Türkische Botschaft Berlin

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TurkeiTürkei Türkische Botschaft in Deutschland
Türkiye Cumhuriyeti Berlin Büyükelçiliği
Logo
Staatliche Ebene bilateral
Stellung der Behörde
Botschaft
Bestehen seit vor 1871
Hauptsitz DeutschlandDeutschland Berlin
Botschafter Ali Kemal Aydin
seit Dezember 2016
Mitarbeiter 100
Website berlin.emb.mfa.gov.tr
Neubau der Türkischen Botschaft am alten Standort, rechts daneben die Italienische Botschaft

Die Türkische Botschaft Berlin (offiziell: Botschaft der Republik Türkei Berlin; Türkiye Cumhuriyeti Berlin Büyükelçiliği oder T.C. Berlin Büyükelçiliği) ist die diplomatische Vertretung der Republik Türkei in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2016 ist Ali Kemal Aydin als Botschafter der Republik Türkei akkreditiert.[1][2] Die Botschaft ist die größte Auslandsvertretung des Landes weltweit. Sie hat keine Konsular­abteilung; der Publikumsverkehr ist gering, da das örtliche Generalkonsulat für konsularische Angelegenheiten zuständig ist.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Botschaft

Das Gebäude in der Tiergartenstraße im Botschaftsviertel südlich des Tiergartens befindet sich am alten Standort der Vertretung, den die Botschaft von 1918 bis 1945 besaß. Es steht zwischen der Südafrikanischen und der Italienischen Botschaft.[3]

Geschichte der diplomatischen Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge liegen weit zurück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem frühen 16. Jahrhundert bestand eine Gesandtschaft der römisch-deutschen Kaiser an der Hohen Pforte, andere deutsche Staaten unterhielten diplomatische Beziehungen mit dem Osmanischen Reich in Form von Agenturen oder Konsulaten, die nach und nach zu akkreditierten Gesandtschaften umgewandelt wurden, wie Sachsen (ab 1712), Preußen (ab 1756) oder die freien Hansestädte (ab 1841).

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intensiviert wurden die gegenseitigen Beziehungen vor allem mit der Gründung des Deutschen Reiches ab 1871.

Der osmanische Diplomat hatte (unter anderem im Jahr 1890) seinen Wohn- und Arbeitssitz in Alt-Berlin, Gertraudenstraße 16.[4]

Später erwarb das Osmanische Reich ein Baugelände in Berlin-Tiergarten, Tiergartenstraße 19, und baute darauf nach heimischen Architektenentwürfen ihr Botschaftsgebäude. Dieses fiel in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs den Kriegshandlungen zum Opfer und wurde später aufgegeben. Die Ruine blieb stehen und wurde schrittweise von der Natur zurückerobert.

Als das Osmanische Reich zerfiel und im Jahr 1923 die Türkei gegründet wurde, bestanden dort weiterhin Botschaften des Deutschen Reiches.

Hauptartikel: Deutsche Botschaft Ankara

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In und nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren die diplomatischen Beziehungen jeweils unterbrochen (1918–1924 und 1944–1951).

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 kam es wieder zum Austausch von Diplomaten, kurzzeitig hatte der türkische Botschafter seinen Sitz in einem Kölner Hotel. Ab 1951 erfolgte ein Umzug in die damalige Bundeshauptstadt Bonn, wo die Vertretung, verbunden mit mehreren Umzügen, bis zum Jahr 1999 blieb.

Ab den 1970er Jahren bestand auch in der DDR-Hauptstadt, in Berlin-Mitte Schadowstraße 6, eine diplomatische Mission der Türkei. Diese befand sich ganz in der Nähe der damaligen US-Botschaft[5], in einem vom DDR-Architekten Roland Korn entworfenen Dienstleistungsgebäude für ausländische Vertretungen[6]. Der Baukomplex steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Der Regierungsumzug nach Berlin veranlasste die türkische Regierung, sich in der wiedergewonnenen deutschen Hauptstadt nach einem geeigneten Standort für ihre Diplomaten umzusehen. Die Kriegsruine in der Tiergartenstraße wurde in einigen Teilen wieder hergestellt und diente ab etwa 1991 als Konsulat in Berlin.

Im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Botschaftsgebäude konnte ein im Jahr 1999 im Auftrag einer Bank errichtetes Haus in der Rungestaße in Berlin-Mitte bezogen werden. Das Kanzleigebäude befand sich zu dieser Zeit gerade im Stadium der Fertigstellung, so dass die Innengestaltung eingepasst werden konnte und mit Einschränkungen auch die Sicherheitsanforderungen erfüllt wurden. Äußerlich unterschied sich das Kanzleigebäude jedoch nicht von einem üblichen Bürohaus und ließ seine Funktion nicht deutlich werden.[7] Es genügte auf Dauer den Ansprüchen der Diplomaten nicht, so dass ein Neubau auf dem Gelände des bisherigen Konsulats beschlossen wurde. Damit beanspruchte die Türkei den Grundbesitz ihrer früheren Botschaft in der Tiergartenstraße 19 und kaufte noch ein Nachbargrundstück hinzu. So entstand ein rund 9000 m² großes Grundstück im Tiergartenviertel, auf dem unter Einbindung von Teilen des alten Botschaftsgebäudes etwas Neues entstehen sollte.

Wettbewerb für ein neues Botschaftsgebäude und Bauarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2007 schrieb die Türkei einen Wettbewerb aus, zu dem 143 Beiträge eingingen, um am neuen Standort 6405 m² Nettonutzfläche ohne Verkehrsfläche zu schaffen.[8] Die noch bestehenden Kellerräume der alten Botschaft sollten integriert werden.[9] Der Gewinnerentwurf des Wettbewerbs sah einen Bau mit zwei viergeschossigen Flügelbauten und einem verbindenden Atrium vor.[8] Die beiden Flügel sollten laut den Architekten die Lage der Türkei auf zwei Kontinenten symbolisieren, ebenso wie die Mittlerposition zwischen Orient und Okzident. Der linke Flügel sollte traditionelle türkische, der rechte deutsche und Berliner Motive erhalten. Der Einbau einzelner Teile des Vorgängerbaus aus Bonn – wie beispielsweise der Eingangstür – war ebenso geplant wie die Verwertung von Resten des osmanischen Baus aus der Vorkriegszeit.[10][11] Aufgrund der Ähnlichkeiten mit dem Bundeskanzleramt, ebenfalls ein Bau mit zwei vorragenden Seitenflügeln und einem verbindenden Mittelteil, verspottete die Berliner Presse das Gebäude als „Bündüskünzlürümt“,[12] was wiederum für Verstimmungen bei einer türkischen Zeitung sorgte.[10]

Nach einigen Verzögerungen fand die Grundsteinlegung im Sommer 2011 statt, wobei nicht der Siegerentwurf umgesetzt wurde, sondern der drittplatzierte Entwurf.[13][14][15]

Das neue Botschaftsgebäude wurde mit einer Feier am 30. Oktober 2012, dem türkischen Nationalfeiertag, vom türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammen mit dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle und 2000 Gästen offiziell eröffnet.[16]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude besteht aus zwei Teilen, durch ein gläsernes Atrium miteinander verbunden[17] und besitzt eine Fassade aus Kalkstein.[18] Das Portal aus Kupfer ist mehrere Stockwerke hoch und wird bei Dunkelheit angestrahlt. Die Foyerwände haben ein Girih-Muster.[19]

Es gibt einen Festsaal für 1400 Personen. Die Kosten des Neubaus betrugen rund 30 Millionen Euro.

Organisation der diplomatischen Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türkisches Generalkonsulat in Berlin-Westend

Die Türkische Botschaft in Berlin beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und betreut damit die zahlenmäßig größte Auslandsvertretung der Türkei.

Das türkische Generalkonsulat Berlin musste wegen des Botschaftsumzugs aus der Innenstadt wegziehen. War ursprünglich ein Umzug nach Potsdam vorgesehen, bei dem sich die rund 105.000 in Berlin gemeldeten türkischen Staatsangehörigen[20] zur Regelung ihrer Konsularangelegenheiten dorthin hätten begeben müssen,[21] befindet sich das Generalkonsulat mittlerweile an der Heerstraße in Westend.[22]

Aktuell bestehen in Deutschland mehrere türkische Auslandsvertretungen (Stand im Herbst 2016).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Türkische Botschaft Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Republik Türkei, Außenministerium: Türkische Botschaft Berlin
  2. business-and-diplomacy.de
  3. Isabell Jürgens: Das Bauwerk als Botschaft. In: Berliner Morgenpost, 3. April 2008
  4. Ausländische Gen. Konsulate und Konsulate in Berlin > Türkei. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1870, II, S. 18.
  5. Berlin, Buchplan. 1988, VEB Tourist Verlag Berlin, S. 54.
  6. Schadowstraße 4–9/Dorotheenstraße 85–91 auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de.
  7. Kurzbeschreibung des Botschaftsgebäudes Rungestraße bei BauNetz
  8. a b Türkei im Tiergarten. Wettbewerb für Botschaftsgebäude in Berlin entschieden. baunetz
  9. Türkische Botschaft in Berlin. detail360
  10. a b Suzan Gülfirat: Brücke von Berlin nach Ankara – Wie türkische Blätter über den geplanten Botschaftsneubau berichten. In: Der Tagesspiegel, 5. August 2007.
  11. Zeichnung Sieger-Architekturbüro sic aus Köln
  12. Marc Paustian: Türkische Botschaft baut sich kleines Bündüskünzlürümt. In: B.Z., 31. Juli 2007.
  13. Ralf Schönball: Türkische Botschaft eröffnet 2012. In: Der Tagesspiegel, 30. Juli 2011.
  14. Beschreibung des Entwurfs und Bilder vom Bau Website des Architekten Thomas Hillig.
  15. Entwurf und Bilder vom Baufortschritt, Website des Architekten Volkmar Nickol.
  16. Türkei: Rückkehr an historische Stätte. Deutsche Welle, 30. Oktober 2012.
  17. Udo Badelt: Diplomatische Vertretungen im Bau Neue Botschaften für Berlin. In: Der Tagesspiegel, 3. Februar 2012
  18. Ulf Meyer: Es lebe neu das Ornament. faz.net, 30. Oktober 2012, abgerufen am 30. Oktober 2012
  19. Jörg Niendorf: Patina ante portas. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. Dezember 2012, Seite V 11.
  20. statistik-berlin-brandenburg.de
  21. dg: Generalkonsulat der Türkei zieht nach Potsdam. In: Berliner Zeitung, 8. Dezember 2000
  22. Vertretungen Türkei. Auswärtiges Amt, abgerufen am 10. Januar 2015.

Koordinaten: 52° 30′ 33″ N, 13° 21′ 38″ O