Straßenbahn Dijon

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Straßenbahn
Straßenbahn Dijon
Bild
Linie T1 an der Haltestelle DIJON Gare
Basisinformationen
Staat Frankreich
Stadt Dijon
Eröffnung 1. September 2012
Betreiber Keolis Dijon
Verkehrsverbund Divia
kommunaler Verkehrsverbund Dijon
Infrastruktur
Streckenlänge 18,9 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 750 V Gleichstrom
Haltestellen 34
Betriebshöfe 1
Betrieb
Linien 2
Linienlänge 20 km
Takt in der HVZ 5
Takt in der SVZ 7
Reisegeschwindigkeit 20 km/h
Fahrzeuge 33 Alstom Citadis 302
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Statistik
Fahrgäste 100'000 pro Tag (Prognose)[1]
Einwohner im
Einzugsgebiet
76 Tsd.
Netzplan
Plan der zwei Linien

Die Straßenbahn Dijon (frz. Tramway de Dijon) ist ein Straßenbahnsystem in der französischen Stadt Dijon, das seit dem 1. September 2012 in Betrieb ist. Eine zweite Linie ist am 8. Dezember 2012 in Betrieb gegangen. Das Netz wird von Keolis Dijon betrieben.

Schon von 1895 bis 1961 verkehrte eine Straßenbahn, teilweise als Oberleitungsbus. Sie entstand aus den seit 1888 existierenden Pferdebussen.

Pferdebus und meterspurige Straßenbahn bis 1961[Bearbeiten]

Straßenbahn auf der Place du Théâtre

Von 1888 an verkehrten sogenannte „Cars Rippert“ als Pferdebusse. Zu diesem Zweck wurde die Compagnie des omnibus-tramways de Dijon (ODT) gegründet, welche zwei Linien betrieb. Die erste führte von der Place Wilson zum Bahnhof Dijon-Ville, die zweite von der Place de la République zur Place du Premier Mai.[2]

Der elektrische Betrieb wurde im Jahr 1895 aufgenommen. Die Konzession wurde der Compagnie des Tramways Electriques de Dijon (TED) erteilt, welche das Netz für die nächsten 60 Jahre betreiben sollte.[2]

Zusätzlich gab es ein überregionales Netz (Chemins de fer départementaux de la Côte-d’Or), welches meterspurige Nebenbahnen betrieb. Die größte Ausdehnung des Netzes betrug 358 km, unter anderem wurden folgende Gemeinden bedient: Champlitte, Châtillon-sur-Seine, Semur-en-Auxois, Beaune und Nuits-Saint-Georges.

Der Niedergang der Straßenbahn begann 1930, schließlich endete der Betrieb im Jahr 1961, ein Trolleybussystem wurde noch vom 7. Januar 1950 bis zum 30. März 1966 betrieben. Letzteres wurde durch Busse ersetzt.[3][4]

Der Weg zur Wiedereinführung einer Straßenbahn[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde entschieden, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen; unter anderem sollte die Geschwindigkeit und die Taktfolge erhöht werden.[5] Dies führte zur Schaffung leistungsfähiger Buslinien, die „Lianes“ (Lignes à niveau élevé de service) genannt werden.

Trotz der hohen Taktfolge waren die Lianes überlastet, die „Lianes 1“ beförderte 33.000 Fahrgäste pro Tag auf ihrer 15 Kilometer langen Strecke. Während der Hauptverkehrszeit auf einigen wichtigen Linien fuhr alle 90 Sekunden ein Bus, diese Taktfolge konnte nicht erhöht werden, da jetzt schon die Straßen überlastet waren und die Reisegeschwindigkeit sank. Der weitere Ausbau des Busnetzes durch mehr Busspuren konnte diese Probleme nicht mehr lösen und ein neues Konzept wurde immer notwendiger.[6]

Am 15. Mai 2008 wurde durch den Gemeindeverband Grand Dijon entschieden, zwei öffentliche Nahverkehrslinien auf eigener Trasse zu bauen.[7] Dies sollte im Vergleich mit den Lianes die Reisegeschwindigkeit und die Kapazität erhöhen.

Es standen mehrere Varianten zur Auswahl:

Es wurde schließlich entschieden, eine Straßenbahn zu bauen.[7] Um Geld zu sparen, wurden die Fahrzeuge zusammen mit der Straßenbahn Brest beschafft. Deshalb wurde, nachdem das Design der Brester Straßenbahnen bekannt wurde, am 27. November 2008 ein Übereinkommen über die gemeinsame Bestellung von 53 Fahrzeugen unterschrieben.[8][9] Nachdem im Frühjahr die öffentliche Untersuchung stattfand, bekamen zwei Straßenbahnlinien, am 17. Dezember 2009, die Déclaration d’utilité publique.[10]

Normalspurige Straßenbahn seit 2012[Bearbeiten]

Eine Straßenbahn während Testfahrten an der Haltestelle Foch-Gare
Die Station Foch-Gare
Der Betriebshof
Blick in den Betriebshof
Ein Alstom Citadis 302 während einer Testfahrt

Der Bau der Straßenbahn umfasst mehrere Ziele, wie die Erschließung wichtiger Einrichtungen (Musikschule, Verwaltung, Universität), außerdem sollten Stadtteile besser an das Zentrum angeschlossen werden und so der Autoverkehr reduziert werden. So sollen 76 000 Einwohner, 44 000 Arbeitsplätze und 38 000 Studierende, in einem Abstand von 500 m zur nächsten Haltestelle, von der Straßenbahn profitieren. Dies sind 1/3 aller Einwohner von Dijon.[11]

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten]

Die Gesamtkosten sollten 20 Mio. Euro pro Kilometer betragen, dies ist mit anderen Neubauten von Straßenbahnen wenig. Das Projekt wurde durch einen Kredit finanziert. Das Geld wurde von folgenden Gremien zur Verfügung gestellt: Europäische Investitionsbank (288. Mio €), Subventionen des Staates (47 Mio. €), die Region Burgund (40 Mio. €), das Département Côte-d’Or (20 Mio. €) und dem Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) (5 Mio. €) .[12][13]

Zeitplan[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 wurden erste Machbarkeitsstudien gemacht, diese sollten klären, welches Transportmittel am besten geeignet war. Anfang November 2007 wurde entschieden, eine Straßenbahn zu bauen. Am 27. November desselben Jahres wurde die Vereinbarung über die gemeinsame Bestellung der Fahrzeuge, mit der Stadt Brest, unterzeichnet. Daraufhin wurden im September 2009 33 Alstom Citadis 302 bestellt. Im Oktober 2010 haben die Bauarbeiten begonnen. Die ersten Testfahrten fanden ab Februar 2012 statt. Am 2. September 2012 ging die Linie 1 in Betrieb, die Linie 2 am 8. Dezember desselben Jahres.[14]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Netz ist normalspurig ausgeführt und mit einer 750 V Gleichstrom Oberleitung elektrifiziert. Es besteht aus zwei Linien welche sich die Gleise, zwischen den Stationen Gare und Place de la République, teilen. Weite Teile sind als Rasengleis ausgeführt, insgesamt sind es 13 Hektar.[15]

Die Linie 1, welche als erste in Betrieb ging, hat einer Länge von 8,5 km und 16 Stationen, der mittlere Haltestellenabstand beträgt 566 m. Sie beginnt am Bahnhof Dijon-Ville, stößt sofort anschließend auf die Linie 2, führt danach zur Universität und hat ihren Endpunkt in Quetigny.[16]

Die Linie 2, 11,5 km lang mit 21 Haltestellen, ging am 8. Dezember 2012 in Betrieb. Sie durchquert die Stadt in Nord-Süd-Richtung, ihr südliches Ende befindet sich in Chenôve, ihr nördliches am Gewerbepark Parc Valmy. Sie fährt unter anderem den Bahnhof, das Theater Zénith im Einkaufszentrum la Toison d’Or und die Place de la République an.

Die Stationen, welche barrierefrei ausgebaut sind, besitzen Unterstände und sind mit einem Videoüberwachungssystem ausgestattet. Außerdem gibt es einen Bildschirm, der aktuelle Verkehrsinformationen anzeigt.

Betriebshof[Bearbeiten]

Ein neuer gemeinsamer Betriebshof für Busse und Bahnen wurde gebaut. Dieser befindet sich in der Nähe der Station Carraz auf der Linie 2. Er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahof Perrigny der SNCF in Chenôve. Er wird „Tramstore 21“ genannt und breitet sich auf 14 Hektar entlang der Bahnstrecke Paris–Marseille aus. Ein Teil der Gebäude des ehemaligen Betriebswerk Perrigny wurde rehabilitiert; die Kosten lagen bei 38,87 Mio. Euro.[17] Im Betriebshof werden die 33 Straßenbahnen und 215 Busse gewartet, dazu stehen, für die Tram, 8 Gleise zur Verfügung, 50 Mitarbeiter arbeiten in der Werkstatt.[18]

Betrieb[Bearbeiten]

Der Betrieb wird durch Keolis Dijon erbracht, wobei im Jahr 2010 der Vertrag bis 2017 verlängert wurde.[19]

Die Fahrzeit auf der Linie 1 beträgt, von Endpunkt zu Endpunkt, 28 Minuten. Dies ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,2 km/h. Der Bus benötigte 30–35 Minuten für die gleiche Strecke. Die Linie 2 benötigt 35 Minuten für die Gesamtstrecke, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,7 km/h ergibt, der Bus benötigte ursprünglich 45–50 Minuten.

Der Betrieb beginnt um 5 Uhr 45 (Sonntags 7 Uhr) und endet um 00 Uhr 30. In der Hauptverkehrszeit beträgt die Taktfolge 5 Minuten, sonst 7 Minuten. Im Jahr 2015 sollen 45.000 Reisende auf der Linie 1 erwartet werden, die Linie 2 soll 42.000 Fahrgäste täglich befördern.[20][21]

Am Eröffnungswochenende wurden 150.000 Fahrgäste pro Tag gezählt. Es stand unter dem Motto „toute la ville en tram“. Der offizielle Eröffnungsakt wurde von François Sauvadet, Bürgermeister François Rebsamen, Präfekt Pascal Mailhos und dem Präsidenten des Regionalrats Burgaund François Patriat vorgenommen.[22] Während des ersten Monats haben 35.000 bis 40.000 Personen die Straßenbahn benutzt.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Die Fahrzeuge wurden im Jahr 2009 gemeinsam mit der Straßenbahn Brest bei Alstom bestellt. Von den 53 bestellten Bahnen gingen 33 an die Straßenbahn Dijon. Die Kosten für die Fahrzeuge von Dijon betragen 63,8 Mio. Euro.[23] Daraus folgt, dass ein Alstom Citadis 2,05 Mio. Euro kostet. Durch diese gemeinsame Bestellung sollen beide Betriebe insgesamt um 25 % Einsparungen erzielt haben.[24]

Die 33 Fahrzeuge des Typs Alstom Citadis 302 sind 32,7 m lang, 2,4 m breit und bestehen aus 5 Wagenkästen, die jeweils auf drei Drehgestellen aufsitzen. Sie sind komplett niederflurig, haben eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h, und 200 Fahrgäste finden in einem Fahrzeug Platz, davon sind 42 Sitzplätze. Außerdem sind die Straßenbahnen 5 Dezibel leiser als der Straßenverkehr und können zu 98 % recycelt werden.[25] Sie wurden in unterschiedlichen Alstom-Werke gefertigt, sie sollen auch 10 % weniger Energie als vergleichbare Fahrzeuge verbrauchen.[26]

Tarife[Bearbeiten]

Die Inbetriebnahme der Straßenbahn war auch mit der Einführung neuer Fahrkarten verbunden, die „PASS Divia“ genannt werden. Es gibt verschiedene Fahrkarten, die billigste kostet 1,20 € und ist zeitbeschränkt. Alternativ sind Tageskarten und Monatskarten erhältlich.[27] Die Haltestellen sind mit Automaten ausgerüstet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemeine Zeitung: Renaissance im Cassis-Gewand 20. Juni 2012
  •  L. P. de Chareil: Der neue Straßenbahnbau in Dijon. In: Connaissance du Rail. Connaissance du Rail. Nr. 366/367, Éditions LR Presse, Auray September/October 2011 (Originaltitel: Le nouveau tramway de Dijon en construction), ISSN 0222-4844, S. 21-27.
  •  Dijon: ein Beispiel zum Nachmachen. In: Connaissance du Rail. Connaissance du Rail. Nr. 368/369, Éditions LR Presse, Auray November/Dezember 2011 (Originaltitel: Dijon : un exemple à suivre), ISSN 0222-4844, S. 25-26.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straßenbahn Dijon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (fr) Magazine Grand Dijon octobre 2012 auf grand-dijon.fr (PDF; 2,0 MB)
  2. a b  Guy Louis: Dijon : de trams en bus, du bus au tram. Éditions LR Presse, Auray 2010, ISBN 978-290365161-9, S. 354.
  3. Le retour du tram en France auf letram-dijon.fr
  4. Histoire générale des transports - Dijon auf amtuir.org
  5. Contrat « AmbitionS Côte-d’Or » - Communauté d'agglomération du Grand Dijon auf cotedor.fr (PDF; 317 kB)
  6. Réalisation de deux lignes de tramway dans l'agglomération dijonnaise, Grenelle Environnement, S. 22 und 23, auf grand-dijon.fr (PDF; 4,0 MB)
  7. a b Compte-rendu du Conseil de Communauté de l'agglomération dijonaise auf grand-dijon.fr (PDF; 640 kB)
  8. Tramway. Appel d'offres commun pour Brest et Dijon auf letelegramme.com
  9. Brest et Dijon achèteront leurs rames de tram en commun auf brest.maville.com
  10. Enquête publique Tramway de Dijon auf grand-dijon.fr
  11. Dossier de candidature Grenelle II, Seite 20
  12. La Caisse des Dépôts partenaire du Grand Dijon et de l’Université de Bourgogne auf caissedesdepots.fr
  13.  Chareil: Le nouveau tramway de Dijon en construction. In: Connaissance du Rail. Nr. 366/367, 2011, S. 28-29.
  14. Le planning du projet auf letram-dijon.fr, abgerufen am 24. November 2013
  15. Dijon : le gazon chéri “à l’ancienne” in Le Bien public
  16. Le Grand Dijon : 2 lignes TCSP auf grand-dijon.fr
  17. Ferrand-Sigal, architectes auf ferrandsigal.com
  18. Plaquette de présentation du dépôt auf letram-dijon.fr (PDF; 2,0 MB)
  19. Keolis renouvelé à Dijon auf keolis.com
  20.  Un projet à 400 millions d'euros. In: Le bien public. Nr. Juni, 2011 (http://www.bienpublic.com/grand-dijon/2011/06/15/un-projet-a-400-millions-d-euros, abgerufen am 9. Oktober 2012).
  21. L’heure de pointe, c’est aux alentours de 8h00 le matin et 17h00 le soir. auf diviabusettram.fr
  22. CRB Haus Burgund: Informationen 10/11/12 2012
  23. Communiqué de presse de SemTram auf rivacom.fr
  24. L'Express: L'agglomération de Dijon inaugure sa première ligne de tramway, 1. September 2012, abgerufen am 24. November 2013
  25. Un tramway nommé Citadis auf letram-dijon.fr (PDF; 491 kB)
  26. Tramway : la première rame "Citadis" est arrivée à Dijon auf macommune.info
  27. Tarifs La billettique, mode d'emploi auf diviabillettique.fr