Desertec

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Desertec Foundation
DESERTEC Foundation large 300dpi.jpg
Gründung 20. Januar 2009
Ursprung TREC-Netzwerk, 2003–2009
Personen Gerhard Knies, Erfinder von Desertec
Andreas Huber, Vorstand der Desertec Foundation
Manfred Bohnen, Vorstand der Desertec Foundation[1]
Aktionsraum Europa, Naher Osten, Nord-Afrika, Ost-Asien[2]
Schwerpunkt „Klimaschutz, Energiesicherheit und Entwicklung gewährleisten, indem die energiereichsten Standorte der Welt genutzt werden, um nachhaltigen Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren.“[3]
Website Desertec Foundation

Desertec (Eigenschreibweise: DESERTEC) ist ein Konzept zur Erzeugung von Ökostrom an energiereichen Standorten der Welt und dessen Übertragung zu Verbrauchsregionen mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Sonnenreiche Wüsten stehen im Fokus.[3]

Das Konzept wurde von der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) entwickelt, einem internationalen Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen, das 2003 vom Club of Rome und dem Jordanischen Energieforschungszentrum gegründet wurde. Die Desertec Foundation ging aus diesem Netzwerk hervor und ist eine gemeinnützige Stiftung. 2009 gründete die Desertec Foundation zusammen mit Unternehmen aus dem Industrie- und Finanzsektor die Dii GmbH, eine Industrieinitiative, deren oberstes Ziel die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Desertec-Vision in der EUMENA-Region (Europe, Middle East, North Africa – Europa, Naher Osten und Nordafrika) war. Seit 2014 arbeitet die Dii GmbH als verkleinerter Beraterstab.[4]

Wissenschaftliche Studien zu Desertec wurden zwischen 2004 und 2007 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt. Im Szenario der Studien wird bis 2050 durch die Nutzung von Wind und Wüstensonne die Meerwasserentsalzung für die MENA-Region ermöglicht, rund zwei Drittel des steigenden regionalen Energiebedarfs gedeckt und genug Energie für den Export zur Verfügung gestellt, um etwa 17 % des prognostizierten EU-Strombedarfs zu decken. Die Studien ergaben, dass diese Ziele – bei Zugrundelegung bestimmter Annahmen z. B. hinsichtlich Preisen und Nachfrage – technisch und wirtschaftlich realisierbar sind und ökonomische und/oder ökologische Vorteile für alle Partner bieten.[5] Die Dii GmbH veröffentlichte im Juni 2012 eine weitere Studie mit dem Titel „Desert Power 2050“.

Am 14. Oktober 2014 wurde mit Erreichen der vorläufigen Zielsetzungen die Verkleinerung der DII-Initiative bekannt gemacht. Die 17 Gesellschafter beschlossen die Planungsgesellschaft aufzulösen und die Zentrale von München nach Dubai zu verlegen, um durch die räumliche Nähe eine optimale Förderung der initiierten Projekte zu gewährleisten.[4] Ein kleiner Teil der Gesellschaft wird in eine Beratungsfirma umgewandelt, die von drei Gesellschaftern unterstützt wird.[6][7]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skizze einer möglichen Infrastruktur für eine nachhaltige Versorgung von Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika (EU-MENA)

Das Desertec-Konzept sieht vor, an den geeignetsten Standorten der Welt Ökostrom zu erzeugen und diesen mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) zu Verbrauchszentren zu leiten. Sonnenreichen Wüsten kommt hierbei eine besondere Rolle zu; daneben sollen auch andere EE-Arten genutzt werden.[2] Dieses Konzept wurde und wird von verschiedenen Akteuren aus Politik und Wirtschaft verfolgt, die z. T. nur lose miteinander kooperieren oder völlig unabhängig voneinander sind. In Deutschland wurde das Projekt meistens auf die DII-Initiative sowie der von diesem Konsortium geplanten Stromexport reduziert. Eine Verkürzung des Desertec-Projektes auf „Strom für Europa“ wurde jedoch auch von den Initiatoren dieses Projektes zurückgewiesen.[8] Obwohl hauptsächlich mit dem Ökostromexport nach Europa identifiziert, war das Hauptziel jedoch immer in aller erster Linie die Versorgung der Staaten, in denen die Kraftwerke errichtet werden.[9]

Die Grundidee des Desertec-Projektes, die Produktion von Ökostrom in einstrahlungsreichen Regionen, wird bereits seit mindestens Ende der 1980er Jahre erforscht.[10] Von wissenschaftlicher Seite wurden eine Reihe verschiedener Szenarien und Pläne für die Entwicklung von Solarstromkapazitäten in Nordafrika entwickelt. Ähnliches gilt für die Politik. Von Seiten der Europäischen Union wurde z.B. 2008 der Mediterranean Solar Plan vorangetrieben, der bis 2020 den Bau von 20 GW Solarstrom- und Windenergieleistung vorsieht. Im Jahr 2009 gründete sich zudem die privatwirtschaftliche Initiative DII, deren Ziel es war, 15 % des europäischen Strombedarfs mittels Solarstrom aus Nordafrika zu decken.[11]

Die erste Fokusregion zur Umsetzung dieses Konzepts soll die MENA-Region sein. Hier soll mithilfe von solarthermischen Kraftwerken, eventuell auch Photovoltaik und Windparks die Stromerzeugung und dann auch Wasserentsalzung vorangetrieben werden. Der saubere Strom soll zunächst einen wesentlichen Teil des Eigenbedarfes der MENA-Länder decken und darüber hinaus ab 2020Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) mit geringen Übertragungsverlusten[12][13][14] bis nach Europa geleitet werden.[15] Die Einspeisung von Wüstenstrom in das europäische Stromnetz soll als ergänzende Maßnahme zur Nutzung europäischer erneuerbarer Energieressourcen dienen. Für die Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika (MENA) soll dies Arbeitsplätze, Einkommen, CO2-freie Meerwasserentsalzung und eine Verbesserung der Infrastruktur bedeuten.[13]

Im März 2012 wurde auch ein Plan vorgestellt, asiatische Länder mit einem Supergrid zu vernetzen. Dabei sollen die Stromnetze der Länder Japan, Südkorea, China, Mongolei und Russland per HGÜ-Leitungen miteinander verbunden werden. Mit der 'Japan Renewable Energy Foundation' wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen; eine Machbarkeitsstudie zu potentiellen Stromtrassenkorridoren wurde erstellt.[16]

Energiesituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würden Europa und der Nahe Osten bzw. Nord-Afrika (EU-MENA) ihre Ressourcen an erneuerbaren Energien gemeinsam nutzen, würde das die EU-MENA-Region in eine weitaus bessere Lage bringen, einen Wechsel zu einer sauberen und sicheren Energieversorgung schnell und wirtschaftlich vollziehen zu können.[12][13] In der MENA-Region selbst ist darüber hinaus bis 2050 mit einem stark steigenden Energie- und Wasserverbrauch zu rechnen. Studien prognostizieren (Stand 2011), dass der Stromverbrauch in Nordafrika und dem Mittleren Osten bis 2050 auf ca. 3000 TWh/a ansteigen wird, und somit eine vergleichbare Größenordnung wie in Europa erreicht. Zugleich wird die energieaufwändige Meerwasserentsalzung aufgrund des Bedarfs an Trinkwasser zunehmen, sodass sich Solarthermiekraftwerke als emissionsfreier Lieferant von Energie zur thermischen Wasserentsalzung anbieten.[17]

Studien zu Desertec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EU-MENA-Connection mit existierenden und geplanten Leitungen vor 2020 (blau) und drei vom DLR untersuchte Trassen (orange)

Die grundlegenden wissenschaftlichen Studien zu Desertec wurden von TREC in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt, unter Leitung des DLR-Forschers Franz Trieb. Maßgeblich beteiligt daran waren zudem die Forschungseinrichtungen für erneuerbare Energien der Regierungen von Marokko (CDER), Algerien (NEAL), Libyen (CSES), Ägypten (NREA), Jordanien (NERC) und Jemen (Universitäten Sana'a und Aden). Die Studien wurden finanziert vom deutschen Bundesumweltministerium (BMU).[18]

Die DLR-Studien „MED-CSP“[19] und „TRANS-CSP“[20] untersuchten unter anderem die in MENA verfügbaren Ressourcen an erneuerbaren Energien, den erwarteten Bedarf an elektrischer Energie und Wasser in EU-MENA bis 2050 und den Aufbau eines Stromverbundes zwischen Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika (EU-MENA-Connection). Die „AQUA-CSP“-Studie über den Bedarf, das Potenzial und die Auswirkungen von solarer Meerwasserentsalzung in MENA wurde Ende 2007 fertiggestellt.[21] Die Studien ergaben, dass solarthermische Kraftwerke auf einem Gebiet von weniger als 0,3 % der Wüstenfläche des Nahen Ostens und von Nordafrikas genügend elektrische Energie und entsalztes Wasser für den steigenden Bedarf dieser Länder sowie für Europa erzeugen können. Stromerzeugung durch Windkraft ist besonders in Marokko und am Roten Meer attraktiv. Solar- und Windstrom kann mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung mit Verlusten von etwa 3 % je 1000 km (also insgesamt 10–15 %) bis nach Europa übertragen werden. Die Union für das Mittelmeer, an der sich alle MENA-Staaten außer Libyen beteiligen, ist an einer solchen Kooperation interessiert.[22]

Die Dii GmbH veröffentlichte im Juni 2012 eine weitere Studie unter dem Titel „Desert Power 2050“, in der vom Fraunhofer ISI weitere Szenarien untersucht wurden.[23] Nach den Ergebnissen der Studie kann die MENA-Region ihren Strombedarf durch erneuerbare Energien decken und zusätzlich eine Exportindustrie mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro aufbauen. Europa könnte durch den Import von Wüstenstrom jährlich etwa 30 Milliarden Euro sparen.[24]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skizze eines Parabolrinnenkollektors. Eine technisch weniger aufwändige Alternative zu Parabolrinnen bieten sogenannte Fresnel-Linsen.
Parabolrinnenkraftwerk in Kalifornien/USA, Kramer Junction

Sonnenwärmekraftwerke (auch Concentrated Solar Power (CSP)-Plants genannt) eignen sich im Gegensatz zu Photovoltaik gut, um mit Sonnenenergie große Mengen an regelbarem Strom zu erzeugen. Diese Kraftwerke nutzen Spiegel, um Sonnenlicht zu bündeln, in Wärmeenergie zu verwandeln und damit Dampfturbinen anzutreiben.[25] Wärmespeicher (z. B. Flüssigsalz-Tanks) können am Tage gewonnene Wärme aufnehmen und die Dampfturbinen nachts antreiben. Bei länger anhaltendem schlechtem Wetter kann in sogenannten Hybridkraftwerken eine Zusatzfeuerung durch Öl, Erdgas oder Biomasse die Versorgungssicherheit gewährleisten, ohne dass teure Ersatzkraftwerke hochgefahren werden müssen. Eine technische Herausforderung ist die für jede Wärmekraftmaschine notwendige Kühlung, bei klassischen Stromerzeugern meist wasserbasierte Kühltürme. Die Betreiber sind damit auf Trockenkühltechnik, ausreichende Wasserzuführung oder Standorte in Küstennähe angewiesen. Die Entsalzung von Meerwasser und die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung im Rahmen eines Systemverbunds mit nahegelegenen Siedlungen und Industrien wird als anzustrebender Zusatznutzen zur Entwicklung der lokalen Industrie und Landwirtschaft angesehen.[26][27][28]

Auch Photovoltaik gilt als mögliche Technologie – sie ist in die Planungen zum Referenzprojekt in Marokko einbezogen. Obwohl mittlerweile photovoltaisch Strom billiger erzeugt werden kann als solarthermisch,[29] ist – solange keine Technik zur Speicherung elektrischer Energie im großen Maßstab zur Verfügung steht – nur letztere Variante in der Lage auch nachts Elektrizität aus Solarenergie in das Netz einzuspeisen.

Da in MENA doppelt so viel Solarenergie gewonnen werden kann wie mit den gleichen Anlagen im nördlicher liegenden Südeuropa, ist Solarstrom aus den Wüsten dank der relativ geringen Übertragungsverluste von insgesamt ca. 3 % auf 1000 km wirtschaftlich im Vorteil. Die Hochspannungs-Gleichstromübertragung ist bisher effizienter als Produktion, Transport und erneute Verstromung von Wasserstoff, wie in früheren Konzepten betrachtet,[12][13] bzw. als die Erzeugung von künstlichem Erdgas oder Methanol als Treibstoff unter Verwendung von CO2.

HGÜ-Leitungen mit Kapazitäten bis 3 GW werden von ABB und Siemens seit vielen Jahren über weite Strecken gebaut. Im Juli 2007 erhielt Siemens den Auftrag zum Bau der HGÜ Yunnan-Guangdong, die von zwei Wasserkraftwerken an der Xiaowan-Talsperre und der Manwan-Talsperre gespeist wird. Auf dem World Energy Dialogue 2006 der Hannover-Messe bestätigten Sprecher beider Unternehmen, dass die Umsetzung eines Euro-Supergrids mit einer EU-MENA-Connection technisch möglich sei.[30]

Aufgrund der höheren Sonneneinstrahlung lassen sich Stromabnahmeverträge an guten Standorten in Amerika oder MENA bereits günstiger realisieren. Werden solarthermische Kraftwerke in den nächsten Jahrzehnten im großen Stil gebaut, ist nach Berechnungen des DLR eine Senkung der Erzeugungskosten auf bis zu 0,04 bis 0,05 €/kWh möglich. Da die Rohstoffpreise für solarthermische Kraftwerke derzeit schwächer steigen als die Preise fossiler Brennstoffe, könnte CSP trotz höherer Kosten bereits früher als errechnet konkurrenzfähig sein.[12][13]

Um bis 2050 zusätzlich zum Eigenbedarf der MENA-Länder eine Exportkapazität von 100 GW (die Leistung von etwa 80 Kernkraftreaktoren) aufzubauen, sollen wenige staatliche Anschubhilfen ausreichen, die den Bau der Kraftwerke und Leitungen für staatliche und private Investoren attraktiver machen (siehe Realisierung von Desertec). Eine Kosten-/Leistungsprognose für das TRANS-CSP-Szenario wurde vom DLR erstellt (siehe Tabelle).[12][13]

Ähnliche Vorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt Gobitech etwa verfolgt die Idee, Solar- und Windstrom aus der Mongolei in die dicht besiedelten und industriell hoch entwickelten Räume Ostchinas, Koreas und Japans zu liefern. Ein ähnliches Vorhaben stellt der Vorschlag der Australian National University in Canberra dar, Südostasien mit nordaustralischem Solarstrom zu versorgen.

Kosten- und Leistungsprognose im TRANS-CSP Szenario[31]
Jahr 2020 2030 2040 2050
Anzahl Leitungen × Leistung GW 2 × 5 8 × 5 14 × 5 20 × 5
Transfer TWh/Jahr 60 230 470 700
mittlere Auslastung der Leitungen 60 % 67 % 75 % 80 %
Umsatz Mrd. €/Jahr 3,8 12,5 24 35
Landfläche CSP km2 225 900 1600 2500
Landfläche HGÜ km × km 3100 × 0,1 3600 × 0,4 3600 × 0,7 3600 × 1,0
summierte Investitionen CSP Mrd. € 42 134 245 350
summierte Investitionen HGÜ Mrd. € 5 16 31 45
Stromerzeugungskosten CSP €/kWh 0,050 0,045 0,040 0,040
Transportkosten HGÜ €/kWh 0,014 0,010 0,010 0,010
Kosten-/Leistungsprognose: mögliche Parameter der EU-MENA-Connection (Zeile HGÜ) und der solarthermischen Kraftwerke für den Stromexport (Zeile CSP) von 2020 bis 2050, dem TRANS-CSP-Szenario entsprechend

Versorgungssicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Jahre 2050 könnten etwa 10–25 % des europäischen Strombedarfs aus den Wüsten gedeckt werden. Im TRANS-CSP-Szenario liegt der heimische erneuerbare Energieanteil am europäischen Stromverbrauch bis dahin bei etwa 65 % und der MENA-Importanteil bei 17 %. Jedes gut ausgebaute Stromnetz verfügt über ausreichende Kapazitäten an Regelleistung (TRANS-CSP etwa 25 %), um fluktuierende Energiequellen und unerwartete Ausfälle von Leitungen oder Kraftwerken kompensieren zu können. Eine übermäßige Abhängigkeit von einem Land oder von wenigen Kraftwerken kann, wie in den Schaubildern verdeutlicht, durch die Vernetzung einer Vielzahl von solarthermischen und PV-Kraftwerken sowie Windkraftanlagen in vielen Ländern und durch die Nutzung mehrerer HGÜ-Leitungstrassen nach Europa vermieden werden. Die Versorgungssicherheit kann erhöht werden, wenn sich die Anlagen im Besitz vieler öffentlicher und privater Eigentümer befinden würden. Ist Südeuropa durch erste Solarstromimporte weniger auf Stromimporte aus Mitteleuropa angewiesen, sinkt in Europa der Druck, neue Kohle- und Atomkraftwerke zu bauen. Bis sich die MENA-Region als stabil genug erweist und das europäische HGÜ-Supergrid ausgebaut ist, kann das bestehende europäische Netz für die Durchleitung von Solarstrom genutzt werden.[12][13]

Steigende Stromlieferungen nach Europa würden zu stärkerem Wirtschaftswachstum in MENA führen und sollen diese Region selbst wie auch ihre Beziehungen zu Europa stabilisieren. Der internationale Handel mit erneuerbaren Energien würde die Anzahl der verfügbaren günstigen Quellen erhöhen und die internationale Zusammenarbeit verbessern. Arbeitsplätze in MENA würden entstehen beim Bau und im Betrieb der Kraftwerke sowie bei der Erzeugung von elektrischer Energie und Trinkwasser für die regionale Bevölkerung. Die Möglichkeit günstigen Wasserstoff durch sauberen Strom zu produzieren, könnte den Verkehrssektor langfristig von schwindenden fossilen Brennstoffen unabhängiger machen. Außerdem wäre ein verstärkter Einsatz von Biomasse auf dem Verkehrssektor anstatt auf dem Stromsektor möglich.[12][13][26][27]

Die Energieversorgung eines Staates aus externen Quellen birgt die Gefahr politischer Abhängigkeit von anderen Staaten und – im Fall von Konflikten – Erpressbarkeit. Dabei wird argumentiert, dass der Import von Strom mit einem politischen Risiko behaftet sei, sobald der Anteil einen gewissen Prozentsatz übersteige. Ferner würden die HGÜ-Verbindungen mögliche Ziele für Terroristen darstellen.

Dem entgegnen Befürworter, angesichts der deutschen Energiewende müssten alle zur Verfügung stehenden Quellen genutzt werden. Mit einem Anteil von 15 % an Wüstenstrom-Importen in einem europäischen Netz mit 65 % heimischen erneuerbaren Energien und einer entsprechenden Reserve an Gaskraftwerken zum Ausgleich der Regelleistung, wie es die TRANS-CSP-Studie in ihrem Szenario untersucht habe, könne man selbst den gleichzeitigen Ausfall aller HGÜ-Verbindungen zwischen MENA und Europa bis zu deren Wiederinstandsetzung oder einer politischen Lösung kompensieren. Eine Unterbrechung der Stromexporte werde somit eher dem eigenen Land schaden – durch den Verlust von Einkünften aus dem Stromexport, von Vertrauen zukünftiger Investoren und von Arbeitsplätzen. Des Weiteren sei Europa schon heute teilweise von Energieimporten aus politisch nicht vollends stabilen Gebieten abhängig, wie der russisch-ukrainische Gasstreit im Winter 2008/2009 sowie 2014 gezeigt habe. Der Bundesverband Solarwirtschaft sah auch durch den heimischen Ausbau der regenerativen Energien bis 2020 bereits 50 % des Bedarfs in Deutschland gedeckt, unter anderem, weil sich die Photovoltaik stark entwickle. Somit könnte der Zweck für Desertec dann nicht mehr bestehen.[32] Zudem werden Solarmodule deutlich billiger. Es sei fraglich, ob „Concentrated Solar Power“ mit den gesunkenen Stromerzeugungskosten in Europa konkurrieren könne, obwohl in der Wüste bessere Sonneneinstrahlungsbedingungen herrschen.[33] Für das Desertec Projekt bestehe also die Gefahr, dass die Wirtschaft ihre Gelder lieber in lokale Anlagen investieren. Für die Desertec Foundation stehen solarthermische Kraftwerke durch ihre Regelbarkeit nicht in Konkurrenz zur Photovoltaik, sondern sie ergänzen fluktuierende erneuerbare Energien, wie Wind und Photovoltaik, und tragen somit dazu bei, dass diese Energieträger vermehrt im Netz eingesetzt werden können, ohne es zu destabilisieren.[34]

Die politische Situation in der Region ist sehr fragil. Der arabische Frühling machte bewusst, wie angreifbar solche großflächigen Anlagen sind, wie auch Desertec eine wäre.

Organisationen und Handlungsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TREC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theoretischer Platzbedarf für Solarkollektoren, um in solarthermischen Kraftwerken den Strombedarf der Welt (also rund 17 % des gesamten Weltenergiebedarfs), Europas (EU-25) bzw. Deutschlands zu erzeugen. (Daten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), 2005)

Das Desertec-Konzept wurde von der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) entwickelt, die 2003 auf Initiative des Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz-Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet wurde. Den Kern von TREC bildete ein internationales Netzwerk aus Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen. Der Physiker Gerhard Knies und Prinz Hassan ibn Talal von Jordanien, der damalige Präsident des Club of Rome, waren die treibenden Kräfte hinter der Gründung und dem Aufbau des Netzwerks. Die grundlegenden wissenschaftlichen Studien zu Desertec wurden von TREC in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt, unter Leitung des DLR-Forschers Franz Trieb.[18]

Desertec Foundation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Desertec Foundation ging am 20. Januar 2009 aus dem TREC-Netzwerk hervor. Die gemeinnützige Stiftung wurde mit dem Ziel gegründet, die Umsetzung des Desertec-Konzeptes global zu verbreiten und voranzutreiben. Stiftungsgründer sind die Deutsche Gesellschaft Club of Rome e. V., Mitglieder von TREC sowie private Förderer und langjährige Unterstützer der Desertec-Idee.[18] Sie ist in Berlin als Stiftung registriert, ihren Sitz hat sie in Hamburg. Die Desertec Foundation hat zwei Vorstände: Andreas Huber und Manfred Bohnen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender sowie Vorstandsmitglied und Finanzvorstand zahlreicher Konzerne, wie zum Beispiel der Konrad Hornschuch AG, der Jägermeister AG oder der TUI AG.[35]

Am 22. Mai 2015 begann die Desertec Foundation gemeinsam mit ihrem neuen Kuratoriumsvorsitzenden Roland Berger die nächste Phase der Realisierung der globalen Vision. Nachdem die Dii GmbH die Machbarkeit der Vision aus Industrieperspektive in mehreren Reports bestätigte, sieht die Stiftung die Vision nun in der Implementierungsphase. Berger schloss hierfür am 22. Mai 2015 einen Generationenvertrag mit Jugendlichen aus aller Welt mit der Zielsetzung einerseits Wüstenstrom für den lokalen Verbrauch zu produzieren, andererseits dafür Bewusstsein zu schaffen, dass Wüstenstrom auch Industrienationen helfen kann, deren nationale Energiewende zu beschleunigen.[36]

Gemeinsam mit regionalen Länder-Koordinatoren arbeitet die Stiftung an der weltweiten Umsetzung von Desertec durch mehrere Maßnahmen:[37]

  • Förderung von Wissenstransfer und wissenschaftlichen Kooperationen
  • Desertec University Network: Im Jahr 2010 initiierte die Desertec Foundation das 'Desertec University Network' als wissenschaftliche und akademische Kooperationsplattform. Deren Ziel ist es, Forschung und Lehre in den Wüstenländern durch Desertec-relevante Inhalte zu bereichern. Gründungsmitglieder sind die Desertec Foundation und 18 Universitäten sowie Forschungseinrichtungen aus der MENA-Region. Weitere Universitäten aus Europa und MENA sind inzwischen beigetreten.[38]
  • Schulmaterialien
Greenpeace und die Deutsche Gesellschaft Club of Rome entwickelten gemeinsam mit der Desertec Foundation Unterrichtsmaterial für den Desertec Atlas.[39]
  • RE Generation MENA ist ein Projekt für Studenten in Ägypten und Tunesien, das seit 2011 vom deutschen Auswärtigen Amt gefördert wird. Ziel ist es, das Desertec-Konzept und seine positiven Auswirkungen bekannt zu machen und ein besseres Verständnis für die Vorteile und Fördermaßnahmen für erneuerbare Energien zu schaffen.[38]
  • Desertec Knowledge Platform: Im Jahr 2012 startet die Wissensplattform, um den internationalen Wissensaustausch und die Zusammenarbeit der Desertec-Community zu vereinfachen. Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ist frei zugänglich.[40]
  • Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen
  • Regionale Länderkoordinatoren: Das Ziel des Netzwerks lokaler Ehrenamtlicher ist, Kontakte und Beziehungen zu NGOs, wissenschaftlichen Institutionen und Unternehmen im jeweiligen Land aufzubauen, um das Desertec-Konzept weiter zu verbreiten. Koordinatoren gibt es in Ägypten, Belgien, China, Frankreich, Gambia, Japan, Mexiko, Österreich, Saudi-Arabien, der Schweiz, Tunesien und dem Vereinigten Königreich.[41]
  • Evaluierung und Initiierung von Projekten, die als Vorbild dienen sollen
Die Desertec Foundation hat 2011 begonnen, Projekte zu evaluieren und ein erstes Pilotprojekt identifiziert, das ihre Desertec-Kriterien erfüllt. TuNur ist ein 2-Gigawatt-CSP-Projekt in Tunesien, welches sich derzeit in der Planungsphase befindet und im Jahr 2016 den ersten Strom liefern soll. Es spart durch Luftkühlung 90 % Wasser und soll bis zu 20.000 direkte und indirekte Jobs schaffen können.[42]. Die der Evaluierung zugrunde liegenden Kriterien werden kontinuierlich im Dialog mit der Zivilgesellschaft in Nordafrika weiterentwickelt. Das Projekt DESERTEC Dialogue wird gefördert vom Auswärtigen Amt.
  • Verbreitung von Informationen über Desertec
Die Desertec Foundation informiert Zivilgesellschaft und Politiker über Desertec durch die Presse, ihre Website, Newsletter und Social Media, Filme über Desertec und die Energiewende,[43] Flyer,[44] Artikel und Bücher wie den Desertec Atlas,[45] internationale Vorträge, politische Arbeit mit Ministerien, Arabischer Liga, der Europäischen Union und der aktiven Teilnahme an internationalen Klimaschutzkonferenzen.[46]

Dii GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2009 bis 2014 untersuchte und evaluierte ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen die Möglichkeiten der Realisierung der Desertec Vision in der Mittelmeerregion und im Nahen Osten aus Industrieperspektive. Hierfür unterzeichnete die Desertec Foundation am 13. Juli 2009 zusammen mit der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Munich Re) und elf anderen Firmen eine Vereinbarung (Memorandum of Understanding). Am 30. Oktober 2009 wurde die Dii GmbH dann von folgenden Partnern aus Europa und Nordafrika gegründet:[47]

* ABB * Enel Green Power * Munich Re * Schott Solar
* Abengoa Solar * E.ON * Nareva * Terna
* ACWA Power * First Solar * Red Eléctrica de España * Terna Energy SA
* Cevital * Flagsol * RWE * UniCredit
* Deutsche Bank * HSH Nordbank * Avancis * State Grid Corporation of China

Zum Geschäftsführer wurde der damals 56-jährige holländische Energiemanager Paul van Son berufen.

Wie die Desertec Foundation wollte die Dii keine eigenen Kraftwerke bauen. Vielmehr arbeitete sie mit vielen Partnern an der Umsetzung von vier Hauptzielen:[44]

  1. Entwicklung eines langfristigen Perspektives für den Zeitraum bis 2050 inkl. Investitions- und Finanzierungsempfehlungen
  2. Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen, um Investitionen in Kraftwerke und Leitungsnetze zu ermöglichen
  3. Entstehung früher Referenzprojekte zur Demonstration der Machbarkeit
  4. Vertiefende Studien zu einzelnen Themenbereichen

Diese Hauptziele konnten bis 2014 weitestgehend erreicht werden.[48]. Die Industrieinitiative bestätigt in mehreren Reports die technische Realisierbarkeit und die wirtschaftliche Attraktivität von erneuerbaren Energien in Wüstenregionen. In ihrem Report "Desert Power: Getting Started" [49] schrieb die Dii 2013, dass obwohl die Realisierung eine enorme politische Herausforderung darstelle, "besteht aus energiepolitischer Perspektive langfristig kaum eine andere Wahl als den Mittelmeerraum als Zentrum anstatt als Grenze zu begreifen".[50]

Ende 2014 haben die meiste Gesellschafter ihre Verträge mit Dii nicht verlängert. RWE, State Grid Corporation of China and ACWA Power sind als Gesellschafter geblieben, Die neue Mission ist nun: die Entwicklung von Projekte von erneuerbaren Energien voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass diese in die verbundenen Netze integriert werden. Insbesondere wird der Fokus auf die Feststellung und Beseitigung von Hindernissen für Projekte (Netz und Erzeugung) gelegt.[51]

Umwandlung der Dii in ein Beratungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Gesellschafterversammlung im Oktober 2014 in Rom beschlossen die 17 noch verbliebenen Gesellschafter, die Planungsgesellschaft in ihrer bisherigen Form aufzulösen und in ein stark verkleinertes Beratungsunternehmen zu überführen. Die Unternehmen RWE, ACWA Power (Saudi Arabien) und die State Grid Corporation (VR China) führen die Firma weiter. Die Gesellschaft soll die erworbene Expertise nutzen, um Länder im arabischen Raum und Nordafrika beim Aufbau regenerativer Energieerzeugung zu beraten.[52][53] Der regionale Aufbau von regenerativer Kraftwerkskapazität zur Versorgung nordafrikanischer Staaten wird weiterhin forciert.[54] Von 2009 bis 2014 seien etwa 70 Einzelprojekte realisiert worden oder befänden sich in Bau. 2014 betrage das Projektvolumen 3 GW, bis 2020 sollen es 35 GW sein.[7]

Realisierung von Desertec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau neuer solarthermischer Kraftwerke hat in Spanien und in den USA in den letzten Jahren mit Anlagen wie Andasol 1 & 2, Solar Tres, PS10 und Nevada Solar One begonnen. Nordafrikanische Solarkraftwerke entstehen bei dem Kraftwerk El Kureimat (Ägypten),[55] Hassi R’mel (Algerien),[56] und Ain-Ben-Mathar (Marokko).[57]

Um bis 2050 zusätzlich zum Eigenbedarf der MENA-Länder eine Exportkapazität von 100 GW aufzubauen, sind staatliche Anschubhilfen nötig, um den Bau der Kraftwerke und Leitungen in der Anfangszeit für private Investoren attraktiv zu machen. Nach Angaben des DLR würden staatliche Unterstützungen von insgesamt einer einstelligen Euro-Milliardensumme ausreichen, um die Markteinführung solarthermischer Kraftwerke so weit voranzubringen, dass diese noch vor 2020 ohne weitere Subventionen wettbewerbsfähig mit der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sind.[58]

Die Investitionen in den Bau der Leitungen und Kraftwerke könnten zwar auch staatliche Investoren übernehmen, aber wie auch die von TREC organisierte Veranstaltung „10,000 Solar GigaWatts“ auf der Hannover-Messe 2008 zeigte, stehen international Banken und private Investoren bereit, um den Bau zu finanzieren, sobald die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.[59] Man benötigt also Stromabnahmegarantien und bei manchen Ländern auch Bürgschaften sowie die Finanzierung von Einspeiseregelungen für die derzeit noch teureren Erneuerbaren Energien (im Laufe der Zeit also dann die „einstellige Euro-Milliardensumme“).[58]

Marokko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2010 gab die Dii GmbH bekannt, dass die Gespräche mit der marokkanischen Regierung zur Errichtung eines Referenzprojekts in Marokko erfolgreich gewesen seien.[60][61] Im Juni 2011 unterzeichnete die Dii mit der marokkanischen Solaragentur Masen (Moroccan Agency for Solar Energy) ein Memorandum of Understanding zur Errichtung des marokkanischen Referenzprojekts.[62] Masen tritt im Rahmen der Zusammenarbeit als Projektentwickler auf und verantwortet alle Schritte in Marokko. Die Dii wird bei der Europäischen Union in Brüssel und bei einzelnen nationalen Regierungen für das Projekt und dessen Finanzierung werben.[63] Im April 2010 erklärte die Dii GmbH, sie lege Wert darauf, dass die Errichtung nicht in das marokkanisch-okkupierte Gebiet der Westsahara gelegt wird.[64] Dies wurde notwendig, da die marokkanische Regierung Planungen für zwei Kraftwerke in diesem Gebiet veröffentlichte. Seit Ende Oktober 2011 steht fest, dass eine Anlage im Rahmen der Kooperation zwischen der Dii GmbH und Masen gebaut werden soll. Der Bau begann 2013[65] und das erste Kraftwerk soll in Marokko bis spätestens 2016 ans Netz gehen. Insgesamt sollen die Anlagen eine Fläche von zwölf Quadratkilometern einnehmen und eine Leistung von etwa 500 Megawatt erzeugen. Die Gesamtkosten betragen nach Schätzung von 2011 rund 2 Milliarden Euro.[66]

Marokko ist als Partner besonders geeignet, da bereits eine Stromtrasse über Gibraltar nach Spanien führt und die marokkanische Regierung ein eigenes Programm zur Förderung erneuerbarer Energien beschlossen hat (es werden ca. 6,6 Mrd. EUR / 9 Mrd. USD in den Jahren 2015 bis 2019 für eine installierte Leistung von 2 GW in fünf Solarkraftwerken bereitgestellt[61][64]). Die Stromerzeugung in Marokko betrug im Jahr 2006 rund 21,88 Terawattstunden (TWh) bei einem Eigenverbrauch von 19,58 TWh. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht 600 TWh, hat aber nur die doppelte Bevölkerung Marokkos. 2001 wurden mehr als 95 % der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas erzeugt, der Rest aus Wasserkraft. Der Anteil von Windkraft und Solarenergie an der Stromerzeugung betrug in Marokko im gleichen Zeitraum 0 %.[67] Parallel wurde unter französischer Führung eine 500-MW-Pilotanlage in Marokko beschlossen.

Tunesien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tunesien sind im April 2011 weitere Schritte Richtung Wüstenstrom vereinbart worden. In Zusammenarbeit mit der Erneuerbare-Energien-Tochter des staatlichen Energiekonzerns STEG in Tunesien startete die Dii GmbH eine Machbarkeitsstudie. Im Zuge dieser Studie werden mögliche Standorte für große Solar- und Windenergie-Projekte in den Wüsten des nordafrikanischen Landes ausgelotet. Untersucht werden dabei die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für die Einspeisung der Energie in lokale Netze und den Export des Stroms in Nachbarländer sowie nach Europa. Auch die Finanzierung eines möglichen Referenzprojekts in Tunesien wird analysiert.[68]

Die Desertec Foundation hat 2011 begonnen, Projekte zu evaluieren, und TuNur als erstes Pilotprojekt identifiziert, das ihre Desertec-Kriterien erfüllt. TuNur ist ein 2-Gigawatt-CSP-Projekt in Tunesien, welches sich derzeit in der Planungsphase befindet und im Jahr 2016 den ersten Strom liefern soll. Es spart durch Luftkühlung 90 % Wasser und kann bis zu 20.000 direkte und indirekte Jobs schaffen. Ein Video auf Youtube beschreibt dieses Projekt.[42]

Algerien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Land Algerien, welches hervorragende Voraussetzung für erneuerbare Energien bietet,[69] gilt als möglicher Standort für ein weiteres Referenzprojekt. Am 9. Dezember 2011, im Rahmen eines Treffens zwischen Algerien und der EU in Brüssel, unterzeichnete der Geschäftsführer des algerischen staatlichen Elektrizitätskonzerns Sonelgaz – im Beisein des algerischen Energieministers Youcef Yousfi und des EU-Kommissars für Energie Günther Oettinger – eine Kooperationserklärung mit der Dii GmbH. Im Mittelpunkt dieser strategischen Partnerschaft stehen die Stärkung und der Austausch technischer Expertise, die Suche nach Mitteln und Wegen für den Zugang zu ausländischen Märkten und die Förderung der gemeinsamen Entwicklung der erneuerbaren Energien in Algerien und im Ausland.[70]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. November 2008 wurde die Desertec Foundation zweifach mit dem Utopia-Award der Utopia-Stiftung ausgezeichnet. Dabei erfolgten die Auszeichnungen in der Kategorie Ideen mit dem Jury- und dem Publikumspreis. Laut Jury wird durch das Desertec-Konzept gezeigt, dass „[…] es möglich ist, kurzfristig mit einem Investitionspaket und Infrastrukturprogramm Europa beispielhaft für die Welt energetisch fit für die Zukunft zu machen.“[71]

Die Desertec-Foundation wurde am 17. März 2010 beim Wettbewerb Deutschland – Land der Ideen als „Ausgewählter Ort 2010“ ausgezeichnet und ist somit einer der 365 Preisträger des Wettbewerbs.[72]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Desertec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand Desertec Foundation (Memento vom 14. April 2015 im Internet Archive)
  2. a b Desertec Globale Mission. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  3. a b Desertec-Konzept. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  4. a b Desertec Zwischenbilanz. Abgerufen am 5. Mai 2015.
  5. Zusammenfassung der DLR Studien (Textauszug aus dem WhiteBook). Abgerufen am 16. März 2012 (PDF; 1,7 MB).
  6. sueddeutsche.de
  7. a b Konzerne lassen Desertec-Traum platzen. In: Tagesschau.de. 14. Oktober 2014. Abgerufen am 14. Oktober 2014.
  8. Desertec-Projekt Der Wüstenstrom kommt 2020 nach Europa. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. Juni 2013. Abgerufen am 17. Juni 2013.
  9. In den Sand gesetzt . In: Süddeutsche Zeitung. 8. Oktober 2014. Abgerufen am 14. Oktober 2014.
  10. Joachim Nitsch, Frithjof Staiß: Perspektiven eines solaren Energieverbundes für Europa und den Mittelmeerraum. In: Hans-Günther Brauch (Hrsg.): Energiepolitik. Berlin/ Heidelberg 1997, S. 473–486, S. 473.
  11. Nadejda Komendantova, Anthony Patt: Employment under vertical and horizontal transfer of concentrated solar power technology to North African countries. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews. 40, (2014), S. 1192–1201, S. 1194, doi:10.1016/j.rser.2014.07.072
  12. a b c d e f g Description in the Summary of the TRANS-CSP Study (PDF; 655 kB)
  13. a b c d e f g h Researched in the TRANS-CSP Study (PDF; 6,3 MB)
  14. ARD W-Wie-Wissen
  15. Desertec Foundation (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive)
  16. Asiatisches Superstromnetz für Erneuerbare Energien. Desertec Foundation unterzeichnet Kooperationsvereinbarung. Pressemitteilung der Desertec Foundation. Abgerufen am 10. März 2012.
  17. Franz Trieb, Hans Müller-Steinhagen: Stromimport aus der Sahara. Grundlagen des Desertec Konzeptes. In: Jürgen Renn, Rober Schlögel, Hans-Peter Zenner (Hrsg.): Ausgewählte Vorträge der 126. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte e.V. 2011, 123–160, S. 129f.
  18. a b c Desertec Meilensteine. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  19. MED-CSP Study, Numerical data, Ecobalance, Summary
  20. TRANS-CSP Study, Numerical data, Summary
  21. AQUA-CSP Study
  22. Gesammelte Nachrichtenmeldungen zum Solarplan der Union für das Mittelmeer (PDF; 141 kB)
  23. Desert Power 2050 Studie. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  24. Desert Power 2050 Ergebnisse. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  25. Concentrated Solar Power bei Schott Solar
  26. a b Description in the Summary of the MED-CSP Study (PDF; 729 kB)
  27. a b Researched in the MED-CSP Study (PDF; 12,3 MB)
  28. Sauberer Strom aus den Wüsten (PDF; 6,3 MB)
  29. Studie Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme 2013 (PDF; 8,4 MB)
  30. Liste der HGÜ-Anlagen List of HVDC projects.
  31. Capacity, Costs & Space: Main indicators of the total EU-MENA High Voltage Direct Current (HVDC) interconnection and Concentrating Solar Power (CSP) plants from 2020–2050 according to the TRANS-CSP scenario. Source: http://www.trecers.net/
  32. Desertec Startschuss Wüstenstrom Projekt, Stern.
  33. Fritz Vorholz: Wüstenstrom, eine Fata-Morgana? In: Die Zeit. 27. April 2012, abgerufen am 10. November 2012.
  34. Desertec Foundation: Technologien. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  35. Desertec Vorstände (Memento vom 14. April 2015 im Internet Archive)
  36. dl.dropboxusercontent.com
  37. Desertec Organisation. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  38. a b Desertec Fokus EU-MENA (Memento vom 25. Dezember 2015 im Internet Archive)
  39. content.globalmarshallplan.org
  40. Desertec Knowledge Platform. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  41. Desertec Koordinatoren (Memento vom 25. Dezember 2015 im Internet Archive)
  42. a b TuNur. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  43. DesertecChannel auf Youtube. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  44. a b Desertec Flyer (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive)
  45. Desertec Atlas (Memento vom 26. Juni 2013 im Internet Archive)
  46. Desertec Veranstaltungen. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  47. Dii Gesellschafter. Abgerufen am 23. Oktober 2012.
  48. Zwischenbilanz DII. DII, 31. Dezember 2014, abgerufen am 7. Mai 2015.
  49. [1]
  50. [2]
  51. [3]
  52. Wüstenstrom-Projekt Desertec zerfällt
  53. Dii is entering a new phase: Dii adapts its business model to provide concrete services for renewable energy projects
  54. Zwischenbilanz DII. SOLARIFY, 30. Dezember 2014, abgerufen am 7. Mai 2015.
  55. Solar- und Windenergie in Ägypten boomt. In: ZDF Heute. 9. Dezember 2009, abgerufen am 31. Mai 2010.
  56. Wüstenstrom für Europa. In: Tagesspiegel. 6. Juli 2009, abgerufen am 31. Mai 2010.
  57. Nordafrika setzt nicht auf Desertec. In: Neues Deutschland. 14. Juli 2009, abgerufen am 31. Mai 2010.
  58. a b Desertec Foundation: Clean Power from Deserts. (Memento vom 22. März 2015 im Internet Archive) (PDF; 3,0 MB)
  59. ENERGY FORUM 10,000 SOLAR GIGAWATTS 23.–24. APRIL 2008 (Memento vom 30. Dezember 2008 im Internet Archive)
  60. af.reuters.com
  61. a b english.globalarabnetwork.com
  62. Moroccan Agency for Solar Energy: Masen (Moroccan Agency for Solar Energy) et le consortium industriel Dii s'entendent sur un projet de coopération. (PDF; 350 kB) vom 2. Juni 2011.
  63. derstandard.at
  64. a b Z. Maung: Solar giant Desertec to avoid Western Sahara. In: The Guardian. vom 10. April 2012.
  65. Julia Chan: Work begins on 160MW Noor 1 CSP project in Morocco. 13. Mai 2013, abgerufen am 17. November 2013 (englisch).
  66. Sylvia Hülse: Bald kommt der Strom aus der Wüste. 31. Oktober 2011, abgerufen am 17. November 2013.
  67. Energie von Marokko, Afrika auf einen Blick, abgefragt am 22. Mai 2010
  68. Wüstenstrom nach der Revolution. In: Süddeutsche Zeitung. 11. April 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  69. Marktanalyse Algerien: Solarthermische Kraftwerke (CSP) und Photovoltaik. Abgerufen am 15. Dezember 2011.
  70. Algerien, EU und Desertec besiegeln Zusammenarbeit. In: Algerien Heute. 10. Dezember 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
  71. Utopia Stiftung: Ein guter Abend: Die Preisverleihung
  72. Beim Wettbewerb 365 Orte im Land der Ideen ausgezeichnet (Memento vom 5. Juli 2014 im Internet Archive)