Uwe Behrendt

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Uwe Behrendt (* 1. April 1952 in Pößneck; † 16. September 1981 im Libanon) war ein deutscher Rechtsextremist, der durch seine Morde an Shlomo Levin, dem ehemaligen Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, und dessen Lebensgefährtin Frieda Poeschke bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behrendt stammte aus Pößneck in Thüringen und machte dort 1970 Abitur. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch 1973 saß er in der DDR elf Monate in Cottbus in Haft, wurde für 50.000 DM freigekauft und am 24. Juli 1974 in die Bundesrepublik abgeschoben. Er studierte in Ulm, Erlangen und Tübingen Theologie, Germanistik und Medizin und unternahm Reisen nach Südafrika und das damalige Rhodesien. Er hatte Kontakte zu verschiedenen rechtsextremistischen Gruppen und kandidierte 1976 für den Hochschulring Tübinger Studenten (HTS) für den Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität Tübingen.[1] Im Juni 1976 wurde Behrendt in den Hochschulpolitischen Ausschuss (HpA) der Deutschen Burschenschaften gewählt.

Über den HTS erhielt er Kontakte zu Karl-Heinz Hoffmann und wurde Mitglied seiner Wehrsportgruppe Hoffmann.[2]

Mord und Flucht in den Libanon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Dezember 1980 erschoss Behrendt Shlomo Levin und dessen Lebensgefährtin Frieda Poeschke vor deren Haus in Erlangen mit einer Maschinenpistole. Levin hatte mehrfach kritische Berichte über die "Wehrsportgruppe Hoffmann" (WSG) verfasst.[3] Nach Aussagen von Karl-Heinz Hoffmann gestand Behrendt ihm die Tat. Hoffmann half Behrendt, Spuren zu verwischen, und verbrannte Teile von dessen Kleidung.[4] Zur Tatzeit wohnte Behrendt auf Schloss Ermreuth, der Privatresidenz Hoffmanns. Nach dem Mord flüchtete er von dort in den Libanon, wo die WSG über Kontakte zur Fatah eine Auslandsorganisation führte.[5] Im Libanon soll Behrendt andere Mitglieder der WSG gefoltert und misshandelt haben. Eines der Mitglieder, Kay-Uwe Bergmann, verschwand spurlos.[2] In einem libanesischen Wehrlager beging Behrendt am 16. September 1981 Selbstmord.[6]

Mordprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1983 schloss die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Nürnberg-Fürth die Ermittlungen im Mordfall Levin/Poeschke ab und erhob Anklage beim Schwurgericht. Laut den Ergebnissen der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen soll Behrendt die Morde an Lewin und Poeschke im Auftrag von Karl-Heinz Hoffmann verübt haben. Die Anklage wurde im September 1983 zunächst von der 5. Strafkammer aus Mangel an Beweisen nicht zur Verhandlung zugelassen. Am 12. September 1984 begann der Prozess gegen Hoffmann und seiner Lebensgefährtin Franziska Brinkmann, deren Brille am Tatort aufgefunden wurde. Nach 185 Verhandlungstagen stellte das Gericht am 30. Juni 1986 fest, dass Uwe Behrend die Morde aus freien Stücken alleine geplant und durchgeführt hatte.[7].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Maegerle: Im braunen Sumpf. Blick nach rechts, 25. Oktober 2011 (kostenpflichtig)
  2. a b Mit dem Rucksack. Spiegel 34/1984
  3. Wolfgang Most: Vereinigung der Einzeltäter: Wehrsportgruppe Hoffmann. haGalil, 3. Januar 2006
  4. Chef, ich habe den Vorsitzenden erschossen. Spiegel, 47/1984
  5. Armin Pfahl-Traughber: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Ch. Beck, S. 73
  6. Hans-Gerd Jaschke, Birgit Rätsch, Yury Winterberg, Nach Hitler: radikale Rechte rüsten auf, Bertelsmann 2001, S. 42
  7. Ulrich Chaussy, Oktoberfest – Das Attentat: Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann, Ch. Links Verlag 2016, S. 243f