Wilhelm-Gymnasium (Hamburg)

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Wilhelm-Gymnasium
Schulform Humanistisches Gymnasium
Gründung 1881
Adresse

Klosterstieg 17

Ort Hamburg
Land Hamburg
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 34′ 26,5″ N, 9° 59′ 48,7″ OKoordinaten: 53° 34′ 26,5″ N, 9° 59′ 48,7″ O
Schüler ca. 500
Leitung Martin Richter
Website www.wilhelm-gymnasium.de

Das Wilhelm-Gymnasium ist ein traditionsreiches humanistisches Gymnasium mit Musikzweig in Hamburg-Harvestehude.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Hauptgebäude des Wilhelm-Gymnasiums von C.J.C.Zimmermann, heute zur SUB Hamburg gehörig
Siegelmarke Wilhelm Gymnasium Hamburg

Das Gymnasium wurde 1881 als Neue Gelehrtenschule gegründet. Damit war das Gymnasium die dritte höhere Lehranstalt und das zweite klassische Gymnasium der Stadt Hamburg – nach Johanneum und dem neusprachlichen Realgymnasium (heute Friedrich-Ebert-Gymnasium). 1883 benannte der Senat die Schule zu Ehren Kaiser Wilhelms I. in Wilhelm-Gymnasium um.[1] Von 1883 bis 1885 wurde an der Moorweide nach Plänen des Hamburger Architekten Carl Johann Christian Zimmermann ein Neubau für das Gymnasium errichtet. Das zweiflüglige Gebäude in der Moorweidenstraße 40 hatte ursprünglich drei Stockwerke, später wurde das Dachgeschoss ausgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 1943 im Rahmen der „Operation Gomorrha“ ausgebombt, der Großteil des Buchbestandes verbrannte. Die geretteten Bestände wurden im Gebäude des Wilhelm-Gymnasium untergebracht.[2] Der Schulbetrieb fand 1943 angesichts von „Kinderlandverschickung“ jüngerer Jahrgänge und dem Einsatz der Oberschüler als Luftwaffenhelfer ohnehin nur noch sehr eingeschränkt statt. Das Wilhelm-Gymnasium fand zunächst als zusätzliche „Gastschule“ Unterschlupf in der Albrecht-Thaer-Schule am Holstenglacis.

Die Bibliothek gab das Schulgebäude nach Kriegsende nicht mehr zurück, nach Überlassung durch die Kulturverwaltung begann dort im November 1945 auch der Publikumsverkehr. Heute wird das Gebäude als Altbau der Staats- und Universitätsbibliothek bezeichnet, und steht unter Denkmalschutz.[3] Der ehemalige Schulhof auf der Rückseite des Gebäudes ist als Lichthof überbaut.

1952 zog der Schulbetrieb des Wilhelm-Gymnasiums in das Gebäude der Oberschule Eimsbüttel am Kaiser-Friedrich-Ufer um, auch dort als „Gastschule“. 1953 wurden die ersten Mädchen am WG aufgenommen. 1964 begann der Schulbetrieb im neuerrichteten Schul-Campus am Klosterstieg 17 in Hamburg-Harvestehude.[4]

Schulprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Leitbild des Wilhelm-Gymnasiums lautet: „Wir sind ein altsprachliches Gymnasium mit Musikzweig.“[5]

Die Schule ist seit 2009 eine von deutschlandweit achtzehn zertifizierten Club-of-Rome-Schulen und beteiligt sich am Hamburger Modellversuch Selbstverantwortete Schule.

Altsprachlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wilhelm-Gymnasium ist eines von sieben altsprachlichen Gymnasien in Hamburg – Latein wird neben Englisch bereits ab der fünften Klasse gelehrt. Außerdem besteht die Möglichkeit, ab der 8. Klasse Altgriechisch oder Französisch zu erlernen.

Musikzweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1983 wurde am Wilhelm-Gymnasium der Musikzweig eingerichtet.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den sportlichen Aktivitäten im Hockey und Rudern gründeten am 1. Juni 1888 Untersekundaner des Wilhelm-Gymnasiums den Hamburger Fußball-Club (HFC), einen der Vorgänger des Hamburger Sportvereins.

Der Schulruderverein Gymnasial Ruderverein Hamburg (GRV„H“) wurde 1909 von Primanern gegründet. 1937 wurde er verboten, nach Kriegsende lebte der Verein wieder auf. Der Verein steht Schülern der Mittel- und Unterstufe offen. Gegenwärtig hat der Verein über 50 Mitglieder ab der 6. Klasse. Gerudert wird vom Steg des Hamburger und Germania Ruder Club (DHuGRC), am Alsterufer. Seit seiner Gründung ist der GRV„H“ dem DHuGRC freundschaftlich, seit 1970 auch vertraglich verbunden. Jungen und Mädchen, welche an höherrangigen Regatten teilnehmen möchten, werden vom Clubtrainer betreut.

Wochenendfreizeiten, Trainingslager und gelegentlich auch Wanderfahrten werden von den Trainern, Betreuern und Protektoren angeboten. In den letzten 25 Jahren haben fast immer Mannschaften des WGs am Bundesfinale der Schülerruderer Jugend trainiert für Olympia in Berlin teilgenommen und kamen dabei dreizehn Mal auf Medaillenränge.

Bekannte Lehrer und ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gründung 1881 hatte das Wilhelm-Gymnasium mehr als 15 Schulleiter. Die bekannten Lehrer waren ganz überwiegend promovierte Altphilologen oder Historiker.

Zu den bekanntesten ehemaligen Schülern des Wilhelm-Gymnasiums zählen u.a. der Physik-Nobelpreisträger James Franck (Abitur 1902), der von der RAF ermordete Bankvorstand Jürgen Ponto (Abitur 1942), und der Kultur- und Musikkritiker Joachim Kaiser (Abitur 1948).

Eine ganze Reihe von bekannten Schülern des WG wurden in der Zeit des Nationalsozialismus als jüdisch verfolgt und in die Emigration gezwungen, darunter der Grafiker H. A. Rey (Abitur 1916), Schöpfer der Kinderbuchreihe „Curious George“. Auch der Physiker James Franck emigrierte. Die WG-Schüler Reinhold Meyer und Albert Suhr (beide Abitur 1940) waren Mitglied der Weißen Rose Hamburg, und bezahlten dafür mit Haft bzw. ihrem Leben. Hingegen war Karl Retzlaff (Abitur 1910) Befehlshaber der Ordnungspolizei in Hamburg, zuletzt im Range eines SS-Gruppenführers. Der Jurist Curt Rothenberger (Abitur 1914) war u.a. Staatssekretär im Reichsministerium der Justiz, und wurde im Nürnberger Juristenprozess 1947 schuldig gesprochen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift zur Einweihung des Wilhelm-Gymnasiums in Hamburg am 21. Mai 1885. Otto Meißner, Hamburg 1885
  • Schulordnung für das Wilhelm-Gymnasium. Lütcke & Wulff, Hamburg 1895
  • Edmund Kelter: Hamburg und die Nation vor fünfzig Jahren. Festrede, gehalten in der Aula des Wilhelm-Gymnasium am 27. Jan. 1898. Hamburg 1898
  • 50-jähriges Jubiläum des Wilhelmgymnasiums zu Hamburg. 1881–1931. Christians, Hamburg 1931
  • Franz Böhmer (Hrsg.): Wilhelm-Gymnasium Hamburg 1881–1956. Christians, Hamburg 1956
  • Joist Grolle: 100 Jahre Wilhelm-Gymnasium. Ansprache von Senator Grolle zum hundertjährigen Bestehen des Wilhelm-Gymnasiums. Staatliche Pressestelle Hamburg, Hamburg 1981
  • Wilhelm-Gymnasium Hamburg 1881–2006. Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum 2006 im Auftrage der Schulkonferenz, des Schulvereins und des Ehemaligen-Vereins. Hower, Hamburg 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martina G. Lüke: Zwischen Tradition und Aufbruch: Deutschunterricht und Lesebuch im Deutschen Kaiserreich. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56408-0, S. 307.
  2. Neuaufbau 1943-45 in der Online-Ausstellung Operation Gomorrha der SUB Hamburg.
  3. Kulturbehörde Hamburg: Denkmal-Nr. 19301 Moorweidenstraße 40: Wilhelm-Gymnasium, ehem. (Staats- und Universitätsbibliothek, Altbau). In: Denkmalliste mit Stand vom 30. Januar 2017.
  4. Schulgeschichte auf der Website des Wilhelm-Gymnasiums
  5. Leitbild auf der Website des Wilhelm-Gymnasiums.