Neuer Weg (Bayreuth)

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Alt und neu am Neuen Weg
Neuer Weg auf einem Stadtplan von 1854
Neue Kasernbrücke, Bahnhofstraße und Mainkaserne, um 1900
Bahnhofsplatz mit Fassadenkletterern an den Gebäuden der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken
Schulstraße mit dem ehemaligen Offenen Jugendzentrum, im Hintergrund die Christuskirche am Wilhelmsplatz
Altbauten am Wilhelmsplatz

Neuer Weg ist die historische Bezeichnung für die einstige Erweiterung der Stadt Bayreuth nördlich des Roten Mains.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Neuer Weg umfasste ursprünglich in etwa das Gebiet zwischen dem Fluss, der Friedrich-Puchta-Straße, der Carl-Schüller-Straße und der Bahnhofstraße. In diesem Artikel werden auch die angrenzenden Bereiche Bahnhofsviertel, Spinnereiviertel und das Gebiet um den Wilhelmsplatz behandelt.

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstadt Neuer Weg entstand vermutlich im 14. Jahrhundert.[1] Sie bot insbesondere für arme und sozial schwache Bevölkerungsgruppen Lebensraum. Die Bausubstanz war entsprechend wenig spektakulär. In der Flussaue gelegen war der Neue Weg stets hochwassergefährdet. Die Flutkatastrophen von 1907 und 1909 waren der Anlass für die zwischen 1913 und 1916 erfolgte Mainregulierung. Das Flussbett wurde verbreitert und kanalisiert. Mit dem Bau des Stadtkernrings verschwand es in den 1970er Jahren teilweise unter einer Betondecke, wobei die an der Stelle der Neuen Kasernbrücke 1904/05 erbaute Ludwigsbrücke abgerissen wurde.

Beim ersten Luftangriff auf die Stadt am 5. April 1945 war das Gebiet Ziel der US-amerikanischen Bombenabwürfe. Besonders der Bereich um den Wilhelmsplatz wurde im Zuge von zwei Angriffswellen um 10:30 und 11:30 Uhr stark zerstört, sieben Feuerwehrmänner kamen dort im Einsatz ums Leben. Auch in der Goethestraße, der Friedrich-von-Schiller-Straße und der Nibelungenstraße wurden ganze Häuserzeilen vernichtet,[2] ebenso das erste Bahnhofsgebäude aus den 1850er Jahren.

Das Kino Kammer-Lichtspiele existierte von 1925 bis 1997 in der Schulstraße 15.[3] Im Haus Schulstraße 26 befand sich von 1974 bis 1982 das Offene Jugendzentrum, eine Einrichtung, die von den dort verkehrenden Jugendlichen in Selbstverwaltung geführt wurde.[4]

Bahnhofsviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs stammt aus dem Jahr 1879, sein von der Post weiterhin genutzter Vorgänger fiel 1945 den Bomben zum Opfer. In der Bahnhofstraße etablierten sich zahlreiche Gaststätten und Hotels.

An der Bahnhofstraße (vor 1889 Jägerstraße)[5] wurde 1954 die Ruine des einst namengebenden, von Carl von Gontard erbauten, Jägerhauses abgetragen, womit, so der Stadthistoriker Bernd Mayer, die „zweite Zerstörung der Stadt begann“.[6] Südlich davon lag rechter Hand die Mainkaserne, die das Bombardement vom April 1945 nicht überstand. An deren Stelle befindet sich heute das 1959/60 errichtete Neue Kolpinghaus, das zwischenzeitlich als Hotel diente und mittlerweile eine Kindertagesstätte und Studentenwohnungen beherbergt. Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich seit 2011 die Leuchtinstallation Gluehwürmchen Feuersalamander des Künstlers Roland Schön.

Davor, auf dem einstigen Kasernenhof, wurde Anfang Juni 1959 der erste Verkehrskindergarten in Bayern eingeweiht.[7] Dort konnten Schulkinder in Tretautos und auf Fahrrädern „korrektes Verkehrsverhalten“ üben. Die mit asphaltierten Straßen, Verkehrszeichen, Markierungen und einer ampelgesicherten Kreuzung versehene Anlage musste im Zuge der Deckelung des Roten Mains Ende der 1960er Jahre Parkplätzen weichen.

Östlich davon war mit dem am 14. Dezember 1929 eröffneten Stadtbad das erste öffentliche Hallenbad entstanden. Neben der Schwimmhalle mit einem 25 mal 10 Meter großen Becken verfügte es eine Wannenbadabteilung sowie bereits damals über ein „römisch-irisches Bad“ mit Heißluftraum, Dampfraum und zwei Tauchbecken.[7] Von April 1945 bis November 1949 war das Bad geschlossen, da das Kesselhaus bei den Bombenangriffen beschädigt worden war.[8]

Erschlossen wurde das Bahnhofsviertel über die 1752 erbaute Neue Kasernbrücke, die den südlich des Roten Mains gelegenen Abschnitt der Jägerstraße (seit 1889: Luitpoldplatz) mit dem nördlichen (seit 1889: Bahnhofstraße) verband. 1904/1905 wich sie der Ludwigsbrücke, die bis 1968 bestand.[9] Heute befindet sich an der Stelle der Annecyplatz.

Wilhelmsplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wilhelmsplatz wurde in den 1880er Jahren angelegt und nach dem Deutschen Kaiser Wilhelm I. benannt.[10] In der Mitte des kreisrunden Platzes befand sich ein bepflanztes Rondell mit einer hohen Straßenlaterne. In der zweiten Kriegshälfte wurde an dessen Stelle ein Wasserbassin angelegt, das Löschwasser bei Bombenangriffen vorhalten sollte.[11] Der heute dort befindliche Brunnen stammt aus der Nachkriegszeit.

Der Platz war von mehrstöckigen Gebäuden im Wilhelminischen Stil gesäumt, von denen mehr als die Hälfte während der Bombenangriffe im April 1945 zerstört wurden. An der Nordostseite wurde an der Stelle eines Wohnhauses zwischen 1953 und 1956 eine protestantische Kirche errichtet. Bis dahin gehörte der Neue Weg zur Pfarrei Sankt Georgen, auch alle nördlich des Roten Mains Verstorbenen wurden im dortigen Friedhof bestattet. Die Christuskirche wurde mit ihren drei Türmen zu einem neuen Wahrzeichen des Viertels.[12]

Am Wilhelmsplatz kreuzen sich die Friedrich-von-Schiller-Straße und der Straßenzug Karl-Marx-Straße – Nibelungenstraße, nach Nordosten geht die Goethestraße ab.

Spinnereiviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spinnereiviertel verdankt seinen Ursprung der an seinem westlichen Rand gelegenen Neuen Baumwollen-Spinnerei von 1889, zu der sich 1894 eine weitere Spinnerei gesellte. Beide Betriebe sind mittlerweile erloschen, von den Gebäuden wurde lediglich eines erhalten, restauriert und umgenutzt. Dort und auf den freigewordenen Flächen haben sich Gewerbebetriebe und Arztpraxen angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptbahnhof

Verkehrsreichste Achsen sind die Bahnhofstraße – Bürgerreuther Straße und Casselmannstraße – Gutenbergstraße. Beide verlaufen in Nord-Süd-Richtung und werden von städtischen Buslinien bedient. Die einstige Hauptachse entlang der unteren Schulstraße und der Karl-Marx-Straße hat nur noch untergeordnete Bedeutung. Ost-West-Achse ist die Carl-Schüller-Straße von der Bahnhofstraße zum Berliner Platz.

Knotenpunkte im öffentlichen Verkehr sind der Hauptbahnhof mit seiner von zahlreichen Linien angefahrenen Bushaltestellenanlage. Am Bahnhofsplatz und in der nahen Goethestraße verkehren Buslinien des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) im Stadt- und Regionalverkehr. Mehrmals täglich halten auch Fernbusse verschiedener Unternehmen, vorwiegend in der Relation Berlin–München.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alliierten Bombenabwürfe von 1945 setzten dem Gebiet sehr zu. Abrisse und Neubauten in der Nachkriegszeit haben sein Aussehen zudem stark verändert.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt. Ellwanger, Bayreuth 2007, ISBN 978-3-925361-60-9, S. 120.
  2. Udo Meixner: 70 Jahre Kriegsende. Bayreuth und Umgebung. 1. Auflage. Nordbayerischer Kurier, Bayreuth 2015, ISBN 978-3-944791-53-1, S. 10 ff.
  3. Kammer-Lichtspiele bei allekinos.com, abgerufen am 30. November 2014
  4. „Wir waren eine Provokation“ im Nordbayerischen Kurier vom 30. Oktober 2014, S.11
  5. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 97
  6. Bernd Mayer: „Baudenkmäler – vernichtet für immer“ im Heimatkurier des Nordbayerischen Kuriers, 2/2005, S. 7
  7. a b Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 105
  8. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 106
  9. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 78 f
  10. Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z. Lexikon der Bayreuther Straßennamen. Rabenstein, Bayreuth 2009, ISBN 978-3-928683-44-9, S. 119.
  11. Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel. Ellwanger, Bayreuth 2003, ISBN 3-925361-47-2, S. 146.
  12. Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, S. 128
  13. Stadthaus an der Mainstraße feiert Richtfest in: Nordbayerischer Kurier vom 19. Mai 2015, S. 11