Hochschule für Philosophie München

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Hochschule für Philosophie München
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Gründung 1925 in Pullach,
seit 1971 in München
Trägerschaft kirchlich (Jesuitenorden)
Ort München
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Präsident Johannes Wallacher
Studenten 342 WS 2016/17[1]
Professoren 10 (SoSe 2014)
Website www.hfph.de
Eingang und Bibliothek der Hochschule

Die Hochschule für Philosophie München ist eine Hochschule für Philosophie in Trägerschaft der Gesellschaft Jesu.

Die Hochschule in der Kaulbachstraße in München liegt in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek München und der Ludwig-Maximilians-Universität. Sie bietet ein staatlich anerkanntes Studium der Philosophie mit den Abschlüssen Bachelor und Master sowie Möglichkeiten zur Promotion und Habilitation.

Die unterrichtenden Professoren und Dozenten der Hochschule sind in der Mehrzahl Jesuiten, hinzu kommen externe Professoren und Dozenten.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben sind Ziel und Aufgabe der Hochschule für Philosophie:

  • Philosophie und die Kenntnis ihrer Geschichte zu fördern,
  • methodisch auf die Grundfragen des gläubigen Daseins zu reflektieren und die Beziehung zwischen Philosophie und Theologie zu durchdringen,
  • die für die Philosophie relevanten Beiträge der übrigen Wissenschaften zu analysieren und aufzuarbeiten,
  • die Ergebnisse dieser theoretisch orientierenden Bemühungen für das Leben und Zusammenleben der Menschen praktisch anwendbar zu machen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule wurde 1925 von dem späteren Kardinal Bea als Berchmanskolleg in Pullach bei München gegründet. Der Name stammte von dem 1621 verstorbenen und 1888 heiliggesprochenen flämischen Jesuitenstudenten Jan Berchmans. Das Berchmanskolleg war ursprünglich ein der Ausbildung der Jesuiten gewidmetes Studienhaus, in dem die Studenten und Dozenten der Gesellschaft Jesu wohnten und lebten. In diesem Ordenshaus fanden zugleich die auf das Theologiestudium ausgerichteten philosophischen Vorlesungen statt. Bereits in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens erreichte die Ordenshochschule einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf als philosophische Ausbildungsstätte.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das Berchmanskolleg ein Treffpunkt der Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises. Eine 1997 angebrachte Gedenktafel am Eingang der heutigen Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße erinnert noch heute an die Jesuiten Augustin Rösch, Rupert Mayer, Lothar König und Alfred Delp.[2]

Schon ab 1945 hatte die Ordenshochschule alljährlich einige nicht dem Orden angehörende Studenten aufgenommen. Im Jahre 1971 erfolgte die Verlegung der Hochschule von Pullach nach München. Dem Geiste des II. Vatikanischen Konzils entsprechend, öffnete sich die Hochschule allen Studierenden, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Seitdem wird der Name Berchmanskolleg nur für die Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße verwendet.

Philosophische Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die philosophische Tradition der Hochschule war bis in die 1970er Jahre vom Denken der Neuscholastik geprägt. Man orientierte sich vor allem an der Schule des Thomas von Aquin und anderer Klassiker des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Zeit ab 1938 gilt als ihre klassische Periode. Hier stand die Hochschule unter dem Einfluss von drei Professoren, die als das „Pullacher Dreigestirn“ galten: Josef de Vries (1898–1989), der vor allem Erkenntnistheorie, aber auch nahezu alle anderen Fächer dozierte und über 30 Jahre der Dekan der Fakultät war, Walter Brugger (1904–1990), der das bekannte „Philosophische Wörterbuch“ herausgab und eine große „Summe einer philosophischen Gotteslehre“ verfasste und Johannes B. Lotz (1903–1992), der sich darum bemühte, die Philosophie der Neuscholastik mit dem Denken Heideggers zu vermitteln.[3]

Mit der Emeritierung der drei prägenden Gestalten der Hochschule verschwand ab den 1970er Jahren zunehmend die Vorherrschaft des scholastischen Erbes, und es erfolgte eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Gegenwartsphilosophie wie dem Marxismus, der Phänomenologie, der Existenzphilosophie, der sprachanalytischen Philosophie und der Philosophie des Geistes.

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Studium der Philosophie wird auch der Zusatzstudiengang Erwachsenenpädagogik angeboten. Dieser ist so angelegt, dass er berufsbegleitend in zwei bis drei Semestern absolviert werden kann. Als Ergänzung zu einem abgeschlossenen Erststudium bietet der Studiengang die Möglichkeit einer akademischen Weiterbildung im Bereich der Erwachsenenbildung.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fakultät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emeritierte Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrende Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alumni (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Schröger, Professor für Biologische Psychologie an der Universität Leipzig
  • Mubabinge Bilolo, Professor für Altägyptische Philosophie und Religionswissenschaft
  • Alfred Delp (1907–1945), Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises, studierte Philosophie am Berchmanskolleg in Pullach
  • Heiner Geißler, CDU-Politiker, von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU
  • Daniela Frank (* 1962), Geschäftsführerin des Catholic Media Council (CAMECO) in Aachen
  • Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Professorin für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden
  • Paul Klimpel, Verwaltungsdirektor der Stiftung Deutsche Kinemathek
  • Richard Schaeffler, Professor für philosophisch-theologische Grenzfragen an der Ruhr-Universität Bochum
  • Oswald Schwemmer, Professor für Philosophische Anthropologie und Kulturphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München
  • Christian Demand, Herausgeber der Zeitschrift Merkur

Erwin Teufel, CDU-Politiker und von 1991 bis 2005 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, studierte von 2005 bis 2008 (5 Semester) an der Hochschule, ohne einen Abschluss anzustreben, er gehört somit nicht zu den Alumni.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierende an Hochschulen. Wintersemester 2016/2017 (= Fachserie 11, Reihe 4.1), 24. Oktober 2017, S. 77.
  2. Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 47–50 (PDF; 1,1 MB (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive))
  3. Vgl. Vortrag von Gerd Haeffner am 14. November 2003 über Johannes B. Lotz, S. 5–18 (pdf; 234 kB)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 8′ 56,1″ N, 11° 34′ 59,8″ O