Undine (Mythologie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Undine von John William Waterhouse,1872

Undine (selten auch Undene, französisch ondine „Wassergeist“, „Nixe“) ist ein weiblicher, jungfräulicher Wassergeist. Sie gehört zu den sogenannten halbgöttlichen Elementargeistern. Der Name ist möglicherweise von lateinisch unda „Welle“ abgeleitet.

Die Figur der Undine stammt aus der Sage des Geschlechtes der Stauffenberger. Der Stoff ist in einem Gedicht um 1320 enthalten und wurde vielfacht adaptiert.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Paracelsus handelt es sich um ein Elementarwesen, welches der mythologischen Gattung Nymphe angehört und das Element Wasser verkörpert. Nach ihm kann sie gewöhnlich in Waldseen oder Wasserfällen entdeckt werden. Manchmal ist der bezaubernde Gesang einer Undine über dem Wasser zu hören. Meist treten Undinen wie Nymphen als dienende Begleiterinnen von Göttern in Erscheinung.

Die Undine bekommt erst dann eine Seele, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Einem untreuen Gatten bringt die Undine den Tod. (In dem Stück von Jean Giraudoux lassen die Wassergeister, die sie kennen, ihren Gatten Hans sterben, und sie kann sich später nicht mehr an ihn erinnern.)

Ähnliche Sagenfiguren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Aspekte der Undinen sind auch in der griechischen Mythologie zu finden. Vergleichbar sind insbesondere die griechischen Nymphen der Quellen, Flüsse und Seen (Najaden), ferner die Okeaniden und Nereiden, zum Beispiel Amphitrite. Griechische Wassernymphen können Unheil bringen, sie verursachen zum Beispiel den Tod von Herakles’ Liebling Hylas. Die „schaumgeborene“ Aphrodite steht ebenfalls in enger Verbindung mit dem Wasser, ist aber im Gegensatz zu Nymphen und Undinen eine vollwertige Göttin. Das Motiv des verführerischen Gesangs ist bei den vogelgestaltigen Sirenen wiederzufinden, die am Meerufer sitzen und vorbeifahrende Schiffer in den Tod locken.

Auch in anderen Sagenkreisen wird den Wassernymphen eine bezaubernde Stimme zugeschrieben. Der Wassergesang verbindet Undinen auch mit Zauberwesen wie der Loreley oder der nachts auf dem Meer mit Glocken singenden Tochter des Königs der im Meer versunkenen Stadt Ys. Vergleichbares findet sich in der Sage von der magischen Stadt Vineta, die ebenfalls aus Hochmut im Meer versank.

Ähnliche Wesen in der slawischen Mythologie werden als Rusálka oder Russalka bezeichnet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlung literarischer Bearbeitungen:

  • Frank R. Max (Hg.): Undinenzauber. Geschichten und Gedichte von Nixen, Nymphen und anderen Wasserfrauen. Reclam, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-15-010696-9

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspielmusik

Sonstige klassische Musik

Rockmusik

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fairy – ein modernes Märchen (1977), Regie: Vojtěch Jasný. Der Fernsehfilm (ZDF) versetzt das Undine-Motiv in die Gegenwart.
  • Ondine (2009), Autor und Regisseur: Neil Jordan. Ein irischer Fischer fängt in seinem Fischernetz ein Mädchen, das vorgibt, eine Meerjungfrau zu sein.

Computerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Tales-of-Reihe erscheint Undine mehrfach als Elementargeist (Tales of Symphonia, Tales of Eternia). Sie verkörpert das Wasser und ist der direkte Gegenspieler Ifrits, des Elementargeists des Feuers.

Rezeption des Namens Undine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edith Wharton, eine begeisterte Goethe-Leserin, gab der Hauptfigur ihres Romans The Custom of the Country (1913) den Namen Undine Spragg.
  • Im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gibt es die Villa Undine in regionaltypischer Bäderarchitektur. Die Lage direkt am Meer war Inspiration für die Namensgebung.
  • Ein Gebäude im Mertonviertel in Frankfurt am Main, das derzeit von der BaFin genutzt wird, trägt den Namen Undine, wohl in Anspielung auf die wellenförmig geschwungene Grundlinie der Fassade.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melusine, eine ähnliche Sagenfigur (siehe dort auch weitere Literatur)
  • Rusalka (Mythologie), eine ähnliche Sagenfigur in der slawischen Mythologie (siehe dort auch Opern und weitere Rezeption)

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francoise Ferlan: Le thème d’Ondine dans la littérature et l’opéra allemands au XIXème siècle. Publications universitaires européennes, Sér. 1: Langue et littérature allemandes, 992. Lang, Bern 1987. ISBN 3-261-03692-3
  • Irmgard Roebling Hg.: Sehnsucht und Sirene. Vierzehn Abhandlungen zu Wasserphantasien. Centaurus, Pfaffenweiler 1992
  • Anna Maria Stuby: Liebe, Tod und Wasserfrau. Mythen des Weiblichen in der Literatur. Wiesbaden 1992
  • Mona El Nawab: Ingeborg Bachmanns „Undine geht“. Ein stoff- und motivgeschichtlicher Vergleich mit Friedrich de LaMotte-Fouqués „Undine“ und Jean Giraudoux' „Ondine“. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993 ISBN 3-88479-764-6
  • Ruth Fassbind-Eigenheer: Undine, oder Die nasse Grenze zwischen mir und mir. Ursprung und literarische Bearbeitungen eines Wasserfrauenmythos, von Paracelsus über Friedrich de la Motte Fouqué zu Ingeborg Bachmann. Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik 291. Heinz, Stuttgart 1994. Diss. Univ. Zürich 1992/93. ISBN 3-88099-295-9
  • Gabriele Bessler: Von Nixen und Wasserfrauen. Köln 1995
  • Andreas Kraß: Meerjungfrauen. Geschichten einer unmöglichen Liebe. Fischer, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-10-038195-8.
  • Irene Krieger: Undine, die Wasserfee. Friedrich de la Motte Fouqué's Märchen aus der Feder der Komponisten. Centaurus, Herbolzheim 2000. (Reihe Musikwissenschaft 6) ISBN 3-8255-0260-0
  • Beate Otto: Unterwasser-Literatur. Von Wasserfrauen und Wassermännern. Würzburg 2001
  • Antje Syfuss: Nixenliebe. Wasserfrauen in der Literatur. Haag + Herchen, Frankfurt 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Undine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Friedrich Hensler: Das Donauweibchen im Projekt Gutenberg
  2. Albert Lortzing: Oper Undine