Straßenbahn Toulouse

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Straßenbahn Toulouse
Bild
Basisinformationen
Staat Frankreich
Stadt Toulouse
Eröffnung 11. Dezember 2010
Betreiber Tisséo-Réseau urbain
Infrastruktur
Streckenlänge 16,7 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 750 V DC Oberleitung
Haltestellen 24
Betrieb
Linien 2
Takt in der HVZ 8 min
Fahrzeuge 24 Alstom Citadis 302
Statistik
Fahrgäste 18 000 pro Tag
Netzplan
Netzplan (seit April 2015)

Die Straßenbahn Toulouse (frz. Tramway de Toulouse) ist eine Straßenbahn in der südfranzösischen Stadt Toulouse, welche, streikbedingt mit zweiwöchiger Verspätung, am 11. Dezember 2010 ihren Betrieb aufnahm. Sie ergänzt das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt, welche davor von zwei Métro-Linien (System VAL), zwei TER-Linien und Buslinien geprägt war. In der ersten Ausbaustufe führt die Linie T1 auf einer Länge von 10,9 km vom Verkehrsknotenpunkt Arènes Richtung Nordwesten zu den Vororten Blagnac und Beauzelle. Betrieben wird sie vom Verkehrsunternehmen Tisséo.

Wie in zahlreichen anderen französischen Städten ist das neue Netz eine Renaissance: Schon zwischen 1887 und 1957 gab es in Toulouse einen Straßenbahnbetrieb.

Die Straßenbahn von 1887 bis 1957[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 31. Juli 1887 eröffnete die Société des transports en commun de la région toulousaine den ersten Straßenbahnbetrieb, zunächst als normalspurige Pferdebahn. 1906 hielt die elektrische Straßenbahn Einzug, bis 1950 wurde das Netz weiter ausgebaut.[1] 1948 versuchte die Stadt die Straßenbahn durch einen O-Bus zu ersetzen, was aber scheiterte. Schlussendlich wurde am 7. Juli 1957 der Betrieb zugunsten der Busse und des Automobilverkehrs eingestellt.

Die Rückkehr der Straßenbahn 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das starke Wachstum von Toulouse wurden auch nach Eröffnung dreier wichtiger Verkehrsachsen als Métro Toulouse (Linien A und B) und als TER-Linie (Linie C) weitere Linien auf eigener Trasse geplant. Zur Anbindung des nordwestlichen Ballungsraums wählte man allerdings keine Métro oder bevorrangte Buslinie, sondern eine klassische Straßenbahnlinie aus, die sich in verschiedenen Studien als sinnvollste Lösung herausgestellt hatte. 2004 legte man den Streckenverlauf für die zukünftige Linie T1 fest, im Juli 2007 begannen die Bauarbeiten.[2]

Linie T1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Linie T1 – in früheren Planungen als Linie E bezeichnet – markiert die Rückkehr der Straßenbahn nach Toulouse. Ausgehend vom Verkehrsknotenpunkt Arènes, bei der eine Umsteigemöglichkeit zur Métrolinie A, zur TER-Linie C als auch zu verschiedenen Buslinien gegeben ist, bedient sie auf einer Strecke von 10,9 km mit 18 Haltestellen die nordwestlichen Stadtbezirke sowie die Vorortsgemeinden Blagnac und Beauzelle. In letzterer befindet sich die Endstelle Garossos-Aéroconstellation. Der durchschnittliche Haltestellenabstand beträgt dabei 641 m.[3]

Endhaltestelle Aéroconstellation, links die Zufahrt zum Betriebshof
Linienband der Linie T1 bis Dezember 2013
Verzweigung der Linien T1 und T2 (nach links) nahe der Station Ancely

Die Eröffnung der Straßenbahn war ursprünglich für den 27. November 2010 vorgesehen, allerdings kam es streikbedingt zu einer Verzögerung von zwei Wochen. Die Linie T1 soll bis zum Grand Rond verlängert werden (siehe nächster Abschnitt, Ligne Garonne). Die Verlängerung bis zur Metro-Station Palais de Justice wurde am 20. Dezember 2013 eröffnet. Die Linie T1 verkehrt im mittleren und östlichen Abschnitt ab voraussichtlich Anfang 2015 parallel zur zukünftigen Linie T2.

Linie T2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Linie T2 wurde am 11. April 2015 in Betrieb genommen und führt vom Palais de Justice zum Flughafen (Aéroport), wobei die Linien T1 und T2 13 Haltestellen gemeinsam nutzen. Die Strecke T1 wurde quasi nur um den Abzweig Envol erweitert (siehe nächster Abschnitt, Ligne Garonne).

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Verlängerung Ligne Garonne (in Betrieb seit 2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stationen der Linie Garonne – die Station Rapas wurde als Avenue de Muret realisiert
Endhaltestelle Palais de Justice, im Hintergrund ein Zug in der Wendeanlage
Avenue de Muret, einzige Station mit Mittelbahnsteig

Ende 2013 ging die Verlängerung der Linie T1, anfangs als Linie G bezeichnet, vom Knoten Arènes in die Stadt Richtung Osten zum Grand Rond (Metro-Station Palais de Justice) in Betrieb. Für diese Verlängerung wurden zwei Varianten untersucht. Die Bauarbeiten begannen Anfang 2012 [4] und die Erprobung begann im Oktober 2013, zwei Monate vor Inbetriebnahme (siehe oben, Abschnitt Linie T1).

Die zur Ausführung gelangte Planung sah eine Querung der Garonne über die Brücke Pont Saint-Michel vor, danach sollte die Strecke zum Justizpalast, ihrer Endstelle, führen. Ursprünglich war vorgesehen sie bis zur Station Jardin-des-Plantes-Muséum zu führen, dort soll später in die Linie Canal umgestiegen werden. Diese Streckenführung ist zwar teurer (115 Millionen Euro), aber auch länger (3,8 km mit sieben Stationen) und bedient ein höheres Einzugsgebiet, bietet direkten Anschluss zur Métrolinie B und lässt sich leichter verlängern.[5]

Die zweite vorgeschlagene Variante sah hingegen eine Überquerung der Garonne über die Brücke Pont Pierre-de-Coubertin vor, womit das Stadium Municipal bedient werden könnte. Die Endstelle wäre bei dieser Variante Saint-Michel auf dem Boulevard des Récollets. Dieser Vorschlag war nicht nur deutlich kürzer (2,9 km mit nur fünf Stationen), sondern auch billiger (85 Millionen Euro). Allerdings ist das Einzugsgebiet kleiner, ein längerer Umsteigeweg zur Métrolinie B müsste in Kauf genommen werden und eine Verlängerung würde sich aufgrund der Beschaffenheit der Avenue Crampel problematisch erweisen.[5]

2. Verlängerung Ligne Envol (im Betrieb seit 2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endhaltestelle Aéroport der Linie T2
Trasse der Linie Envol

Die Anbindung der Straßenbahn an den Flughafen Toulouse-BlagnacLigne Envol (Fluglinie) – erfolgt durch eine 2,5 km lange Zweigstrecke der Linie T1. Die Verlängerung umfasst drei Haltestellen, der Fahrzeugbedarf beträgt drei Wagen. Der Beginn der Bauarbeiten erfolgte Anfang 2013, die Inbetriebnahme erfolgte Mitte April 2015.[6][7][8] Die Kosten für diesen 2,5 km langen Abschnitt betrugen 73,4 Millionen Euro, ursprünglich wurden 55 Millionen Euro veranschlagt. Als teuer erwiesen sich die Überquerung der Autobahn A621. Außerdem wurden gegenüber der ursprünglichen Planung Radwege parallel zur neuen Trasse angelegt, was zusätzlichen Grunderwerb notwendig machte. Auf dem Abschnitt werden täglich 9500 Fahrgäste erwartet.[9] Der Probebetrieb begann am 19. Januar und der Linienbetrieb am 11. April 2015[10][11]

Vom Hauptnahverkehrsknoten Arènes ist der Flughafen mit der Linie T2 innerhalb von 18 Minuten zu erreichen.

Die Linie T1 führt zwar 800 m vom Flughafen entfernt vorbei, auf eine direkte Anbindung hatte man in der ersten Bauphase aber verzichtet. Als Alternative war neben dieser Zweigstrecke auch eine direkte Straßenbahnlinie vom Flughafen zum Bahnhof Toulouse-Matabiau im Gespräch, allerdings wurde aus finanziellen Gründen auf diese Lösung zurückgegriffen. Außerdem hat die Zweigstrecke den Vorteil, dass dabei auch Fabriken bedient werden, die unter anderem von Airbus und ATR betrieben werden.

3. Verlängerung Ligne Canal (geplant)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese im Vergleich zu den beiden ersten Netzerweiterungen deutlich längere Strecke, früher auch als Linie F bezeichnet, sollte entlang des Canal du Midi vom Pont Jumeau zum Pont des Demoiselles das Stadtzentrum im Osten umfahren, dabei soll auch der Bahnhof Marengo angebunden werden. Die Realisierung sollte bis 2020Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren erfolgen. Durch den Regierungswechsel 2014 ist die Realisierung fraglich geworden, da der neue Bürgermeister eine dritte Metrolinie zwischen den beiden Luft- und Raumfahrtzentren im Südösten und Nordwesten plant, die die Innenstadt östlich, also in der Nähe des Kanals, umfahren soll.

Fuhrpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Citadis 302 Bauart Toulouse in der Wendeanlage Palais de Justice
Zufahrt zum Betriebshof mit bemerkenswerter Gleisführung

Für die Linie T1 wurden 18 Niederflurwagen vom Typ Citadis 302 des französischen Herstellers Alstom angeschafft, die Bestellung kann auf 24 Wagen aufgestockt werden. Mit einer Länge von 32,4 m und einer Breite von 2,40 m fassen die Fahrzeuge 212 Fahrgäste (48 Sitzplätze und 164 Stehplätze).[12] Eine Verlängerung der Straßenbahn um circa 10 Meter mit zwei Modulen zum Typ Citadis 402 ist möglich, wodurch das Fassungsvermögen auf knapp 300 Passagiere steigen würde.[2] Das Design ist wie bei nahezu allen französischen Straßenbahnbetrieben individualisiert und wurde von Alstom in Zusammenarbeit mit Airbus gestaltet.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Straßenbahn Toulouse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Toulouse. Un tramway chasse l'autre la depeche.fr. Abgerufen am 7. November 2010.
  2. a b Airbus auf Schienen – Straßenbahn Magazin Abgerufen am 26. März 2011.
  3. Tram Ligne T1 Tisséo. Abgerufen am 7. November 2010.
  4. Le calendrier des travaux auf tram-garonne.fr
  5. a b La future ligne G du tramway au banc d'essai la depeche.fr. Abgerufen am 7. November 2010.
  6. Calendrier ligne envol auf smat-toulouse.fr
  7. Blagnac. Ligne Envol pour desservir l'aéroport : la concertation démarre la depeche.fr. Abgerufen am 7. November 2010.
  8. Enquête publique sur le projet de la ligne de tramway Envol (PDF; 2,8 MB), 13. April 2012, abgerufen am 11. August 2012
  9. Caractéristiques Ligne Envol auf smat-toulouse.fr
  10. Le tram Envol a roulé jusqu'à l'aéroport auf ladepeche.fr, 20. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015
  11. Mobilitciés vom 10. April 2015: Toulouse : le 11 avril, le tramway desservira l'aéroport de Blagnac abgerufen am 15. April 2015 (französisch)
  12. a b Tramway. La première rame a été dévoilée la depeche.fr. Abgerufen am 7. November 2010.