St. Ludgerus (Billerbeck)

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Ludgerusdom, Billerbeck (00312).jpg
Ludgerus-Dom
Basisdaten
Ort: Billerbeck
Bauzeit: 18921898
Architekt: Wilhelm Rincklake
Baustil: Neugotik
Technische Daten
Höhe: 100 m
Baustoff: Baumberger Sandstein

Die Propsteikirche St. Ludgerus, auch Ludgerus-Dom genannt, ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in der Stadt Billerbeck im Bistum Münster und eine der beiden Kirchen der Pfarr- und Propsteigemeinde St. Johannes und St. Ludgerus. Sie ist eine neugotische Hallenkirche mit Querschiff.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt St. Ludgerus 1891

Bischof Liudger taufte in Billerbeck und gründete vor 800 dort die Pfarrkirche St. Johannes Baptista. Am Sterbeort oder in dessen Nachbarschaft entstand im 11. Jahrhundert eine dem Heiligen gewidmete Kapelle, die vermutlich von Anfang an mit einem Kult des hl. Ludgerus verbunden war. Nebenpatron war der hl. Nikolaus von Myra. Im 15. Jahrhundert wurde diese Kapelle gotisch erweitert. Unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650–1678) wurde der Turm um ein Geschoss erhöht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Abbruch des Gebäudes um einem Neubau Platz zu machen.

Abendliche Beleuchtung

Die heutige Propsteikirche wurde in den Jahren 1892–1898 auf den Grundmauern der im Kern romanischen Ludgeri-Kirche und einer um 1735 errichteten Sterbekapelle von dem Baumeister Wilhelm Rincklake (1851–1927) erbaut. Er gestaltete das Langhaus in Form einer Basilika mit Querschiff und dem über 100 m hohen Turmpaar aus dem in den nahen Baumbergen anstehenden Baumberger Sandstein. Die Türme des Doms sind für Reisende schon aus der Ferne sichtbar.

Blick in den Chorraum

Der neugotische Ludgerus-Dom hat die Stätte einbezogen, an der der heilige Ludgerus gestorben ist. Der Sterbeort des Heiligen in Billerbeck ist neben seiner Grablege in St. Ludgerus in Essen-Werden bis heute einer der Mittelpunkte der Ludgerusverehrung. Billerbeck besitzt damit für das gesamte Bistum sowohl geschichtliche als auch geistliche Bedeutung. Die Stadt ist einer der drei „Hochorte“ der Diözese.

Bei der Einweihung der Kirche sagte Bischof Hermann Jakob Dingelstad, dass er „diese bedeutende Kirche mit vollem Recht den ‚Ludgerus-Dom‘ nennen könne“. Seit dieser Zeit wird die Propsteikirche auch als Dom bezeichnet, obgleich sie keine Kathedrale oder Bischofssitz ist.

Wie der Architekt, haben sich auch die am Bau beteiligten Bildhauer, Kunstschreiner und Glasmaler von mittelalterlichen Vorbildern inspirieren lassen und deren Ansätze weiterentwickelt und so vom Gebäudekorpus bis hin zur Ausstattung ein einheitliches Ensemble geschaffen.

Das Hauptziel der Wallfahrer, die nach Billerbeck pilgern, ist die Sterbekapelle im Südturm des Ludgerus-Domes. Sie ist ein stiller Ort des Gebetes, an dem nach der Überlieferung das Sterbehaus Liudgers gestanden hat. Das Altarbild aus Carrara-Marmor zeigt den Tod des heiligen Ludgerus. Unter der Altarplatte befindet sich in einer beleuchteten Nische ein Monstranzreliquiar mit Reliquien des Heiligen.

Mit seiner markanten Silhouette und den (gemessen an der Ortsgröße) überaus imposanten Ausmaßen ist der Ludgerus-Dom das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Billerbeck.

Fassade des Domes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südportal

Westfassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptportal wird flankiert von zwei Figuren: rechts der hl. Abt Gregor von Utrecht, der Lehrer Liudgers in Utrecht, links der hl. Nikolaus, der Patron der früheren Kirche an dieser Stelle gewesen war. Über einem sechsbahnigen Fenster erhebt sich im Giebel eine Kreuzigungsgruppe. In der Giebelnische steht eine Figur des heiligen Liudger.

Südfassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist der Gottesmutter Maria gewidmet. Über dem Portal befindet sich ein Relief der „Verkündigung“. An den Seiten des Portals befinden sich zwei Sandsteinfiguren großer Marienverehrer: rechts der hl. Bernhard von Clairvaux und links der hl. Hermann-Josef von Steinfeld/Eifel. Es handelt sich hierbei um Kopien. Die beiden stark verwitterten Originale werden zurzeit, geschützt vor weiterem Verfall, im Sandsteinmuseum in Havixbeck aufbewahrt. Im Kreuzgiebel ist Maria mit dem Jesuskind dargestellt, umgeben von zwei Engeln.

Zum Abschluss des 100-jährigen Domjubiläums wurde Ende 1998 an der Südseite des Domes ein Gedenkstein aufgestellt, der von der Malerin und Bildhauerin Mechthild Ammann aus Billerbeck gestaltet wurde. In diesem Stein aus Baumberger Sandstein, dem Material, aus dem auch der Dom gebaut wurde, sind zwei hochglanzpolierte Edelstahlplatten in Augenhöhe eingelassen. In die Metallflächen sind im Ätzverfahren Skizzen und Szenen, Texte und Symbole eingearbeitet worden, die sich mit der Vorgeschichte und mit dem Dombau selbst auseinandersetzen.

Inneres der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beichtstuhl im Mittelschiff

Mittelschiff, Seitenschiff und Querschiffarme sind von Kreuzrippengewölben überdeckt. Das Mittelschiff misst vom Fußboden bis zum Gewölbeschlussstein eine Höhe von 22,5 Metern. Die Seitenschiffe haben eine Höhe von 10 Metern. Die Firsthöhe des Daches beträgt 34 Meter. Im Vierungsjoch wird das Gewölbe zu einer achtteiligen Form gesteigert. Der Raum fasst 4000 Personen.

Chorfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 15 Meter hohen dreiteiligen Chorfenster enthalten mit ihrem Programm der Darstellung das Thema des Heilswerkes beginnend mit der Vertreibung der ersten Menschen nach dem Sündenfall. Sie zeigen zahlreiche Stationen aus dem Alten und Neuen Testament. Die beiden unteren Szenen eines jeden Fensters sind dem Alten Testament entnommen und weisen typologisch auf die beiden oberen neutestamentlichen Szenen hin. Im einzigen nicht biblischen Bild wird im mittleren Fenster der hl. Liudger gezeigt, wie er am Tag vor seinem Tod ein letztes Mal die heilige Messe feiert. In der Mitte aller biblischen Bilder wird so treffend zum Ausdruck gebracht, dass die Feier der heiligen Messe der Kirche und allen Menschen das ganze Erlösungswerk Gottes gegenwärtig hält, das im Opfer Jesu am Kreuz seinen Höhepunkt hat. Der gesamte Fensterzyklus stammt aus der Glasmalerei-Werkstatt Anton von der Forst aus Münster.

Nördlicher Seitenchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist der Gottesmutter gewidmet. Ist der Flügelaltar geöffnet, so sieht man in der Mitte ein Standbild der Gottesmutter und seitlich davon links und rechts Engel. Auf den Flügeln des Altars befinden sich sechs Gemälde von Heiligen: (rechts) Dominikus, Heriburg von Nottuln, Bernhard von Clairvaux; (links) Joachim, Anna, Simeon. – Bei geschlossenem Altar ist ein Gemälde mit der Verkündigung des Herrn zu sehen, links davon Liudger und rechts Johannes. Die drei Fenster des Chores veranschaulichen Szenen aus dem Leben der Gottesmutter.

Südlicher Seitenchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der südliche Seitenchor mit dem geöffneten Flügelaltar

Er ist dem Patronat heiligen Josef unterstellt, der bei geöffnetem Altar mit dem Jesuskind zu sehen ist. Rechts und links von ihm befinden sich Gemälde und Reliefs, die sich auf das Leben Josefs beziehen.

Das Bild des geschlossenen Altars nimmt Bezug auf die Erhebung Josefs zum Schutzpatron der Kirche durch Papst Pius IX. am 8. Dezember 1870; daneben (rechts) die Heiligen Franz von Sales, Alfons von Liguori und der selige Hermann-Joseph; (links) Theresia, Birgitta und die selige Maria von den Engeln. Die drei Fenster zeigen weitere Darstellung aus dem Leben des Heiligen.

Fenster des Kreuzschiffs und der Seitenschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das südliche Kreuzschifffenster sagt durch die verschiedenen Bilder aus, dass die Kirche ein Haus des Gebetes sein soll: Vertreibung der Händler aus dem Tempel, Maria und Marta, Jesus auf dem Ölberg, dem Tabor.
  • Das nördliche Fenster steht unter dem Leitgedanken „Die Stiftung der Kirche durch Christus“: Bergpredigt, Pfingstpredigt des hl. Petrus, Verheißung an Petrus, Auftrag an Petrus „Weide meine Lämmer“.
  • In den Fenstern der Seitenschiffe sind zwölf Heilige dargestellt, die in besonderer Beziehung zum Bistum Münster stehen: im südlichen Seitenschiff sind es Paulus und Bonifatius, Suitbert und Heriburg, die Brüder Ewaldi; im nördlichen Seitenschiff: Willibrord und Viktor, Ida und Thiathild, Norbert und Gottfried.
  • Die Obergadenfenster sind mit Teppichmuster gefüllt. Das Fenster der Westfassade (Turm) zeigt die Patrone der Kirchenmusik: Cäcilia von Rom und Papst Gregor den Großen.

Turmkapellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle im Südturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier ist das Hauptziel der Wallfahrer: die Sterbekapelle des heiligen Liudger. Ein stiller Ort des Gebetes ist diese Kapelle, wo nach alter Überlieferung das Sterbehaus Liudgers gestanden hat. Der Blick fällt auf den hellen Altar, der sich von dem dunklen Boden abhebt. Das aus carrarischem Marmor gehauene Altarbild (Relief) zeigt den Tod Liudgers inmitten seiner Brüder. Zu beiden Seiten des Altarbildes befinden sich Figuren, die Symbole der göttlichen Tugenden und Kardinaltugenden tragen: Kreuz = Glauben, Anker = Hoffnung, Herz = Liebe, verbundene Augen und Waage = Gerechtigkeit, Buch und Schlange = Klugheit, umgestürztes Gefäß = Maß, Schwert = Tapferkeit.

Unter der Altarplatte befindet sich in einer beleuchteten Nische ein Monstranzreliquiar. Diese Reliquie des Heiligen aus dem rechten Fuß wurde am 17. Juni 1860 dem Billerbecker Pfarrer Hennewig in der Ludgerikirche zu Münster vom damaligen Generalvikar Johann Bernhard Brinkmann (dem späteren Bekennerbischof) übergeben.

Das Westfenster in der Kapelle zeigt im oberen Teil die Übertragung der Gebeine nach Werden und darunter Liudger beim Gebet und wie ihn dabei nach der Legende ein Bote zu Karl dem Großen ruft.

Im Fenster über dem Altar ist die Legende dargestellt, wie Gerfried und Heriburg, Neffe und Schwester des Heiligen, durch ein Lichtzeichen vom Himmel den Tod Liudgers erfahren. Im Bild darüber wird Liudger, umgeben von vier Engeln, mit den bischöflichen Insignien gezeigt.

Der Bildteppich vor der Sterbekapelle erinnert daran, dass die Vorgängerkirche an diesem Ort dem heiligen Nikolaus gewidmet war.

Leuchter im Dom von Billerbeck

Kapelle im Nordturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier befindet sich eine Gedenkstätte der über 300 aus Billerbeck Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. Die Namen sind auf schlichten Holzkreuzen verewigt. Die Tafel, die am Eingang hängt, verzeichnet die über 100 Vermissten des Krieges. Zwischen diesen Kreuzen steht eine Nachbildung der Pieta von Wilhelm Achtermann, die im Dom zu Münster stand und im letzten Krieg durch Bomben zerstört wurde. Der Bildhauer Bernhard Meyer aus Billerbeck schuf dieses Werk. Der Stifter der Nachbildung, die am 16. Dezember 1937 aufgestellt wurde, ist ein Billerbecker Bürger.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleiter-Orgel von 1898[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Orgel wurde 1898 von dem Orgelbauer Friedrich Fleiter aus Münster erbaut. Das Orgelwerk wurde 1979 von der Firma Orgelbau Kreienbrink aus Osnabrück reorganisiert, wobei ein Großteil des Pfeifenmaterials wiederverwendet wurde. Das Schleifladen-Instrument hatte 47 Register auf drei Manualen und Pedal und eine elektrische Traktur.

Disposition der Orgel von 1979  
III Schwellwerk C-g3
1. Holzflöte 8′
2. Grobgedackt 8′
3. Gemshorn 8′
4. Schwebung 8′
5. Singend Prinzipal 4′
6. Querflöte 4′
7. Nasard 223
8. Schwiegel 2′
9. Terzflöte 135
10. Nachthorn 1′
11. Oberton III
12. Fourniture V
13. Basson 16′
14. Oboe 8′
Tremulant
II Positiv C–g3
15. Singend Gedackt 8′
16. Quintadena 8′
17. Prinzipal 4′
18. Flauto dolce 4′
19. Waldflöte 2′
20. Sifflöte 113
21. Sesquialtera II
22. Scharff IV
23. Dulcian 8′
Tremulant
I Hauptwerk C–g3
24. Bordun 16′
25. Prinzipal 8′
26. Gambe 8′
27. Rohrflöte 8′
28. Oktave 4′
29. Spitzflöte 4′
30. Quinte 223
31. Oktave 2′
32. Cornett III
33. Mixtur V-VI
34. Zimbel III
35. Trompete 16′
36. Trompete 8′
Pedal C–f1
37. Offenbass 16′
38. Subbass 16′
39. Quintbass 1023
40. Prinzipalbass 8′
41. Gedacktbass 8′
42. Choralbass 4′
43. Weitpfeife 2′
44. Hintersatz V
45. Posaune 16′
46. Trompete 8′
47. Clairon 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P,

Neue Fleiter-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2009–2011 baute die Orgelbaufirma Fleiter aus Münster-Nienberge ein neues Orgelwerk. Das Instrument hat insgesamt 72 Register auf vier Manualen und Pedal und ist im französisch-romantischen Stil disponiert. 67 Register sind klingende Register (davon 7 extendierte Register), die übrigen fünf sind Transmissionen.[1] Das Werk steht weitgehend in den bisherigen historischen neugotischen Gehäusen, welche vergrößert wurden. Neu hinzugekommen ist ein modern gestaltetes Rückpositiv in der Emporenbalustrade. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch. Mit dem letzten Bauabschnitt, der Vervollständigung des vierten Manualwerks, wurde das Instrument am 26. März 2014, dem Fest des hl. Ludgerus, eingeweiht.[2]

I Rückpositiv C–a3
1. Prinzipal 08′
2. Rohrflöte 08′
3. Salizional 08′
4. Unda maris 08′
5. Praestant 04′
6. Holzflöte 04′
7. Waldflöte 02′
8. Quinte 0113
9. Sesquialtera II 0223
10. Mixtur IV 0113
11. Trompete 08′
12. Cromorne 08′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
13. Grand Bourdon (= Nr. 56) 32′
14. Prinzipal 16′
15. Violone (aus Nr. 19) 16′
16. Prinzipal major 08′
17. Praestant 08′
18. Flute harmonique 08′
19. Viola da Gamba 08′
20. Gedackt 08′
21. Octave major 04′
22. Octave minor 04′
23. Flute conique 04′
24. Quinte 0223
25. Octave 02′
26. Cornett V 08′
27. Mixture major 02′
28. Mixtur minor 01′
29. Bombarde 16′
30. Trompete 08′
Tremulant
III Schwellwerk C–a3
31. Rohrbordun 16′
32. Geigenprinzipal 08′
33. Doppelflöte 08′
34. Gamba 08′
35. Vox coelestis 08′
36. Bourdon 08′
37. Principal 04′
38. Flute octaviante 04′
39. Fugara 04′
40. Nazard harmonique 0223
41. Octavin 02′
42. Tierce 0135
43. Fourniture V 0223
44. Basson 16′
45. Trompette harmonique 08′
46. Hautbois 08′
47. Voix humaine 08′
48. Clairon 04′
Tremulant
IV Chamadenwerk C–a3
49. Trompeta magna 16′
50. Trompeta real 08′
51. Trompeta Clarin 04′
52. Clarinette 08′
53. Flute harmonique (= Nr. 18) 08′
54. Cornett V (= Nr. 26) 08′
Pedalwerk C–g1
55. Grande Flute (aus Nr. 59) 32′
56. Bourdon (aus Nr. 57) 32′
57. Prinzipalbass 16′
58. Contrabass (= Nr. 14) 16′
59. Flute 16′
60. Soubasse 16′
61. Viola tenore 08′
62. Octavbass 08′
63. Flute (aus Nr. 59) 08′
64. Bourdon (aus Nr. 57) 08′
65. Cello (= Nr. 19) 08′
66. Choralbass (aus Nr. 62) 04′
67. Viola tenore 04′
68. Contrebombarde (aus Nr. 69) 32′
69. Posaune 16′
70. Fagott 16′
71. Trompetenbass 08′
72. Clairon 04′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: I/II, III/II, III/I, IV/III, IV/II, IV/I, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Subkoppeln: III/III, III/II, III/I
    • Superkoppeln: III/III, III/II, III/I, III/P, II/P, I/P

Chororgel von 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chororgel wurde von der Orgelbau Waltershausen GmbH (Thüringen) erbaut und 2016 fertiggestellt. Das Instrument befindet sich vor dem östlichen Joch der Nordwand des Querhauses. Es hat 11 Register, die aus 5 Pfeifenreihen extendiert werden, und zwei Effektregister; die Pfeifen sind (mit Ausnahme der größeren Prospektpfeifen) in einem Schwellkasten untergebracht. Der Unterbau der Orgel ist aus massiver Eiche gefertigt; auf ihm steht eine Reihe von Prospektpfeifen in Form eines Freipfeifenprospekts, hinter denen der Schwellkasten untergebracht ist. An der Frontseite wurden zwei Ziergitter aus der alten Chorschranke des Domes in die Prospektgestaltung einbezogen.

Die Chororgel lässt sich (nur) von einem fahrbaren, viermanualigen Generalspieltisch aus anspielen, an den auch die Hauptorgel angebunden ist; die Register der Chororgel lassen sich, ebenso wie sämtliche Werke der Hauptorgel, frei an sämtliche Manuale und das Pedal des Generalspieltisches zuordnen. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch.[3]

Chororgel C-a3
1. Bordun 16′
2. Principal 00 08′ 0
3. Gedackt 08′
4. Viola 08′
(Fortsetzung)
5. Vox angelica 0 08′ 0
6. Octave 04′
7. Gedackt 04′
8. Violine 04′
(Fortsetzung)
09. Superoctave 02′ 0
10. Basson 16′
11. Englisch Horn 0 08′
Tremulant

Die Chororgel hat zwei Effektregister.

  • Mysterium Ludgeri (Geheimnis des Ludgerus): Unterhalb der Prospektpfeifen öffnet sich eine Klappe, zwei hölzerne Gänse strecken ihre Köpfe heraus und man hört ein Geräusch, das an Gänsegeschnatter erinnert. Hinter den Gänsen befindet sich ein Bild des Hl. Ludgerus. Dieses Effektregister erinnert an eine Legende, nach der der Hl. Ludgerus als Missionar während einer Dürre Gänse auf die Suche nach Wasser geschickt haben soll; die Gänse sollen sich ihren Weg durch das Erdreich gebahnt haben; an der Stelle des heutigen Ludgerusbrunnens sollen sie wieder aus dem Erdreich aufgetaucht sein.
  • Fons Salutis (Quelle des Heils): Bei Betätigung dieses Effektregisters Prompt erklingt ein Geräusch, das an rauschendes Wasser erinnert. In der Orgel befindet sich eine Trommel, die mit Reis gefüllt ist; wird sie in Bewegung gesetzt, entsteht das Geräusch der sprudelnden Quelle.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ersten Weltkrieg hingen noch die Glocken der alten Ludgerikirche im neuen Glockenturm. Sie stammen aus dem Jahr 1677.[4] Weitere Glocken wurden von Andreas Mabillot 1777 gegossen.[5] Laut einer Fotodokumentation soll zu diesem Zeitpunkt auch noch eine kleine Uhrglocke existiert haben. Die Tonfolge dieser Glocken waren, abgestimmt auf das Geläut der Johanniskirche: h1 cis2 d2 (vertieft).[6] Nachdem man dieses Geläute doch als zu klein empfunden hatte, schaffte man sich in 1909 bei der Firma Petit & Gebr. Edelbrock ein neues Geläute an. Die Tonfolge lautete des1 es1 f1 as1. Eine geplante b0-Glocke konnte durch Kostenaufwand nicht realisiert werden. Daneben gab es eine in 1897 von Petit & Gebr. Edelbrock gegossene Katharinenglocke.

Im Turm hingen bis 1943[7] 5 Glocken, gegossen von der Glockengießerei Otto aus Bremen-Hemelingen. Die Gießerei Otto goss im Jahr 1927 auch eine Dachreiterglocke (Ton as″, Gewicht 85 kg).[8][9]

Glockenbestand bis 1943  
Nr. Name Gussjahr Gießer Schlagton
1 Liudger 1926 Karl u. Ferdinand Otto, Bremen-Hemelingen b0
2 Salvator 1922 des1
3 Maria es1
4 Joseph f1
5 Anna und Agnes as1

Der Südturm trägt seit dem 21. November 1992 die neue Liudger-Europa-Glocke, die zum Gedenken des Liudger-Jubilaums (1250. Geburtstag) gegossen und aufgehängt wurde. Ihr Kennzeichen ist das bekannte Liudger-Emblem; neben dem Wort „Ich verkünde euch Christus“ stehen die Jahreszahlen 792 und 1992. Der europäische Gedanke, der das Leben des Heiligen Liudger prägte, kommt auf der Glocke durch die Umrisse einer Landkarte mit den Wirkungsstätten und dem Europa-Signet zum Ausdruck. Darüber steht „Glaube überwindet Grenzen“.

Der Nordturm trägt die fünf übrigen Glocken, die 1946 anstelle der Glocken angeschafft wurden, die im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden mussten.

Die Glocke im Dachreiter läutet nur an bestimmten Anlässen.

Nr. Name Gussjahr Gießer
(cm)
Gewicht
(kg)
Schlagton Inschrift
1 Liudger 1992 Petit & Gebr. Edelbrock 220 7.150 ges0 „Ich verkünde euch Christus“ – „Glaube überwindet Grenzen.“
2 Salvator 1946 b0 „MVnDI CVnCtlpotens reCtor saLVat pereVntes SaLVatorl ergo IVngere Vos IVbeo.“
(Heil nur bringt den Verlorenen der Welt allmächtiger Lenker; Also dem Heiland nur folget, so klingt mein Gebot.)
3 Maria des1 „Sancta Maria regina piissima pacis adesto Pacem da populis clamat ahenea vox.“
(Heilige Maria, du Königin milde des Friedens, hilf uns; Frieden den Völkern verleih', ruft mein eherner Mund.)
4 Joseph es1 „Joseph vir iustus fidusque pudens humilisque Virtutes doceas defendas vitia.“
(Joseph du gerechter und treuer Mann, voll Zucht und voll Demut, Sei uns der Tugenden Lehr, sei uns der Laster Wehr.)
5 Ludgerus f1 „Ludgerus vocor hie pagoque urbique patronus Bellis expertus von tueor geminis.
(Ludger heiß ich, Schirmer hier der Stadt und des Landes, Und so steh ich euch bei, in zwei Kriegen bewährt.)
6 S. Crux ges1 „Bis bello contrita refusa crucique dicataoccisos plango, iam super astra voco.“
(Zweimal zerschlug mich der Krieg, jetzt neu und dem Kreuze gewidmet, Klag ich um den, der fiel, fuhr ihn zum Sternengezelt.)
7 [unbekannt]
(Dachreiter)
1893 Clemente Brighenti, Bologna ces3 „Parroco e parrocchiani f[ecero] f[ondere] A[nno] MDCCCXCIII.“ und "Clemens Brighenti Bonon[iae] fudit."
(Die Pfarre und die Pfarrmitglieder hat diesen Guss aufgetragen im Jahre 1893. Clemente Brighenti aus Bologna goss [mich].)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roswitha Bongartz: Steinmetzhandwerk und Sakralarchitektur. Die Baugeschichte der Propsteikirche St. Ludgerus zu Billerbeck/Westf. 1892–1898. In: Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster. Reihe X, Band 7. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2011, ISBN 978-3-8405-0044-2, urn:nbn:de:hbz:6-73499500506 (Dissertation).
  • Kath. Pfarr- und Probsgemeinde St. Johann / St. Liudger Billerbeck (Hrsg.): 100 Jahre Ludgerusdom Billerbeck 1898–1998. Lechte-Druck, Emsdetten 1998.
  • Hans-Bernd Serries et. al.: Probsteikirche St. Ludgerus. In: Ludgerusstadt Billerbeck. Wallfahrtsort zum Heiligen Liudger. Vako-Druck, Dülmen 2011. S. 6–19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Propsteikirche St. Ludgerus (Billerbeck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Disposition der Ludgerus-Orgel im Dom zu Billerbeck. (PDF) In: Internetpräsenz Förderverein Domorgel Billerbeck e.V. Förderverein Domorgel Billerbeck e.V., archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 1. Januar 1900.
  2. Orgeln im Dom. In: Internetpräsenz St. Johann, St. Ludger. Pfarr- und Propsteigemeinde St. Johannes der Täufer Billerbeck, abgerufen am 27. September 2020.
  3. Chororgel verbirg Gänse-Mysterium. In: Internetpräsenz Förderverein Domorgel Billerbeck e.V. Förderverein Domorgel Billerbeck e.V., archiviert vom Original am 19. Februar 2019; abgerufen am 1. Januar 1900.
  4. Werner Freitag: Geschichte der Stadt Billerbeck. Bielefeld 2012.
  5. Heinrich Otte: Glockenkunde. 1858.
  6. Brockmann: Geschichtliche Mittheilungen der Stadt Billerbeck. Billerbeck 1883.
  7. Pfarrarchiv Billerbeck: Chronik der Pfarrei. Teil 2.
  8. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, insbesondere Seiten 417, 521, 527, 529.
  9. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, insbesondere S. 393, 485, 489, 490, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).

Koordinaten: 51° 58′ 40″ N, 7° 17′ 30″ O