Waldgirmes

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Waldgirmes
Gemeinde Lahnau
Koordinaten: 50° 35′ 14″ N, 8° 33′ 6″ O
Höhe: 170 (151–348) m ü. NHN
Fläche: 9,97 km²[1]
Einwohner: 3272 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 328 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Lahn
Postleitzahl: 35633
Vorwahl: 06441
Bild von Waldgirmes

Waldgirmes ist ein Ortsteil der Gemeinde Lahnau im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Die Einwohnerzahl beträgt etwas mehr als 3.200. Die Ersterwähnung ist um 771 im Lorscher Codex, damit hat Waldgirmes eine über 1200-jährige Geschichte. Spuren schon weit früherer Besiedlung finden sich bereits im Forum, einer planmäßigen römischen Stadtgründung in der Germania Magna, die aber nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurde. Zwischen den Spuren römischer Bebauung aus der Zeit des Kaisers Augustus wurden Teile einer vergoldeten Reiterstatue des Kaisers aus Bronze gefunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Doppel-Besteuerung??, 30jähr. Krieg...

Aus dem Umkreis von Waldgirmes sind Funde aus der Bandkeramikerzeit (4600–3800 v. Chr.) und der Schnurkeramikerzeit (etwa 2500 v. Chr.) bekannt. Ferner ist aus der Zeit um 300 v. Chr. auch ein keltisches Gräberfeld bekannt.

Rekonstruiertes Reiterdenkmal auf dem ehemaligen römischen Forum

Bei Waldgirmes befand sich eine römische Stadt in Gründungsphase, die wahrscheinlich nach der Schlacht im Teutoburger Wald aufgegeben wurde. Der offizielle Name der römischen Siedlung ist nicht bekannt. (→ Hauptartikel Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes)

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Waldgirmes am 17. Juni 771 im Lorscher Codex.[3] Im 8., 9. und 10. Jahrhundert gehörte Waldgirmes zur Grafschaft an der mittleren Lahn, als erster Graf ist ein gewisser Heimo im 8. Jahrhundert bezeugt.

1104 fiel Waldgirmes mit der westlichen Hälfte der Grafschaft Gleiberg an Graf Otto von Gleiberg, nach seiner Heirat mit der Erbin der Grafschaft Solms nannte er sich fortan Otto von Solms und vereinigte seine vorherigen Besitzungen mit der Grafschaft Solms. Bei der Aufteilung der Grafschaft 1255 unter die Brüder Heinrich und Marquard fiel Waldgirmes an Marquard, der sich nach seinem neuen Stammsitz als Graf von Solms-Königsberg bezeichnete. 1310 wurde südlich an Waldgirmes vorbei eine Straße von Wetzlar über Niedergirmes durch Naunheim zum Dorlarer Lahnübergang gebaut, welche die Klöster Altenberg und Dorlar verbinden sollte. 1350 verkaufte der letzte Vertreter der Linie Solms-Königsberg seinen Besitz an den Landgrafen Heinrich II. von Hessen, genannt „der Eiserne“. Erst 1629/1631 wurde dieser Vertrag allerdings durch Kaiser Ferdinand II. auch genehmigt. In der Zwischenzeit waren die Einwohner verpflichtet an zwei Herren den Zehnt zu entrichten.

Vor 1585 fand eine Teilung der „Rodheimer Mark“ statt, zu der auch Waldgirmes gehörte. Betroffen war hiervon auch eine Markwaldung am Königstuhl, die Spitzenberg, Hämuskopf oder Himberg genannt wurde. Hieraus resultierte ein Streit zwischen den Ortschaften Heuchelheim, Kinzenbach, Atzbach, Dorlar und Waldgirmes, der bis zum Abschluss eines Teilungsvertrages am 11. August 1773 andauerte.

Historische Kirche

Im Dreißigjährigen Krieg wurden das protestantische Waldgirmes wie auch die Nachbarorte schwer getroffen. Unter anderem wurde Waldgirmes zum Kriegsende durch schwedische Truppen geplündert und hierbei die Kirche angezündet.

Seit 1816 gehörte Waldgirmes zum Kreis Gießen. 1866 wurde Waldgirmes nach dem preußisch-deutschen Krieg preußisch und 1867 in den Kreis Biedenkopf eingegliedert, danach gehörte es bis zur Bildung der Lahnstadt zum Kreis Wetzlar.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Waldgirmes am 1. Januar 1977 zum Stadtteil der neugeschaffenen Großstadt Lahn. Nach deren Auflösung wurden die drei Stadtteile des bisherigen Stadtbezirks Lahntal, nämlich Waldgirmes, Dorlar und Atzbach, am 1. August 1979 in der Gemeinde Lahnau zusammengefasst.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Waldgirmes unterstand im Überblick:[5][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[5]

  • 1840: 0804 Einwohner
  • 1905: 1297 Einwohner
  • 1939: 1829 Einwohner
  • 1950: 2405 Einwohner
  • 1961: 2720 Einwohner
  • 1970: 3129 Einwohner
Waldgirmes: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
785
1840
  
804
1846
  
801
1852
  
834
1858
  
809
1864
  
874
1871
  
906
1875
  
955
1885
  
927
1895
  
1.081
1905
  
1.297
1910
  
1.360
1925
  
1.528
1939
  
1.829
1946
  
2.323
1950
  
2.405
1956
  
2.495
1961
  
2.720
1967
  
2.940
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Juni 1970 wurde der Gemeinde Waldgirmes im damaligen Landkreis Wetzlar ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot eine silberne Eiche, belegt mit blauem Schild, darin ein silberner Hammer und Schlägel.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldgirmes verfügt über ein Heimatmuseum mit 470 m² Ausstellungsfläche in den Gebäuden und einer Hoffläche von 400 m². ausgestellt werden dort 3.700 Exponate. Das klassizistische Hauptgebäude des Heimatmuseums wurde 1840/1841 als Schulhaus mit Lehrerwohnung erbaut. Zum Museum gehören ferner zwei Scheunen. Gegründet wurde das Museum auf Initiative von Hedwig Schmidt (* 8. Dezember 1914; † 25. Mai 1980) 1971. 1977 erhielt das Museum zunächst die Räumlichkeiten der ehemaligen Lehrerwohnung. Getragen wird es von einem ebenfalls durch Hedwig Schmidt 1977 gegründeten Verein mit derzeit 230 Mitgliedern. Der Verein gibt auch Jahrbücher heraus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Ortsteil liegt die Grundschule an der Lahnaue (ehemals Grundschule Waldgirmes) für Grundschüler der Ortsteile Waldgirmes, Dorlar und Atzbach. In dem Gebäude der Grundschule finden auch Schulungen und Lehrgänge der Kreisvolkshochschule Lahn-Dill-Kreis in Wetzlar statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtortdaten im Internetauftritt der Gemeinde Lahnau, abgerufen im Juli 2016.
  2. Lahnau-Nachrichten - Amtliches Bekanntmachungsorgan der Gemeinde Lahnau - Nr. 3-2017 vom 19.01.2017
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3142, 17. Juni 771 – Reg. 651. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 98, abgerufen am 14. Februar 2016.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346 und 383.
  5. a b Waldgirmes, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 3. Februar 2017)
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  9. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 12. Juni 1970 (StAnz. S. 1300) Seite 8 der tif-Datei 7,55 MB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldgirmes – Sammlung von Bildern