Alexander Görlach

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Alexander Görlach, 2013 in Frankfurt am Main

Alexander Görlach (* 28. Dezember 1976 in Ludwigshafen am Rhein als Firat Kaya[1]) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Herausgeber des Debatten-Magazins The European.

Leben[Bearbeiten]

Alexander Görlach wurde in Ludwigshafen als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren, aber bereits im Alter von wenigen Monaten von einer deutschen Familie adoptiert.[1] Görlach besuchte in Worms am Rhein das humanistische Rudi-Stephan-Gymnasium. [2]

Studium[Bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Görlach als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sowie der islamischen Hochschule Al-Azhar in Kairo Katholische Theologie und Philosophie (Abschluss als Diplom-Theologe) sowie Germanistik, Politik- und Musikwissenschaft (Abschluss als Magister Artium). 2006 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München in Katholischer Theologie mit einer Arbeit zum Thema „Der Heilige Stuhl im interreligiösen Dialog mit islamischen Akteuren in Ägypten und der Türkei" (magna cum laude), sowie 2009 an der Universität Mainz zum Dr. phil. in Sprache und Politik-Forschung mit einer Arbeit zum Thema „Der Karikaturen-Streit in deutschen Printmedien - eine Diskursanalyse" promoviert.

Beruf[Bearbeiten]

Nach diversen Hospitanzen war Görlach von 1999 bis 2003 beim ZDF in den Abteilungen Aktuelles und Kultur & Wissenschaft sowie den Redaktionen von heute, heute-journal, drehscheibe Deutschland und hallo Deutschland tätig. Ferner war er Reporter beim Hessischen Rundfunk und beim Südwestrundfunk (Rheinland-Pfalz Aktuell). Von 2003 bis 2005 arbeitete er als freier Autor für die deutsche Ausgabe des Osservatore Romano sowie die Tagespost in Würzburg. Von 2005 bis 2006 war er freier Korrespondent der Tageszeitung DIE WELT in Bayern und ab 2006 als stellvertretender Pressesprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag tätig. Ende 2006 wurde Görlach von BMW im Rahmen der PR-Kampagne Club of Pioniers für die redaktionelle Betreuung der Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, alternative Energien und Antriebsformen engagiert. Von November 2007 bis Juli 2009 war er als Ressortleiter Online für Cicero – Magazin für politische Kultur tätig.[3]

Von 2006 bis 2008 war Görlach Pressesprecher[4] des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV), dem er über die Katholische Deutsche Studentenverbindung Rhenania-Moguntia zu Mainz im CV selbst als Mitglied angehört.

Parallel dazu war Görlach von 2006 bis 2008 als redaktioneller Mitarbeiter in der Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt am Main zuständig für den Dialog mit dem Islam, sowie von 2007 bis 2009 Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Christoph Metzelder Stiftung.

Seit Herbst 2009 ist Görlach Herausgeber und Chefredakteur des von ihm mitgegründeten Debatten-Magazins The European.[5] Im Rahmen dieser Tätigkeit kommentiert er wöchentlich das politische Geschehen im N24-Morgentalk[6] und ist regelmäßig als Experte bei n-tv zu sehen. In dieser Eigenschaft hat er den Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2011 kommentiert. Görlach schreibt als Kolumnist auch für die US-amerikanische Huffington Post zu Themen von Politik, Gesellschaft und Religion.[7] Zudem ist Alexander Görlach seit September 2009 Kolumnist bei bild.de. Hier schreibt er in einer „politischen Webschau“, über politische Themen der jeweiligen Woche und in welcher Weise diese im Internet publiziert und diskutiert wurden.[8] Das von Görlach gegründete Debatten-Magazin erscheint seit September 2012 vierteljährlich auch als Print-Magazin[9]. The European ist damit nach Angaben seines Chefredakteurs das erste Magazin in Deutschland, das den Weg von Online zu Print beschritten hat. Die Zukunft von Printjournalismus sieht Görlach,auch vor dem Hintergrund des Aus für die Frankfurter Rundschau und die Financial Times Deutschland so: "Printprodukte werden nahezu ausschließlich nur noch Magazine sein; und diese werden Luxusprodukte sein. Eine Tageszeitung musste man lesen, um informiert zu sein. Das ist vorbei. Das kommt nicht wieder. Die Freude am Lesen existiert weiter. Wir brauchen neue Produkte, die diese Lust befriedigen."[10] Görlach behauptet: "Print ist nicht tot"[11].

Der promovierte Theologe kritisiert die Sprachlosigkeit der Kirchen angesichts drängender Fragen: "Die Menschen in Europa, so schrieb Elias Canetti in seinem berühmten Werk „Masse und Macht“, glaubten nicht mehr an das Jenseits. Das mache eine Mobilisierung durch das Christentum unmöglich. Die Reaktion der Kirche fällt angesichts dieser Umstände erschreckend dürftig aus." [12]

Seit Sommer 2011 gehört Alexander Görlach der Atlantik-Brücke an, einer Initiative, die den Austausch von Deutschen und Amerikanern zum Gegenstand hat.[13] Seit 2010 gehört er dem deutsch-russischen Mediengespräch der Bosch-Stiftung an.[14] Der Kreis dient dem Austausch zwischen beiden Ländern und dem gegenseitigen Verstehen der jeweiligen Kultur. Seine Mitglieder treffen sich jährlich in Moskau und Berlin.

Bücher[Bearbeiten]

2011 verfasst Görlach gemeinsam mit dem SPD-Politiker Björn Böhning das Buch „Freiheit oder Anarchie - Wie das Internet unser Leben verändert“.[15]

Im September 2014 erschien Görlachs Buch „Wir wollen euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst“.[16] Darin beklagt Görlach die deutsche Schadenfreude gegenüber den Fehltritten Prominenter. In einer Rezension schrieb die Neue Zürcher Zeitung[17] über das Buch:

„Görlachs streitbarer theologisch-philosophischer Essay mündet in ein Plädoyer für mehr Nachsicht, mehr Demut, mehr Barmherzigkeit gegenüber Fehlern von Personen in der Öffentlichkeit. Zu seinen 9 Punkten, mit denen öffentliche Vernichtungskampagnen zu stoppen seien, gehören unter anderem ein «respektbegleitetes Wegsehen vom Privaten», denn ohne Abstand sei auch kein Anstand möglich, der Abbau des Prangers und mehr Milde in der Beurteilung von Menschen. Immer wieder zitiert der Theologe das Gleichnis vom Splitter im Auge des Bruders und dem Balken im eigenen. Ein sehr bedenkenswerter, überzeugender Aufruf zur Mässigung.“

Lehrtätigkeiten[Bearbeiten]

Im Wintersemester 2009/2010 war Görlach Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg, sowie 2010 Lehrbeauftragter an der Universität Mainz.[18]Seit Sommersemester 2011 ist er außerdem Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin.[19] Im Wintersemester 2011 war Görlach als Lehrbeauftragter an der Zeppelin Universität tätig.[20] Im Wintersemester 2012/2013 lehrte Görlach an der Leuphana Universität Lüneburg zum Themenbereich Politik und Religion[21]. Im Herbst 2014 wurde Görlach als Gastvorleser an die US-Universität Harvard eingeladen. Als Kennedy Fellow am Center for European Studies der Universität waren seine Vorlesungsthemen zeitgenössische Debatten in Deutschland und ihr Einfluss auf Europa.[22]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Der Heilige Stuhl im interreligiösen Dialog mit islamischen Akteuren in Ägypten und der Türkei. Ergon-Verlag, 2007.
  • Der Karikaturen-Streit in deutschen Printmedien - eine Diskursanalyse. ibidem-Verlag, November 2009. ISBN 978-3-8382-0005-7
  •  mit Björn Böhning: Freiheit oder Anarchie - Wie das Internet unser Leben verändert. Vorwärts, Mai 2011. ISBN 978-3-86602-080-1
  •  Wir wollen Euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst. Campus, September 2014. ISBN 978-3593500423

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander Görlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ich, Firat Kaya - In: Die Zeit Nr. 18 / 2014, S. 6
  2. 'Theologie trifft Weltpolitik – Wormser Zeitung Abgerufen am 7. Juli 2014.
  3. kressKöpfe: Dr. Dr. Alexander Görlach Abgerufen am 1. August 2009.
  4. https://www.google.de/search?q=site%3Acartellverband.de+görlach
  5. Turi2.de: heute2: Alexander Görlach und Lukasz Gadowski starten Debatten-Portal TheEuropean.de Abgerufen am 1. August 2009.
  6. Kommentare, Kolumne, Interviews - The European auf N24.de. Abgerufen am 3. Juli 2011.
  7. Huffington Post: Alexander Goerlach Abgerufen am 26. September 2011.
  8. Übersicht der Kolumnen von Alexander Görlach. In: BILD.de. Abgerufen am 14. August 2012.
  9. http://www.turi2.de/2012/09/25/heute2-the-european-debattiert-papier-14874501/
  10. http://www.sueddeutsche.de/medien/the-european-bekommt-print-version-aus-dem-netz-aufs-papier-1.1379158
  11. http://www.dw.de/program/agenda/s-30415-9798
  12. http://www.christundwelt.de/detail/artikel/saurer-die-glocken-nie-klingen/
  13. Atlantik-Brücke Newsletter Abgerufen am 4. Oktober 2011.
  14. [1] (PDF; 50 kB) Abgerufen am 3. Juni 2013
  15. Freiheit oder Anarchie? Abgerufen am 1. Oktober 2014.
  16. Wir wollen Euch scheitern sehen! Abgerufen am 1. Oktober 2014.
  17. Seid nachsichtig mit den Fehlbaren - In: Neue Zürcher Zeitung vom 28. September 2014, S. 21
  18. Alexander Görlach. Institut für Publizistik. Abgerufen am 11. Mai 2011.
  19. Dozenten Sommersemester 2013 Abgerufen am 3. Juni 2013.
  20. Course Catalogue Fall Semester 2011 (PDF; 1,3 MB) Abgerufen am 26. September 2011.
  21. Vorlesungsverzeichnis der Leuphana Universität Lüneburg Abgerufen am 14. Januar 2013.
  22. CES at Harvard – People – Alexander Görlach. Minda de Gunzburg Center for European Studies. Abgerufen am 29. September 2014.