Ulrich Heyden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ulrich Heyden, Herbst 2009

Ulrich Heyden (* 24. September 1954 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Er ist seit 1992 freier Korrespondent für deutschsprachige Medien in Moskau.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Mittleren Reife in Hamburg im Jahr 1974 machte Heyden ab 1974 eine Lehre als Metallflugzeugbauer und arbeitete danach von 1977 bis 1980 als Mechaniker. Auf dem Zweiten Bildungsweg studierte er von 1981 bis 1985 an der HWP Hamburg Volkswirtschaftslehre, gefolgt von einem Studium in Mittlerer und Neuerer Geschichte an der Universität Hamburg, das Heyden 1990 mit dem Magister abschloss.

1991 arbeitete Heyden als Dokumentationsjournalist im Spiegel-Archiv. Seit 1992 ist er freier Korrespondent in Moskau für der Freitag[1]. Seit 2010 berichtet er für Telepolis[2], seit 2016 für RT[3] und seit 2017 für Rubikon - Magazin für die kritische Masse[4].

Im Zuge des Machtwechsels in Kiew 2014 ging Heyden auf Distanz zu der im Westen vorherrschenden Sichtweise von einer im Großen und Ganzen begrüßenswerten Entwicklung in der Ukraine. Infolgedessen verlor er zahlreiche Kunden, wie er in einem Interview mit dem Dresdner coloRadio berichtete.[5] Von 2001 bis 2014 war er Korrespondent für die Sächsische Zeitung in Moskau.[6] Zum 30. Juni 2014 kündigte die Sächsische Zeitung den Honorarvertrag wegen „Qualitätsmängeln“ seiner Arbeit.[7] Eine Klage gegen die Kündigung vor sächsischen Arbeitsgerichten scheiterte in erster und zweiter Instanz.[8] Auch andere Zeitungen - wie die Salzburger Nachrichten, Die Presse, Aargauer Zeitung, Südostschweiz, Mittelbayerische Zeitung und der Südkurier - stellten nach jahrelanger Zusammenarbeit den Abdruck seiner Artikel ein. Die Wochenzeitung in Zürich, für die er seit 1992 schrieb[9], wollte seine Akkreditierung in Russland 2015 nicht weiter beantragen. Als Grund wurde ein Artikel [10] für Telepolis genannt, in dem Heyden eine neutrale Position verlassen und sich auf die Seite der international nicht anerkannten Volksrepubliken Donetsk und Lugansk gestellt habe. Mit Neues Deutschland - für das er seit 1992 schrieb[11] - beendete Heyden 2017 wegen Meinungsverschiedenheiten über eine Krim-Reportage die Zusammenarbeit.[12]

Heyden kommentiert für Moskauer Fernsehkanäle[13], die Radio-Sender Echo Moskwy[14] und Goworit Moskwa[15] sowie das Internet-Portal Pravda.ru[16] Ereignisse in Deutschland und Russland.

Neben seiner Haupttätigkeit als Journalist war Heyden 1996 bis 1998 Producer im Moskauer ZDF-Studio, von 1999 bis 2000 Dozent am Freien Russisch-Deutschen Institut für Publizistik an der Lomonossow-Universität, 2014 Dozent zur Theoriegeschichte der Ökonomie an der Moskauer Universität für Wirtschaft, Statistik und Informatik (MESI)[17] und 2014 bis 2015 Dozent zu den Theorien der Internationalen Beziehungen an der Akademie für Volkswirtschaft und öffentliche Verwaltung (RANEPA)[18].

Zusammen mit der Moskau-Korrespondentin Ute Weinmann verfasste er 2009 ein Buch über die zeitgenössische Opposition in Russland, das auf gemischte Kritik stieß. Die Rezensentin in Das Parlament bemängelte die „oberflächliche und wenig strukturierte Darstellung von Einzelphänomen zersplitterter Protestgruppen“.[19] Das Handelsblatt vermerkte „teilweise oberflächliche[n] und streckenweise hilflose[n] Beschreibungen“, gesteht den Autoren aber das Verdienst zu, die „heutige Opposition in Russland breiter und lebendiger darzustellen, als dies im Westen ansonsten üblich ist.“[20] Der Rezensent von die Süddeutsche Zeitung schreibt, das Buch versuche, „Aspekte von Russland zu erklären, die am schwersten vermittelbar sind. Es gibt keine Zivilgesellschaft, jedenfalls nicht in dem Sinn, wie das in westlichen Gesellschaften üblich ist.“[21] Nach Meinung von Heyden gibt es immer mehr Russen, die erkennen, dass durch zivilgesellschaftliches Engagement etwas verändert werden kann.[22]

Heyden ist Mitautor eines 2012 im Rotpunktverlag erschienenen Buches über Selbstverwaltungsprojekte in verschiedenen Ländern.[23]

Außerdem ist er zusammen mit Marco Benson Autor des Dokumentarfilmes „Lauffeuer“.[24] Der Film geht den Fragen nach, ob die Ausschreitungen in Odessa am 2. Mai 2014 vorbereitet waren und warum die Polizei die Angriffe auf die prorussischen Aktivisten nicht verhinderte. Radio Corax bemerkte, der Film sei „ein bedrückendes Zeugnis über das Pogrom von Odessa am 2. Mai 2014 und der erste deutschsprachige Dokumentarfilm darüber.“[25] Roland Zschächner schrieb, „in manchen Momenten geht im Film zwar der Erzählstrang verloren, was den hohen Ambitionen – möglichst objektiv und umfassend – geschuldet ist. Die Stärke von ‚Lauffeuer‘ ist indes, die richtigen Fragen zu stellen und Augenzeugen zu Wort kommen zu lassen“.[26]

Am 30. April 2016 bekam Heyden von ukrainischen Grenzbeamten am Flughafen von Odessa ohne Begründung ein fünfjähriges Einreiseverbot für die Ukraine in seinen Pass gestempelt.[27]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Zweiter Preis beim Journalisten-Wettbewerb Das goldene Verb – veranstaltet von der russischen Organisation Mediasoyus – in der Rubrik „Reisen durch Russland“, für eine Reportage in der Sächsischen Zeitung über den Wiederaufbau einer russisch-orthodoxen Kirche (2008)[28]
  • 2010: Als langjähriger Russland-Korrespondent von der Mediasoyus ausgezeichnet für seinen „Beitrag zum internationalen Journalismus“[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel von Ulrich Heyden in der Freitag
  2. Artikel von Ulrich Heyden für Telepolis
  3. Artikel von Ulrich Heyden für RT
  4. Artikel von Ulrich Heyden für Rubikon
  5. Interview in coloRadio am 20. Dezember 2014[1]
  6. Artikel von Ulrich Heyden für die Sächsische Zeitung
  7. „Hintergrund der Kündigung war die fehlende Qualität der Tätigkeiten des Klägers.“ Antrag auf Klageabweisung durch den Rechtsvertreter der Sächsischen Zeitung an das Arbeitsgericht Dresden, 31. Juli 2014, S. 13.
  8. Protokoll des Arbeitsgerichtes Dresden, 9. Oktober 2014, Niederschrift des Landesarbeitsgerichtes Chemnitz, 12. März 2015, Az.: 6 Sa 647/14 und 5 Ca 874/14 ArbG Dresden
  9. Artikel von Ulrich Heyden in Die Wochenzeitung
  10. Ulrich Heyden: Mordanschlag gegen den "Che Guevara von Lugansk". In Telepolis, 24. Mai 2015 ([2])
  11. Artikel von Ulrich Heyden in Neues Deutschland
  12. Erklärung zu einem Eingriff der Redaktion von Neues Deutschland [3]
  13. Auftritte von Ulrich Heyden im russischen Fernsehen und Radio (Liste) [4]
  14. Beiträge von Ulrich Heyden für Echo Moskwy
  15. Beiträge von Ulrich Heyden für den Radiosender Govorit Moskva
  16. Beiträge von Ulrich Heyden für Pravda.ru
  17. Nennung von Ulrich Heyden auf Ranepa.ru[5]
  18. Seminar von Ulrich Heyden zum Konzept Smart City[6]
  19. Gemma Pörzgen: Am Gängelband. In: Das Parlament Nr. 41/2009([7])
  20. Mathias Brüggmann: Die Vertikale der Macht. In: Handelsblatt vom 16. August 2009([8])
  21. Rupert Neudeck: Herrschaft will befestigt sein. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. Januar 2010([9])
  22. Ulrich Heyden: Allmählich begreifen selbst die Russen, dass sich zivilgesellschaftliches Engagement lohnt. In: Eurasisches Magazin. Nr. 1/2010 ([10]).
  23. Bettina Dyttrich/Pit Wuhrer (Hrsg.): Wirtschaft zum Glück: Solidarisch Arbeiten heute weltweit. Rotpunktverlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-85869-498-0
  24. Ulrich Heyden, Marco Benson leftvision.de: Lauffeuer – Eine Tragödie zerreißt Odessa zu Beginn des ukrainischen Bürgerkrieges. Dokumentarfilm, 18. Februar 2015 auf YouTube
  25. Ralf Wendt: „Lauffeuer“ – ein Film über den faschistischen Pogrom am 2.Mai in Odessa. In: Radio Corax, 20. Februar 2015 (freie-radios.net).
  26. Der Mob in Odessa. In: Junge Welt. 20. Februar 2015 (jungewelt.de).
  27. Denis Trubetskoy: Datenklau zur Journalistenjagd. In: Neues Deutschland. 18. Mai 2016, abgerufen am 23. Januar 2017 (Paywall).
  28. Russischer Preis für SZ-Korrespondenten. In: Sächsische Zeitung. 6. Dezember 2008 (sz-online.de).
  29. SZ-Korrespondent Ulrich Heyden in Moskau geehrt. In: Sächsische Zeitung. 20. Dezember 2010 (sz-online.de).