Tschick (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Tschick
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2016
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 14
Stab
Regie Fatih Akin
Drehbuch Lars Hubrich,
Hark Bohm,
Fatih Akin
Produktion Marco Mehlitz
Musik Vince Pope
Kamera Rainer Klausmann
Schnitt Andrew Bird
Besetzung

Tschick ist ein deutscher Spielfilm von Fatih Akin aus dem Jahr 2016. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf erzählt von zwei jugendlichen Außenseitern aus Berlin (dargestellt von Tristan Göbel und Anand Batbileg), die sich zu Beginn der Sommerferien in einem gestohlenen Auto quer durch Ostdeutschland in Richtung Walachei auf den Weg machen.

Tschick wurde am 12. September 2016 im Berliner Kino International uraufgeführt,[1] während der deutsche Kinostart am 15. September 2016 erfolgte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin, zu Beginn der Sommerferien: Der 14-jährige Maik stammt aus einem scheinbar gutsituierten, aber insgeheim zerrütteten und insolventen Elternhaus in Marzahn. Seine Mutter ist alkoholabhängig und lässt sich regelmäßig in eine Entzugsklinik einweisen. Maiks gewalttätiger Vater, ein Immobilienmakler, will lieber den Urlaub mit seiner jungen Assistentin verbringen und lässt den Sohn mit 200 Euro allein in der elterlichen Villa zurück. In der Schule gilt Maik als langweiliger Außenseiter und wird nicht zur Geburtstagsparty seiner attraktiven und beliebten Klassenkameradin Tatjana eingeladen. Das schmerzt ihn besonders, da er heimlich in Tatjana verliebt ist. Maik hat von ihr ein aufwendiges Porträt gezeichnet, das er ihr eigentlich zum Geburtstag schenken wollte. Als er die Zeit gelangweilt am Pool verbringt, begegnet ihm sein neuer Mitschüler Andrej Tschichatschow, kurz „Tschick“ genannt. Der Russlanddeutsche, der ebenso in verwahrlosten Verhältnissen lebt und auch nicht zur Party eingeladen wurde, lädt Maik dazu ein, mit einem „geliehenen“ Lada zu fahren.

Tschick kann den schüchternen Maik dazu überreden, trotz fehlender Einladung Tatjana die Zeichnung auf der Party zu überreichen. Der mitgebrachte Lada sorgt bei den anderen Partygästen für großes Erstaunen. Anschließend will Tschick mit dem Auto seinen Großvater in der Walachei besuchen und lädt Maik dazu ein, ihn zu begleiten. Maik geht auf das Angebot ein und gemeinsam begeben sich die beiden Jungen auf eine abenteuerliche Fahrt ohne Karte quer durch Ostdeutschland. Dabei reisen sie durch einsame, schöne Landschaften und begegnen seltsamen Menschen wie einer Gruppe von Adeligen auf Fahrrädern, einer freundlichen Öko-Mutter und einem wütenden Dorfpolizisten. Als ihnen der Treibstoff ausgeht und sie nach einem Schlauch suchen, um Benzin für ihren Lada aus anderen Wagen absaugen zu können, machen sie an einer Müllkippe Halt. Dort begegnet ihnen die obdachlose Jugendliche Isa, die Maik und Tschick hilft und sich ihnen auf ihrer Reise anschließt. Maik beginnt sich in sie zu verlieben, und auch Isa mag ihn. Isa verlässt die Jungen, als sie einen Bus nach Prag entdeckt, wo ihre Halbschwester wohnt und wo sie Unterkunft suchen will.

Als Tschick sich am Fuß verletzt, muss Maik das Steuer des Lada übernehmen. Tschick offenbart ihm nebenbei, dass er schwul sei. Die Reise der beiden Jungen endet unsanft, als sie ohne ihr Verschulden mit einem Viehtransporter zusammenstoßen. Maik wird von der Polizei vernommen und vor Gericht gestellt, wobei er – entgegen den mit Drohungen unterlegten Ratschlägen seines Vaters – nicht die Schuld auf Tschick schiebt, sondern seine Teilschuld eingesteht und sogar eine Mitschuld am Autoklau auf sich nimmt. Der Vater verprügelt Maik daraufhin im Hof des Gerichts und verlässt die Familie, um mit seiner Affäre zu leben. Die Mutter und Maik versenken ihr Hausinventar im eigenen Swimmingpool und tauchen fröhlich darin. Als die Sommerferien vorbei sind sammelt die Polizei Maik vor seinem ersten Schultag auf und befragt ihn bezüglich Tschicks aktuellem Aufenthaltsort, den Maik ihnen nicht nennen kann. Im Polizeiwagen vorgefahren und noch sichtbar vom Unfall gezeichnet, genießt Maik auf dem Schulhof plötzlich Respekt, und auch Tatjana bemerkt ihn. Maik will aber am liebsten seine im Sommer gewonnenen Freunde Tschick und Isa wiedersehen.

Im folgenden Abspann werden im ersten Abschnitt noch die Ereignisse nach dem Unfall aus Sicht von Tschick in Cartoonoptik dargestellt. Tschick wurde von einer Dame in einem BMW aufgesammelt und zu einem Krankenhaus gebracht, aus welchem er nach kurzer Behandlung wieder flüchtet, und schließlich mit dem von den Polizisten gegenüber Maik erwähnten zweiten geklauten Lada eine neue Botschaft auf einem Parkplatz hinterlässt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fatih Akin bemühte sich bereits seit 2011 um eine Verfilmung von Tschick, als er dieses zuerst gelesen hatte. Er war insbesondere an der Verfilmung der „Sternenszene“ aus dem Buch interessiert. Gleichzeitig waren aber noch zahlreiche weitere Filmemacher hinter den Filmrechten zum Bestseller her, dazu kam Wolfgang Herrndorfs schwere Krebserkrankung und sein letztlicher Suizid.[2] Die Filmrechte gingen letztlich nicht an Akin, sondern an Produzent Marco Mehlitz und Regisseur David Wnendt. Zwischen diesen kam es offensichtlich zu künstlerischen Differenzen und Wnendt schied im Sommer 2015 aus dem Projekt.[3] Erst sieben Wochen vor Drehbeginn wurde Akin daraufhin angerufen, ob er nicht doch die Regie übernehmen wolle: „Da habe ich natürlich Ja gesagt. Das war Schicksal. Ich habe mir das so gewünscht. Dann sollte es nicht so sein. Und am Ende doch.“[4]

Wolfgang Herrndorf hatte vor seinem Tod 2013 Lars Hubrich mit der Anfertigung eines Drehbuchs beauftragt. Akin übernahm Hubrichs Drehbuch, gab ihm aber gemeinsam mit Hark Bohm noch den letzten Schliff. Bohm hatte 1976 mit Nordsee ist Mordsee einen Klassiker des deutschen Jugendfilms gedreht, der Tschick in der Handlung an einigen Stellen ähnelt und ebenfalls Schauspieler Uwe Bohm in der Besetzung hat. Daher wurde Akins Film auch als eine Hommage auf Nordsee ist Mordsee gesehen.[5]

Für die Rolle des Russlanddeutschen Tschick suchte die Filmproduktionsfirma zunächst erfolglos in Russland und der Mongolei nach einem passenden Schauspieler.[6] Letztlich wurde die mongolische Botschaft gebeten, einen passenden Jungschauspieler zu suchen. Anand Batbilegs Vater war Mitarbeiter der Botschaft und gab seinem Sohn den Aufrufszettel zum Casting. Der schickte ein kurzes Video, indem er einige Szenen des Films nachspielte, und überzeugte.[7] Auch bei der Rolle des Maik gab es Schwierigkeiten mit der Besetzung. Fatih Akin zeigte sich nach Übernahme der Regie mit dem ursprünglichen Kandidaten unzufrieden, erst eine Woche vor Drehbeginn fand er mit Tristan Göbel eine überzeugende Neubesetzung.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschick wurde nach seiner Uraufführung fast ausschließlich Lob seitens der Fachkritik zuteil. Der Film sei „das perfekte Roadmovie“ (Spiegel Online),[9] „begeisternd“ (Der Tagesspiegel),[10] „rasant, lustig und klug“ (Der Spiegel)[11], „grandios“ (Hamburger Abendblatt)[12] und „glaubwürdig“ (Die Zeit),[13] behalte „stilsicher seinen Drive“ (Neue Zürcher Zeitung)[14], sei eine „schlanke Verfilmung“ und ein eher „bescheidenes Projekt“ im Vergleich zum Vorgängerfilm Akins (Frankfurter Allgemeine Zeitung).[15] Alles „Wesentliche“ aus dem Roman sei „enthalten“ (Süddeutsche Zeitung),[16] das „Lebensgefühl“, das die literarische Vorlage vermittelte, sei getroffen (Frankfurter Rundschau).[17]

Eine der wenigen kritischen Stimmen kam von Claudius Prößer (Die Tageszeitung), die eine „Anseh-Warnung“ für den Film aussprach. Tschick sei „kein guter […], sondern allerhöchstens ein ziemlich mittelprächtiger“ Film. Akin inszeniere „die Geschichte mit den Mitteln eines x-beliebigen deutschen Jugendfilms: Im Plot schnurren die skurrilen Elemente der Erzählung zur Freakshow zusammen, die Kamera fliegt und zoomt ständig wie bekokst durch das bonbonbunte Setting, die Nebendarsteller chargieren mächtig und irgendwer schmiert sich was ins Gesicht.“ Göbel und Batbileg attestierte Prößer fehlende „schauspielerische Erfahrung“, kritisierte deren Dialoge und warf den beiden Schauspielern sowie der Isa-Darstellerin Mercedes Müller vor, dass sie „die Verwahrlosung“ der Figuren „mühsam spielen“ würden, da sie „wohlbehütet aufgewachsen“ seien.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ‚Tschick‘ feiert Weltpremiere in Berlin. Zugegriffen 14. September 2016. http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/2016/09/tschick-weltpremiere-in-berlin.html.
  2. Interview mit Fatih Akin
  3. Rezension im Spiegel
  4. Interview mit Fatih Akin
  5. Interview mit Fatih Akin
  6. Palma, Claudia: „Ich bin zunächst gegen eine Wand gerannt“. In: Märkische Allgemeine, 2. Mai 2016, S. 9.
  7. Kurtz, Andreas: Ein Ausflipper führt Regie. In: Berliner Zeitung, 13. September 2016, Nr. 2015, S. 14.
  8. Interview mit Fatih Akin
  9. Kaever, Oliver: Fatih Akins Film „Tschick“: Heldenreise im Lada. Zugegriffen 16. September 2016. http://www.spiegel.de/kultur/kino/tschick-verfilmung-fatih-akins-perfekter-roadmovie-a-1110512.html.
  10. Schwickert, Martin: Endstation Sehnsucht. In: Der Tagesspiegel. 15. September 2016, Nr. 22880, S. 3.
  11. Höbel, Wolfgang: „Tschick“ on Speed. In: Der Spiegel, 10. September 2016, Nr. 37, S. 130.
  12. Müller, Felix: Zwei Jungs brechen auf in die Welt. In: Hamburger Abendblatt, 15. September 2016, Nr. 217, S. 4.
  13. Husmann, Wenke. „‚Tschick‘: Dieser Sommer ist ein ganzes Leben“. Die Zeit. 14. September 2016. http://www.zeit.de/kultur/film/2016-09/fatih-akin-tschick-film.
  14. Tilmann, Christina: Der Aussenseiter und der Psychopath. In: Neue Zürcher Zeitung, 15. September 2016, S. 45.
  15. Rebhandl, Bert: Wo liegt nochmal Nichts-wie-raus-hier?. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September 2016, Nr. 215, S. 9.
  16. Kniebe, Tobias: Und das war dann dieser Sommer. In: Süddeutsche Zeitung, 14. September 2016, S. 9.
  17. Westphal, Anke: Der beste Sommer von allen. In: Frankfurter Rundschau, 15. September 2016, S. 30.
  18. Prößer, Claudius: „Lebendig wie Laubsägearbeiten“ die tageszeitung, 17. September 2016, S. 50.