Robert De Niro

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Dieser Artikel behandelt den Schauspieler. Für seinen Vater siehe Robert De Niro, Sr..
De Niro 2011 beim Tribeca Film Festival

Robert Anthony De Niro, Jr. (* 17. August 1943 in New York City) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, zweifacher Oscarpreisträger, Filmregisseur und Produzent. Er zählt seit Mitte der 1970er Jahre zu den führenden Charakterdarstellern des US-amerikanischen Films und ist in zahlreichen Filmklassikern zu sehen.

Leben und Werk[Bearbeiten]

1943–1959[Bearbeiten]

Robert De Niro wuchs als Einzelkind einer Künstlerfamilie auf. Sein Vater, Robert De Niro, Sr. (1922–1993) zählt heute zu den führenden abstrakt-expressionistischen Malern der USA. Seine Bilder wurden in zahlreichen Museen und Galerien ausgestellt. Er war mit Schriftstellern wie Henry Miller und Tennessee Williams befreundet und starb mit 71 Jahren an Krebs. Die Mutter Virginia Admiral (1915–2000) war Poetin und Malerin und arbeitete auch als Typistin für Anaïs Nin. Ihre Werke werden unter anderem im Metropolitan Museum of Art ausgestellt.

Als sich seine Eltern 1945 scheiden ließen, lebte De Niro bei seiner Mutter im New Yorker Stadtteil Little Italy in Manhattan. Er verbrachte aber auch viel Zeit mit seinem Vater, der nicht weit entfernt wohnte und nach der Scheidung homosexuelle Beziehungen unterhielt. In den frühen 1950er Jahren war De Niro in Little Italy auch flüchtig bekannt mit dem späteren Regisseur Martin Scorsese, der neun Monate älter ist als er; auf ihn sollte er zwei Jahrzehnte später wieder treffen.

Seine spätere Mentorin Shelley Winters erzählte, dass De Niro in Armut aufgewachsen sei, da seine Eltern mit ihrer Kunst kaum Einnahmen erzielt hätten. Die Mutter betrieb unter anderem eine kleine Druckerei. Robert, der wegen seiner Blässe „Bobby Milk“ genannt wurde und als scheu galt, stand mit zehn Jahren erstmals auf einer Bühne – als ängstlicher Löwe in einer Schulaufführung von Der Zauberer von Oz. „Ich wollte schon mit zehn Jahren Schauspieler werden“, erzählte er später.

Er verließ mit 16 Jahren die Schule und strebte mit dem Segen seiner Eltern, die seine künstlerischen Ambitionen unterstützten, eine Karriere als Schauspieler an. Bei einer High-School-Tournee mit Tschechows Stück Der Bär, die ihn durch New England und New York führte, erhielt er als 16-Jähriger seine erste Schauspielergage.

In seiner Jugend bewunderte De Niro besonders die Schauspieler Montgomery Clift, Robert Mitchum und Marlon Brando. Mit Mitchum und Brando arbeitete er später auch zusammen, Clift starb bereits 1966.

1960–1972[Bearbeiten]

Er tourte als Schauspieler durch die Südstaaten und spielte größere Rollen in Stücken wie „Cyrano de Bergerac“ oder „Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Er trat mit Komödien in Dinner-Theatern auf und nahm ab 1960 professionellen Schauspielunterricht, unter anderem bei der berühmten Schauspiellehrerin Stella Adler, die im Laufe ihrer langen Karriere so bekannte Darsteller wie Marlon Brando, Harvey Keitel, Martin Sheen, Warren Beatty oder Christoph Waltz unterrichtete.

1963 debütierte De Niro in The Wedding Party in einer Nebenrolle als Filmschauspieler. Die mit nur 43.000 Dollar budgetierte Komödie markierte das Filmdebüt des späteren Star-Regisseurs Brian De Palma und orientierte sich formal an den Stilmitteln der französischen Nouvelle Vague. The Wedding Party kam erst 1969 in die Kinos und fiel bei Kritik und Publikum gleichermaßen durch.

Nachdem er in zwei weiteren Filmen kleine Rollen gespielt hatte, trat de Niro 1968 in De Palmas zweitem Spielfilm Greetings auf, einem zeittypischen Werk, das in satirischer Weise mit Elementen des Underground-Films um Themen wie Sex, Gewalt und Vietnam kreist. Greetings erhielt wegen seiner freizügigen Szenen ein X-Rating und galt damit als Pornofilm. Auch dieser Film fiel an der Kinokasse durch.

1968 trat De Niro in dem Off-Broadway-Stück Glamour, Glory and Gold auf und wurde von der Theaterkritik, die dem Stück ansonsten skeptisch gegenüberstand, positiv erwähnt. Dem 25-Jährigen wurde großes Talent bescheinigt. Seine Schauspielpartnerin Sally Kirkland erklärte, sie habe nie eine derart brillante Darstellung gesehen.

Um das Jahr 1970 herum wurde die bekannte Charakterdarstellerin und Oscar-Preisträgerin Shelley Winters auf De Niro aufmerksam und besetzte ihn als ihren Schauspielpartner in dem Stück One Night Stands of a Noisy Passenger, das nach nur sieben Vorstellungen abgesetzt wurde. Da er in dem Stück ein Bett mit einem Karateschlag zerstören musste, trainierte De Niro monatelang diese Kampfsportart. Obwohl auch dieses Theaterstück bei der Kritik auf wenig Gegenliebe stieß, wurde De Niros Darstellung erneut gelobt.

Shelley Winters verglich Robert De Niro mit dem jungen Marlon Brando der 1940er Jahre und schlug ihren neuen Protegé dem Regisseur und Produzenten Roger Corman vor, der 1970 den Low-Budget-Gangsterfilm Bloody Mama vorbereitete. Hier spielte Winters die Rolle der berüchtigten Ma Barker, die zusammen mit ihren vier Söhnen in der ersten Hälfte der 1930er Jahre zahlreiche Verbrechen verübt hatte. De Niro trat in der Rolle des Lloyd Barker auf und fühlte sich schon damals in extremer Weise in seine Rolle ein („Es ist wahr: Ich habe bei den Dreharbeiten zu Bloody Mama mein Mittagessen in einem Grab eingenommen“).

1970 arbeitete er erneut mit Regisseur Brian De Palma zusammen, der ihm die Hauptrolle in seinem Film Hi, Mom! übertrug. In dem komödiantischen Low-Budget-Streifen war De Niro als Vietnam-Veteran zu sehen, der die Bewohner eines gegenüberliegenden Appartementblocks beobachtet. In den frühen 1970er Jahren spielte der Darsteller weitere Rollen in Filmen wie Wo Gangster um die Ecke knallen (1971) oder Pforte zur Hölle (1971), von denen aber keiner seine Karriere wirklich voranbrachte. Für eine Rolle in Der Pate (1972) sprach er vergeblich vor. 1973 trat er zum vorläufig letzten Mal im Theater auf.

1973–1980[Bearbeiten]

Das Jahr 1973 wurde für den 30-jährigen Darsteller zum entscheidenden Wendepunkt. In Das letzte Spiel stellte er den sterbenden Baseballspieler Bruce Person dar und gewann den „New York Film Critics Award“ als bester Schauspieler. Er traf Martin Scorsese wieder, der seit den späten 1960er Jahren als Filmregisseur arbeitete. Scorsese gab De Niro die wichtige Rolle des neurotischen Johnny Boy in seinem Film Hexenkessel, einem biographisch geprägten Porträt einiger New Yorker Kleinganoven, die sich im Italienerviertel durchschlagen.

Der Film wurde von der Kritik nahezu einhellig gelobt, war an den Kinokassen erfolgreich (3 Millionen Dollar Einspielergebnis bei einem Budget von 500.000 Dollar) und begründete die Jahrzehnte dauernden Karrieren von Scorsese, De Niro sowie Harvey Keitel, der hier noch die Hauptrolle spielte. Ab 1975 avancierte Robert De Niro zu Scorseses bevorzugtem Darsteller; sie arbeiteten von 1973 bis 1995 acht Mal zusammen.

Nachdem De Niro in Hexenkessel überzeugt hatte, gab ihm Regisseur Francis Ford Coppola die begehrte Rolle des „Paten“ Vito Corleone in Der Pate – Teil 2 (1974). De Niro übernahm hier den Part, den Marlon Brando zwei Jahre zuvor in dem Welterfolg Der Pate gespielt hatte, stellte den Mafia-Chef aber als jungen Mann am Anfang seiner „Karriere“ dar. Auf der zweiten Zeitebene des epischen Films war Al Pacino erneut als Michael Corleone (Vitos Sohn) zu sehen. De Niro hatte sich akribisch darauf vorbereitet, die speziellen Manierismen der berühmten, von Brando gespielten Figur zu übernehmen.

Der Pate – Teil 2 war ein weltweiter Erfolg bei Kritik und Publikum und etablierte De Niro endgültig als neuen Star. Nahezu einhellig wurde ihm bescheinigt, er habe die schwierige Herausforderung als Brandos Nachfolger bravourös gemeistert. 1975 war De Niro als Nebendarsteller erstmals für einen Oscar nominiert und gewann den Preis für seine Darstellung des Vito Corleone. De Niro erhielt den Preis damit für die Darstellung derselben Figur, für deren Interpretation bereits Marlon Brando (im ersten Teil) einen Oscar erhalten hatte. Der Pate – Teil 2 war elf Mal nominiert und gewann sechs Mal, darunter auch in der Kategorie Bester Film des Jahres. De Niro war bislang sechs Mal für den Oscar nominiert und gewann ihn zweimal (er konnte seinen Oscar für Der Pate – Teil 2 nicht entgegennehmen, weil er in Italien den Film 1900 drehte).

1975 stellte De Niro in Bernardo Bertoluccis großangelegtem Epos 1900, das 1976 in die Kinos kam, einen italienischen Großgrundbesitzer dar und sorgte wegen einer expliziten Sexszene für Aufsehen (er wird von einer Prostituierten mit der Hand befriedigt). Der von US-Studios finanzierte 5-Stunden-Film spielte seine enormen Kosten (20 Millionen Mark) nie ein, obwohl er mehrfach gekürzt und umgeschnitten wurde. Auch De Niro, der mit Bertoluccis Regiestil und seinem französischen Co-Star Gérard Depardieu offenbar unzufrieden war, konnte nach allgemeinem Tenor schauspielerisch nicht voll überzeugen.

Im Jahr 1976 spielte der Schauspieler dann die Rolle, die ihn endgültig als einen der führenden Charakterdarsteller etablierte. Unter der Regie von Scorsese war er in der titelgebenden Rolle als Taxi Driver Travis Bickle zu sehen. Der entwurzelte Vietnam-Veteran („Gottes einsamster Mann“) arbeitet in New York als Taxifahrer und ist angewidert von dem menschlichen Abschaum, mit dem er in den nächtlichen Straßenschluchten konfrontiert wird. Er stilisiert sich zum Beschützer einer jugendlichen Prostituierten (Jodie Foster) und richtet ein Blutbad an.

Mit Taxi Driver gelang Scorsese ein durchschlagender Erfolg bei Kritik und Publikum (28 Millionen Dollar in den USA bei einem Budget von 1,3 Millionen Dollar). Das düstere Drama avancierte zu einem der großen Filmklassiker der 1970er Jahre und erhielt 1977 vier Oscar-Nominierungen, darunter eine für den Hauptdarsteller De Niro.

Einige Dialogzeilen De Niros („Du laberst mich an?“) gingen in die Umgangssprache ein. Der Schauspieler hatte sich wie immer mit großem Engagement auf die Rolle vorbereitet und war unter anderem selbst in New York Taxi gefahren (einige Fahrgäste, die ihn erkannten, glaubten, er müsse sich wie viele arbeitslose Schauspieler als Taxifahrer durchschlagen).

Nach diesem Erfolg spielte De Niro in zwei Filmen, die bei Kritik und Publikum durchfielen. In Elia Kazans Der letzte Tycoon (1976) stellte er einen Filmproduzenten der 1930er Jahre dar (angelehnt an den früh verstorbenen MGM-Chef Irving Thalberg). Trotz eindrucksvoller Starbesetzung (Jack Nicholson, Tony Curtis, Robert Mitchum, Jeanne Moreau) wurde der Film zu einem Flop; auch De Niros Darstellerleistung wurde nicht als herausragend bewertet. Der letzte Tycoon markierte für den 67-jährigen Kazan das Ende einer mehr als 30-jährigen Regiekarriere.

1977 drehte Martin Scorsese mit großem Budget und aufwendigen Kulissen das nostalgische Musical New York, New York, das De Niro im Jahr 1945 als Saxophonspieler zeigt, der sich in eine Sängerin (Liza Minnelli) verliebt. Der Film, für den De Niro das Saxophonspielen erlernte, konnte die Erwartungen nicht erfüllen und wurde reserviert aufgenommen.

Sein nächster Film sah ihn in der Rolle eines russischstämmigen Stahlarbeiters, der zusammen mit seinen Freunden nach Vietnam eingezogen wird. Michael Ciminos epischer Kriegsfilm Die durch die Hölle gehen (1978) porträtiert zunächst ausführlich das Leben der Stahlarbeiter und blendet dann in einem abrupten Schnitt auf das barbarische Geschehen in Vietnam über, das die Protagonisten psychisch schwer zeichnet. Mit Darstellern wie John Cazale, Christopher Walken oder Meryl Streep war der Film hochkarätig besetzt.

De Niro führte für den Film zahlreiche Stunts selbst aus – er ließ sich unter anderem 15 Mal aus 10 Metern Höhe in einen Fluss fallen und hängte sich an die Kufen eines Hubschraubers, der hoch in die Luft stieg. Ciminos Film wurde zu einem kommerziellen und künstlerischen Erfolg, rief aber Kontroversen hervor. Als er bei der Berlinale gezeigt wurde, verließen die Delegationen der kommunistischen Länder das Festival, weil sie die nordvietnamesischen Soldaten durch den Film verunglimpft sahen. Mit fünf Auszeichnungen, darunter einem für den besten Film, war Ciminos Vietnam-Epos der große Gewinner der Oscar-Verleihung des Jahres 1979.

1980 spielte Robert De Niro in Wie ein wilder Stier seine nach allgemeinem Tenor bedeutendste Rolle. Das von Martin Scorsese in Schwarz-weiß inszenierte Boxer-Drama zeichnet das Leben und die Karriere von Jake LaMotta nach, der 1949 Weltmeister im Mittelgewicht wurde. Der Regisseur und sein Hauptdarsteller zeigen hier konsequent das Porträt eines unsympathischen Schlägers, mit dessen Leben es immer weiter bergab geht. LaMotta verkommt nach seiner Boxkarriere zu einem aufgeschwemmten Entertainer, der in Nachtclubs schlechte Witze erzählt.

Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, absolvierte De Niro ein einjähriges Box-Training und wurde dabei unter anderem von dem echten Jake LaMotta (* 1921) angeleitet, der De Niro bescheinigte, er habe das Zeug zum Profi-Kämpfer. Der Darsteller absolvierte drei Boxkämpfe und gewann davon zwei. Als die aufwändig choreographierten Kampfszenen abgedreht waren (die später von der Kritik für ihre inszenatorische, darstellerische und schnitttechnische Brillanz besonders gelobt wurden), aß sich De Niro innerhalb kurzer Zeit 30 Kilo Übergewicht an, um den späten, fetten Jake LaMotta adäquat spielen zu können. Der Film beginnt und endet mit Szenen, in denen LaMottas traurige Existenz als drittklassiger Nachtclub-Entertainer gezeigt wird. (LaMotta verklagte die Produktionsgesellschaft United Artists wegen der Art und Weise, wie er in dem Film porträtiert wird.)

Scorseses düsteres Boxerdrama war kein großer Kassenerfolg (anders als die viel kommerzieller ausgerichteten Filme der Rocky-Serie), avancierte aber schnell zum Klassiker und wird vielfach als eines der besten Werke der Filmgeschichte bezeichnet. De Niro hatte sich mit einer bis dato beispiellosen Intensität auf seine Rolle vorbereitet und hielt jahrelang den Rekord für die stärkste Gewichtszunahme, der sich ein Schauspieler bis dato für eine Rolle unterzogen hatte. (1987 wurde er von Vincent D’Onofrio geschlagen, der sich für Full Metal Jacket 35 Kilo anfraß.)

De Niro wurde 1981 mit einem Oscar für die beste Hauptrolle ausgezeichnet (er setzte sich gegen Robert Duvall, Jack Lemmon, Peter O’Toole und John Hurt durch). Wie ein wilder Stier war auch als bester Film des Jahres nominiert, verlor aber gegen Robert Redfords Regiedebüt Eine ganz normale Familie, was häufig als Fehlentscheidung gewertet wurde. (Erst 2007 wurde ein Scorsese-Film erstmals als bester Film des Jahres ausgezeichnet, nämlich Departed – Unter Feinden.)

Robert De Niro schloss mit Wie ein wilder Stier seine in künstlerischer Hinsicht wohl bedeutendste Phase als Schauspieler mit einem Triumph ab und befand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

1981–1989[Bearbeiten]

Für Scorsese und De Niro markierte Wie ein wilder Stier einen Karrierehöhepunkt. Beide konnten zunächst nicht mehr an ihre Erfolge anknüpfen. 1981 spielte De Niro (der hier noch deutlich übergewichtig aussah) in Ulu Grosbards Fesseln der Macht einen Priester in Gewissensnöten, der in den 1940er Jahren indirekt in einen Mordfall verwickelt wird. Der eher ruhige und unspektakuläre, mit Robert Duvall, Charles Durning und Cyril Cusack hoch besetzte Film erhielt gemischte Kritiken und wurde in Deutschland nie im Kino gezeigt.

Mit King of Comedy setzten De Niro und Scorsese 1983 ihre Zusammenarbeit fort. De Niro agierte in der Rolle des erfolglosen Stand-Up-Comedians Rupert Pupkin, der einen berühmten TV-Entertainer (Jerry Lewis) entführt. Von der Kritik gelobt, wurde die pessimistische Tragikomödie zu einem katastrophalen Flop an der Kinokasse (2,5 Millionen Dollar in den USA bei einem Budget von 20 Millionen Dollar) und einem Rückschlag in Scorseses Karriere. In den 1980er Jahren war De Niro auch für die Rolle des Jesus Christus in Scorseses Film Die letzte Versuchung Christi vorgesehen. Das Projekt wurde mehrfach verschoben und 1988 schließlich mit Willem Dafoe realisiert.

Auch Sergio Leones fast vierstündige Gangster-Saga Es war einmal in Amerika wurde 1984 zu einem Kassenflop. Der Film erzählt auf drei Zeitebenen (1922/1932/1968) das Leben des jüdischen Gangsters Noodles (De Niro), der während der Prohibition an der Seite seines Freundes Max (James Woods) Karriere macht, diesen dann aber an die Polizei verrät. Das aufwendige Epos (Budget: 30 Millionen Dollar) fand mit seiner komplexen Erzählstruktur im Kino kein Publikum und wurde erfolglos umgeschnitten und gekürzt.

Es war einmal in Amerika wurde von der Kritik rehabilitiert und gilt seit langem als großer Klassiker der 1980er Jahre. Sergio Leone konnte allerdings nie die von ihm geplante Schnittfassung des Films erstellen, er starb 1989. Unter Scorseses Leitung wurde der Film restauriert und 2012 bei den Filmfestspielen von Cannes in einer um 25 Minuten längeren Fassung präsentiert.

(Sergio Leone plante jahrelang einen Film über die Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg und hatte De Niro für die Hauptrolle vorgesehen. Das Projekt konnte vor Leones Tod nicht mehr realisiert werden.)

Mit Der Liebe verfallen (1984), einer eher konventionell angelegten Liebesgeschichte, hatte De Niro an der Seite von Meryl Streep moderaten kommerziellen Erfolg. 1985 war er in Terry Gilliams Brazil in der zentralen, wenn auch kurzen Rolle des Harry Tuttle zu sehen, der in einem kafkaesken Überwachungsstaat als Terrorist gesucht wird. Der bizarre und düstere Streifen fand zwar kein großes Publikum, gilt aber allgemein als Meisterwerk und Kultfilm.

In Roland Joffés epischem Historienfilm The Mission (1986) war De Niro (langhaarig und mit Vollbart) als Missionar in Südamerika zu sehen. Der mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnete Streifen erhielt gemischte Kritiken und konnte sich im Kino nicht durchsetzen. 1987 spielte De Niro (erneut langhaarig und mit Vollbart) in Alan Parkers Horrorthriller Angel Heart die zentrale Nebenrolle des ominösen Louis Cyphre, der in den 1950er Jahren einen heruntergekommenen Privatdetektiv (Mickey Rourke) engagiert. Kritiker merkten an, De Niro habe bei seiner Darstellung des dämonischen Cyphre überzogen. Angel Heart wurde kein Kassenerfolg, gilt aber als Genreklassiker.

1987 war De Niro nach Jahren wieder in einem großen Kassenhit zu sehen. Unter der Regie von Brian De Palma (für den er bereits in den 1960er Jahren gespielt hatte) stellte er in dem großangelegten Gangsterepos The Untouchables – Die Unbestechlichen Al Capone dar. Kevin Costner (in der Hauptrolle des FBI-Agenten Eliot Ness) und Sean Connery (Oscar-gekrönt als erfahrener Polizist) agierten als dessen Widersacher. Um den legendären Mafia-Boss adäquat darstellen zu können, hatte De Niro an Gewicht zugelegt und sich eine Halbglatze rasieren lassen. Er trug außerdem die Sorte Unterwäsche, die früher Capone getragen hatte.

Martin Brests Actionkomödie Midnight Run – Fünf Tage bis Mitternacht (1988) zählte zum Genre der damals besonders beliebten „Buddy Movies“ und zeigte De Niro in der Rolle eines heruntergekommenen Kopfgeldjägers, der einen Mafia-Buchhalter (Charles Grodin) quer durch die USA befördern muss. Der Film fand bei der Kritik zwar positive Resonanz, war aber weniger erfolgreich als andere „Buddy Movies“ dieser Zeit (wie zum Beispiel Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis).

Für De Niro endeten die 1980er Jahre mit drei Filmen, die an der Kinokasse durchfielen. In Stanley und Iris (1989) agierte er als analphabetischer Koch, der sich in eine Kollegin (Jane Fonda) verliebt, in Jacknife (1989) als traumatisierter Vietnam-Veteran. Auch die Komödie Wir sind keine Engel (1989), in der er und Sean Penn als Gefängnisausbrecher, die sich als Priester verkleiden, zu sehen sind, floppte.

1990–1998[Bearbeiten]

Ab den frühen 1990er Jahren konnte De Niro seine Filmkarriere mit einigen Erfolgen wieder stabilisieren. In Scorseses epischem Gangsterdrama Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia agierte er in der zentralen Nebenrolle des „Mobsters“ Jimmy Conway, der zum Mentor des Nachwuchsgangsters Henry Hill (Ray Liotta) wird. Der teils mit schonungsloser Brutalität inszenierte Film avancierte zum Kassenhit und Genreklassiker. Für die Darstellung eines Komapatienten in Zeit des Erwachens (1990) war De Niro für einen Oscar nominiert.

In dem eher unspektakulären Drama Schuldig bei Verdacht (1991) agierte er als Filmregisseur, der während der McCarthy-Ära unter Druck gerät. Der erfolgreiche Actionfilm Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen (1991) zeigte ihn in einer zentralen Nebenrolle als erfahrenen Brandermittler.

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 180 Millionen Dollar wurde der Psychothriller Kap der Angst zum größten Erfolg für Martin Scorsese und Robert De Niro – und zu einem Kassenhit des Jahres 1991. Das freie Remake von Ein Köder für die Bestie aus dem Jahr 1962 war deutlich kommerzieller angelegt als frühere Werke des eingespielten Duos und zeigte De Niro als tätowierten Psychopathen Max Cady, der mit manischer Energie einen Anwalt (Nick Nolte) und seine Familie terrorisiert. (De Niro hatte einen Zahnarzt beauftragt, sein Gebiss für die Cady-Rolle in einen möglichst schlimmen Zustand zu versetzen.) Die brutalen Gewaltdarstellungen des Films wurden kontrovers diskutiert. De Niro, der sich für die Rolle einen besonders drahtig-muskulösen Körper antrainiert hatte, erhielt für seine Darstellung des Max Cady 1992 eine Oscarnominierung.

Mit Streifen wie Die Nacht von Soho, Mistress – Die Geliebte von Hollywood (beide 1992) oder Sein Name ist Mad Dog (1993) sorgte er für weniger Aufsehen. 1993 debütierte er mit In den Straßen der Bronx als Regisseur und spielte einen Busfahrer in der Bronx, der im Jahr 1960 verhindern will, dass sein Sohn eine Mafia-Karriere einschlägt. De Niro widmete den Film, der beim Publikum kaum Resonanz fand, seinem Vater, der im selben Jahr verstorben war.

Kenneth Branaghs Horrordrama Mary Shelley’s Frankenstein wurde 1994 zum Kassenhit, es zeigt De Niro als künstliche Kreatur aus dem Labor Dr. Frankensteins (Branagh). Die Kritik reagierte eher ablehnend auf den Film, in dem De Niro unter einer perfekt konstruierten Horrormaske quasi nicht zu erkennen war.

1995 drehte De Niro zwei fast dreistündige Gangsterepen, die zu Klassikern wurden. Unter der Regie von Scorsese agierte er in Casino als Manager eines Las-Vegas-Casinos. Der in den 1970er Jahren angesiedelte Film zeigt exemplarisch Aufstieg und Fall von Sam Rothstein (De Niro), der als perfektionistischer Kontrollfanatiker höchst effektiv ein Casino führt und seinen Auftraggebern (die Chicagoer Mafia) zu spektakulären Gewinnen verhilft. Als er sich unglücklich in eine schöne Edelprostituierte (Sharon Stone) verliebt und mit mächtigen Lokalpolitikern anlegt, beginnt sein Niedergang. Publikum und Kritik reagierten positiv auf den Film, der thematisch und durch seinen fiebrigen Inszenierungsstil sehr an Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia erinnert.

Auch in Michael Manns epischem Gangsterfilm Heat (1995) agierte De Niro als Kontrollfanatiker auf der falschen Seite des Gesetzes. Neil McCauley (De Niro) ist als erfahrener Profigangster Anführer einer Gang, die in Los Angeles perfekt geplante Einbrüche und Banküberfälle durchführt. Die Bande gerät zunehmend unter Druck, als Polizei-Lieutenant Vincent Hanna gegen sie ermittelt. Regisseur Mann sicherte seinem Film große Aufmerksamkeit, indem es ihm gelang, neben De Niro den nicht minder profilierten Al Pacino für die Rolle des Vincent Hanna zu engagieren. In der wohl bekanntesten Szene des Films führen die beiden legendären Charakterdarsteller in einem Coffee Shop ein längeres Gespräch über ihr Privatleben und ihre Profession. Heat spielte weltweit 174 Millionen Dollar ein, Casino 116 Millionen. 1995 wurde damit für de Niro zum bis dahin erfolgreichsten Jahr. Bis 1998 verteuerte sich seine Gage auf 14 Millionen Dollar.

Mit Barry Levinsons Drama Sleepers, das in den 1960er Jahren angesiedelt ist und um Themen wie Jugendkriminalität und sexuellen Missbrauch kreist, konnte De Niro 1996 erneut einen großen Kassenerfolg verbuchen (Einspielergebnis: 166 Millionen Dollar). Er agierte darin als engagierter Pfarrer und Teil eines profilierten Ensembles (Kevin Bacon, Brad Pitt, Dustin Hoffman, Vittorio Gassman).

Als deutlich weniger erfolgreich erwies sich Tony Scotts Psychothriller Der Fan (1996), in dem er einen psychopathischen Baseball-Fan darstellte. Die Filmkritik bezeichnete Scotts Inszenierungsstil überwiegend als zu glatt und oberflächlich. Das Drama Marvins Töchter (1996) floppte trotz prominenter Besetzung (Meryl Streep, Leonardo DiCaprio, Diane Keaton); De Niro trat in einer Nebenrolle als Arzt auf.

Bis in die späten 1990er Jahre war De Niro in mehreren Filmen zu sehen, die bescheidenen Erfolg hatten. Er spielte neben Sylvester Stallone und Harvey Keitel in Cop Land (1997), einem Drama, das im Polizei-Milieu angesiedelt ist, und agierte im selben Jahr neben Dustin Hoffman in der Polit-Satire Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt. De Niro spielte profilierte Nebenrollen in Quentin Tarantinos komödiantischem Gangsterfilm Jackie Brown (1997) und der Charles-Dickens-Adaption Große Erwartungen (1998), die den klassischen Stoff in die Gegenwart verlegte.

John Frankenheimers Actionthriller Ronin (1998) zeigte De Niro – mit Jean Reno als Co-Star – in der Hauptrolle des Söldners Sam, der den Auftrag bekommt, zusammen mit einem Team von Spezialisten einen schwer bewachten Koffer zu erbeuten. Den Film, der in Frankreich spielt und im Kino überraschenderweise floppte, dominieren aufwendig inszenierte Verfolgungsjagden, die unter anderem mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Jean-Pierre Jarier durchgeführt wurden.

1999 bis heute[Bearbeiten]

Robert De Niro 2008 beim Internationalen Filmfestival Karlsbad

1999 drehte er mit Billy Crystal die Mafia-Komödie Reine Nervensache, die mit einem weltweiten Einspielergebnis von 141 Millionen Dollar ein Kassenschlager wurde. Der rauhbeinige Mafia-Boss Paul Vitti (De Niro) ist durch Erektionsprobleme und Heulkrämpfe gehandicapt. Er lässt sich von einem sanftmütigen Psychiater (Crystal) behandeln, der sich in Vittis Macho- und Mafia-Welt äußerst unwohl fühlt.

De Niro war bis dahin nie in einer reinen Komödie aufgetreten, auch wenn einige seiner Rollen einen humoristischen Grundton hatten (Midnight Run). Nun etablierte er sich zur großen Überraschung als einer der führenden Stars des Genres. In seinen Komödien entstammt die Komik in der Regel dem Stilmittel der Parodie.

Noch erfolgreicher als Reine Nervensache war im Jahr 2000 Meine Braut, ihr Vater und ich. Als knochenharter Ex-CIA-Agent Jack Byrnes (mit Lügendetektor im Kellergeschoss) hegt De Niro starke Vorbehalte gegen seinen vertrottelten Schwiegersohn in spé, den Krankenpfleger Gaylord Focker (Ben Stiller); er hält ihn – und auch seinen Namen – für untragbar. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 330 Millionen Dollar wurde die Komödie zu seinem erfolgreichsten Film bis dahin. Er selbst avancierte mit knapp 60 zu einem der Topverdiener Hollywoods; er erhielt plötzlich Gagen, wie sie für etablierte Actionhelden wie Harrison Ford oder Komödien-Stars wie Jim Carrey üblich waren (20 Millionen Dollar).

In den Fortsetzungen Reine Nervensache 2 (2002), Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich (2004) sowie Meine Frau, unsere Kinder und ich (2010) wurde das Erfolgsrezept mehrfach variiert. Vor allem in der Rolle des Ex-CIA-Agenten Byrnes war De Niro äußerst erfolgreich, auch wenn die Kritik die Qualität der Filme nach und nach bemängelte.

Kein anderer Film De Niros konnte indessen an die Einspielergebnisse seiner Erfolgskomödien heranreichen, einige fielen bei Kritik und Publikum komplett durch. Streifen wie Makellos (1999), Die Abenteuer von Rocky & Bullwinkle (2000), 15 Minuten Ruhm (2001), Showtime (2002), City by the Sea (2002), Godsend (2004), Inside Hollywood (2008), Kurzer Prozess – Righteous Kill (2008), Everybody’s Fine (2009), Stone (2010) oder Killer Elite (2011) wurden allesamt Flops. Mit The Score (2001), in dem er neben Marlon Brando und Edward Norton als Meisterdieb auftrat, dem Militärdrama Men of Honor (2000), dem historischen Drama Die Brücke von San Luis Rey (2004) und dem Actionfilm Machete (2010) verbuchte er moderate Erfolge.

Zu einem großen Kinohit avancierte der Animationsfilm Große Haie – Kleine Fische (2004), in dem De Niro den Hai-Mafiaboss Don Lino sprach, der friedliche Meeresbewohner terrorisiert. Ein Kassenhit wurde auch der Horrorthriller Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005), dessen Handlung die Kritik allerdings als plump und vorhersehbar bezeichnete.

De Niros zweite (und bislang letzte) Regiearbeit, Der gute Hirte, erhielt 2006 gemischte Kritiken. In epischer Breite wird die Karriere des Geheimdienstoffiziers Edward Wilson (Matt Damon) nachgezeichnet, der von den 1940er bis zu den 60er Jahren CIA-Operationen steuerte. Der Film konnte sein hohes Produktionsbudget (90 Millionen Dollar) nicht einspielen.

In dem erfolgreichen Fantasyfilm Der Sternwanderer trat De Niro 2007 in einer Nebenrolle auf. Zu einem Publikumserfolg wurde auch der Thriller Ohne Limit (2011), in dem er einen Geschäftsmann spielte (weltweites Einspielergebnis: 162 Millionen Dollar). In der erfolgreichen Liebeskomödie Happy New Year war er 2011 in einer Nebenrolle zu sehen (der Film wurde von der Kritik verrissen). 2012 spielte De Niro in der US-amerikanisch-spanischen Mystery-Produktion Red Lights unter der Regie von Rodrigo Cortés an der Seite von Sigourney Weaver und Toby Jones einen (vorgeblichen) Parapsychologen, der es zu legendärer Berühmtheit gebracht hat.

Für die kommenden Jahre sind zahlreiche Filme mit De Niro angekündigt, von denen sich einige bereits in der Produktion befinden (Stand: Juni 2012).

Privates[Bearbeiten]

Robert De Niro lebt als Privatmann zurückgezogen, gilt als medienscheu und hält sich von der Glamourwelt Hollywoods fern. Sein Lebensmittelpunkt ist seit jeher New York („Ich ging nach Paris, ich ging nach London, ich ging nach Rom, und ich sage immer: ‚Es gibt keinen Platz wie New York. Es ist die aufregendste Stadt der Welt‘“). De Niro erklärte: „Ich gehe nur nach Los Angeles, wenn ich dafür bezahlt werde.“

De Niro gab, soweit bekannt, zu Beginn seiner Karriere noch Interviews, dann längere Zeit nicht mehr. Auch heute tut er es eher sporadisch und offensichtlich ungern, häufig fällt er dabei durch einsilbige Antworten auf. Auskünfte zu seiner Schauspieltechnik oder Rollenvorbereitung gibt er kaum. („Leute werfen mir vor, dass ich etwas zu reserviert sei. Schauen Sie sich Dustin Hoffman an. Ich bewundere immer, wie clever und humorvoll er sein kann. Ich kann das einfach nicht.“)

1976 heiratete er die Schauspielerin Diahnne Abbott (* 1945), von der er sich 1988 wieder scheiden ließ. Aus der Beziehung ging der Sohn Raphael (* 1976) hervor. Abbotts Tochter Drena (* 1971) wurde von De Niro adoptiert, sie ist seit 1996 als Schauspielerin aktiv. De Niro hatte eine langjährige Beziehung mit dem Model Toukie Smith, mit der er zwei Kinder hat, die Zwillinge Aaron Kendrick De Niro and Julian Henry De Niro (* 1995). 1997 heiratete er in zweiter Ehe Grace Hightower (* 1955). Aus dieser Verbindung, die bis heute gehalten hat, ging 1998 ein Sohn hervor. Im November 2004 heiratete De Niro auf seiner Farm in den Catskill Mountains unweit von New York seine Frau Grace Hightower[1] ein zweites Mal – nach einer Scheidung, die nie rechtskräftig wurde. Gäste und Trauzeugen waren unter anderem Regisseur Martin Scorsese sowie De Niros Kollegen Meryl Streep und Ben Stiller.

Im Dezember 2011 wurde De Niro erneut Vater – mit Hilfe einer von ihm und seiner Ehefrau bezahlten Schwangerschaftsaustragung durch eine namentlich nicht genannte Frau. Diese sogenannte Leihmutterschaft ist in den USA legal. Das Prominentenpaar übernahm das Kind vertragsgemäß durch die direkte nachgeburtliche Übergabe von der anonymen Mutter.[2]

De Niro 1998 bei einer Pressekonferenz auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin

Während der Dreharbeiten zu Ronin geriet der 54-jährige De Niro in die Schlagzeilen, als er im Februar 1998 von der französischen Polizei vernommen und neun Stunden im Pariser Justizpalast festgehalten wurde. Man warf dem Schauspieler vor, er habe über einen Callgirl-Ring Edel-Prostituierte engagiert, was De Niro über seine Anwälte zurückweisen ließ. Wenige Tage später tauchte der pressescheue Star überraschenderweise auf einer Pressekonferenz der Berliner Filmfestspiele auf.

Zu den besten Freunden des Schauspielers zählt auch Joe Pesci, dessen Karriere er förderte und der seit Wie ein wilder Stier in mehreren Filmen sein Co-Star war. Auch mit seinem Kollegen Harvey Keitel ist De Niro befreundet, seit er mit ihm 1973 Hexenkessel drehte.

Verschiedenes[Bearbeiten]

1989 gründete De Niro zusammen mit Jane Rosenthal in New York die Produktionsfirma Tribeca Productions, von der seither überwiegend Filme produziert werden, an denen der Star als Schauspieler oder Regisseur beteiligt ist. Die erste Tribeca-Produktion war der Thriller Kap der Angst, der deutlich kommerzieller ausgerichtet war als die meisten vorherigen Filme des Schauspielers.

Offenbar, um das Unternehmen finanziell zu stützen, orientiert sich De Niro seit den späten 1990er Jahren bei seiner Filmauswahl vor allem am Mainstream und spielt regelmäßig in eingängigen Krimis und Komödien. Seither dreht er außerdem sehr viel mehr Filme als früher. War er in den 1980er Jahren noch in 13 Filmen aufgetreten, waren es in den 1990er Jahren bereits 25 und in den 2000er Jahren 18. Allein für die Jahre 2010–2013 vermerkt die Internet Movie Database 18 Filme mit De Niro, die bereits produziert wurden oder sich in der Vorproduktion befinden (Stand: Juni 2012). De Niro ist damit schon seit Jahren der wohl produktivste Hollywood-Star überhaupt, wobei ein Großteil der Filme (siehe oben) bei Kritik und Publikum auf wenig Resonanz stößt und der Darsteller, wohl auch altersbedingt, zunehmend in Nebenrollen auftritt.

Nach allgemeiner Einschätzung reichen De Niros spätere Filme nicht an seine Klassiker wie Taxi Driver oder Wie ein wilder Stier, mit denen er Filmgeschichte schrieb, heran. Dies zeigt sich auch darin, dass kaum einer von ihnen mit einem wichtigen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Die Internet Movie Database listet (Stand: Juni 2012) unter den 250 am besten bewerteten Filmen acht Werke mit Robert De Niro auf: Der Pate – Teil 2 (Platz 3), Goodfellas (16), Taxi Driver (47), Es war einmal in Amerika (80), Wie ein wilder Stier (90), Heat (122), Die durch die Hölle gehen (132) und Casino (164). Diese Filme sind zwischen 1974 und 1995 entstanden. De Niro spielte bislang in zwei Filmen, die mit einem Oscar für den besten Film ausgezeichnet wurden: Der Pate – Teil 2, 1975, und Die durch die Hölle gehen, 1979). Sein kommerziell erfolgreichster Film ist (Stand: 2012) Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich aus dem Jahr 2004, der weltweit 516 Millionen Dollar einspielte.

Gleichwohl wird De Niro weiterhin als zuverlässiger Charakterdarsteller mit starker Präsenz wahrgenommen. Er selbst räumte ein, dass er sich nicht mehr mit derselben Energie und Besessenheit auf seine Rollen vorbereite, wie er dies in seinen Anfangsjahren getan habe. 2013 war der Schauspieler - nach 21 Jahren - wieder für einen Oscar nominiert (Nebenrolle in Silver Linings). Bis 2013 wurde De Niro also zweimal mit dem bekannten Filmpreis ausgezeichnet und weitere fünf Mal nominiert.

Seit 2003 erhielt De Niro mehrere Auszeichnungen für sein Lebenswerk, darunter den renommierten Life Achievement Award vom American Film Institute. Bei der Golden-Globe-Verleihung 2011 wurde er mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk geehrt.[3] Darüber hinaus hat er mehrere Dutzend internationale Auszeichnungen erhalten. 2011 leitete De Niro die Wettbewerbsjury der 64. Filmfestspiele von Cannes, die den US-amerikanischen Beitrag The Tree of Life von Terrence Malick mit der Goldenen Palme auszeichnete.

De Niro ist als Unterstützer der Demokratischen Partei bekannt, er setzte sich mehrfach für deren Präsidentschaftskandidaten ein.

2011 unterstützte De Niro zusammen mit anderen renommierten Persönlichkeiten und Menschenrechtsverteidigern die Initiative Ein Logo für Menschenrechte.[4]

Die britische Popband Bananarama hatte 1984 einen Hitparadenerfolg mit dem Song Robert De Niro’s Waiting. Der Sänger Finley Quaye platzierte in seinem Song Sunday Shining die Textzeile „I’m a hero like Robert De Niro“. Gun Love, ein Song von ZZ Top, enthält die Textzeile „Runnin’ with the Wild Bunch, makin’ like Robert De Niro“.

De Niro war mit dem Komiker John Belushi befreundet und besuchte ihn am frühen Morgen des 5. März 1982, dem Tag, an dem Belushi an einer Überdosis starb.

Glaubt man De Niros eigenen Worten, mag er sich seine Filme nicht ansehen („Ich schlafe dabei ein“).

Synchronsprecher[Bearbeiten]

Seit Der Pate – Teil 2 wird Robert De Niro vom etwa gleichaltrigen Christian Brückner synchronisiert, einem der wohl profiliertesten deutschen Sprecher. Brückner ist dank seiner charakteristischen rauen Stimme auch als The Voice bekannt.[5]

In dem Film Hexenkessel (1973) wurde De Niro noch von Rolf Zacher gesprochen. In den 1980er Jahren wurde der Darsteller dann einige Male von Joachim Kerzel synchronisiert (u. a. Angel Heart oder The Untouchables - Die Unbestechlichen). Seit 1988 ist Brückner der einzige Sprecher De Niros, er übernahm auch die Neu-Synchronisation von Es war einmal in Amerika, die 2003 für die DVD-Veröffentlichung des Films erstellt wurde. In der TV-Serie Der Pate – Die Saga (1977) sprach Brückner nicht nur De Niro in der Rolle des jungen, sondern auch Marlon Brando in der Rolle des älteren Vito Corleone.

Filmografie[Bearbeiten]

Schauspieler[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Academy Awards[Bearbeiten]

Weitere Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1973: New York Film Critics Circle: Bester Nebendarsteller, Mean Streets und Bang the Drum Slowly
  • 1973: National Society of Film Critics: Bester Nebendarsteller, Mean Streets
  • 1976: New York Film Critics Circle: Bester Hauptdarsteller, Taxi Driver
  • 1976: Los Angeles Film Critics Association: Bester Hauptdarsteller, Taxi Driver
  • 1976: National Society of Film Critics: Bester Hauptdarsteller, Taxi Driver
  • 1977: Golden-Globe-Nominierung (Drama), Taxi Driver
  • 1977: BAFTA-Nominierung: Bester Hauptdarsteller, Taxi Driver
  • 1978: Golden-Globe-Nominierung (Komödie/Musical), New York, New York
  • 1979: Golden-Globe-Nominierung (Drama), The Deer Hunter
  • 1980: New York Film Critics Circle: Bester Hauptdarsteller, Raging Bull
  • 1980: Los Angeles Film Critics Association: Bester Hauptdarsteller, Raging Bull
  • 1980: National Board of Review: Bester Hauptdarsteller, Raging Bull
  • 1980: Golden Globe Award: Bester Hauptdarsteller in einem Spielfilm (Drama), Raging Bull
  • 1980: BAFTA-Nominierung: Bester Hauptdarsteller, The Deer Hunter
  • 1982: BAFTA-Nominierung: Bester Hauptdarsteller, Raging Bull
  • 1984: BAFTA-Nominierung: Bester Hauptdarsteller, The King of Comedy
  • 1987: Theatre World Award, Cuba and His Teddy Bear
  • 1989: Golden-Globe-Nominierung (Komödie/Musical), Midnight Run
  • 1990: New York Film Critics: Bester Hauptdarsteller, Goodfellas und Awakenings
  • 1990: National Board of Review: Bester Hauptdarsteller, Awakenings
  • 1991: BAFTA-Nominierung: Bester Hauptdarsteller, Goodfellas
  • 1992: Golden-Globe-Nominierung (Drama), Cape Fear
  • 1993: Internationale Filmfestspiele von Venedig: Preis für sein Lebenswerk
  • 2000: Golden-Globe-Nominierung (Komödie/Musical), Analyze This
  • 2001: Golden-Globe-Nominierung (Komödie/Musical), Meet the Parents
  • 2003: Goldene Himbeere-Nominierung: Schlechtestes Leinwandpaar mit Eddie Murphy in Showtime
  • 2003: AFI Life Achievement Award des American Film Institute
  • 2008: Goldene Kamera für sein Lebenswerk
  • 2011: Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk
  • 2013: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Robert De Niro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grace Hightower in der Internet Movie Database (englisch)
  2. http://de.paperblog.com/robert-de-niro-ist-wieder-vater-geworden-269288/
  3. vgl. Robert De Niro to receive Cecil B. DeMille Award at 68th Annual Golden Globe Awards on Sunday, January 16, 2011 bei goldenglobes.org, 9. November 2010 (aufgerufen am 9. November 2010)
  4. A Logo for Human Rights. In: Humanrightslogo.net. Abgerufen am 27. Juli 2012.
  5. Christian Brückner – Mann im Ohr. FAZ.net, 12. August 2012, abgerufen am 8. Mai 2013.