Adolfo Suárez

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Dieser Artikel behandelt einen spanischen Juristen und Politiker; für den mexikanischen Bischof siehe Adolfo Antonio Suárez Rivera.
Adolfo Suárez (1981)
Adolfo Suárez (1979)
Wappen von Alfonso Suárez Gonzáles, 1. Herzog von Suárez


Adolfo Suárez González, 1. Herzog von Suárez (* 25. September 1932 in Cebreros, Provinz Ávila; † 23. März 2014 in Madrid[1]) war ein spanischer Politiker und der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident Spaniens nach dem Tod des Diktators Francisco Franco. Anfang 1981 trat er zurück.

Frühe Karriere[Bearbeiten]

Suárez kam aus einer bürgerlichen Familie; sein Vater war Rechtsanwalt.[2] Der Sohn studierte an der Universität Salamanca Rechtswissenschaften und promovierte an der Universität Complutense Madrid. Seit 1958 stieg er im Generalsekretariat des Movimiento Nacional (Nationale Bewegung), der Falange von General Francisco Franco auf. Ab 1961 war er Chef des technischen Kabinetts des Generalvizesekretariats, seit 1967 Mitglied des franquistischen Cortes für Ávila, von 1968 bis 1969 Zivilgouverneur von Segovia, von 1969 bis 1973 Generaldirektor für Rundfunk und Fernsehen, wo er bereits seit 1964 beschäftigt war, ab 1973 Präsident des Verwaltungsrates der staatlichen Tourismusorganisation. Unter der Protektion von Fernando Herrero Tejedor, dem zivilen Gouverneur von Ávila, diente Suárez 18 Jahre der Einheitspartei in verschiedensten Verwendungen. Im April 1975 wurde er von Herrero Tejedor zum Vizegeneralsekretär der Bewegung nominiert. Als Herrero Tejedor am 11. Dezember 1975 bei einem Autounfall starb, wurde Suárez sogar zum Generalsekretär der Bewegung berufen. Bis zum Tode Francos im November 1975 gehörte er dem ersten Kabinett Carlos Arias Navarro als Staatssekretär für die Nationale Bewegung an. Nach dem Tode Francos trat Suárez zurück und gründete die Unión del Pueblo Español (UPE, Union des Spanischen Volkes).

Transición[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1976 drängte König Juan Carlos I. Carlos Arias Navarro (Ministerpräsident seit der Jahreswende 1973/74) erfolgreich zum Rücktritt. Am 3. Juli beauftragte der König Suárez mit der Bildung der Übergangsregierung und der Demontage der franquistischen Strukturen. Damals war Suárez trotz seiner vorangegangenen Einbindung in die franquistischen Strukturen den meisten Spaniern unbekannt; das demokratische Zentrum und die Linke lehnten ihn wegen seiner 18-jährigen franquistischen Vergangenheit ab. Lediglich seine Verbindung als Mitglied der Katholischen Aktion zum einflussreichen katholisch-konservativen Opus Dei und seine Verwaltungserfahrung wurden bekannt. Suárez, zu dieser Zeit 43 Jahre alt, bewies einiges Geschick gegenüber den Schwierigkeiten, eine Gruppe von Politikern seiner Generation zusammenzuschweißen, die ihre demokratischen Überzeugungen auf verschiedenen Wegen kundgetan hatten.[3] Gemeinsam mit anderen „konvertierten“ Falangisten, die sich den Sozialdemokraten, Liberalen, Christdemokraten etc. anschlossen, entwurzelte er zwischen 1976 und 1979 das franquistische Regime. Zu diesen Aufgaben zählte u. a. die Selbstliquidation der franquistischen Cortes mit Unterstützung von Torcuato Fernández-Miranda. Sein Projekt politischer Reformen, die mit der Zulassung der politischen Parteien einschließlich der Kommunistischen Partei (PCE)[4] und Gewerkschaften vorangetrieben und von einem Referendum im Dezember 1976 (Ley para la Reforma Política) gekrönt wurden, brachte ihm den Respekt der demokratischen Opposition ein. Generalleutnant Manuel Gutiérrez Mellado wurde beauftragt das Offizierskorps, soweit möglich, zu kontrollieren und zu beruhigen, das sich zu großen Teilen noch aus Teilnehmern des Bürgerkrieges zusammensetzte, die das franquistische Regime befürworteten.

Demokratie[Bearbeiten]

Am 15. Juni 1977 wählte Spanien zum ersten Mal seit 1936 in freien allgemeinen Wahlen. Suárez gewann sie an der Spitze einer Mitterechts-Formation, die sich Unión de Centro Democrático (UCD, Union des Demokratischen Zentrums) nannte und um seine Person scharte. Im Juli 1977 bildete Suárez bereits eine Regierung aus Fachleuten seiner Partei und Parteilosen. Die Cortes, die aus dieser Wahl hervorging, wurde zu einer Verfassunggebenden Versammlung. Die dort beschlossene Verfassung nahm das Volk in einem Referendum am 6. Dezember 1978 an. Gleichzeitig begann er mit der Regionalisierung des durch Franco zentralisierten spanischen Staates, beginnend mit den Autonomiestatuten für Katalonien und das Baskenland, und legte ein Programm zur Sanierung der Wirtschaft und Steigerung der Steuergerechtigkeit vor. 1978 wurde Suárez auch Vorsitzender der UCD, gewann die nationalen Parlamentswahlen am 3. März 1979 zum zweiten Mal und blieb Regierungschef bis zum 29. Januar 1981. An diesem Tag trat er wegen wachsender Spannungen in seiner eigenen Partei und angesichts der großen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme (die ihren Höhepunkt im Putschversuch vom 23. Februar 1981 fanden) zurück; Leopoldo Calvo-Sotelo Bustelo wurde zu seinem Nachfolger gewählt. In seiner Botschaft an sein Land sagte er: „Ich möchte nicht, dass das demokratische System des Zusammenlebens noch einmal zu einem Bruch in der Geschichte Spaniens führt“, was eine Anspielung auf den spanischen Bürgerkrieg war.

Als die Putschisten im Parlament Schüsse abfeuerten und den Abgeordneten befahlen, sich auf den Boden zu legen, bewies er, noch geschäftsführender Regierungschef, beispielhaft Haltung für die Demokratie, indem er, als einer von drei Abgeordneten, sich den Putschisten widersetzte, an seinem Pult sitzen blieb und versuchte, Vizepräsident Manuel Gutiérrez Mellado zu beruhigen, der sich den Putschisten in den Weg gestellt hatte.

Rückzug[Bearbeiten]

Eine Woche nach seinem Rücktritt als Regierungschef trat Suárez auch als Parteichef zurück und wurde als Wirtschaftsanwalt tätig. Im Juli 1982 trat er aus der UCD aus und legte sein Parlamentsmandat nieder. Er gründete eine neue Gruppierung namens Centro Democrático y Social (CDS), die ihn am 5. Oktober 1982 zu ihrem Vorsitzenden wählte und in der Mitte links der UCD angesiedelt war. Doch der dreiwöchige Wahlkampf bis zur Parlamentswahl, bei dem die Auseinandersetzung um den Verbleib in der NATO dominierte, für den sich Suárez einsetzte, reichte nicht, denn die CDS erlangte landesweit nur 2,8 % und damit zwei Sitze in der Cortes. Seitdem arbeitete er weiterhin an einem Comeback in der Politik, welches ihm jedoch nie gelang. 1991 zog er sich aus politischen und familiären Gründen aus der Politik zurück. Im Jahre 2005 gab sein Sohn bekannt, dass Adolfo Suárez seit zwei Jahren an Demenz leide und die Krankheit bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht habe. Am 17. März 2014 wurde Suárez wegen einer Infektion der Atemwege in ein Madrider Krankenhaus gebracht. Am 23. März 2014 erlag er schließlich dieser Krankheit.

Ehrungen[Bearbeiten]

1996 erhielt er für seinen wichtigen Beitrag zur Transición, zum spanischen Übergang zur Demokratie, den Premio Príncipe de Asturias de la Concordia, den Prinz-von-Asturien-Preis für Eintracht des spanischen Kronprinzen. Der spanische König erhob ihn zum Herzog und ernannte ihn 2007 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, wobei er den schwer an Demenz Erkrankten auch persönlich besuchte. Adolfo Suárez erhielt auch eine Reihe von Ehrendoktorwürden, unter anderem im Jahre 1998 durch die Polytechnische Universität Valencia.

Im Februar 2009 gab es Überlegungen, den Flughafen Madrid-Barajas zu Ehren von Adolfo Suárez in Aeropuerto Adolfo Suárez umzubenennen,[5] was am Tag nach Suárez’ Tod umgesetzt wurde.[6]

Postum erhielt Suárez am 24. März 2014 den Karl III.-Orden in seiner höchsten Stufe (die höchste zivile Auszeichnung, die in Spanien vergeben wird).

Familie[Bearbeiten]

Seine Ehefrau Amparo Illana Elórtegui und seine ältere Tochter Marian Suárez Illana starben 2001 bzw. 2004 an Krebs. Seine zweite Tochter Sonsoles Suárez Illana wurde Fernsehnachrichten-Anchor der Antena 3. Sein Sohn Adolfo Suárez Illana wurde von José María Aznar zum Kandidaten des Partido Popular (PP) für das Amt des Präsidenten der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha vorgeschlagen, doch unterlag er dem Amtsinhaber José Bono des Partido Socialista Obrero Español (PSOE). Suárez hatte eine Schwester namens Laura und einen Bruder namens Javier.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adolfo Suárez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adolfo Suarez dies, steered Spain out of post-Franco turmoil
  2. Raphael Minder: A. Suarez Dies at 81; Led Spain Back to Democracy. nytimes.com, 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2014
  3. Welch ein Irrtum; Der Spiegel 3/1977, S. 80–81
  4. Ex-Regierungschef Adolfo Suárez gestorben. spiegel.de, 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2013
  5. ABC.es: Bericht über Umbenennungs-Diskussion in Aeropuerto Suárez, Nachricht vom 10. Februar 2009
  6. El aeropuerto de Madrid-Barajas pasará a denominarse Adolfo Suárez, Madrid-Barajas. Ministerio de Formento, 24. März 2014, abgerufen am 25. März 2014
Vorgänger Amt Nachfolger
Fernando de Santiago y Díaz de Mendívil Ministerpräsident Spaniens
1976–1981
Leopoldo Calvo-Sotelo