Tornau (Stendal)

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Tornau
Stadt Stendal
Koordinaten: 52° 35′ 7″ N, 11° 47′ 20″ O
Höhe: 33 m ü. NHN
Einwohner: 124 (31. Dez. 2019)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1973
Eingemeindet nach: Insel
Postleitzahl: 39576
Vorwahl: 039329
Tornau (Sachsen-Anhalt)
Tornau

Lage in Sachsen-Anhalt

Straße in Tornau
Straße in Tornau

Tornau gehört zur Ortschaft Insel und ist ein Ortsteil der Hansestadt Stendal im Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tornau, ein in Nord-Süd-Richtung angelegtes Straßendorf mit Kirche, liegt etwa 5 Kilometer südwestlich der Kernstadt von Stendal in der Altmark. Im Süden der Gemarkung Tornau fließt die Uchte nach Osten.[3]

Nachbarorte sind Möringen mit dem Bahnhof Möringen im Westen, Wahrburg und Stendal Westen, Döbbelin im Süden und Insel im Süden.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bockwindmühle Tornau

Im Jahre 1217 wurde ein Erwinus de Tornowe als Zeuge in Barleben genannt.[4]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1238 als tornowe iuxta Steyndale dimidium, dem Grafen Siegfried von Osterburg gehörte Tornau bei Stendal zur Hälfte. In der Urkunde wird berichtet, dass Siegfried von Osterburg Dörfer und Besitz in der Altmark, mit denen er vorher vom St. Ludgerikloster Helmstedt belehnt worden war, dem Abt Gerhard von Werden und Helmstedt überschrieb.[5] Das Kapitel zu Königslutter verkaufte im Jahre 1253 seine Hebungen in Tornowe an das Domstift Stendal.[6] Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Tornow aufgeführt, das einem Schadewachten in Stendal gehörte.[7] Weitere Nennungen sind 1687 Tornow[8] und 1804 Dorf und Gut Tornau oder Tornow mit einer Windmühle und drei Leinewebern.[9]

Der Ort wechselte häufig seinen Besitzer. Nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort neu aufgebaut. Hierbei veränderte sich jedoch die Ortslage etwas. So wurden 200 Meter nördlich des heutigen Dorfs behauene Fundamentsteine gefunden.

Südöstlich der Kirche steht ein erhaltener mittelalterlicher Wohnturm. Ein alter Teich daneben führt zu Vermutungen, dass er Teil der Verteidigungsanlage der Burganlage war.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bei Tornau gefundene Streitaxt aus der frühen Trichterbecherkultur stammt aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr.[10]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Hoßfeld meint, der Name des Ortes 1253 tornowe geschrieben, stammt vom slawischen „torn“ für „Dorn“ oder „Dornbusch“.[11]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 kam die Gemeinde Tornau vom Landkreis Stendal in den neuen Kreis Stendal. Am 1. Juli 1973 wurde Tornau nach Insel eingemeindet.[12]

Mit Wirkung zum 1. September 2010 erfolgte die Eingemeindung von Insel nach Stendal per Gesetz.[13] Seitdem gehört der Ortsteil Tornau zu Stendal und zur neu errichteten Ortschaft Insel.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 117
1772 094
1790 138
1798 145
1801 155
Jahr Einwohner
1818 116
1840 145
1864 136
1871 145
1885 163
Jahr Einwohner
1892 [00]162[14]
1895 179
1900 [00]177[14]
1905 195
1910 [00]231[14]
Jahr Einwohner
1925 248
1939 205
1946 283
1964 210
1971 209
Jahr Einwohner
2013 [00]117[15]
2014 [00]119[15]
2018 [0]121[1]
2019 [0]124[1]

Quelle wenn nicht angegeben:[8]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Tornau

Die evangelische Kirchengemeinde Tornau, die früher zur Pfarrei Uenglingen bei Stendal gehörte,[16] wird betreut vom Pfarrbereich Möringen-Uenglingen[17] im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Tornau stammen aus dem Jahre 1700.[18]

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.[19]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Tornau wurde 1836 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. 1999 wurden Turm, Dach und Fassade restauriert.[20]
  • Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof. Das Friedhofsportal, ein Backsteinbau, stammt aus dem 16. Jahrhundert.[20]
  • Südlich der Kirche steht auf dem Gelände eines ehemaligen Herrenhofes ein aus Feldstein errichteter Turm einer Niederadelsburg aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Ursprünglich hatte er zwei Geschosse. Erhalten sind der untere Raum mit Kreuzgratgewölbe, Belüftungssystem und Kaminzug im Mauerwerk. Dieser frühere Wohnturm ist der Rest der einzigen in der Altmark erhaltenen Turmhügelburg.[21]
  • Westlich des Dorfs steht die historische Bockwindmühle Tornau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehr Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tornau (Stendal) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Donald Lyco: Nach zehn Jahren wieder unter 40.000. In: Stendaler Volksstimme. 10. Januar 2020, S. 13.
  2. Landkreis Stendal: Hauptsatzung der Hansestadt Stendal. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 28. Jahrgang, Nr. 37, 21. November 2018, ZDB-ID 2665593-7, S. 214–220 (landkreis-stendal.de [PDF; 4,4 MB; abgerufen am 3. November 2020]).
  3. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 119, Nr. 563 (uni-potsdam.de).
  5. Peter Wilhelm Behrens: Graf Siegfried von Osterburg und Altenhausen resigniert viele Dörfer und Grundstücke in der Altmark 1238. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 4. Jahresbericht, 1841, S. 49 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 5. Berlin 1845, S. 37, Urkunde XXXIII. (Digitalisat).
  7. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 321 (uni-potsdam.de).
  8. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2232–2237.
  9. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 265 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00287~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  10. Günter Wetzel: Die neolithische Besiedlung der Altmark (= Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte. Band 50). 1966, ZDB-ID 2944368-4, S. 33–60.
  11. Friedrich Hoßfeld, Ernst Haetge: Der Kreis Stendal Land (= Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band 3). Hopfer, 1933, DNB 362544441, S. 254.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 343, 346.
  13. Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Stendal (GemNeuglG SDL) Vom 8. Juli 2010. 8. Juli 2020, GVBl. LSA 2010, 419, § 2, § 5 (sachsen-anhalt.de [abgerufen am 5. September 2020]).
  14. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 99.
  15. a b Bernd-Volker Brahms: Erstmals seit der Wende ein Plus. In: Stendaler Volksstimme. 13. Januar 2015, S. 13.
  16. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 114 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 29. April 2017]).
  17. Pfarrbereich Möringen-Uenglingen. Abgerufen am 11. April 2020.
  18. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 17 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 3. Oktober 2020]).
  19. Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 20. September 2020.
  20. a b Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 495.
  21. Ulf Frommhagen: Burgplätze, Schlösser und Adelssitze der Altmark. Die Entwicklung vom Mittelalter bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. In: Jager, Markus (Hrsg.): Schlösser und Gärten in der Mark. Festschrift für Sybille Badstübner-Gröger. Berlin. 2006, ISBN 978-3-86732-858-6, S. 89–104 (90).