Schupfart

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Schupfart
Wappen von Schupfart
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Rheinfeldenw
BFS-Nr.: 4259i1f3f4
Postleitzahl: 4325
Koordinaten: 639683 / 262661Koordinaten: 47° 30′ 49″ N, 7° 57′ 56″ O; CH1903: 639683 / 262661
Höhe: 446 m ü. M.
Fläche: 7,05 km²
Einwohner: 809 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 115 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
12,6 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.schupfart.ch
Karte
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Schupfart Dorf

Schupfart (schweizerdeutsch: ˈʃʊpfəɾt)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Rheinfelden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Zentrum der Region Fricktal, etwas mehr als drei Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haufendorf liegt in einer flachen Mulde am oberen Ende des Fischingertals. Im nördlichen und im westlichen Teil des vom Fischingerbach durchflossenen Gemeindegebiets erstrecken sich die ausgedehnten Hochebenen des Eikerbergs (504 m ü. M.) und des Hellikerbergs (541 m ü. M.). Im Gegensatz zum unteren Teil des Fischingertals ist der Übergang zu den Hochflächen leicht ansteigend. Die Anstiege zum Wolberg (556 m ü. M.) im Osten und insbesondere zum Thiersteinberg (749 m ü. M.) im Süden sind hingegen stellenweise äusserst steil. Nördlich von Schupfart, im Gebiet des Eikerbergs, liegt der geographische Mittelpunkt des Fricktals.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 705 Hektaren, davon sind 228 Hektaren bewaldet und 49 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 749 Metern an der Geländekante des Thiersteinbergs, der tiefste auf 408 Metern am Fischingerbach. Das Gemeindegebiet von Schupfart ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Nachbargemeinden sind Münchwilen und Eiken im Norden, Frick im Nordosten, Gipf-Oberfrick im Südosten, Wegenstetten im Südwesten, Hellikon im Westen sowie Obermumpf im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herrain war Standort einer mittelalterlichen Wehranlage

Ältester Nachweis einer Besiedlung des Gemeindegebiets ist ein keltisches Hügelgrab der Hallstattzeit.[5] An der Grenze zu Wegenstetten stand ein einfacher, von Römern erbauter Gutshof. Reichhaltige Funde von Gegenständen weisen auf eine Nutzung von etwa 100 bis 200 n. Chr. hin.[6] 2004 kam bei Grabungen auf dem Herrain eine Wehranlage (Motte) aus dem 11. Jahrhundert zum Vorschein, die mit den Herren von Homberg-Thierstein in Verbindung gebracht wird.[7] Die erste urkundliche Erwähnung von Schuphart erfolgte im Jahr 1259. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen scupfahard und bedeutet «von vorspringendem Gelände umgebenes Weidewaldgebiet».[3]

Um 1270 gelangte Schupfart in den Besitz der Grafen von Habsburg-Laufenburg. Ab 1386 herrschten die Habsburger, die nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund verpfändeten. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Schupfart 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Als Folge der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. gehörte Schupfart ab 1491 zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden (ab 1752 im Oberamt Breisgau). Die wichtigsten Grundbesitzer waren die Pfarrei Schupfart, das Chorherrenstift und die Johanniterkommende Rheinfelden, das Deutschordenshaus Beuggen und das Damenstift Säckingen.[5]

Im 17. Jahrhundert war das Dorf von zahlreichen Schicksalsschlägen betroffen. Bei einer Pestepidemie im Jahr 1611 starben 95 der damals 174 Dorfbewohner. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region. 1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Ein Grossbrand, der durch die Fahrlässigkeit französischer Soldaten ausgelöst wurde, zerstörte am 13. Juni 1800 zwölf Häuser. Am 20. Februar 1802 wurde Schupfart eine Gemeinde im Distrikt Frick des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Schlechte Ernten und Reblaus-Epidemien führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Auswanderungswelle. Zwischen 1850 und 1910 ging die Bevölkerungszahl um fast ein Viertel zurück. Danach folgte ein leichter, aber konstanter Anstieg und das Dorf wandelte sich ab den 1960er Jahren allmählich von einer Bauern- zu einer Wohngemeinde. Seit Beginn der 1980er Jahre ist die Bevölkerungszahl dank der attraktiven Wohnlage um über fünfzig Prozent angestiegen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Leodegar

Entlang der Hauptstrasse ist die Bebauung äusserst kompakt; sie besteht aus traufständigen Vielzweckbauten des späten 18. und des 19. Jahrhunderts mit durchlaufenden Satteldächern.[8] Die Geschichte der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Leodegar reicht bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts zurück. Das heutige Kirchengebäude entstand in den Jahren 1795 bis 1797 in klassizistischer Bauweise. In der Nische eines Hauses an der Obermumpferstatue befindet sich eine rund einen Meter hohe, spätbarocke Statue des Heiligen Johannes Nepomuk aus dem frühen 18. Jahrhundert.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss grünes Lindenblatt.» Das Lindenblatt ist dem Siegel des Vogtamtes Frick der Grafen von Homburg-Tierstein entnommen und erschien erstmals 1872 auf dem Gemeindesiegel. Bereits von 1802 bis 1803 hatte der Kanton Fricktal dieses Wappen geführt.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[11]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 253 530 424 491 488 505 511 504 542 681 769

Am 31. Dezember 2016 lebten 809 Menschen in Schupfart. Der Ausländeranteil beträgt 12,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 76,1 % römisch-katholisch, 14,0 % reformiert und 1,8 % christkatholisch.[12] 96,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache.[13]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde- und Schulhaus

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Schupfart gehört zum Friedensrichterkreis Wegenstetten.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schupfart gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 140 Arbeitsplätze, davon 46 % in der Landwirtschaft, 20 % in der Industrie und 34 % im Dienstleistungssektor.[14] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler. Viele arbeiten in der chemischen Industrie in Stein, Sisseln und Kaisten. Zahlreiche Arbeitsplätze bieten die grösseren Gemeinden des Fricktals (Möhlin, Rheinfelden und Frick) sowie die Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schupfart liegt abseits der Hauptverkehrsachsen, ist aber über mehrere Nebenstrassen erreichbar. Diese führen nach Mumpf, Eiken und Wegenstetten. Der nächstgelegene Anschluss der Autobahn A3 befindet sich in Eiken, vier Kilometer vom Schupfarter Dorfzentrum entfernt. Die grossen Zentren Zürich und Basel sind in je rund 30 Minuten erreichbar. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie von Möhlin durch das Fischingertal nach Wegenstetten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Mumpf besucht werden, die Bezirksschule in Möhlin. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Sport und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Rande der Hellikerberg-Hochebene befindet sich der Flugplatz Fricktal-Schupfart für kleine Motor- und Segelflugzeuge (ICAO-Kennung LSZI).[15] Bis 1980 fanden in Schupfart Motocross-Rennen statt. Das Dorf war Startort der zweiten Etappe der Tour de France 1982. Jedes Jahr findet Ende September auf dem Flugplatzgelände das «Schupfart Festival» statt, ein in der ganzen Schweiz bekannter, dreitägiger Anlass (je ein Abend Pop/Rock, Country und volkstümliche Schlager).[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schupfart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017; abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017; abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 389–391.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5. a b Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 404.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 198.
  7. Christoph Reding: Der Herrain in Schupfart. In: Vom Jura zum Schwarzwald. Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde, 2007; abgerufen am 9. Februar 2013 (PDF; 1,3 MB).
  8. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 406.
  9. Nepomuk-Statue, 18. Jh. im Online-Denkmalschutzinventar des Kantons Aargau
  10. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 272.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001; abgerufen am 3. April 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.
  14. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau; abgerufen am 25. August 2012.
  15. Flugplatz Fricktal-Schupfart
  16. Schupfart Festival