Stein AG
| AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Stein zu vermeiden. |
| Stein | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Bezirk: | Rheinfelden |
| BFS-Nr.: | 4260 |
| Postleitzahl: | 4332 |
| UN/LOCODE: | CH STN |
| Koordinaten: | 638569 / 265974 |
| Höhe: | 300 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 282–493 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 2,83 km²[2] |
| Einwohner: | 3512 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 1241 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) |
43,5 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Gemeindeammann: | Beat Käser[5] |
| Website: | www.gemeinde-stein.ch |
Ansicht von Stein von der Mumpferflue
| |
| Lage der Gemeinde | |
Stein (schweizerdeutsch: )[6] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Rheinfelden und liegt im Zentrum der Region Fricktal am Hochrhein, an der Grenze zu Deutschland.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Dorf liegt am linken Ufer des Rheins, gegenüber der deutschen Stadt Bad Säckingen. Der von zwei Brücken überspannte Fluss ändert auf einer Strecke von nur zwei Kilometern zweimal seine Fliessrichtung, zuerst von Westen nach Süden, dann wieder nach Westen. Das alte Dorfzentrum liegt an der zweiten Flussbiegung. Die neueren Dorfteile erstrecken sich in Richtung Osten und Norden in das flache Sisslerfeld. Südlich des Dorfkerns und der Eisenbahnlinie und der Autobahn erhebt sich der Eikerberg mit der Mumpferflue im Nordwesten. Dieser Hügel des Tafeljuras besitzt zum Rhein sehr steile Flanken und geht dann in eine flache und ausgedehnte Hochebene über.[7]
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 283 Hektaren, davon sind 63 Hektaren bewaldet und 121 Hektaren überbaut.[8] Der höchste Punkt liegt auf 490 m ü. M. auf der Hochebene des Eikerbergs, der tiefste auf 285 m ü. M. am Rhein. Nachbargemeinden in der Schweiz sind Mumpf im Westen, Obermumpf im Süden, Münchwilen im Südosten und Sisseln im Nordosten. Im Norden grenzt Stein an die deutsche Stadt Bad Säckingen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste urkundliche Erwähnung von Stein stammt aus dem Jahr 1281. Allfällige frühere Dokumente sind wahrscheinlich 1272 beim Stadtbrand von Säckingen verloren gegangen. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) steine und bedeutet «beim Felsen».[6] Das Dorf gehörte zum ältesten Besitz des Damenstift Säckingen und war jahrhundertelang eine recht kleine Siedlung. Landesherren und Schutzherren des Klosters waren die Habsburger, die nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund verpfändeten. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Stein 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.
Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Stein zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden (ab 1752 im Oberamt Breisgau). Das Dorf lag etwa einen Kilometer südlich der Rheinbrücke nach Säckingen. Die mindestens seit dem 13. Jahrhundert bestehende Holzbrücke wurde in den Jahren 1408, 1480 und 1570 durch Hochwasser zerstört. 1573 entstand ein Neubau mit steinernen Pfeilern, die heute noch existieren. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, der im Nachbardorf Mumpf ausbrach, dauerte von 1612 bis 1614.
Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. So wurde 1633 die Brücke durch schwedische Truppen zerstört; erst zwanzig Jahre später konnte sie wieder aufgebaut werden. Doch bereits 1678 wurde die Brücke erneut zerstört, diesmal während des Holländischen Krieges durch französische Soldaten. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region. 1699 war die Brücke wieder passierbar.
Bereits 1680 hatte Österreich seine herrschaftlichen Rechte über Stein, Hornussen, Niederzeihen, Hellikon und Zuzgen an das Kloster Säckingen verpfändet und löste das Pfand 1740 mit 15'000 Gulden wieder aus.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Nach dem Frieden von Lunéville musste die Stadt Säckingen ihre linksrheinischen Gebiete abtreten, diese gelangten zum grössten Teil zur Gemeinde Stein. Am 20. Februar 1802 wurde Stein eine Gemeinde im Distrikt Frick des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.
Am 2. August 1875 erhielt die Gemeinde mit der Eröffnung der Bözbergbahn und des Bahnhofs Stein-Säckingen einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Am 1. August 1892 folgte die Zweigstrecke durch das Hochrheintal nach Koblenz. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Stein enorm. 1957 eröffnete das Pharmaunternehmen Ciba-Geigy AG (heute Novartis) eine riesige Produktionsanlage. 1966 wurde das grosse Rheinkraftwerk Säckingen mit einem Stauwehr über den ganzen Fluss in Betrieb genommen. Im Jahr 1979 wurde die Fridolinsbrücke über den Rhein eröffnet.
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot eine schräg gestürzte weisse Fidel.» Um 1840 führte die Gemeinde ein redendes Wappen, das den «Stein am Rhein» symbolisieren sollte, aber heraldischen Ansprüchen überhaupt nicht genügte: Über einem weissen Quaderstein im Schildfuss ein weisses Wellenband in Grün, das Wellenband hatte zusätzlich die Aufschrift «Rhein». 1939 besann man sich auf ein historisch gerechtfertigtes Vorbild und verwendete (vorerst inoffiziell) das Fidelwappen der einst vor Ort begüterten Herren von Stein. Die definitive Einführung erfolgte 1965.[9]
Sehenswürdigkeiten
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Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[10]
| Jahr | 1768 | 1850 | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2020 |
| Einwohner | 149 | 375 | 566 | 738 | 756 | 1060 | 1763 | 1798 | 1891 | 2414 | 2818 | 3253 |
Von 1950 bis 2000 hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdreifacht.
Am 31. Dezember 2024 lebten 3512 Menschen in Stein, der Ausländeranteil betrug 43,5 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 33,6 % als römisch-katholisch und 17,0 % als reformiert; 49,4 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 86,6 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 3,6 % Italienisch, 3,0 % Albanisch, 2,0 % Serbokroatisch und 0,9 % Türkisch.[12]
Politik und Recht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Stein gehört zum Friedensrichterkreis XIV (Rheinfelden).[13]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Stein gab es 2015 laut der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 3700 Arbeitsplätze, davon weniger als 1 % in der Landwirtschaft, 58 % in der Industrie und 41 % im Dienstleistungssektor.[14] Das mit weitem Abstand grösste Unternehmen ist Novartis mit einer riesigen Produktionsanlage für pharmazeutische Produkte. Novartis kündigte im November 2025 einen Stellenabbau an.[15] Syngenta hat in Stein einen grossen Forschungs- und Entwicklungsstandort für Pflanzenschutz.[16] Es gibt zahlreiche kleine und mittelgrosse Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen in Stein. Viele Menschen aus der Region pendeln zur Arbeit nach Stein.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stein liegt verkehrsgünstig an der Hauptstrasse 3 zwischen Basel und Zürich. Hier zweigt auch die Hauptstrasse 7 durch das Rheintal in Richtung Winterthur ab. Der nächstgelegene Anschluss der Autobahn A3 ist vier Kilometer entfernt bei Eiken.
Zwei Brücken führen über den Rhein nach Bad Säckingen: die Fridolinsbrücke für den motorisierten Verkehr und die Säckinger Holzbrücke. Sie ist die älteste und längste gedeckte Holzbrücke Europas und wird von Fussgängern und Radfahrern genutzt.
Der Bahnhof Stein-Säckingen ist ein Schnellzugshalt an der Bözbergstrecke. Hier teilt sich die von Basel kommende Linie S1 der S-Bahn Basel in Äste nach Frick und nach Laufenburg. Für die Feinverteilung sorgen zwei Postautolinien nach Frick und Laufenburg.
Durch Stein führt die «Rhein-Route» des von SchweizMobil markierten Velowegnetzes.
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gemeinde verfügt über drei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen Primar-, Real- und Sekundarschüler unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Rheinfelden besucht werden. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) oder in Basel absolvieren.
Bis spätestens 2029 soll das Fricktal eine eigene Kantonsschule erhalten. Als Standorte zur Wahl standen Rheinfelden, Frick und das Areal Neumatt Ost in Stein. 2021 entschied sich der Grosse Rat für Stein.[17]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christoph Haus (1652–1725), Weihbischof von Basel
- Johann Baptist Haus (1672–1745), Weihbischof von Basel
- Adolf Reinle (1920–2006), Kunsthistoriker
- Walter Saxer (1896–1974), Mathematiker
- Elisabeth Schmid-Bruggisser (1923–2014), erste Grossratspräsidentin des Kantons Aargau
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dominik Sauerländer: Stein (AG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IX, Bezirk Rheinfelden. Bern 2011, ISBN 978-3-906131-94-8, S. 414–422.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- ↑ Gemeinderat. Abgerufen am 30. April 2024.
- ↑ a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 408–409.
- ↑ Landeskarte der Schweiz, Blatt 1049 und 1069, Swisstopo.
- ↑ Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 11. Mai 2019.
- ↑ Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 282.
- ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom am 8. Oktober 2018; abgerufen am 11. Mai 2019.
- ↑ Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2019; abgerufen am 11. Mai 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom am 8. Oktober 2018; abgerufen am 11. Mai 2019.
- ↑ Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 19. Juni 2019.
- ↑ Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 8. Mai 2019; abgerufen am 11. Mai 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Novartis streicht 550 Stellen in Stein AG
- ↑ https://www.syngenta.ch/standort-stein (abgerufen am 25. November 2025)
- ↑ Langfristige räumliche Entwicklung der Aargauer Mittelschulen. Kanton Aargau – Departement Bildung, Kultur und Sport, 2020, abgerufen am 14. Juni 2021.


