Ingo Kühl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Anleitung: Neutraler Standpunkt Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der WP:NPOV, WP:WF --Xneb20 DiskBeiträge 09:30, 11. Dez. 2016 (CET) angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Ingo Kühl im Atelier Berlin 2015

Ingo Kühl (* 29. Juni 1953 in Bovenau, Schleswig-Holstein) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Bildhauer und utopischer Architekt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingo Kühl wuchs in Bovenau auf, wo sein Vater Polizist war. Seine Mutter starb 1957 im Alter von fünfunddreißig Jahren. Ein Jahr später heiratete sein Vater wieder. 1964 zog die Familie nach Hanerau-Hademarschen. Nach Abschluss der dortigen Theodor Storm-Realschule durchlief er eine Lehre als Zimmerer und Technischer Zeichner und besuchte das Technische Gymnasium in Rendsburg. Von 1973 bis 1976 studierte er Architektur an der Fachhochschule Kiel und schloss als Diplomingenieur ab. Er arbeitete in einem Architekturbüro in Haale und später als freier Mitarbeiter in Berlin, immatrikulierte sich an der Technischen Universität Berlin, wechselte zur Hochschule der Künste Berlin und studierte von 1977 bis 1982 Architektur und Bildende Kunst. In dieser Zeit entstanden seine vom Surrealismus beeinflussten Zeichnungen zum Thema Architektur-Phantasien. Nach einer Begegnung mit dem Maler Heinz Trökes 1979, der ihn sehr beeindruckte, wandte er sich der Malerei zu.

Er unternahm Reisen nach London, Paris, Prag, Israel und nahm an einer Exkursion nach Teheran teil. Neben seinem Berliner Atelier richtete er sich in Garding auf Eiderstedt ein Atelier ein (1980 bis 1994). Das Erleben der Landschaft am Meer führte ihn, vom abstrakten Expressionismus ausgehend, zur Landschaftsmalerei. Parallel dazu entstanden Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen zur phantastischen Architektur. Diese Arbeiten reflektieren u.a. die utopische Literatur der Gläsernen Kette, einer Vereinigung von jungen Architekten und Schriftstellern. 1982 verbrachte er zwei Monate in New York in einem Atelier in Brooklyn. Zurückgekehrt nach Berlin war er zeitweilig freier Mitarbeiter in einem Architekturbüro und baute sich im Wedding ein Dachatelier aus. Gemeinsam mit Ulrich-Oliver Selka versuchte er 1984 eine der Architekturvisionen Hermann Finsterlins zu realisieren, das Projekt „Finsterlin Architektur 1917“ für die Landesgartenschau Sindelfingen. Von 1984 bis 1987 war Ingo Kühl Mitglied der Architektenkammer Berlin als Freischaffender Architekt.

1985 begegnete er im Centro Cultural São Lourenço, Almancil, Portugal Ute und Günter Grass. Durch Grass lernte er Christiane und Heinz Ludwig Arnold kennen, die Sammler seiner Bilder wurden. Anlässlich der Vergabe des Weinpreises für Literatur, den Arnold 1986 an Sarah Kirsch verlieh, kam es in Göttingen zur Begegnung mit der Schriftstellerin. Sie schrieb Gedichte zu Bildern von Ingo Kühl, die 1988 in dem Buch Luft und Wasser im Steidl Verlag veröffentlicht wurden. 1989 richtete er sein Hauptatelier für zwei Jahre auf Eiderstedt ein. Dort kam es zu einem künstlerischen Austausch mit dem Maler Bruno Kirstein, bevor er nach Berlin zurückkehrte. 1995 war er Artist in Residence im Centro Cultural São Lourenço. Während einer Reise über Bergen auf die Färöer und nach Island aquarellierte er Landschaften. Er ging eine Lebensgemeinschaft mit der Kunstpädagogin Annette Huber ein, die er 2001 heiratete. 1999 reiste er ins Baltikum und nach Skandinavien und richtete sich ein Atelier in Reine ein. Es folgte im Jahr 2000 eine Reise um die Welt. Im November desselben Jahres richtete er sich ein Atelier in einem ehemaligen Bauernhof[1] auf Nordstrand ein und malte dort bis Oktober 2001 eine Serie von Meeresbildern.

2001/2002 verbrachte er mit seiner Frau ein Jahr in der Südsee. Nach der Teilnahme an einer Expedition des Cultural Center zu Zeremonien der Eingeborenen auf Malakula wurden die dort entstandenen Arbeiten im Nationalmuseum von Vanuatu in einer Ausstellung gezeigt. Insgesamt sind in der Südsee 69 Ölbilder, 154 Arbeiten auf Papier und 280 Blätter in Skizzenbüchern entstanden.

Seit 2002 hat Ingo Kühl ein Atelier in Keitum. Im Rahmen eines internationalen Künstleraustausch-Projekts des Nordelbischen Missionszentrums in Hamburg malte er 2010 in Papua-Neuguinea gemeinsam mit dem einheimischen Bildhauer und Maler Tomulopa Deko das Gemälde The Creation.[2] Seit 2014 unterhält Ingo Kühl ein Atelier in Berlin-Friedenau in den Goerz-Höfen. Er lebt aktuell in Berlin und Keitum auf Sylt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem eklektischen Frühwerk sind Anklänge an den Surrealismus, den Abstrakten Expressionismus, des Actionpaintings und Tachismus erkennbar. Ab 1983 setzte er sich mit der Landschaftsmalerei auseinander und nach einer Phase nahezu monochromer ungegenständlicher Bilder, die an die Arbeiten von Gotthard Graubner erinnern, wandte er sich wieder der gegenständlichen Malerei zu.

Plastische Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 formt er nach seinen Zeichnungen zum Thema Architektur-Phantasien Skulpturen in Ton und Gips, wovon 1988 eine in der Bildgießerei Hermann Noack in Bronze gegossen wurde. Sie diente als Modell für eine begehbare, unvollendete und temporäre Architektur-Skulptur Der achte Tag auf dem Obermarkt in Görlitz (1996) sowie für mehrere Güsse in Gips, Acrystal und Zellan. Des Weiteren schuf er acht farbige Tonreliefs zum Thema Seligpreisungen der Bergpredigt für das Seniorenheim in Görlitz (1997) und die fünfteilige Serie Westküste, angeregt durch die Westküste Neuseelands. 2008 wurden drei Architektur-Skulpturen mit dem Titel Raum (Die ganze Stadt) in Bronze gegossen. Eine vergrößerte Version der Architektur-Skulptur von 1988 wurde 2009 in der Bildhauerwerkstatt Berlin (im Maßstab 5:1) hergestellt und in der Ausstellung Kunst am Strand in Rantum auf Sylt gezeigt. 2010 schuf er in Keitum auf Sylt mit Tomulopa Deko zwei mit farbigen Schnitzereien versehene Skulpturen Hochzeitsstühle / Wedding Chairs in Form von Kundu-Trommeln.

Grafik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Architekturzeichnungen, Baupläne und technische Konstruktionen folgten Studien nach „alten und neueren Meistern“ und Dingen aus der sichtbaren Welt. Das grafische Werk umfasst Zeichnungen, Arbeiten Öl auf Papier, Aquarelle, Lithografien und Radierungen.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architektur-Phantasien und abstrakt-expressive Bilder, Hochschule der Künste Berlin, 1981.
  • Figures and form komposits, The Center for Art and Culture of Bedford Stuyvesant Inc., Brooklyn, New York 1982.
  • Mare nostro, Centro Cultural São Lourenço, Almancil, Algarve, Portugal 1986.
  • Luft und Wasser, Nissenhaus, Nordfriesisches Museum, heute NordseeMuseum, Husum 1988.
  • Himmel, Kardinal-von-Galen-Haus, Cloppenburg-Stapelfeld 1995.
  • Winterreise nach Franz Schubert, zum Schubert-Almanach, Sender Freies Berlin (SFB), Haus des Rundfunks, Berlin 1996.
  • Winterreise nach Franz Schubert, Philharmonie, Berlin 1997.
  • A velha ponte de madeira / Die alte Holzbrücke Quinta do Lago, Centro Cultural São Lourenço, Almancil, Algarve, Portugal 1998.
  • Bilder in Portugal gemalt, Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Frankfurt am Main 1999.
  • Paisagens marinhas, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 2001.
  • Dance – Masks – Ceremonies, Nationalmuseum der Republik Vanuatu / Nasonal Miusium blong Vanuatu, Port Vila, Südpazifik 2002.
  • Landschaften am Ende der Welt, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2003.
  • Färöer, Königlich Dänische Botschaft, Berlin 2003/2004.
  • Südsee-Wellen, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Museen Dahlem 2004/2005.[3]
  • Macht der Natur, Museum der Stadt Bad Hersfeld 2005.
  • Landschaften am Ende der Welt II, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2006.
  • Himmel und Erde, Kunstkreis und Stadt Cloppenburg – Katholische Akademie, Stapelfeld 2008.
  • Ars Borealis, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2009.[4]
  • The Creation / Die Schöpfung, mit Tomulopa Deko, University of Goroka, Papua-Neuguinea 2010.
  • The Sea I-IV, Tree Top Lodge, Port Vila, Vanuatu, Südpazifik 2012.
  • Winterreise, Kammermusiksaal der Philharmonie, Berlin 2013.
  • Rund um Kap Hoorn, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2013/2014.[5]
  • Retrospektive – 35 Jahre Malerei – zum 60. Geburtstag von Ingo Kühl [6], mit einer szenischen Lesung Meereslust im Werk von Ingo Kühl von und mit Ingrid Lucia Ernst am 22. Februar 2014, Stadtgalerie Alte Post, Westerland / Sylt 2014.[7]
  • Auf dem Weg ins Unbekannte – Malerei und Skulptur, Kunsthaus Hänisch, Kappeln 2015.[8]
  • Farbig – nicht bunt, mit Frauke Bohge, Haus des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), Berlin 2015/2016.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Art scamble, Galerie Michael Schultz, Berlin 1998.
  • Neuerwerbungen und Bilder aus dem Bestand des Söl'ring Foriining, Sylter Heimatmuseum, Keitum / Sylt 2003.
  • Macht Kunst, KunstHalle der Deutschen Bank in der Alten Münze, Berlin 2013.
  • Sommerausstellung – Künstler der Galerie, Kunsthaus Müllers, Rendsburg 2013.
  • … bewegt …, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2013.

Werke in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architektur-Phantasien, Siebdruck-Heft mit handkolorierten Zeichnungen, mit einem Vorwort von Curt Grützmacher, Flensburg 1981.
  • Zeichnungen 1976–81, Katalog zur Ausstellung in der Zentralen Hochschulbibliothek der Hochschule der Künste Berlin, Nr. 1–99 mit Original-Zeichnung, herausgegeben von Andreas Bode, Berlin 1982.
  • Nordsee-Bilder 1980–1983, Nr. 1–20 mit Original-Bild, Berlin 1983.
  • Hommage à Hermann Finsterlin. In: Katalog zur Ausstellung Kunstimpulse II – Hommage – Künstler zu Werken von Künstlern, S. 10, Obere Galerie – Haus am Lützowplatz, Kunstamt Tiergarten, herausgegeben von Paul Corazolla, Berlin 1984.
  • Paul Scheerbart Ingo Kühl Glasarchitektur, Texte Paul Scheerbart (1914) und Curt Grützmacher (Herausgeber), mit 48 Siebdrucken von Ingo Kühl, Achat Druck der Handpresse Gutsch, Berlin 1988.
  • Sarah Kirsch Ingo Kühl Luft und Wasser – Neue Gedichte und Bilder, Edition Lutz Arnold im Steidl Verlag, Göttingen 1988, Vorzugsausgabe zu ISBN 3-88243-096-6.
  • Gezeiten 1989–1990, mit einem Essay von Curt Grützmacher, Berlin 1992.
  • Winterreise nach Franz Schubert, mit einem Essay von Margret Schütte, Berlin 1996.
  • Seligpreisungen der Bergpredigt nach Matthäus 5,1-12 – kolorierte Lithografien von Ingo Kühl, Berlin 1997.[10]
  • Färöer – Bilderzyklus 15 Aquarelle · 9 Ölbilder, Berlin 1998.
  • Sea and Sky, Katalog zur Ausstellung in der Galeria de Arte Vale do Lobo, Algarve, Portugal, Loulé 2002.
  • Sieben kleine Bilder – Arbeiten auf Papier 2001–2002, Keitum 2003.
  • Nordsee – Südsee. Ölbilder · Arbeiten auf Papier · Tonreliefs 2002–2003, Katalogbuch zur Ausstellung Südsee-Wellen – Bilder von Ingo Kühl im Ethnologischen Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Museen Dahlem 2004/2005, Verlag der Kunst Dresden, Verlagsgruppe Husum, Husum 2004, ISBN 3-86530-001-4.
  • Übergang zum Tschatkal. In: Para / for / für Volker - 36 artistas prestam homenagem a / 36 artists pay their Hommage to / 36 Künstler gedenken Volker Huber, Katalog zur Ausstellung im Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal, S. 44, 45, 102, Loulé 2005.
  • Macht der Natur – Bilder von Ingo Kühl auf Sylt gemalt, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum der Stadt Bad Hersfeld, mit einem Beitrag von Malte Elbrächter und Gedichten von Paul Celan und Theodor Storm. Breklum 2005, ISBN 3-7793-1097-X.
  • Landschaften am Ende der Welt – Bilder von Ingo Kühl in Patagonien und Feuerland gemalt / Paisajes del fin del mundo - Cuadros de Ingo Kühl pintados en la Patagonia y Tierra del Fuego, mit Texten von Antonio Skármeta und Ingo Kühl, Berlin 2006.[11]
  • Auf dem Weg ins Unbekannte – Monografie mit Werkverzeichnis der Ölbilder 1978–2007 Kettler Kunst, Bönen 2007, ISBN 978-3-939825-32-6.[12]
  • Skizzenbuch Neuseeland – Südsee – Peru, Verlag Kettler, Bönen 2007, ISBN 978-3-939825-51-7.
  • Die Önereersken von Sylt – Sagen und Märchen von Nordfriesland und anderswo – neu erzählt von Linde Knoch – Bilder von Ingo Kühl, Wachholtz Verlag, Neumünster 2008, ISBN 978-3-529-03528-9.
  • Kampen Sylt, Fotos Hartmut Kettler, Aquarelle Ingo Kühl, Bildband, herausgegeben von Gunnar Kettler, Kettler Verlag, Bönen 2011, ISBN 978-3-86206-118-1.[13]
  • Architektur-Phantasien / Architectural Fantasies, mit Beiträgen von Rainer W. Ernst und Heinz Spielmann sowie Werkverzeichnissen der Zeichnungen, Ölbilder, Skulpturen – Normalausgabe, Verlag Kettler, Dortmund 2015, ISBN 978-3-86206-470-0.[14]
  • Das Haus am Watt – Kampener Skizzen, Verlag Kettler, Dortmund 2015, ISBN 978-3-86206-473-1.
  • Das Haus am Watt (Großformat 42 x 30 cm), mit einem Beitrag von Sigrid Zielke-Hengstenberg, Edition Schöne Bücher im Verlag Kettler, Dortmund 2015, ISBN 978-3-86206-484-7.

Schriften über Ingo Kühl (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Pynacker Hof auf Nordstrand
  2. Skizzenbuch Trobriand Islands (Link)
  3. Ausstellungs-Website Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Museen Dahlem
  4. Webseite Landeskulturverband Schleswig-Holstein, Bernd Brandes-Druba: Beständig ist nur der Wandel
  5. Ausstellung in der Botschaft der Republik Chile
  6. 35 Jahre Malerei – zum 60. Geburtstag von Ingo Kühl
  7. Just Sylt "Meereslust" im Werk von Ingo Kühl
  8. Ein Reisender in Sachen Kunst.
  9. Archiv der Akademie der Künste Berlin, Hermann-Finsterlin-Sammlung im Hans-Scharoun-Archiv
  10. Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek
  11. Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek
  12. Thomas J. Watson Bibliothek - Metropolitan Museum of Art (Met), New York [1]
  13. Datensatz im WorldCat
  14. Thomas J. Watson Bibliothek - Metropolitan Museum of Art (Met), New York [2]
  15. Datensatz im WorldCat