Reinhard Libuda

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Stan Libuda
Reinhard Libuda 1971 Ajman stamp.jpg
Personalia
Name Reinhard Libuda
Geburtstag 10. Oktober 1943
Geburtsort WendlinghausenDeutschland
Sterbedatum 25. August 1996
Sterbeort GelsenkirchenDeutschland
Größe 175 cm
Position Rechtsaußen
Junioren
Jahre Station
1952–1961 FC Schalke 04
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1961–1965 FC Schalke 04 76 (15)
1965–1968 Borussia Dortmund 74 0(8)
1968–1972 FC Schalke 04 124 (13)
1972–1973 Racing Straßburg 15 0(3)
1973–1976 FC Schalke 04 15 0(0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1964–1966 Deutschland U-23 2 0(0)
1963–1971 Deutschland 26 0(3)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Reinhard „Stan“ Libuda (* 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen; † 25. August 1996 in Gelsenkirchen) war ein deutscher Fußballspieler. Er verkörperte den klassischen Rechtsaußen im WM-System und auch in der nachfolgenden 4:3:3-Formation. Mit seiner Art Fußball zu zelebrieren elektrisierte er die Fans auf den Rängen. „Stan“ – jeder wusste in den 1960er Jahren, wer sich hinter diesem Namen verbarg.[1] Libuda hat für die Vereine FC Schalke 04 und Borussia Dortmund insgesamt 264 Bundesligaspiele absolviert und 28 Tore erzielt. In der Nationalmannschaft kam er in 26 Länderspielen zum Einsatz und erzielte drei Tore.[2]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhard Libuda wurde 1943 in Wendlinghausen im Landkreis Lemgo geboren, wohin die Familie Libuda im Zweiten Weltkrieg gezogen war. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Gelsenkirchen in das Arbeiterviertel Haverkamp im Stadtteil Bismarck zurück. Als Schüler spielte er stundenlang Fußball auf der Straße. Anfangs turnte Reinhard im Turnverein Einigkeit Bismarck, dann zog es ihn zu den Fußballern bei Rot-Weiß Bismarck. Doch hier fand er keine Bindung. Im Jahr 1952 meldete ihn sein Vater beim FC Schalke 04 an, für den er fortan in der Jugendabteilung spielte. Unter der Leitung von Fritz Thelen entwickelte sich das Talent des Instinkt- und Straßenfußballers rasant; mit der Förderung von Thelen entwickelte sich Libuda zu einem zukünftigen Star des Revierfußballs.[3]

Da er bereits mit 17 Jahren als Vertragsspieler verpflichtet worden war, schloss er seine Lehre zum Maschinenschlosser nicht ab. Bereits in der A-Jugend ragte die Ballbehandlung, das Täuschungsvermögen und der Antritt bei dem Offensivtalent weit über den Durchschnitt hinaus und führte den Dribbler und Flankengeber am Flügel über die westdeutsche Jugendauswahl auch in die Jugendnationalmannschaft des DFB. Während des UEFA-Juniorenturniers 1961 in Portugal debütierte der Schalker beim Spiel gegen Polen (1:2) in der Jugendnationalmannschaft. DFB-Trainer Helmut Schön hatte den Angriff mit Fritz Boyens, Wolfgang Overath, Horst Wild, Gerhard Elfert und Libuda[4] in das Halbfinale dieses prestigeträchtigen Nachwuchsturnieres geschickt. Auch 1962 nahm Libuda mit den DFB-Junioren am UEFA-Turnier in Rumänien teil; jetzt mit seinem Vereinskamerad, Jugendfreund und späteren Trauzeugen, Karl-Heinz Bechmann.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem letzten Jahr der alten erstklassigen Oberliga, 1962/63, stattete Schalke 04 die Nachwuchsspieler Bechmann, Libuda und Willi Kraus mit Verträgen aus und nahm noch die externen Spieler Horst Mühlmann, Friedel Rausch und Walter Rodekamp neu unter Vertrag. Bereits am ersten Spieltag, den 18. August 1962, debütierte Libuda beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (2:2) in der Oberliga West. Trainer Georg Gawliczek hatte mit der Angriffsformation Libuda, Waldemar Gerhardt, Willi Koslowski, Werner Ipta und Rodekamp die Runde begonnen. Am Rundenende hatte das Nachwuchstalent in 25 Ligaeinsätzen mit acht Toren in seinem Ligadebüt überzeugt und Schalke hatte sich mit dem 6. Rang für die neue Fußball-Bundesliga ab der Saison 1963/64 qualifiziert.[5] Gleich in seinem Debütjahr in der Oberliga West wurde das Nachwuchstalent in das „Revier-Team“ der Saison 1962/63 aufgenommen.[6]

Er war auch in der Bundesliga Stammspieler als Rechtsaußen und wurde schnell zum Schalker Publikumsliebling. Bereits im September 1963 wurde das Flügelstürmertalent von Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in der Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen die Türkei (3:0) eingesetzt. Er bildete mit Werner Krämer den rechten Flügel der deutschen Mannschaft.[7] An guten Tagen war er einer der besten Rechtsaußen, den kaum ein Abwehrspieler aufhalten konnte. Er war nicht nur wendig und flink, sondern auch enorm dribbelstark und deshalb von vielen Verteidigern gefürchtet. Seinen Spitznamen „Stan“ bekam er in Anlehnung an den legendären englischen Rechtsaußen Sir Stanley Matthews, den „Erfinder“ des berühmten Matthews-Tricks (= links antäuschen, rechts vorbeigehen), den Libuda perfekt beherrschte. Aus der Zeit stammt das geflügelte Wort „An Gott kommt keiner vorbei, außer Stan Libuda“.[8][9] Libuda galt als äußerst sensibel, weshalb seine Gegenspieler ihn nicht selten verbal provozierten, um ihm so den Mut zu nehmen.

Als Schalke 1965 in der Bundesliga unter Trainer Fritz Langner und mit Spielern wie Willi Schulz, Hans Nowak, Friedel Rausch, Manfred Kreuz, Egon Horst, Waldemar Gerhardt, Günther Herrmann, Willi Koslowski und Libuda auf dem letzten Platz landete und damit sportlich abgestiegen war, entschloss sich der Flügelstürmer, zu Borussia Dortmund zu wechseln, um weiter in der Bundesliga spielen zu können und dazu nicht umziehen zu müssen.[10][11] Beim BVB erlebte der sensible Angreifer endlich auch Erfolge als Vereinsspieler: Er errang mit der Elf vom Borsigplatz 1965/66 unter Trainer Willi Multhaup in der Bundesliga die Vizemeisterschaft und gewann mit der Borussia als Höhepunkt den Europapokal der Pokalsieger. Mit dem BVB gelang ihm sein berühmtestes Tor: Am 5. Mai 1966 traf er in der 107. Spielminute in der Verlängerung zum 2:1-Sieg des BVB gegen den Favoriten FC Liverpool und sicherte damit den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Nach einer „Bogenlampe“ von Libuda aus rund 25 Metern Entfernung prallte der Ball vom linken Torpfosten dem Liverpooler Stopper Ron Yeats gegen den Körper, der ihn dadurch ins eigene Tor lenkte. Ausgerechnet ein ehemaliger Schalker sorgte dafür, dass Borussia Dortmund an diesem Abend im Hampden Park nationale Geschichte schrieb als erster deutscher Sieger eines Europapokal-Wettbewerbs.[12] Auch im Halbfinale gegen Titelverteidiger West Ham United hatte der Neuzugang aus Schalke mit ausgezeichneten Auftritten aufgewartet. Alfred Heymann, für die Westfälische Rundschau vor Ort, schrieb nach dem 2:1 in London begeistert:„Libuda setzte sogar die britischen Zuschauer in Erstaunen, wenn er ein ums andere Mal an seinen vielen Bewachern vorbeizog. Seine Dribblings waren wieder eine Augenweide.“[13]

1968 kehrte Libuda nach drei Spielzeiten beim BVB zurück zu seiner „großen Liebe“ Schalke und zog 1969 mit „Königsblau“ in das Pokalfinale ein. Er wurde Spielführer einer Mannschaft, die sich mit Spielern wie Norbert Nigbur, Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Erwin Kremers und Helmut Kremers zu einem ernsthaften Titelkandidaten entwickelte und mit der Offensivformation Libuda, Fischer und Erwin Kremers eine der besten Angriffsreihen in der Geschichte der Bundesliga stellte. Die besondere Qualität der Schalker Mannschaft der Saison 1971/72 zeigte sich nicht nur durch die drei Punkte Vorsprung bei der Erringung der Herbstmeisterschaft, sondern insbesondere darin, dass die sportliche Konkurrenz der FC Bayern München mit seiner Jahrhundert-Achse Maier-Beckenbauer-Müller darstellt und am Grünen Tisch zusätzlich DFB-Chefankläger Hans Kindermann die Schalker Skandal-Sünder jagt. Bei den täglichen neuen Enthüllungen geht die Konzentration auf dem Rasen verloren, Schalke wird nur Vizemeister.[14] Sein größter Erfolg nach der knapp verpassten Meisterschaft 1972 war der Pokalgewinn im selben Jahr gegen den 1. FC Kaiserslautern. Unter Trainer Ivica Horvat hatte der Mannschaftskapitän in der Bundesligarunde 30 Ligaspiele absolviert und drei Tore erzielt.[15]

Im Pokalfinale gegen Kaiserslautern ließ Schalke zu keiner Phase Zweifel an ihrem Sieg aufkommen. „Stan“ Libuda in seinem (vorerst) letzten Spiel für Schalke sowie Rolf Rüssmann avancierten zu den überragenden Akteuren einer Schalker Galavorstellung, bei der alle eingesetzten Akteure in Hochform waren. [...] In der zweiten Halbzeit brannten die Königsblauen ein wahres Feuerwerk an Spielkunst ab, an dem die Fans ihre helle Freude hatten und das sie auf eine glorreiche Zukunft hoffen ließ.[16]

Wegen seiner Verstrickung in den Bundesliga-Skandal wurde Libuda vom DFB in den Verhandlungen um den Bestechungsskandal 1972 auf Lebenszeit gesperrt, zwei Jahre später jedoch begnadigt. In der Zwischenzeit spielte der Dribbelkünstler bei Racing Straßburg in Frankreich. 1973 kehrte er zu Schalke zurück; 1976 beendete er seine Karriere endgültig, nachdem er in der Saison 1974/75 nur noch in fünf Bundesligaspielen zum Einsatz gekommen war. Seine letzten Bundesligaminuten erlebte er am 21. September 1974, als er bei einem 3:0-Heimerfolg gegen Fortuna Düsseldorf in der 83. Minute für Erwin Kremers eingewechselt wurde. Auf Rechtsaußen stürmte sein Nachfolger Rüdiger Abramczik.[17]

Nationalelf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte Libuda mit 19 Jahren im September 1963 in Frankfurt beim Spiel gegen die Türkei unter Bundestrainer Sepp Herberger. Es folgten danach noch die Spiele gegen Schweden, Marokko, Algerien, Tschechoslowakei und am 13. Mai 1964 in Hannover gegen Schottland (2:2). Mit Beginn der Ära Helmut Schön und dem sportlichen Absturz von Schalke 04 fand dann aber keine kontinuierliche Berücksichtigung des Schalker Flügelstürmers in den nächsten drei Runden mehr statt. Lediglich am Rundenende 1964/65, dem Länderspiel am 6. Juni 1965 in Rio de Janeiro gegen Weltmeister Brasilien (0:2), kam Libuda zu seinem siebten Nationalmannschaftseinsatz, dem ersten unter Bundestrainer Schön. Das er in den zwei sportlich sehr erfolgreichen Runden 1965/66 (Vizemeister und Europapokalsieger) und 1966/67 (3. Rang in der Bundesliga) mit Borussia Dortmund völlig leer in der A-Nationalmannschaft ausging, das ist nur schwierig erklärbar. Es gab zwar bereits Jürgen Grabowski, aber der Frankfurter gehörte auch erst ab 1970 zum festen Inventar der Nationalmannschaft. Fahrt nahm die Nationalmannschaftskarriere von Libuda erst in der Rückrunde 1968/69 wieder auf, als er am 26. März 1969 in Frankfurt beim 1:1 gegen Wales zu seinem 10. Länderspiel auflief.

Seinen wichtigsten Treffer für Deutschland erzielte er am 22. Oktober 1969 im Hamburger Volksparkstadion in der Partie gegen Schottland. Er erlief einen langen Pass von Helmut Haller aus der eigenen Hälfte, setzte zu einem Sololauf über das halbe Feld an und schoss das 3:2 für die deutsche Mannschaft. Die Begegnung am 22. Oktober 1969 wurde „zu einem der erregendsten Fußballereignisse, die jemals auf deutschem Boden stattfanden“ (Schön). Bis heute bleibt die Partie untrennbar mit dem Namen 'Stan" Libuda verbunden. Der Journalist Jo Viellvoye kürte Libuda anschließend zum „Mann des Jahres für den deutschen Fußball“, der es mit seinem Auftritt im Volksparkstadion endlich verdient habe, „so genannt zu werden wie der große Stan Matthew“.[18] Dieser Treffer sicherte die Qualifikation zur WM 1970 in Mexiko. Dort machte er in der Vorrunde das „Spiel seines Lebens“. Beim 5:2-Sieg gegen Bulgarien erzielte er den zwischenzeitlichen Ausgleich, holte einen Elfmeter heraus und bereitete zwei weitere Treffer vor. In der Gemeinschaftsproduktion von Hennes Weisweiler, Sportinformationsdienst und der Bertelsmann Sportredaktion ist zur Leistung von Libuda im WM-Spiel gegen Bulgarien unter anderem festgehalten: „Der Schalker Dribbelkünstler und Ballartist Reinhard 'Stan' Libuda hatte eine Sternstunde. Mit seinen Sololäufen und genauen Pässen beflügelte er das Spiel der ganzen Mannschaft, schoß selbst das erste Tor und bereitete drei weitere vor. Seine Bewacher fanden kein Mittel, ihn zu stoppen. Mehr als einmal zogen sie die Notbremse. Immer wieder war es Libuda, der für Verwirrung in der bulgarischen Abwehr sorgte. [...] Nach dem Spiel gab Franz Beckenbauer ganz offen zu: 'Gewonnen hat uns dieses Spiel Stan Libuda. Eine phantastische Leistung.' Ähnlich urteilte auch Wolfgang Overath: 'Entscheidend war unsere bessere Taktik. Bei solcher Hitze muß man anders als gewöhnlich spielen. Solange der Ball in den eigenen Reihen ist, kann der Gegner kein Tor machen. Außerdem hat es sich heute gezeigt, daß es nicht ohne gute Außenstürmer geht. Wir alle können uns bei Libuda bedanken. Er war heute der Beste von uns!“[19] Insgesamt kam er bei dem Turnier auf fünf Einsätze, auch beim sogenannten Jahrhundertspiel gegen Italien (3:4 nach Verlängerung).

1970 erhielt er, nachdem die deutsche Nationalmannschaft in Mexiko den 3. Platz erreicht hatte, das Silberne Lorbeerblatt.[20]

1971 absolvierte er sein letztes Länderspiel. Beim EM-Qualifikationsspiel am 17. November in Hamburg gegen Polen (0:0) stürmte er auf Rechtsaußen an der Seite von Gerd Müller und Jürgen Grabowski. Obwohl er mit Schalke Vizemeister in der Bundesliga geworden war, kam er in der EM-Endrunde im Juni 1972 in Belgien nicht zum Einsatz. Das Finale gewann Deutschland am 18. Juni mit 3:0 gegen die Sowjetunion und Kapitän Libuda führte Schalke 04 am 1. Juli zum 5:0-Pokaltriumph gegen den 1. FC Kaiserslautern. Bei insgesamt 26 Länderspieleinsätzen erzielte er drei Tore.[21]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stan Libuda ist unter den nicht wenigen Schalker Legenden derjenige Spieler, mit dem die meisten Emotionen verbunden sind. Geradezu kultisch wird er von den Fans verehrt. Generationen haben sich mit Stan Libuda identifiziert, und sie tun es noch immer. Reinhard Libuda war der populärste Schalker der 1960er und 1970er Jahre, weil er wahrscheinlich der beste Rechtsaußen war, den Deutschland je gesehen hat. Schon deshalb, als Spieler, wurde er geliebt. Aber auch als Mensch, denn dieser Mann hat vorgelebt, wie schnell es gehen kann, von ganz oben nach ganz unten abzustürzen. So treibt die Erinnerung an Stan Libuda vielen Schalkern heute noch Tränen in die Augen – ob seiner Spielkunst und seiner Lebensgeschichte. Der „Mann mit den traurigen Augen“, wie er genannt wurde, war auf dem Platz ein Genie, im Leben aber ein Gescheiterter. Stan Libuda spielen zu sehen, war das Größte was Fußball-Liebhabern passieren konnte. An guten Tagen war er ohne Zweifel der beste Rechtsaußen der Welt, niemand konnte ihn aufhalten. Er war wendig, er war flink, und er wusste wie man einen Gegner „nass macht“. Mit dem Stanley-Matthews-Trick, rechts antäuschen, links vorbeigehen. In meist leicht gebückter Körperhaltung spielte „Stan“ sie alle schwindelig. Die Glückauf-Kampfbahn tobte, wenn Libuda an besonders guten Tagen aufdrehte. Libudas Täuschungskunst war so groß, dass er seine Gegner immer wieder auf seine unwiderstehliche Art narrte: rechts antäuschen, Hakenschlag, dann links vorbei. Und weg war er! Dem Ball eng am Fuß, die Dribblings präzise, dann zischten die Flanken in den Strafraum. „Er war ein Künstler, ein Genie. Keiner, der Libuda spielen sah, kam daran vorbei, sein Fan zu werden“, sagte der Nationalspieler Erwin Kostedde über ihn. Es gehört aber auch dazu, dass sich bei Libuda die genialen Tage mit grottenschlechten Auftritten wechselten. So sehr sie ihn verehrten, so sehr sind die Fans auch immer an Libuda verzweifelt. Weltklasse oder Kreisklasse – für Stan gab es selten die Mittelmäßigkeit. In diesem Widerspruch, im Zurschaustellen dieser Polaritäten, liegt ein Großteil seiner unglaublichen Popularität begründet.[22]

Leben nach der Sportkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Sportkarriere zerbrach seine Ehe; er hatte mit seiner Ehefrau einen Sohn. Er fand lange Zeit keine Arbeit, war auf Arbeitslosenhilfe angewiesen und lebte zurückgezogen in Gelsenkirchen-Haverkamp.[23][24][25] Er bekam schließlich mit Hilfe von Rolf Rüssmann eine Stelle bei der Thomas-Gruppe, einer Papierveredlungsfirma im Haverkamp. 1974 übernahm er von Ernst Kuzorra einen kleinen Tabakladen in der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke;[26] diesen übergab er später an Heinz van Haaren.

Libuda starb am 25. August 1996 im Alter von 52 Jahren nach einem Schlaganfall. Libuda war der erste Spieler der Mannschaft des Jahrhundertspiels von 1970, der starb. Er wurde auf dem Ostfriedhof Gelsenkirchen bestattet.[27]

Obwohl er so verschlossen war, obwohl er sich nach seiner Karriere vor jeglichem Rummel versteckt gehalten hatte, verehrten ihn seine Anhänger. Bis heute steht der Name Stan Libuda als Synonym für einen Kultfußballer des Ruhrgebiets. LI-BU-DA. Diese Sprechchöre, die damals von den Rängen der Glückauf-Kampfbahn schallten, dieses Stakkato: Wer das hörte, vergisst es nie. Wer ihn tricksen und flanken sah, schwärmt noch immer. [...] Er sei einsam gestorben, behauptete der Boulevard, weil es so gut ins Bild passte. Stan Libuda lebte zurückgezogen, das ja. Er war auch schüchtern und scheu. Aber einsam? Die Menschen aus dem Haverkamp, die ihn besser kannten, wussten anderes zu berichten. 500 Trauernde kamen zu seiner Beerdigung, es regnete in Strömen. Der Soziologe Norbert Kozicki, Autor der auch mit Verehrung verfassten Biografie „Reinhard Stan Libuda – ein einfacher Junge aussem Kohlenpott“, schrieb über diesen traurigen Tag treffend: „Stan machte alle noch einmal richtig nass.“[28]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dribbelstärke Libudas war legendär. Als in den 1960er Jahren Plakate im Ruhrgebiet mit der Aufschrift „An Gott kommt keiner vorbei“ für eine religiöse Veranstaltung warben, wurde angeblich eines davon durch einen unbekannten Fan mit dem Zusatz „…außer Stan Libuda“ versehen. Ob darauf „Gott“ oder „Jesus“ stand, ob es für die Zeugen Jehovas warb, den Prediger Billy Graham oder für den Evangelisten Werner Heukelbach, ist unklar.[29][30][31] Der Spruch ist auch titelgebend für das Musical nullvier – an Gott kommt keiner vorbei (2004) über den FC Schalke 04.[32]
  • 1970, während der Weltmeisterschaft in Mexiko, sagte Bulgariens Trainer, nachdem seine Verteidiger an dem hakenschlagenden Libuda gescheitert waren: „Diesen Mann kann man nur mit einer Flinte erlegen.“[31]
  • 2003 entdeckte ein Fan einen Schreibfehler auf Libudas Grabstein – dort stand „Rainard“ statt „Reinhard“. Der Fan meldete sich beim FC Schalke 04; der damalige Manager Rudi Assauer versprach, dies zu ändern. 2004 wurde der Grabstein auf Initiative und nach Protestaktionen eines weiteren Libuda-Fans geändert.
  • Libudas Tor im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1965/66 gegen den FC Liverpool wurde von den Fans im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen von Borussia Dortmund bei der Wahl zum „BVB-Tor des Jahrhunderts“ auf den zweiten Platz gewählt.
  • Die Zufahrtsstraße westlich der Veltins-Arena in Gelsenkirchen heißt „Stan-Libuda-Weg“.

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliche Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon. SVB Sportverlag. Berlin 1997. ISBN 3-328-00749-0. S. 283
  2. Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963–1994. S. 305
  3. Thilo Thielke: „An Gott kommt keiner vorbei ...“. Das Leben des Reinhard „Stan“ Libuda. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2002. ISBN 3-89533-377-8. S. 17/18
  4. Karl-Heinz Heimann, Karl-Heinz Jens: Kicker-Almanach 1989. Copress-Verlag. München 1988. ISBN 3-7679-0245-1. S. 407
  5. Harald Landefeld, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): „Helmut, erzähl mich dat Tor ...“. Neue Geschichten und Porträts aus der Oberliga West 1947 bis 1963. Klartext Verlag. Essen 1993. ISBN 3-88474-043-1. S. 140/141
  6. Ralf Piorr (Hrsg.): Der Pott ist rund. Das Lexikon des Revier-Fußballs: Die Chronik von 1945 bis 2005. Klartext Verlag. Essen 2005. ISBN 3-89861-358-5. S. 77
  7. Karl-Heinz Heimann, Karl-Heinz Jens: Kicker-Almanach 1989. Copress-Verlag. München 1988. ISBN 3-7679-0245-1. S. 59
  8. Und ewig fällt das Wembley-Tor. Der Tagesspiegel, 6. August 2013
  9. An Gott kommt keiner vorbei. Das Leben des Reinhard „Stan“ Libuda. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2002
  10. Der Garrincha vom Schalker Markt. 11 Freunde, 7. April 2016
  11. Stan Libuda: Er kam an fast allen vorbei. dfb.de, 13. Oktober 2014. Abgerufen 30. Mai 2018
  12. Matthias Weinrich: Der Europapokal, Band 1: 1955 bis 1974. Agon Sportverlag. Kassel 2007. ISBN 978-3897842-526. S. 219
  13. Gregor Schnittker: Die Helden von 66. Erster deutscher Europapokal-Sieger Borussia Dortmund. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2016. ISBN 978-3-7307-0250-5. S. 96
  14. Ralf Piorr (Hrsg.): Der Pott ist rund. Das Lexikon des Revier-Fußballs: Die Chronik von 1945 bis 2005. Klartext Verlag. Essen 2005. ISBN 3-89861-358-5. S. 118
  15. Matthias Weinrich: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. 35 Jahre Bundesliga, Teil 1: Die Gründerjahre 1963–1975. Agon Sportverlag. Kassel 1998. ISBN 3-89784-132-0. S. 265
  16. Matthias Weinrich, Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Deutsche Pokalgeschichte seit 1935. Agon Sportverlag. Kassel 2000. ISBN 3-89784-146-0. S. 262
  17. Matthias Weinrich: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. 35 Jahre Bundesliga, Teil 1: Die Gründerjahre 1963–1975. Agon Sportverlag. Kassel 1998. ISBN 3-89784-132-0. S. 364, 372
  18. Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2008. ISBN 978-3-89533-578-5. S. 227/228
  19. Hennes Weisweiler, Sportinformationsdienst, Bertelsmann Sportredaktion (Gemeinschaftsproduktion): IX. Fußball-Weltmeisterschaft Mexico 1970. Bertelsmann GmbH. Gütersloh 1970. S. 120–127
  20. Unterrichtung des Bundestages durch die Bundesregierung vom 29. September 1973 – Drucksache 7/1040 – Anlage 3 Seiten 54 ff., hier Seite 59
  21. Matthias Arnhold: Reinhard 'Stan' Libuda – International Appearances. RSSSF. 8. Juni 2017. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  22. Jürgen Boebers-Süßmann: Die Ewigkeit ist königsblau. Kuzorra, Libuda & Co. Die besten Schalker Spieler aller Zeiten. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009. ISBN 978-3-89533-678-2. S. 107–114
  23. RevierSport 56/2013, S. 38 f.
  24. Hinweis in: Borussia, Das Mitgliedermagazin, Heft 102 vom 30. Januar 2016, S. 47
  25. Fußball-Legende: Im Namen des Vaters, Die Zeit 33/2001, 9. August 2001
  26. Ernst Kuzorra. In: Gelsenkirchen. Abgerufen am 26. März 2021.
  27. knerger.de: Das Grab von Reinhard “Stan” Libuda
  28. Peter Müller in Wir Kinder der Bundesliga: Klartext Verlag. Essen 2013. ISBN 978-3-8375-0999-1. S. 59, 61
  29. Schalkes Dribbelwunder: 11 Zitate von und über Stan Libuda. Spiegel online, 6. April 2016
  30. Der Fremde. 11 Freunde, 7. April 2016
  31. a b Lob des Eigensinns: Stan Libuda. Die Zeit, 12. November 2009
  32. Schalke jetzt als Musical. Rheinische Post, 27. Januar 2004