Thingers

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Thingers
Koordinaten: 47° 44′ 9″ N, 10° 17′ 40″ O
Höhe: 678 m
Einwohner: 4646 (25. Mai 1987)
Postleitzahl: 87439
Vorwahl: 0831
Thingers (Kempten (Allgäu))
Thingers

Lage von Thingers in Kempten (Allgäu)

Thingers ist ein Stadtteil von Kempten (Allgäu) mit rund 8.000 Einwohnern.[1] Der als Tegans im Jahr 1394 erwähnte Ort gehörte von 1818 bis 1935 der Gemeinde Sankt Lorenz an, die schließlich mit ihren letzten Bestandteilen im Jahr 1972 zu Kempten eingemeindet wurde. Thingers stellt sich zusammen aus Thingers I und Thingers II.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thingers befindet sich auf einer Höhe von 678 Metern am nördlichen Stadtrand von Kempten. Umgeben ist Thingers von Gründlandschaft, hier sind die Schwabelsberger Weiher zu nennen. Geteilt wird Thingers durch einen Tobel, der durch den linken Iller-Zufluss Rottach entstand.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Thingers
vom Mariaberg (2003)
Vollansicht auf die Kirche
St. Hedwig in Thingers (2012)

Eine der ersten Erwähnungen von Thingers als Tegans fand 1394 statt, als im Salbuch des Fürststifts Kempten, dass vom Fürstabt Friedrich von Hirschdorf veranlasst wurde. Ziel dieses Buchs war die Aufzeichnung aller Guthaben, die dem Fürststift in Form einer Abgabe zuzufließen hatten. In diesem Fall war ein Degan oder Tegan verpflichtet Abgaben zu zahlen.

In der Folgezeit kam es zu zahlreichen unterschiedlichen Schreibweisen; 1451 wurde ein Töngast, 1463 ein Tegers, 1526 Tagers und 1533 Tingers genannt. 1734 wurde Dingarz erwähnt.

1818 wurde Thingers der neuen Gemeinde Sankt Lorenz angeknüpft; hierbei gehörte ein Teil der Hauptmannschaft Mariaberg, der andere Teil zu Hofammannschaft. Thingers I wurde zeitweilig zu Heggers bzw. Lämmlings, Thingers II wurde als Prestlings verstanden.

Am 1. April 1935 wurde Thingers mit vielen weiteren Orten nach Kempten umgegliedert. Thingers wurde ab den 1960ern zu einem Gebiet mit einem schnellen Bautempo und einer hohen Baudichte geplant. 1961 lebten laut einer Volkszählung keine 100 Einwohner in Thingers I und II. 1973 gab es im Bereich Thingers fast 4.000 Wohnungen, wobei auch die Bereiche der angrenzenden Stadtteile Lotterberg und Halden mitgezählt wurden. 1975 wurde ein Einkaufszentrum für den Stadtteil eröffnet, um die Nahversorgung zu sichern. Das schnelle Bevölkerungswachstum erforderte daher auch den Bau von neuen Kirchen, 1971 wurde ein Pfarrhaus mit Kindergarten eröffnet, 1967 wurde dazu gehörige Markuskirche eingeweiht.[2] Weitere Kirchen in dem Bereich war die in den 1960ern erbaute Michaelskirche und die im Jahr 1986 fertiggestellte Hedwigskirche.

In Thingers besteht eine im Vergleich zum städtischen Durchschnitt besonders starke Konzentration ausländischer Bürger, wodurch untereinander auch Konflikte entstanden und sich entluden. Bei den ausländischen Bürgern ist besonders die Überzahl der Russen und Türken auffallend.[3] Vor allem in den 1990er Jahren gab es in Thingers zwischen den beiden Gruppen einen Bandenkrieg, der dem Stadtviertel einen nachhaltig schlechten Ruf gebracht hatte.[4]

Kultur und öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Thingers gibt es neben mehreren Kirchen und Kindergärten, die Astrid-Lindgren-Schule für körperlich und motorisch beeinträchtigte Menschen und die Nordschule als Volksschule.

Um den Integrationswillen der ausländischen Bevölkerung zu beschleunigen, schlossen sich Bürger im Ikarus Thingers e.V. zusammen. Dieser unternimmt in Thingers Kultur-, Sport-, und Integrationsveranstaltungen.[5] Der Stadtjugendring Kempten richtete für Thingers 1995 ein eigenes Jugendzentrum ein.[6] Thingers verfügt seit 2003 über ein eigenes Stadtteilbüro.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahl Thingers auf stadtteilbuero-thingers.de
  2. Franz-Rasso Böck, Ralf Lienert, Joachim Weigel (Hrsg.): Jahrhundertblicke auf Kempten 1900–2000. Verlag Tobias Dannheimer – Allgäuer Zeitungsverlag, Kempten (Allgäu) 1999, ISBN 3-88881-035-3, S. 245 f.
  3. Franz-Rasso Böck, Ralf Lienert, Joachim Weigel (Hrsg.): Jahrhundertblicke auf Kempten 1900–2000. Verlag Tobias Dannheimer – Allgäuer Zeitungsverlag, Kempten (Allgäu) 1999, ISBN 3-88881-035-3, S. 62 f.
  4. Freddy Schissler: Wie Kempten den Bandenkrieg stoppte. In: augsburger-allgemeine.de, 26. März 2014 (abgerufen am 2. Februar 2016)
  5. Homepage des Ikarus Thingers e.V. (abgerufen am 15. August 2013)
  6. Homepage des Jugendzentrums Thingers (abgerufen am 15. August 2013)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen König: Warum „Thingers“ eigentlich „Thingers“ heißt... In: Ikarus Thingers e.V. (Hrsg.): Thingers Zeitung, April/Mai 2011, S. 5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thingers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien