Wartburg 312

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wartburg
Wartburg 312 von 1966

Wartburg 312 von 1966

Wartburg 312
Produktionszeitraum: 1965–1967
Klasse: Untere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi, Coupé, Cabriolet, Kübelwagen, Pickup
Motoren: Ottomotor:
1,0 Liter (37 kW)
Länge: 4300 mm
Breite: 1590 mm
Höhe: 1520 mm
Radstand: 2450 mm
Leergewicht: 935 kg
Vorgängermodell Wartburg 311
Nachfolgemodell Wartburg 353

Der Wartburg 312 war ein Pkw des Automobilwerks Eisenach, der von 1965 bis 1967 hergestellt wurde. Der Wartburg war ein Zwischentyp beim Übergang zum neuen Baumuster Wartburg 353. Als Oldtimer ist der Typ 312 beliebt, da er die klassische Karosserie des Wartburg 311 mit dem schraubengefederten, wartungsfreien Fahrwerk des Nachfolgertyps 353 verbindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartburg 312 Kombi (2-Türer)
Wartburg 312 Camping (4-Türer)

Das Fahrwerk des Typs 311 basierte auf einer Vorkriegskonstruktion. Weder die harten Blattfedern noch die zahlreichen Schmiernippel und andere Pflegepunkte waren in den 1960er Jahren noch zeitgemäß. Auch die Rahmenbauweise war unüblich geworden. Der Übergang auf eine selbsttragende Karosserie war wegen der 1963 festgelegten Planvorgaben nicht möglich. Im Juni 1964 wurde dem Werk das hohe Gütezeichen S entzogen, weil es infolge verschlissener Werkzeuge zu Qualitätseinbußen gekommen war. Dies ließ die Politik etwas beweglicher werden; die Neuentwicklung des Baumusters Typ 353 wurde bewilligt. Zügig wurden die genehmigten Entwicklungsarbeiten angegangen. Weil die laufende Fertigung schon bis dahin der Nachfrage an Fahrzeugen nicht ansatzweise hinterherkam, wurde die Produktion bei der Typumstellung nicht gestoppt. Der fließende Übergang der Fertigung erzwang es jedoch, den neuen Typ 353 schrittweise zu verwirklichen. Daher entstand zunächst der „Zwischentyp“ 312. 1966 wurde die Limousine bereits vom Typ 353 abgelöst, Kombi und Camping aus dem VEB Karosseriewerke Halle[1] blieben noch bis 1967 im Programm. Nicht nur die langen Wartezeiten auf Neuwagen, sondern auch die reparaturfreundliche Rahmenbauweise führten dazu, dass Wartburg 311 und 312 selbst 1989 noch zahlenmäßig stark im Straßenbild der DDR vertreten waren. Nach der Wende wurden die meisten Fahrzeuge jedoch rasch stillgelegt oder verschrottet.

Für Irritationen sorgt mitunter die Bezeichnung 312 für die Motoren, die ab 1962 im Wartburg 311/1000 verbaut wurden. Dies hat aber nichts mit dem Fahrzeug zu tun, sondern bezeichnet nur die neu eingeführten 992-cm³-Motoren. Im Wartburg 312 wurde als Motor nie der Typ 312 eingebaut, sondern der Typ 353.[2] Rein äußerlich unterscheidet sich der 312er kaum vom Vorläufer 311. 1966 wurde ein Teil der Fahrzeuge kurzzeitig mit veränderter Frontmaske hergestellt. Nur die kleinen 13-Zoll-Räder lassen erkennen, dass das betreffende Fahrzeug ein Wartburg 312 ist. Die Radausschnitte der Karosserie wurden an die kleineren Räder nicht angepasst.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Rahmenbauweise hatte der Typ 312 ein modernes Fahrwerk: Einzelradaufhängung und Schraubenfedern mit innenliegenden Teleskopstoßdämpfern, vorn an Doppelquerlenkern, hinten an schräg angestellten Schwingen („Schräglenkerachse“) mit Querstabilisator, neue Tripode-Doppelgelenkwellen und lastabhängige Bremskraftbegrenzung – Dinge, die Mitte der 1960er-Jahre in der unteren Mittelklasse durchaus nicht üblich waren. Silentbuchsen und doppelgeschmierte Kugelgelenke ermöglichten die angestrebte Wartungsfreiheit über 50.000 km.

Wegen der Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines Rotationskolbenmotors musste weiterhin auf den Zweitaktmotor zurückgegriffen werden. Um die lästige Abgasfahne zu vermeiden, wurden ein neuer Vergaser sowie eine automatische Frischöldosierung entwickelt. Beides kam jedoch nicht zum Einsatz. Immerhin konnte eine zuverlässigere Zündanlage mit eigengelagertem Unterbrechernocken realisiert werden wie auch eine neue dreiteilige Auspuffanlage. Diese verringerte zwar das Auspuffgeräusch, bewirkte aber auch, dass das maximale Drehmoment erst bei 3000 statt bisher 2250/min anlag. Die Lenkung einschließlich Lenkrad wurde neu konstruiert.

Dass die neue Karosserie nur schrittweise eingeführt wurde, brachte ungünstige Bedingungen für das Kühlsystem mit sich. Der Kühler musste hinter dem Motor auf dem Rahmen verbleiben, wo er Frischluft durch ein kräftiges Gebläse erhielt, das den typischen Klang eines Wartburgs prägte; das wurde erst 1985 geändert. Das neue Kühlsystem war geschlossen und wartungsfrei.

Modellpalette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartburg 312/5 mit Nagetusch-Wohnwagen
Wartburg 312-300 HT
312-300 HT, Heckansicht
Wartburg 312 Rallye

Die Vielfalt möglicher Karosserien wurde wie beim Typ 311 weitgehend beibehalten. Allerdings veränderten sich die Anteile an der Gesamtfertigung erheblich. Dominierte bisher die Standardlimousine, wurde der Anteil von Luxuslimousine und Camping nun erheblich größer. Außerdem im Programm waren Kombi, Pickup und Limousine mit Stahlschiebedach. Hinzu kam ein Hardtopcoupé (HT) 312-300, das eigentlich ein Cabriolet war. Produziert wurde es im VEB Karosseriewerk Dresden, wo die Fertigung des bisherigen Coupés eingestellt wurde. Die ersten Exemplare wurden noch mit dem alten 311er-Fahrwerk gebaut, weshalb man hier streng genommen von einem anderen Typ 311-300 HT sprechen müsste. Diesen gab es offiziell jedoch nie, bereits das Messefahrzeug 1965 war ein Typ 312. Nach Abnahme des Hardtops stand bei Regen ein Notverdeck zur Verfügung. Das Fahrzeug galt wegen der Vermischung runder mit eckiger Gestaltungselemente als unausgewogen. Ferner wurde das für Sportwagen untypisch lange Wagenheck von der Fachpresse als unglücklich bezeichnet. Nach 541 Fahrzeugen[3] war Schluss – es blieb das letzte Wartburg-Cabrio.

Insgesamt wurden vom Baumuster 312 35.868 Fahrzeuge hergestellt.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ Wartburg 312
Motor: Dreizylinder-Zweitaktmotor mit Umkehrspülung
Hubraum: 992 cm³
Bohrung: 73,5 mm
Hub: 78 mm
Verdichtung: 1 : 7,6
Leistung: 45 PS bei 4250 min−1
max. Drehmoment: 9,5 mkp bei 2750 min−1
Steuerzeiten:
– Einlass öffnet
– Spülung öffnet
– Auslass öffnet
 
57° vor OT
54° 50' vor UT
75° 10' vor UT
Kraftstoff-Oktanzahl: 2-Takt-Gemisch VK 79
zu verwendendes Öl: Hyzet-Öl
Schmierung: Frischöl-Mischungsschmierung
Mischungsverhältnis: 1 : 33 1/3
Form des Verbrennungsraumes zylindrisch mit konzentrischer Wirbelkante
Höchstgeschwindigkeit: 122 km/h
105 km/h (Kombi)
Durchschnittlicher Verbrauch: 10 l/100 km
10,5 l/100 km (Kombi)
Gemischbildung: Vergaser BVF H 362-20
Wartburg-Sport: 2 × H362-1
Getriebe: Viergang-Zahnrad-Getriebeblock,
teilsynchronisiert (2., 3. und 4. Gang)
Freilauf: in allen Vorwärtsgängen manuell sperrbar, automatische Sperre im Rückwärtsgang
Kupplung: Einscheibentrockenkupplung mit sechs Druckfedern, vollständig gekapselt
Vorderachse: Doppelquerlenker, Schraubenfedern
Hinterachse: Schräglenker, Querstabilisator, Schraubenfedern
Antrieb: Tripode-Doppelgelenkwellen
Fahrwerkschmierung: wartungsfrei
Bremsen: hydraulische Innenbackenbremse; vorn Duplex-, hinten Simplex-Gleitbackenbremsen
Akkumulator: 6 V, 84 Ah
Zündanlage: je Zylinder ein Zündunterbrecher und eine Zündspule
Abmessungen (L/B/H): 4300/1590/1520 mm (Limousine)
4350/1570/1500 mm (Kombi)
4210/1570/1450 mm (Camping)
4370/1570/1440 mm (Cabriolet)
Leer-/ zul. Gesamtmasse: 935/1305 kg (Limousine)
1050/1445 kg (Kombi)
905/1325 kg (Cabriolet)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stück: Wartburg 311. TIM Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-933451-01-9
  • Peter Kirchberg: Plaste, Blech und Planwirtschaft. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2000, ISBN 3-87584-027-5
  • Werner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01913-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wartburg 312 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birger Zentner: Wartburg Kombi war hier zu Hause. In: Mitteldeutsche Zeitung. 1. April 2008, abgerufen am 25. Juni 2017.
  2. Motorblock. In: wiki.W311.info. Abgerufen am 25. Juni 2017.
  3. Michael Stück: Wartburg 311. TIM Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-933451-04-3, Seite 99.