Wohlriechende Händelwurz

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Wohlriechende Händelwurz
Wohlriechende Händelwurz(Gymnadenia odoratissima)

Wohlriechende Händelwurz
(Gymnadenia odoratissima)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Händelwurzen (Gymnadenia)
Art: Wohlriechende Händelwurz
Wissenschaftlicher Name
Gymnadenia odoratissima
(L.) Rich.

Die Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia odoratissima) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Händelwurzen (Gymnadenia) innerhalb der Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae).[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohlriechende Händelwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 Zentimetern. Dieser Geophyt bildet zwei handförmig geteilte Knollen als Überdauerungsorgane. Die Laubblätter sind linealisch.

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Die Wohlriechende Händelwurz ist gekennzeichnet durch intensiv vanilleartig duftende Blüten. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Die Blütenhüllblätter sind weiß bis purpurfarben. Der waagrechte bis schwach abwärts gebogene Sporn ist mit einer Länge von 4 bis 6 Millimetern kürzer als der Fruchtknoten.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 40.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohlriechende Händelwurz ist mit dem vanilleartigen Duft ihrer Blüten, mit deren Klebscheiben und mit dem im Sporn produzierten Nektar auf Insektenbestäubung eingerichtet. gaschromatographisch wurden 44 flüchtige Aromastoffe identifiziert, die Schmetterlinge anlockten.[3] Essigsäurebenzylester, Benzaldehyd, Phenylethanal, 1-Phenyl-2,3-Butandion, Phenylethyl Acetat, Eugenol und eine nicht identifizierte Komponente fungierten als Lockstoffe.[3] Duft der Mücken-Händelwurz, im Verbreitungsgebiet von Wohlriechender Händelwurz ausgebracht, konnte keine Bestäuber für die Mücken-Händelwurz anlocken.[3] Im Tag-Nacht-Rhythmus gaben die untersuchten Blütenarten unterschiedliche Lockaromen ab.

Über die genauen Bestäuber ist bisher wenig bekannt; genannt werden: Dickkopffliege, Wanze und Zünsler. 25 Schmetterlingsarten konnten bestimmt werden.[3] In Baden-Württemberg ist wohl das Widderchen der Hauptbestäuber. Es nimmt die Pollinien am Kopfansatz und am Rüssel auf. Mit Hilfe seines langen Rüssels kann es die Blüten auch bestäuben. Damit ist die Bildung von Bastarden mit Gymnadenia conopsea vorprogrammiert.[4]

Der Fruchtansatz ist bezogen auf die unteren und mittleren Blüten praktisch komplett, die oberen verkümmern meist.[4]

Die Wohlriechende Händelwurz in den Allgäuer Alpen

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohlriechende Händelwurz ist ein europäisches Florenelement. Sie hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Kalkalpen. Ihr Areal erstreckt sich westwärts bis ins nördliche Spanien, nordwärts bis Mitteldeutschland, südliche Schweden und bis zum Baltikum und ostwärts bis Weißrussland und die Ukraine.[5] Sie fehlt in Mitteleuropa im Tiefland sowie in Sand- und Silikatgebieten. Sonst ist sie in Mitteleuropa selten, sie kommt aber oft an ihren Standorten in kleineren, lockeren, doch ziemlich individuenreichen Beständen vor.[5]

In Österreich ist die Wohlriechende Händelwurz zerstreut in allen Bundesländern (fehlt in Wien und Burgenland). Sie gedeiht von der montanen bis in die subalpine (alpin) Höhenstufe.[5]

Im Gebiet der Böhmischen Masse sowie im pannonischen Gebiet die Wohlriechende Händelwurz gefährdet.[5]

Die stets über Kalkstein wachsende Pflanzenart bevorzugt als Standorte Magerrasen, Föhrenwälder, Feucht- und Nasswiesen, Flach- und Quellmoore.[5] Die Wohlriechende Händelwurz besiedelt lichte Kiefernwälder, Gebüsche, Sumpfwiesen oder Trockenrasen, unter denen Hangdruckwasser sickert. Sie ist eine Charakterart des Verbands Erico-Pinion, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Mesobromion, Molinion oder der Ordnung Seslerietalia vor.[2] Sie steigt in den Alpen bis in Höhenlagen von 2500 Meter auf.[5] In den Allgäuer Alpen kommt sie im Tiroler Teil an der Jöchelspitze bis zu 2200 m Meereshöhe vor.[6]

Die Wohlriechende Händelwurz gedeiht auf kalkhaltigen, ja kalkreichen, aber nur wenig humusdurchsetzten Böden, die zeitweise feucht sein sollten.[5] Sie stellt an den Kalkgehalt und die basische Reaktion des Bodens höhere Ansprüche als Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea). Möglicherweise erträgt sie auch Störungen (beispielsweise Stickstoffeintragungen) an ihren Standorten schlechter. Während die Mücken-Händelwurz nicht selten beispielsweise neugeschaffene Straßenböschungen besiedelt, sind Neuansiedlungen bei der Wohlriechenden Händelwurz kaum bekannt geworden.[5]

Hybriden mit anderen Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohlriechende Händelwurz bildet Hybriden mit der Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), dem Gewöhnlichen Kohlröschen (Nigritella rhellicani) und (sehr selten) mit der Weißen Höswurz (Pseudorchis albida).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Oskar Angerer, Thomas Muer: Alpenpflanzen (= Ulmer Naturführer). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2004, ISBN 3-8001-3374-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wohlriechende Händelwurz. In: FloraWeb.de.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. a b c d Franz K. Huber, Roman Kaiser, Willi Sauter, Florian P. Schiestl: Floral scent emission and pollinator attraction in two species of Gymnadenia (Orchidaceae). In: Oecologia, Band 142, 2005, S. 564–575, doi:10.1007/s00442-004-1750-9 (PDF).
  4. a b Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8.
  5. a b c d e f g h Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia odoratissima) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien