1900 (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel 1900
Originaltitel Novecento
Produktionsland Italien, Frankreich, Deutschland
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1976
Länge 302 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Bernardo Bertolucci
Drehbuch Franco Arcalli
Bernardo Bertolucci
Giuseppe Bertolucci
Produktion Alberto Grimaldi
Musik Ennio Morricone
Giuseppe Verdi
Kamera Vittorio Storaro
Schnitt Franco Arcalli
Besetzung

1900 (Originaltitel: Novecento) ist ein italienisches Filmdrama aus dem Jahr 1976. Der von Bernardo Bertolucci inszenierte Film wurde als Zweiteiler, der auch unter den Alternativtiteln 1900 – 1. Teil: Gewalt, Macht, Leidenschaft und 1900 – 2. Teil: Kampf, Liebe, Hoffnung bekannt ist, in Deutschland veröffentlicht.

Handlung[Bearbeiten]

Erzählt wird das Leben zweier, am selben Tag – Giuseppe Verdis Todestag, dem 27. Januar 1901 – in der norditalienischen Region Emilia-Romagna geborener Knaben: Alfredo Berlinghieri, der Sohn eines reichen Gutsbesitzers und Olmo Dalcò, der Sohn eines Landarbeiters. Bei der Geburt ist beider Lebensziel bereits vorgegeben: Alfredo soll Offizier und Gutsherr werden, Olmo soll ihm wie schon sein Vater und Großvater dienen. Der Erste Weltkrieg, der erste Landarbeiterstreik Italiens sowie die Weltwirtschaftskrise führen aber bald zu großen Veränderungen. Olmo wird als Sozialist politisch aktiv, während Gutsbesitzer Alfredo ein Bohémien wird, der den Faschismus Mussolinis in Gestalt des Gutsverwalters Attila und dessen Geliebter Regina verachtet, sie aber gewähren lässt.

Zwischen beiden Männern agiert die enigmatische Ada, die schließlich Alfredo heiratet, aber mit den politischen Zielen Olmos sympathisiert. Ada und Olmo müssen fliehen, während die Faschisten auf dem Gutshof ein KZ-ähnliches Regime errichten. Nach der Befreiung 1945 rettet der zurückgekehrte Olmo Alfredo vor der Verurteilung durch das Landarbeitertribunal. Die Rivalität zwischen den beiden Antipoden geht trotzdem weiter.

Musik[Bearbeiten]

Ennio Morricone verwandte für den Soundtrack einige bekannte Melodien aus Verdi-Opern. Eine von ihm selbst komponierte Kantate wurde zur Hymne der spanischen Sozialisten [1]

Anmerkungen[Bearbeiten]

1900 erregte unter anderem durch seine sexuell expliziten Szenen Aufregung. Für viel Aufsehen sorgte unter anderem jene Szene, in der Stefania Casini die Penisse der Hauptdarsteller Robert De Niro und Gérard Depardieu gleichzeitig masturbiert. Der ungefilterte Anblick der Masturbation erboste einen italienischen Bibliothekar so sehr, dass er den Film vor der Premiere wegen des Vorwurfs der Pornographie auf den Index setzen ließ, was nach einem von Benito Mussolini übernommenen Gesetz, das es auch einem einzelnen Bürger ermöglichte, einen Film zu verbieten, statthaft war. Das Gesetz wurde daraufhin geändert. Die entsprechende Szene ist nicht in allen Fassungen des Films in voller Länge zu sehen.

Dem Film wurden außerdem kinderpornographische Darstellungen vorgeworfen. Roberto Maccanti, der Darsteller des jungen Olmo, ist in einer kurzen Szene mit erigiertem Penis zu sehen. In einer anderen, weniger expliziten Szene lässt sich der von Burt Lancaster gespielte alte – und impotente – Großgrundbesitzer im Rinderstall von einem pubertierenden Mädchen in seiner offenen Hose berühren.

Eine der Hauptfiguren, die von Laura Betti gespielte Adlige Regina, die bezeichnend den italienischen Namen für Königin trägt, geht in dem Epos eine Allianz mit dem sadistischen Faschisten Attila (Donald Sutherland) ein. Auf Demütigungen Reginas reagiert die Heldin des Films, Ada (Dominique Sanda), indem sie Regina mit Wein überschüttet und auf den Namen „Fettsau“ tauft. Regina wird am Ende des Films – von Mistgabeln zerstochen – in einem Schweinekoben liegen (wo man ihr den Prozess macht) und darum betteln, getötet zu werden. Auch wenn andere Figuren (wie der Padrone Burt Lancaster) in einem Rinderstall sterben, lässt das erkennen, wie metaphernreich der Film ist. Eine weitere versteckte Metapher bildet die zeitliche Verknüpfung der Kapitel der Geschichte mit den vier Jahreszeiten: Sommer für die Jugend der beiden Hauptfiguren, Herbst für den schleichenden Untergang der Feudalherrschaft, Winter für den Faschismus und Frühling für den Neuanfang.

Der insgesamt fünfeinhalb Stunden dauernde Film wurde vom Verleih in zwei Teile zerlegt. Der erste Teil heißt Gewalt, Macht, Leidenschaft und kam im Oktober 1976 in die Kinos. Der zweite Teil folgte im Dezember und wurde mit Kampf, Liebe, Hoffnung überschrieben.

Der erste Teil des Films erhielt eine FSK 18 Freigabe, der zweite eine FSK 16. 2013 wurde der erste Teil neugeprüft und ist nun auch ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.

Der Film wurde in der Emilia gedreht (in Roncole Verdi bei Busseto, Provinz Parma sowie in Guastalla, Provinz Reggio Emilia). Zu Beginn des Films ist das Lied La Lega zu hören.

Kritik[Bearbeiten]

„Erster Teil einer monumental angelegten Interpretation der italienischen Geschichte seit der Jahrhundertwende. In faszinierenden, oftmals lyrisch inspirierten Bildern beschreibt der Film aus klassenkämpferischer Sicht die Lebensgeschichten von zwei Freunden, die auf demselben Landgut aufwachsen, der eine als Sohn der Herrschaft, der andere als Kind von Landarbeitern. Etwas schematisch werden die Hauptfiguren zu Exponenten sozialer und politischer Konflikte gemacht, in denen die Rollen im voraus verteilt und die Sympathien eindeutig zugeordnet sind.“

Lexikon des Internationalen Films, Erster Teil[2]

„Der zweite Teil von Bertoluccis Geschichtsgemälde beschreibt die 30er Jahre und die aufkommende Barbarei der Faschisten, die Befreiungsfeiern im Jahr 1945 und die Neuformierung der Landarbeiter als politische Kraft. Die Dekadenz der Besitzenden und kraß ausgespielte Ruchlosigkeiten der Schwarzhemden beherrschen vordergründig die Schilderung, die nicht mehr ganz so ausgewogen und geschlossen komponiert ist wie im ersten Teil. Politisch relativiert Bertolucci seine Deutung der Entwicklung in einer ironischen Schlußwendung.“

Lexikon des Internationalen Films, Zweiter Teil[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film 1900 erhielt 1977 den dänischen Bodil-Preis als bester europäischer Film.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Musica da vedere La Repubblica, 23. Juli 2009.
  2. 1900 – 1. Teil: Gewalt, Macht, Leidenschaft im Lexikon des Internationalen Films
  3. 1900 – 2. Teil: Kampf, Liebe, Hoffnung im Lexikon des Internationalen Films