhin nur Mr. Whites Gesicht. Danach hört man erst einen einzelnen Schuss und dann eine ganze Salve. Mr. White fällt zu Boden.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein stellenweise furios inszeniertes, glänzend gespieltes pessimistisches Drama um Vertrauen und Verrat, das ebenso konsequent wie krass Gewalt und ihre Folgen vor Augen führt.“

„Die Haltung des Films zu seinen Charakteren ist die eines mitleidenden Forschers und Arrangeurs, dem die Fragen nach Moral, Message und nach dem crime doesn’t pay, das sich formell durchsetzt, nur ein Achselzucken entlockt. Ob versierte Hermeneuten darin einen Kommentar zum amerikanischen Stand der Dinge entschlüsseln, das ist zweitrangig gegenüber dem Furor, der schauspielerischen Brillanz und der unbändigen Kraft dieses Debüts.“

Metzlers Filmlexikon

Hintergrundinformationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charakteristisch für den Film ist, dass die einzelnen Szenen nicht chronologisch angeordnet sind. So wird in Rückblenden beispielsweise die Planung des Überfalls gezeigt, außerdem die Vorbereitung von Mr. Orange auf seinen Undercover-Einsatz. Die szenische Darstellung des eigentlichen Überfalls fehlt ganz, sein Ablauf wird nur in einer Art Botenbericht aus der Erzählung der Handelnden deutlich. Tarantino benutzt diese Mittel gezielt zur besseren Zeichnung der Figuren.
  • Das Drehbuch ist sehr dialogorientiert. Ein Großteil des Films spielt in einem verlassenen Lagerhaus, die Produktionskosten konnten daher sehr gering gehalten werden. Ein weiteres Merkmal sind die für Tarantino-Filme bekannten Wortgefechte, die zum Teil nicht direkt zum Handlungsverlauf beitragen, sondern der Charakterzeichnung dienen. Die Wortgefechte besitzen oft eine eigene Komik, beispielsweise eine Diskussion über das Lied Like A Virgin von Madonna.
  • Auffällig ist auch die musikalische Untermalung des gesamten Films mit Liedern aus den 1970ern. Außerdem wurde der legendäre Wilhelmsschrei (unter anderem bekannt aus Krieg der Sterne und Indiana Jones) verwendet. Man hört ihn während der Flucht von Mr. Pink vor der Polizei.
  • Die Idee mit den Farb-Pseudonymen übernahm Tarantino aus dem Gangsterfilm Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 aus dem Jahr 1974.[3]
  • Auch sind Einflüsse aus Ringo Lams City on Fire, Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf und Phil Karlsons Der vierte Mann (Kansas City Confidential) zu erkennen.
  • Auf der englischen Originaltonspur war die Marihuana-Dürre im Jahr 1986 und nicht 1968 wie in der deutschen Synchronisation.
  • Es existiert auch ein gleichnamiges Videospiel zum Film, das 2006 von Eidos Interactive für PlayStation 2, Windows PC und Xbox veröffentlicht wurde. Wegen zum Teil drastischer Gewaltdarstellungen wurde das Spiel in Australien und Neuseeland nicht für den Verkauf zugelassen.[4]
  • Der Film kostete 1,2 Millionen US-Dollar und spielte ca. 2,8 Millionen ein.[5]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der indische Spielfilm Kaante aus dem Jahr 2002 ist ein Remake von Reservoir Dogs, der auch Elemente von Die üblichen Verdächtigen und Heat enthält. Tarantino soll über Kaante gesagt haben, dass dies sein Lieblingsabklatsch von Reservoir Dogs sei.[6]
  • Im Jahr 2011 erschien die US-amerikanische Porno-Parodie Rezervoir Doggs, die sich in freier Interpretation an der Vorlage bedient. Als Darsteller waren u. a. Amber Rayne und Andy San Dimas sowie Tom Byron beteiligt
  • Der britische Fernsehserie Coupling persifliert die Anfangsszene von Reservoir Dogs in ihrer Episode Sex, Death & Nudity (2000).
  • Der Titel des Filmes geht auf den Film Au revoir les enfants zurück, als dieser von einem des Französischen unkundigen Kunden der Videothek zu Reservoir Dogs verballhornt wurde.[7]
  • Das Lagerhaus, in dem sich die meisten Szenen des Films abspielen, war in Wirklichkeit eine alte, unbenutzte Leichenhalle. In der Szene, in der Harvey Keitel sich das Gesicht wäscht, kann man Einbalsamierungsflüssigkeit in Kanistern erkennen. Das Lagerhaus wurde mittlerweile abgerissen.[8]
  • Die Wohnung von Tim Roth’s Charakter Mr. Orange befindet sich in demselben Lagerhaus im ersten Stock.[8]
  • Auf der Suche nach Produzenten, die den Film finanzieren sollten, bekamen Tarantino und Bender ungewöhnliche Angebote. Ein Produzent bot beiden an, den Film mit 1,6 Millionen Dollar zu finanzieren, aber nur dann, wenn Tarantino und Bender sich bereit erklären sollten, das Ende des Films zu ändern: Alle Beteiligten, die tot waren, sollten wiederauferstehen und die Ereignisse im Film als Hoax bzw. Inszenierung erklären. Ein anderer Produzent versprach, 500.000 Dollar zur Verfügung zu stellen, wenn seine Freundin die Rolle des Mr. Blonde übernehmen dürfe.[8]
  • Edward Bunker, der im Film die kleine Nebenrolle des Mr. Blue übernimmt, war im echten Leben tatsächlich Bankräuber (unter anderem). Später wurde er Autor und Schauspieler und konnte seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen.[8]
  • Die Bar, in der Mr. Orange seine Geschichte über einen Rauschgift-Deal erzählt, ist in Wirklichkeit eine Schwulenbar in North Hollywood und trägt den Namen The Lodge.
  • Mr. Blonde heißt im Film bürgerlich Vic Vega. Den gleichen Nachnamen trägt eine Figur aus Tarantinos nächstem Film Pulp Fiction: Der von John Travolta verkörperte Vincent Vega. Über ein mögliches Verwandtschaftsverhältnis wird in den Filmen nichts ausgesagt, jedoch hat Tarantino in Interviews angedeutet, dass es sich bei Vic und Vincent um Brüder, möglicherweise sogar um Zwillinge, handele. Seit Jahren kursieren Gerüchte um ein Filmprojekt über die Vega-Brüder.[9] Außerdem wird in beiden Filmen eine Krankenschwester namens Bonnie erwähnt, die aber in Reservoir Dogs gar nicht und in Pulp Fiction nur einmal kurz von hinten gezeigt wird. Bei ihr handelt es sich vermutlich um dieselbe Person.
  • Die Szene, in der Mr. Blonde dem Polizisten ein Ohr abschneidet, wurde durch den Italowestern Django (1966) inspiriert.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1992.[10]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Mr. White/Larry Dimmick Harvey Keitel Fred Maire
Mr. Orange/Freddy Newendyke Tim Roth Torsten Sense
Mr. Blonde/Vic Vega Michael Madsen Manfred Lehmann
Mr. Pink Steve Buscemi Udo Schenk
Nice Guy Eddie Chris Penn Tobias Meister
Mr. Brown Quentin Tarantino Andreas Hosang
Mr. Blue Edward Bunker Thomas Kästner
Marvin Nash Kirk Baltz Patrick Winczewski
K-Billy DJ Steven Wright Hubertus Bengsch
Holdaway Randy Brooks Ronald Nitschke
Anekdote erzählender Sheriff Rich Turner Jörg Hengstler

Am 7. Mai 2009 erfolgte nach 17 Jahren durch den Sender WDR die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reservoir Dogs: Original Motion Picture Soundtrack war der erste Soundtrack zu einem Film von Quentin Tarantino. Dieser Soundtrack definierte die Struktur seiner späteren Soundtracks, wie die Verwendung von Dialogauszügen aus seinen Filmen. Der Soundtrack besteht aus einer Auswahl von Songs aus den 1970ern. Der Radiosender „K-Billy’s Super Sound der Siebziger“ spielt eine herausragende Rolle in dem Film. Als DJ für dieses Radio wurde Steven Wright ausgewählt, ein Komiker, der für seine ausdruckslose Lieferung von Witzen bekannt ist.

Eine Besonderheit der Filmmusik war die Auswahl der Stücke. Laut Tarantino ist die Musik ein Kontrapunkt zu der Gewalt und Action im Film. Er wollte für den Film ein 1950er-Feeling mit der 1970er Musik erzeugen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Folter-Szene zur Melodie von Stuck in the Middle With You. Folgende Lieder sind auf dem Soundtrack enthalten:

  1. And Now Little Green Bag… (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:15
  2. Little Green Bag von The George Baker Selection – 3:15
  3. Rock Flock of Five (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:11
  4. Hooked on a Feeling von Blue Swede – 2:53
  5. Bohemiath (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:34
  6. I Gotcha von Joe Tex – 2:27
  7. Magic Carpet Ride von Bedlam – 5:10
  8. Madonna Speech (Dialogausschnitt mit Quentin Tarantino, Edward Bunker, Lawrence Tierney, Steve Buscemi und Harvey Keitel) – 0:59
  9. Fool for Love von Sandy Rogers – 3:25
  10. Super Sounds (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:19
  11. Stuck in the Middle von Stealers Wheel – 3:23
  12. Harvest Moon von Bedlam – 2:38
  13. Let’s Get a Taco (Dialogausschnitt mit Harvey Keitel und Tim Roth) – 1:02
  14. Keep on Truckin' (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:16
  15. Coconut von Harry Nilsson – 3:50
  16. Home of Rock (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:05

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Reservoir Dogs – Wilde Hunde. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2012 (PDF; Prüf­nummer: 68 384 V).
  2. Reservoir Dogs – Wilde Hunde. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins; abgerufen am 2. März 2017.
  3. The Taking of Pelham 123, review – The Taking of Pelham 123 is flashier but far less gritty than the 1974 original. – im Telegraph (engl.) (Memento vom 2. August 2009 im Internet Archive)
  4. EveryonePlays: Games Refused Classification in Australia, abgerufen am 16. Juli 2010
  5. Einspielergebnisse auf imdb.com (englisch)
  6. Tarantino likes the cop-y & robber tale. In: The Times of India, The Times Group, 11. Mai 2007. Abgerufen am 31. Januar 2015. 
  7. Quentin Tarantino: The Great Recycler
  8. a b c d 14 Colorful Facts About Reservoir Dogs auf mentalfloss.com
  9. Vega-Brothers-Rubrik auf www.everythingtarantino.com
  10. Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 304