Alfred Adler

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Alfred Adler

Alfred Adler (* 7. Februar 1870 in Rudolfsheim bei Wien, heute der 15. Wiener Gemeindebezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus; † 28. Mai 1937 in Aberdeen, Schottland) war ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut. Er entstammte einer jüdischen Familie und konvertierte im Jahr 1904 zum Protestantismus. Adler ist der Begründer der Individualpsychologie.

Adlers Lehre hatte eine große, eigenständige Wirkung auf die Entwicklung der Psychologie und Psychotherapie im 20. Jahrhundert. Sie beeinflusste die psychotherapeutischen Schulen von Rollo May, Viktor Frankl, Abraham Maslow und Albert Ellis. Seine Schriften nahmen viele Einsichten der Neopsychoanalyse vorweg, die sich in erstaunlichem Einklang mit der Individualpsychologie in den Werken von Karen Horney, Harry Stack Sullivan und Erich Fromm wieder finden.[1]

Der österreichische Psychoanalytiker Alfred Pritz führte im Jahr 2008 zwei Bücher Alfred Adlers – Der Sinn des Lebens und Über den nervösen Charakter – in seinem Buch Einhundert Meisterwerke der Psychotherapie: Ein Literaturführer an.[2]

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Alfred Adler war das zweite von sieben Kindern des Getreidehändlers Leopold Adler (ca. 1833 Köpcsény Ungarn, (ab 1920 Kittsee, Burgenland, Graf Batthyány-Strattmann Grundbesitz) bis 1922 Wien) und der Pauline Beer (1845 Trebitsch, Mähren, bis 1906, Wien). Als Kind versuchte er seinem älteren Bruder Sigmund Adler (geb. 1868 Fünfhaus bei Wien) nachzueifern, der später ein erfolgreicher Kaufmann wurde. Er war das Lieblingskind seines fleißigen und mutigen Vaters, während die Beziehung zu seiner Mutter weniger intensiv war. Adler hatte eine Organminderwertigkeit, er litt an Rachitis und einem Stimmritzenkrampf beim Weinen. Mit vier Jahren hatte er eine Lungenentzündung, die ihn fast das Leben kostete. Dieses Erlebnis und der Tod seines jüngeren Bruders sollen seine spätere Berufswahl bestimmt haben. Adler besuchte das Hernalser Gymnasium Kalvarienberggasse (heute: Hernalser Gymnasium Geblergasse), wo er 1888 die Reifeprüfung ablegte.

Studium der Medizin – medizinische Praxis – Freud[Bearbeiten]

Adler studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte 1895. Während des Studiums traf er in einer sozialistischen Studentengruppe Raissa Timofejewna Epstein, eine Russin, die in Zürich und Wien studierte. Sie heirateten 1897 in Moskau. Aus dieser Ehe stammen die vier Kinder Valentina (1898–1942), Alexandra (1901–2001), Kurt und Cornelia.

Er arbeitete zunächst als Augenarzt und eröffnete kurz darauf eine Praxis für Allgemeinmedizin im 2. Bezirk, Leopoldstadt, Praterstraße 44, nahe dem Wiener Prater – in einer Gegend, in der seine Patienten teilweise in ärmlichen Verhältnissen lebten, was ihn in seinen Ansichten über die Notwendigkeit der sozialmedizinischen Betreuung der Wiener Bevölkerung bestärkte. Ab 1902 nahm Adler an den Diskussionsrunden der Mittwochabendgesellschaft von Sigmund Freud teil, entwickelte jedoch schon bald eine von der Psychoanalyse abweichende, eigenständige Lehre. Er sah den Menschen nicht von Trieben bestimmt, sondern als freies Wesen, das die kulturellen Aufgaben lösen muss, die ihm das Leben stellt. Diese Gegensätze konnten immer weniger überbrückt werden, und so kam es 1911 zum Bruch mit Freud.

Aufbau der Individualpsychologie – Theoretische Grundlagen[Bearbeiten]

In seiner 1907 publizierten Studie über Minderwertigkeit von Organen legte Adler seinen eigenen Standpunkt und seine neuen Ideen dar und begründete damit die Schule der Individualpsychologie. Er wies auf den Zusammenhang zwischen der Organminderwertigkeit und deren körperlichen und psychischen Kompensation und Überkompensation hin. Nach dem Bruch mit Freud gründete Adler eine eigene Gesellschaft für freie Psychoanalyse, den späteren Verein für Individualpsychologie. Seine Lehre bezeichnete er als Individualpsychologie, weil er in seiner Arztpraxis feststellte, dass jeder Patient als Unwiederholbar-Einmaliges, als Individuum und als Ganzheit körperlich zu behandeln und psychisch zu verstehen ist.

Adler formulierte die Grundzüge seiner Lehre in seinem theoretischen Hauptwerk Über den nervösen Charakter (1912), in dem er die Normalpsychologie und die Psychopathologie in einem Konzept vereinigte. Mit diesem Buch schaffte die Individualpsychologie in der Fachliteratur den Durchbruch als Alternative zur Psychoanalyse. Im 1913 erschienenen Buch Heilen und Bilden. Ein Buch der Erziehungskunst für Ärzte und Pädagogen. stellten Adler und seine Schüler die Entwicklung der Individualpsychologie in der Erziehungsarbeit dar. 1914 kam es zur Gründung der „Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie“.

Der Erste Weltkrieg brachte eine Unterbrechung in der Entwicklung der Individualpsychologie. Adler arbeitete 1914–1916 als Militärarzt in Krakau, Brünn und Wien.

Blütezeit der Individualpsychologie – Praktische Anwendung[Bearbeiten]

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war eine Blütezeit der Individualpsychologie. Im Rahmen der Wiener Schulreform konnten Adler und seine Mitarbeiter rund dreißig Erziehungsberatungsstellen in Wien eröffnen. 1920 wurde Adler Direktor der ersten Klinik für Kinderpsychologie in Wien. Ins gleiche Jahr fällt auch seine Lehrtätigkeit am Pädagogium der Stadt Wien. Mit der Publikation Praxis und Theorie der Individualpsychologie (1920), die Vorträge zur Einführung in die Psychotherapie für Ärzte, Psychologen und Lehrer umfasste, begann Adler, seine Theorie detaillierter darzustellen.

Adler wollte eine lebensnahe Psychologie schaffen, die dem Menschen ermöglicht, seine Mitmenschen aus deren jeweils individuellen Lebensgeschichte heraus zu verstehen. Seine ab 1920 bewusst in schlichtem Stil gehaltenen Bücher und seine Vorträge sollten seine Psychologie jedermann zugänglich und zum Allgemeingut machen. In den 1920er Jahren hielt er eine Reihe von Vorlesungen an der Volkshochschule in Wien, die er 1927 unter dem Titel Menschenkenntnis veröffentlichte.

Verfolgung der Tiefenpsychologie in Europa – Verlagerung in die USA[Bearbeiten]

Von 1926 an besuchte Adler regelmäßig die USA, wo seine optimistische Lehre vom Menschen als sozialem Wesen außerordentliche Popularität erlangte. Anfang der 1930er Jahre war Adler einer der bekanntesten Psychologen der westlichen Welt. An dem von Arthur Kronfeld in Berlin organisierten großen und zugleich letzten, 5., Internationalen Kongress für Individualpsychologie sollen über 2.000 Personen teilgenommen haben.

Zur Stärkung und zum besseren Verständnis der Erziehungsprophylaxe publizierte Adler 1929 die Individualpsychologie in der Schule und 1930 Die Seele des schwererziehbaren Kindes. 1933 legte Adler in seinem Spätwerk Der Sinn des Lebens seine philosophische Grundposition dar. Der Sinn des Lebens sei ein entwickeltes Gemeinschaftsgefühl zur Lösung der Lebensfragen, ein Vollkommenheitsstreben zu einer idealen Gesellschaft.

Emigration und Tod[Bearbeiten]

Angesichts der bedrohlichen Zustände in Europa siedelte Adler 1934 in die USA über. Er hatte schon seit 1926 eine Gastprofessur an der Columbia University und seit 1932 am Long Island College inne. 1935 erschien erstmals das in englischer Sprache verfasste International Journal of Individual Psychology. Er unternahm immer noch Vortragsreisen nach Europa. Auf einer solchen Reise starb Adler am 28. Mai 1937 in Aberdeen, Schottland, im Alter von 67 Jahren an Herzversagen.

Adlers Leichnam wurde in Edinburgh eingeäschert, eine in der Familie übliche Bestattungsform. Die Familie reiste zwar zur Trauerfeier an, die Urne blieb jedoch in Schottland. Eine Projektgruppe des Vereins für Individualpsychologie begann 2009 mit der Suche. Die Urne wurde 2011 mit Hilfe des österreichischen Honorarkonsuls John Clifford im Krematorium Warriston in Edinburgh wiedergefunden. Sie wurde im April 2011 nach Wien gebracht und wurde kurz vor dem an der Universität Wien stattfindenden 25. Internationalen Kongress der Individualpsychologie am 12. Juli in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof (Gruppe 33 G) beigesetzt.[3][4][5][6]

Der plötzliche Tod Alfred Adlers versetzte vor allem in den 1930er Jahren in Deutschland und Österreich der Individualpsychologie einen schweren Schlag. Adlers Schüler wurden von den neuen Machthabern verfolgt. Die aufblühende Tiefenpsychologie musste ihr Zentrum im deutschsprachigen Europa verlassen und ihr psychologisches Aufklärungswerk in anderen Teilen der Welt fortsetzen. Die Diktaturen und der Zweite Weltkrieg haben die Entwicklung der psychologischen Wissenschaft auch insgesamt nachhaltig gestört.

Würdigung[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurde in Wien Favoriten (10. Bezirk) bei der Baustelle des neuen Hauptbahnhofes der zwischen Quartier Belvedere und Sonnwendviertel projektierte Verkehrsweg Alfred-Adler-Straße benannt.

Werk[Bearbeiten]

Menschenkenntnis[Bearbeiten]

Als praktizierender Arzt, der körperliche Leiden behandelte, und als aktiver Teilnehmer an Sigmund Freuds neuartigen psychoanalytischen Diskussionsrunden entdeckte Adler, dass bei jeder Lebensäußerung des Menschen körperliche und seelische Vorgänge immer gemeinsam wirksam sind und eine unteilbare Einheit (Individuum) bilden. Diese Entdeckung bildet heute die Grundlage der Psychosomatik.

Beim Beobachten von Organminderwertigkeiten konnte Adler feststellen, dass Körper und Psyche die Tendenz haben, diese auf irgendeine Art zu kompensieren. Diese Situation der Minderwertigkeit oder Unterlegenheit fand Adler im psychischen Bereich vor allem bei den drei Lebensaufgaben Arbeit – Liebe – Gemeinschaft (Säugling, Geschwisterreihe, Schule, Beruf, Ehe, Prüfungssituationen usw.) wieder. Sie löst beim Menschen einen Gefühlszustand aus, den Adler Minderwertigkeitsgefühl nannte. Ähnlich wie bei der Kompensation einer Organminderwertigkeit ist die menschliche Psyche bestrebt, diesen Zustand der Unterlegenheit durch ein – wie Adler es nannte – Geltungsstreben zu überwinden. Wie gut der Mensch in der Lage ist, solche Herausforderungen des Lebens zu bestehen, hängt nach Adler in erster Linie davon ab, wie er die erste Unterlegenheitssituation, seine Hilflosigkeit als Säugling, bewältigen konnte. Adler stellte fest, dass dieser positive Antrieb im Wachstums- und Entwicklungsprozess die Grundlage für die Erziehbarkeit des Menschen bildet, weil er in dieser Situation unbedingt auf die Hilfe seiner Beziehungspersonen angewiesen ist. In dieser frühen Wechselbeziehung zwischen Mutter und Kind bildet sich ein Gefühl des Aufgehobenseins unter den Menschen, das Adler Gemeinschaftsgefühl nannte und das zu einem unbewussten Persönlichkeitsanteil wird. Das Gemeinschaftsgefühl steht im Zentrum der Adler’schen Lehre, weil es den Gradmesser für die seelische Gesundheit von Individuum und Gemeinschaft darstellt. Im Menschenbild Adlers hat das Individuum eine Sozialnatur, die von einem Gemeinschaftsgefühl geleitet ist.

Neurosenlehre[Bearbeiten]

Neben der Beschreibung der Normalpsyche zum Verstehen der menschlichen Persönlichkeit – oder, wie Adler es nannte, zum Erwerb von Menschenkenntnis – untersuchte der Arzt Adler auch die abweichenden und die krankhaften psychischen Erscheinungen. Nach seinem Prinzip der Einheit seelischer Vorgänge sah er diese als irrtümliche Antworten auf die Anforderungen des Lebens. Ein verstärkt erlebtes Minderwertigkeitsgefühl, dem Adler den Begriff Minderwertigkeitskomplex gab, konnte zu einer Überkompensation in Form eines überhöhten Geltungsstrebens oder zum sogenannten Willen zur Macht führen. Adler beschrieb den nervösen Charakter als Übergang zwischen Normal- und Neurosenpsychologie. Die Psychose verstand er als lediglich schärfere Ausprägung der Neurose, weshalb aus seiner Sicht beide der psychologischen Analyse zugänglich sind.

Lehre vom Heilen und Bilden – Erziehungskunst für Ärzte und Pädagogen[Bearbeiten]

Alfred Adler bei der Untersuchung eines Kindes

Aus seiner Neurosenlehre, die die krankmachenden Ursachen misslicher Kindheitseinflüsse darstellt, entwickelte Adler seine Lehre vom Heilen und Bilden, die individualpsychologische Psychotherapie und die Erziehungsprophylaxe. Nach der Devise „Vorbeugen ist besser als Heilen“ legte Adler das Schwergewicht der praktischen Anwendung der Individualpsychologie auf die Erziehungsprophylaxe und psychologische Aufklärung, was sich auch in seinen Publikationen niederschlägt. Bei Kindern und Jugendlichen konnten Korrekturen bei Irrtümern im Lebensstil noch relativ einfach erfolgen, und die Erziehungsberatung ermöglichte der psychologischen Menschenkenntnis eine große Breitenwirkung. Die Erfolge der individualpsychologischen Erziehungsberatungsstellen und Schulversuche im Rahmen der Wiener Schulreform wurden bald international bekannt und nachgeahmt.

Die Individualpsychologie erblickt ihre Aufgabe darin, dass ihre Lehren (…) über die Grenze der Krankenbehandlung und der individuellen Erziehung hinaustreten, dass sie Prophylaxe werden und Weltanschauung. Im Banne des Kosmos, verhaftet auf dieser nicht überreichlich spendenden Erdkruste, verknüpft durch die Schwäche seines Organismus, noch mehr durch seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft in Sprache, Vernunft, Ethik, Ästhetik und Erotik, zwingt das Leben den Menschen zur Antwort auf zwangsläufig entwickelte Fragen. (…) Sein Mut, sein Optimismus und seine trainierte Leistungsfähigkeit sind notwendige Antworten auf eine reale Not, die auch ein dauerndes Gefühl der Minderwertigkeit als wesentlichen Inhalt seines Seelenlebens unterhält. (Alfred Adler: Die Individualpsychologie, ihre Bedeutung für die Behandlung der Nervosität, für die Erziehung und für die Weltanschauung. Scientia, 1926.)“

Philosophischer Anspruch[Bearbeiten]

In seinem Alterswerk „Der Sinn des Lebens“ (1933) fasste Adler seinen der Individualpsychologie zugrunde liegenden philosophischen Tenor zusammen. Der Ausdruck „Sinn des Lebens“ hat bei Adler zwei verschiedene Bedeutungen. Einmal den Sinn, den ein bestimmter Mensch in seinem Leben sucht und findet und der aufs engste zusammenhängt mit der Meinung, die er von sich, den Mitmenschen und der Welt hat. Zweitens wird darunter der „wahre“ Sinn des Lebens verstanden, jener Sinn, der außerhalb unserer Erfahrung liegt und der auch von jemandem verfehlt werden kann, der fest davon überzeugt ist zu wissen, worauf es im Leben ankommt. „Nach einem Sinn des Lebens zu fragen hat nur Wert und Bedeutung, wenn man das Bezugssystem Mensch-Kosmos im Auge hat“. Die stete Anforderung aus dem Kosmos heißt „Entwicklung“, welche aus dem nativen Minderwertigkeitsgefühl nach Selbsterhaltung, Vermehrung, Kontakt mit der Außenwelt und Streben nach einer „idealen Gemeinschaft der Zukunft“ im Sinne von Immanuel Kant drängt. Für dieses Ziel der Entwicklungsbewegung verwendet Adler Begriffe wie „Vollendung“ und „Vollkommenheit“; er meint, dass das Streben nach Vollkommenheit ein „angeborenes Faktum ist, das in jedem Menschen vorhanden ist“. Adler beruft sich dabei auf Charles Darwin, auf die Abstammungslehre Jean-Baptiste de Lamarcks und auf die holistische Theorie von Jan Christiaan Smuts. Ein oft verwendeter Begriff dafür, dieser Vollkommenheit näher zu kommen, ist bei Adler die „Überwindung“ der Minderwertigkeit des Menschen. Der Begriff baut eng auf Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche auf. Adler sieht Schopenhauers Intention der bewussten Leidensüberwindung als fundamental positiven Aspekt in der menschlichen Entwicklung. Der bei Schopenhauer pessimistisch unterlegte Weltwille (mit der Konsequenz, diesen – wie bereits im Buddhismus angelegt – zu negieren zu versuchen) wird bei Adler aber – in der Nachfolge von Friedrich Nietzsches „Wille zur Macht“ betont wertfrei – als das ursprünglich schöpferische Element in jedem Lebewesen interpretiert.

Verein für Individualpsychologie[Bearbeiten]

Aufgrund seines Zieles, die psychologische Menschenkenntnis als Prophylaxe zum Allgemeingut werden zu lassen, war Adlers Verein für jedermann offen. Sein Ziel war es, alle zu integrieren, wenn sie nur die gleiche Grundtendenz vermuten ließen. Aus diesem Grund forderte er für den Verein die politische Neutralität. Doch bereits auf dem Berliner Kongress von 1925 versuchten politische Bewegungen sich der Ideen der Individualpsychologie zu bemächtigen. Adlers Ziel scheiterte an der Wirtschaftskrise, ideologischer Voreingenommenheit und dem Nationalsozialismus. Die kommunistische Die Rote Fahne schrieb in einer Glosse zum Tage, dass der Versuch Adlers, den Sozialismus durch seine Psychologie zu ersetzen, gescheitert sei. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich wurde der Verein am 26. Jänner 1939 von Amtes wegen aufgelöst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Alfred Adler Studienausgabe. 7 Bände. Herausgegeben von Karl Heinz Witte, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2007–2010:
    • Band 1: Persönlichkeit und neurotische Entwicklung – Frühe Schriften (1904–1912). Herausgegeben von Almuth Bruder-Bezzel. ISBN 978-3-525-46051-1
    • Band 2: Über den nervösen Charakter (1912). Herausgegeben von Karl Heinz Witte, Almuth Bruder-Bezzel und Rolf Kühn. 2. Auflage. ISBN 978-3-525-46053-5
    • Band 3: Persönlichkeitstheorie, Psychopathologie, Psychotherapie (1913–1937). Herausgegeben von Gisela Eife. ISBN 978-3-525-46054-2
    • Band 4: Schriften zur Erziehung und Erziehungsberatung (1913–1937). Herausgegeben von Wilfried Datler, Johannes Gstach und Michael Wininger. ISBN 978-3-525-40106-4
    • Band 5: Menschenkenntnis (1927). Herausgegeben von Jürg Rüedi. ISBN 978-3-525-46052-8
    • Band 6: Der Sinn des Lebens (1933). Herausgegeben von Reinhard Brunner. – Religion und Individualpsychologie (1933). Herausgegeben von Ronald Wiegand. ISBN 978-3-525-40554-3
    • Band 7: Kultur und Gesellschaft (1897–1937). Herausgegeben von Almuth Bruder-Bezzel. ISBN 978-3-525-46055-9
  • Alfred Adlers Individualpsychologie. Eine systematische Darstellung seiner Lehre in Auszügen aus seinen Schriften Herausgegeben und bearbeitet von Heinz L. Ansbacher und Rowena R. Ansbacher 1956, Reinhardt Verlag München/Basel 1982
  • Gesundheitsbuch für das Schneidergewerbe, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1898
  • Studie über Minderwertigkeit von Organen. Urban & Schwarzenberg, Berlin/Wien 1907.
  • Zur Kritik der Freudschen Sexualtheorie des Seelenlebens 1911
  • Über den nervösen Charakter. Grundzüge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. (Hauptwerk). J. F. Bergmann, Wiesbaden 1912. (Auch: ungekürzte Ausgabe; Fischer-Taschenbücher, Band 6174, ISSN 0173-5438; Fischer Bücherei, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01588-1).
  • Heilen und Bilden 1914, Fischer Taschenbuch 1973
  • Die andere Seite. Eine massenpsychologische Studie über die Schuld des Volkes. Verlag Leopold Heidrich, Wien 1919. – Volltext online.
  • Praxis und Theorie der Individualpsychologie. Vorträge zur Einführung in die Psychotherapie für Ärzte, Psychologen und Lehrer. J. F. Bergmann, München (u.a.) 1920. (Fischer Taschenbuch, ISBN 3-596-26236-4). – Internet Archive.
  • Menschenkenntnis 1927, Fischer Taschenbuch 1966, ISBN 3-596-26080-9
  • Die Technik der Individualpsychologie. Erster Teil: Die Kunst, eine Lebens- und Krankengeschichte zu lesen 1928/1930, Fischer Taschenbuch, ISBN 3-596-26260-7
  • Individualpsychologie in der Schule – Vorlesungen für Lehrer und Schüler 1929, Fischer Taschenbuch 1973
  • Lebenskenntnis 1929, Fischer Taschenbuch 1978, ISBN 3-596-26392-1
  • Neurosen. Fallstudien. Zur Diagnose und Behandlung 1929, Fischer Taschenbuch, ISBN 3-596-26735-8
  • Kindererziehung 1930, Fischer Taschenbuch 1976, ISBN 3-596-26311-5
  • Die Technik der Individualpsychologie. Zweiter Teil: Die Seele des schwererziehbaren Kindes 1930, Fischer Taschenbuch 1974
  • Das Leben gestalten – Vom Umgang mit Sorgenkindern 1939, Fischer Taschenbuch 1979
  • Das Problem der Homosexualität und sexueller Perversionen 1930, Fischer Taschenbuch 1977, ISBN 3-596-26337-9
  • Wozu leben wir? 1931, Fischer Taschenbuch 1979, ISBN 3-596-26708-0
  • Der Sinn des Lebens 1933, Fischer Taschenbuch, ISBN 3-596-26179-1
  • Religion und Individualpsychologie – Eine prinzipielle Auseinandersetzung über Menschenführung Koautor Ernst Jahn, 1933, Fischer Taschenbuch 1975, ISBN 3-436-02112-1
  • Lebensprobleme. Vorträge und Aufsätze 1937, Fischer Taschenbuch 1994, ISBN 3-596-11718-6

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Aeppli: Der Traum und seine Deutung. Rentsch, Erlenbach 1943; zuletzt: Knaur, München 2010, ISBN 978-3-426-87459-2, S. 147–151.
  • Heinz L. Ansbacher: Alfred Adlers Sexualtheorien. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-26793-5.
  • Hannes Böhringer: Kompensation und Common Sense: Zur Lebensphilosophie Alfred Adlers. Athenäum, Königstein im Taunus 1985, ISBN 3-445-02351-4.
  • Phyllis Bottome: Alfred Adler aus der Nähe porträtiert. Erste deutsche Übersetzung, VTA – Verlag für Tiefenpsychologie und Anthropologie, Berlin 2013, ISBN 978-3-00-040056-8. (Buchprojekt)
  • Phyllis Bottome: Alfred Adler: Apostle of Freedom. Faber and Faber Ltd., London 1939; 3. Auflage 1957.
  • Almuth Bruder-Bezzel: Geschichte der Individualpsychologie. 2., neu bearbeitete Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-45834-7. – Volltext online.
  • —, Sigmund Freud et al.: Ueber den Selbstmord insbesondere den Schüler-Selbstmord. Beiträge von: Alfred Adler, S(igmund) Freud (…). J. F. Bergmann, Wiesbaden 1910. – Volltext online.
  • Bernhard Handlbauer: Die Entstehungsgeschichte der Individualpsychologie Alfred Adlers (= Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Geschichte der Gesellschaftswissenschaften. Bd. 12). Geyer, Wien/Salzburg 1984.
  • Josef Hanslmeier: Adler, Alfred. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 68 (Digitalisat).
  • Edward Hoffman: Alfred Adler: Ein Leben für die Individualpsychologie. Ernst Reinhardt Verlag München/Basel 1997, ISBN 3-497-01418-4 (Original: The Drive for Self: Alfred Adler and the Founding of Individual Psychology. Addison-Wesley, New York 1994).
  • Detlef Horster: Alfred Adler zur Einführung. SOAK, Hannover 1984, ISBN 3-88209-060-X.
  • Henry Jacoby: Alfred Adlers Individualpsychologie und die dialektische Charakterkunde. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-596-26773-0.
  • Russell Jacoby: Soziale Amnesie: Eine Kritik der konformistischen Psychologie von Adler bis Laing (= Edition Suhrkamp. Bd. 859). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-10859-X.
  • Hertha Orgler: Alfred Adler, der Mann und sein Werk: Triumph über den Minderwertigkeitskomplex. Urban und Schwarzenberg, Wien 1956; 3., unveränderte Auflage: Psychologie Verlags Union, München 1971, ISBN 3-621-27089-2.
  • Josef Rattner: Alfred Adler mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (= Rowohlts Monographien. Bd. 189). Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1972, ISBN 3-499-50189-9.
  • Josef Rattner: Alfred Adler zu Ehren: Zu seinem 50. Todesjahr (1937). Verlag für Tiefenpsychologie, Berlin 1986.
  • Josef Rattner: Alfred Adler. In: Ders.: Klassiker der Psychoanalyse. 2. Auflage. Beltz, Weinheim 1995, ISBN 3-621-27285-2, S. 28–66.
  • Bernd Rieken (Hrsg.): Alfred Adler heute: Zur Aktualität der Individualpsychologie. Waxmann, Münster 2011, ISBN 978-3-8309-2405-0.
  • Paul Rom: Alfred Adler und die wissenschaftliche Menschenkenntnis. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1966.
  • Jürg Rüedi: Die Bedeutung Alfred Adlers für die Pädagogik: Eine historische Aufarbeitung der Individualpsychologie aus pädagogischer Perspektive. Paul Haupt, Bern/Stuttgart 1988, ISBN 3-258-03975-5.
  • H. Ruediger Schiferer: Alfred Adler: Eine Bildbiographie mit bisher unbekannten Original-Dokumenten und zum grössten Teil unveröffentlichten Abbildungen. E. Reinhardt, München/Basel 1995, ISBN 3-497-01322-6.
  • Manès Sperber: Alfred Adler: Der Mensch und seine Lehre. Ein Essay. J.F. Bergmann, München 1926.
  • Manès Sperber: Alfred Adler oder Das Elend der Psychologie. Ullstein, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-548-39074-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Adler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Alfred Adler – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henri F. Ellenberger: Die Entdeckung des Unbewussten. Huber, Bern 1973, ISBN 3-456-30577-X. Neuauflage: Diogenes, Zürich 2005, ISBN 3-257-06503-5.
  2. Alfred Pritz (Hrsg.): Einhundert Meisterwerke der Psychotherapie. Springer, Wien/New York 2008, ISBN 978-3-211-25214-7, S. 11–14 (GoogleBooks).
  3. Alfred Adlers Asche nach 74 Jahren entdeckt. In: orf.at, news. 10. April 2011, abgerufen am 13. Juli 2011.
  4. Asche von Adler kommt nach 74 Jahren zurück. In: orf.at, Wien. 11. April 2011, abgerufen am 13. Juli 2011.
  5. Späte Heimkehr. In: Profil. Nr. 26/2001 (27. Juni 2011), S. 84.
  6. Individualpsychologe Adler kehrt in Urne nach Wien heim. In: Die Presse.com. 12. Juli 2011, abgerufen am 13. Juli 2011.