Samsun

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt; für die Provinz siehe Samsun (Provinz), für die Statistikregion Samsun (NUTS-Region).

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Samsun
Wappen fehlt
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Samsun (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Samsun
Koordinaten: 41° 17′ N, 36° 20′ O41.287536.334722222222Koordinaten: 41° 17′ 15″ N, 36° 20′ 5″ O
Fläche: 740 km²
Einwohner: 531.997[1] (2010)
Bevölkerungsdichte: 719 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+90) 362
Postleitzahl: 55 000
Kfz-Kennzeichen: 55
Struktur und Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Yusuf Ziya Yılmaz (AKP)
Webpräsenz:

Samsun ist mit 531.997 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2010) die größte Stadt in der Schwarzmeerregion der Türkei, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Samsun und verfügt über das größte Hafenbecken am türkischen Schwarzen Meer. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist die Verarbeitung des in der Umgebung angebauten Tabaks.

Lage und Verkehr

Samsun liegt rund 850 Kilometer östlich von Istanbul an der Mündung des Mert Irmağı. Der Taleinschnitt des kleinen Flusses trennt den westpontischen vom ostpontischen Gebirgszug. Zwei größere Flüsse sind der Kizilirmak („Roter Fluss“), der etwa 70 Kilometer westlich ein breites Mündungsdelta bildet, und der 40 Kilometer östlich ins Schwarze Meer mündende Yeşilırmak („Grüner Fluss“). Nach einem knappen, im Stadtbereich weniger als einen Kilometer breiten Küstenstreifen steigen die Vorhügel des Canik Dağları allmählich bis zu einer Höhe von über 1000 Metern auf. In den Bergtälern im Hinterland von Samsun werden, durch ganzjährige Niederschläge begünstigt, Tabak, Getreide (vor allem Mais) und Gemüse angebaut.

Die nach Süden Richtung Merzifon und Amasya über die Berge verlaufende Schnellstraße ist die Verlängerung der E 95; entlang der Küste verläuft die E 70.

Samsun ist Endpunkt einer Bahnlinie, die anfangs im Tal am Mert Irmağı entlang über Amasya nach Sivas führt. An das nationale Eisenbahnnetz wurde Samsun 1932 mit Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Samsun–Sivas angeschlossen.[2] Heute verkehrt auf dieser Strecke täglich je ein Zugpaar des Bölgesel Ekspres zwischen Samsun und Sivas sowie zwischen Samsun und Amasya.[3] 1926 wurde die 1929 verstaatlichte und 1971 stillgelegte Schmalspurstrecke nach Çarşamba eröffnet.

Rund 25 Kilometer östlich der Stadt befindet sich der internationale Flughafen Samsun. Der Busbahnhof liegt etwa vier Kilometer westlich des Zentrums. Samsun betreibt seit Anfang 2010 eine Straßenbahnlinie, die von der Universität in die Stadtmitte führt. Geplant sind drei Linien.

Geschichte

Das Rathaus in Samsun, 1938

Die ältesten Funde einer Siedlung stammen vom Dündartepe und datieren in die Kupferzeit. Auch Reste von Siedlungen aus der frühen Bronzezeit und aus hethitischer Zeit wurden dort freigelegt. Beim ca. 13 km entfernten Tekkeköy wurden in Höhlen sogar Artefakte aus dem Paläolithikum gefunden, die sich heute im Archäologischen Museum von Samsun befinden.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. gründeten Siedler aus Milet den Ort Amisos (altgriechisch ᾽Αμισός), dessen Reste etwa drei Kilometer nordwestlich des heutigen Stadtzentrums ausgegraben wurden. Amisos gehörte ab etwa 300 v. Chr. oder wenig später zum Königreich Pontos. König Mithridates VI. (132-63 v. Chr.) residierte zeitweilig in der Stadt. Im ersten Mithridatischen Krieg gegen die Römer wurde sie vom römischen Feldherrn Lucullus nach einer Belagerung erobert.

In der Spätantike war Amisos zwar Sitz eines Bischofs, erreichte jedoch nie die Bedeutung von Sinope. Einer der Hauptgegner des byzantinischen Reiches war der unabhängige arabische Emir Umar von Melitene (heute Malatya), der in der Mitte des 9. Jahrhunderts im Grenzgebiet zu den Byzantinern kämpfte. 863 eroberte und plünderte er Amisos. Am 3. September desselben Jahres fiel Umar in der Schlacht von Poson, die mit einer Niederlage der Araber endete.

Im 12. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Reich der Rum-Seldschuken. Unter Sultan Kılıç Arslan I. (reg. 1092–1107) erhielt sie ihren heutigen Namen Samsun. Die im 14. Jahrhundert herrschenden Fürsten von İsfendiyaroğlu gestatteten den Genuesen die Anlage eines Handelsstützpunktes. Der osmanische Sultan Bayezid I. nahm die Stadt 1393 oder 1395 vorübergehend ein. 1425 eroberten die Osmanen unter Murad II. die Stadt ein weiteres mal. 1461 wurden das östlich gelegene Kaiserreich Trapezunt und 1470 Samsun dauerhaft osmanisch.

Denkmal für die Landung der türkischen Truppen 1919: Atatürk Kültür Merkezi am Hafen

1806 beschoss eine türkische Flotte im Kampf gegen den abhängigen Regionalfürsten die beiden Städte Samsun und Ünye. Samsun brannte dabei völlig ab.

Die Landung von Mustafa Kemal am 19. Mai 1919 mit dem Schiff Bandırma gilt als Beginn des Befreiungskampfes gegen die Besetzung und Teilung der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg.

Stadtbild

Nach Westen ansteigende Straße der Innenstadt
Stadterweiterung in der Küstenebene

Die Küstenstraße, Atatürk bulvarı, verläuft im Stadtbereich in nord-südlicher Richtung. Zwischen ihr und dem künstlich angelegten Hafenbecken[4] liegen der Bahnhof, eine Haltestelle der innerörtlichen Straßenbahn und ein großer, zum Gedenken an die Landung der türkischen Befreiungsarmee angelegter Park. Nach Westen schließt sich das moderne Geschäftszentrum mit Fußgängerzonen um den zentralen Platz Cumhuriyet Meydanı („Platz der Republik“) an.

Das Wahrzeichen von Samsun ist neben dem Denkmal für die Landung der Truppen am Hafen eine Statue von Mustafa Kemal im Zentrum. Sie wurde 1931 durch den österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel geschaffen. Ältere Sehenswürdigkeiten sind bis auf die Pazar Camii, eine Moschee aus dem 14. Jahrhundert, nicht erhalten.

Die Innenstadt besteht nahezu durchwegs aus dicht bebauten Wohnblockquartieren, denen die älteren zwei- bis dreigeschossigen Gebäude allmählich weichen müssen. Ebensolche Wohnviertel dehnen sich nach drei Richtungen aus, entlang der Küste und über die niedrigen, teilweise bewaldeten Hügel landeinwärts. Im Süden wird das städtische Zentrum vom kanalisierten Mert Irmağı begrenzt, jenseits dessen befindet sich ein Handwerkerviertel. Am Südende des Industriehafens wurde ein Schwimmbecken mit Rutschen eingerichtet.

Das alte Amisos liegt am Rand der Küstenebene drei Kilometer nördlich des Zentrums im Stadtteil Baruthane. Die geringen Reste auf einem Hügel wurden touristisch aufbereitet. Zum dortigen Ausflugslokal kann man auch mit einem Sessellift von einem Parkplatz neben der Küstenschnellstraße gelangen. Zu sehen sind ein freigelegter Mauerrest und zwei Grabstollen mit jeweils drei aneinandergereihten Kammern unter künstlich aufgeschütteten Hügeln (Tumuli).

Neue Oper auf dem Gelände des Atatürk Kültür Merkezi

In Samsun eröffnete 2008 eine Staatsoper mit Ballett (Samsun Devlet Opera ve Balesi). Die 1975 gegründete Ondokuz Mayıs Universität (OMU) liegt etwa 16 Kilometer westlich. Sie macht die Stadt zu einem der wichtigsten Bildungszentren am Schwarzen Meer.

Bekannte Persönlichkeiten

Städtepartnerschaften

Klimatabelle

Samsun
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
70
 
11
4
 
 
60
 
11
4
 
 
65
 
12
4
 
 
58
 
15
8
 
 
47
 
19
12
 
 
45
 
23
16
 
 
33
 
26
19
 
 
33
 
27
19
 
 
56
 
24
16
 
 
79
 
20
13
 
 
84
 
17
9
 
 
79
 
13
6
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Turkish State Meteorological Service; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Samsun
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 10,5 10,7 11,8 15,3 19,0 23,3 26,2 26,7 23,6 20,2 16,7 13,0 Ø 18,1
Min. Temperatur (°C) 3,9 3,7 4,4 7,8 12,0 15,9 18,8 19,2 16,2 12,7 9,2 6,2 Ø 10,9
Niederschlag (mm) 69,7 60,2 64,7 57,9 46,7 44,6 33,2 32,9 55,9 79,0 84,4 79,0 Σ 708,2
Sonnenstunden (h/d) 2,6 3,0 3,2 4,1 5,9 7,5 8,1 7,4 5,7 4,4 3,4 2,3 Ø 4,8
Regentage (d) 13,4 13,8 15,2 13,4 12,8 9,0 5,9 6,4 9,4 11,6 12,0 12,9 Σ 135,8
Wassertemperatur (°C) 9 8 8 10 14 20 23 23 21 19 15 11 Ø 15,1
Luftfeuchtigkeit (%) 68 70 75 77 79 74 72 72 73 73 70 65 Ø 72,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
10,5
3,9
10,7
3,7
11,8
4,4
15,3
7,8
19,0
12,0
23,3
15,9
26,2
18,8
26,7
19,2
23,6
16,2
20,2
12,7
16,7
9,2
13,0
6,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
69,7
60,2
64,7
57,9
46,7
44,6
33,2
32,9
55,9
79,0
84,4
79,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Literatur

Weblinks

 Commons: Samsun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 7. Juni 2011
  2.  Philip Ernest Schoenberg: The Evolution of Transport in Turkey (Eastern Thrace and Asia Minor) under Ottoman Rule, 1856–1918. In: Middle Eastern Studies. 13, Nr. 3, 1977, ISSN 0026-3206, S. 359–372, hier S. 364, doi:10.1080/00263207708700358.
  3. Güzergahlarina göre bölgesel trenler. In: Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları. 2. Juli 2009, abgerufen am 4. Juli 2009.
  4. Port of Samsun (TCDD)