Volkshochschule

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Der Innenhof der Nürnberger Volkshochschule (Bildungszentrum)

Eine Volkshochschule (VHS) ist eine gemeinnützige Einrichtung zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Volkshochschulen sind jedoch entgegen ihrer Bezeichnung keine Hochschulen, sondern in Deutschland dem quartären Bildungsbereich der Weiterbildung zugeordnet.

Allgemeine Informationen[Bearbeiten]

Träger[Bearbeiten]

Als Träger von Volkshochschulen fungieren meist Gebietskörperschaften wie Gemeinden oder Landkreise, eingetragene gemeinnützige Vereine, gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Zweckverbände.

Jede Volkshochschule ist eigenständig. Es gibt jedoch Landesverbände der Volkshochschulen in allen Bundesländern, in denen übergeordnete Dinge geregelt, Verhandlungen auf Landes- und Bundesebene geführt und die enge Zusammenarbeit der einzelnen Volkshochschulen in den Regionen organisiert wird. Die Landesverbände der Volkshochschulen sind im Deutschen Volkshochschul-Verband e.V. zusammengeschlossen.

Volkshochschulen verstehen sich heute als kommunale Weiterbildungszentren. Sie bieten Kurse, Einzelveranstaltungen, Kompaktseminare, Studienreisen und -fahrten ebenso an wie „Bildung auf Bestellung“ in Form von sogenannten Firmen- oder Inhouse-Kursen.

Finanzierung[Bearbeiten]

In der Regel finanzieren sich die Volkshochschulen durch die sechs „Säulen“:

  • Zuschüsse des Landes,
  • Zuschüsse der Gemeinde(n),
  • Zuschüsse des Landkreises,
  • Einnahmen aus Teilnehmerentgelten
  • Spenden und
  • Drittmittel (z. B. Fördermittel des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit, Projektzuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds oder der Bezirksregierungen)

Da die Volkshochschulen nur einen Teil der Kosten durch Teilnehmerentgelte decken müssen – ohne Gewinn zu erzielen –, sind VHS-Kurse vergleichsweise kostengünstige Angebote und damit den meisten Bevölkerungsschichten zugänglich.

Kursangebot[Bearbeiten]

Das Kursangebot von Volkshochschulen besteht aus Lehrveranstaltungen verschiedener Dauer, meist zwischen 1 und 15 Wochen. Es steht in aller Regel allen Personen ab einem Alter von 16 Jahren offen. Es gibt Kurse, die auf die Bedürfnisse berufstätiger Personen zugeschnitten sind. Andere sind insbesondere auf Arbeitslose, Hausfrauen und -männer oder Rentner und Pensionäre ausgerichtet. Je nach Zielgruppe und Verfügbarkeit von Räumen finden Kurse vormittags, abends oder als Intensivkurs am Wochenende statt. Ein weiteres Standbein der Volkshochschulen sind Bildungsurlaube nach den Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzen der Bundesländer. Viele Volkshochschulen führen Studienreisen und Exkursionen durch und bieten als Auftragsmaßnahmen Schulungen für Firmen, Verbände, Vereine oder Privatpersonen an.

Typisch für das Kursangebot sind folgende Themenbereiche:

Der Volkshochschul-Verband betreibt das Internet-Lernportal ich-will-lernen, auf dem Benutzer kostenlos und anonym – von Tutoren betreut – u. a. Schreiben und Lesen lernen können.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Zu den Vorläufern der Volkshochschulen zählen die Universitätsausdehnungsbewegung Ende des 19. Jahrhunderts, das öffentliche Vortragswesen sowie die Bildungsarbeit der Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereine. Als erste Volkshochschule wird oft die Humboldt-Akademie bezeichnet, in welcher ab 1879 in Vortragszyklen wissenschaftliche Ergebnisse in populärer Form den nicht-akademisch gebildeten Bürgern vermittelt wurden.[2]

Einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Volkshochschulen in Deutschland hatte auch die dänische Heimvolkshochschule Grundtvigscher Prägung. Nikolai Frederik Severin Grundtvig gilt als der Begründer der ersten (Heim-)Volkshochschule überhaupt im Jahre 1844.

Man versteht heute Erwachsenenbildung als organisierte Form des lebenslangen Lernens. Die weltweiten gesellschaftlichen Veränderungen zeigen, welche Bedeutung den Volkshochschulen in Zukunft beigemessen wird.

Einige Ideen der ursprünglichen Volkshochschulen finden sich heute noch in den Konzepten der Volks-Unis.

Volkshochschulen in eigenen Gebäuden[Bearbeiten]

  • Begegnungen, die denen einer Volkshochschule gleichkamen, veranstaltete der Bund Quickborn auf der Burg Rothenfels, die er 1919 erworben und ausgebaut hatte. Sie wurden 1939 von der national-sozialistischen Gestapo verboten.
  • Die Heimvolkshochschule Tinz (heute zu Gera) als eine Einrichtung des Volksstaates Reuß, später des Landes Thüringen, bestand von 1920 bis 1933. Sie war eine Internatsschule sozialistischer Prägung mit 50 Plätzen, in welcher in Halbjahreskursen jeweils 50 Männer oder Frauen in den Fächern Politik, Geschichte, Wirtschaft, Recht und mit einem anspruchsvollen kulturellen Rahmenprogramm unterrichtet wurden. Ihr Sitz war das Wasserschloss Tinz.
  • Eine zunächst als genussgiftfreie Begegnungsstätte errichtete Anlage widmete das Heimgartenwerk in Neisse seit 1923 Veranstaltungen einer Volkshochschule. Zusätzlich errichtete das Heimgartenwerk 1926 ein neues Gebäude, in welchem Teilnehmer und Teilnehmerinnen während ihrer Lehrgänge und Schulungen wohnen konnten, und wurde damit zur bisher einzigen Heim-Volkshochschule in der deutschen Geschichte. 1933 eigneten sich die nationalsozialistischen Machthaber das Gelände mit seinen Gebäuden an und verwendeten es zunächst für Arbeitsdienst und Wehrmacht, später als Kindergärtnerinnenschule. Beim Kriegsende 1945 und nach der Vertreibung wurden die Gebäude teils zerstört, teils anderen Zwecken gewidmet.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Volkshochschule in Marl als erste in Deutschland seit 1955 ein eigenes Gebäude, das der „insel“ (gegründet 1946).

Volkshochschulen in Skandinavien[Bearbeiten]

Die skandinavischen (Heim-)Volkshochschulen unterscheiden sich in ihrem Charakter stark von ihren Gegenstücken im deutschsprachigen Raum. Diese Institutionen, die folkehøjskole (Dänisch), folkehøgskole (Norwegisch), folkhögskola (Schwedisch), kansanopisto (Finnisch) oder fólkaháskúli (Färöisch) genannt werden, sind Internatsschulen mit zwei- bis zwölfmonatigen Kursangeboten. Die Kurse richten sich an Erwachsene, die meisten Teilnehmer sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Ziel dieser Schulen ist es, den Schülern eine fachliche, soziale und persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Die angebotenen Kurse decken ein breites Themenspektrum ab, wie beispielsweise Kunst, Handwerk, Musik, Sport, Philosophie, Theater, Fotografie oder Medien. Es gibt keine Prüfungen, vielmehr wird besonderer Wert auf persönliche Erfahrung, Erlebnis und Dialog gelegt. Den skandinavischen Volkshochschulen entsprachen einst die deutschen Heimvolkshochschulen. Heute bieten aber nur noch wenige dieser Erwachsenenbildungseinrichtungen Entsprechendes an. Vergleichbare mehrmonatige Angebote für junge Erwachsene laufen heute in Deutschland zumeist unter der Bezeichnung „Langer Kurs“, „Winterkurs“ oder „Grundkurs“.

Den Volkshochschulen im deutschsprachigen Raum entsprechen in Skandinavien voksenundervisning oder vuxenundervisning (etwa: Erwachsenenbildung) und zum Teil folkeuniversitet oder folkuniversitet (etwa: Volksuniversität). Letztere sind jedoch meistens an lokale Universitäten gekoppelt.

Der deutschen Volkshochschule entspricht in Finnland das työväenopisto bzw. kansalaisopisto (arbetarinstitut auf schwedisch), das finnische Arbeiter- bzw. Volks-Bildungsinstitut (welches den früheren deutschen Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereinen entspricht).

Historischer Hintergrund der skandinavischen Volkshochschulen[Bearbeiten]

Die Idee der Volkshochschulen wurde von Grundtvig in Dänemark entwickelt. Grundtvig vertrat die Überzeugung, dass die Bürger ihre neu eingeführten demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten nur nutzen konnten, wenn sie über eine „zweckmässige Bildung“ verfügten. Er setzte sich deshalb dafür ein, dass auch für Erwachsene Bildungsangebote geschaffen wurden und dass diese für alle zugänglich – d.  h. finanziell erschwinglich und ohne selektive Prüfungen – waren. Die erste dänische Volkshochschule war weltweit die erste und wurde 1844 in Rødding in Schleswig eröffnet.

Volkshochschulen in Deutschland[Bearbeiten]

Die ersten deutschen Volkshochschulen entstanden im Deutschen Reich. Als Vorläufer gelten unter anderem die Humboldt-Akademie (1878), der Frankfurter Bund für Volksbildung (1890) und die Freie Hochschule Berlin (1902)[3]. Frühe Gründungen stellen auch die Volkshochschulen der pfälzischen Städte Ludwigshafen (1902) und Kaiserslautern (1904) dar.

Die meisten Gründungen erfolgten nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 mit dem Ziel, die breite Bevölkerung besser zu bilden, die zuvor von der Bildung ausgeschlossen war. In Art. 148 der Reichsverfassung von 1919 wurde die Förderung des Bildungswesens, einschließlich der Volkshochschulen, erstmals gesetzlich verankert. Herman Nohl, Heinrich Weinel und Reinhard Buchwald gründeten Ende 1918 die Volkshochschule Jena, einen Tag nach der Eröffnung gab es bereits 2000 eingeschriebene Hörer. Teilweise beteiligten sich Unternehmen an der Gründung von Volkshochschulen, wie 1919 bei der Volkshochschule Thüringen das Unternehmen Carl Zeiss. Die Volkshochschule Essen wurde – wesentlich auf Betreiben des damaligen Essener Oberbürgermeisters und späteren Reichskanzlers Hans Luther – am 28. Mai 1919 durch den von der Essener Stadtverordnetenversammlung gebildeten Ausschuss für Volksbildung gegründet[4]. 1919 gab es bereits über 150 Volkshochschulen[5]. 1927 erfolgte die Gründung des „Reichsverbandes der deutschen Volkshochschulen“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 eine „Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände deutscher Volkshochschulen“ und 1953 der Deutsche Volkshochschulverband e. V. (DVV) gegründet. Im Strukturplan des Deutschen Bildungsrates von 1970 wurde die Erwachsenenbildung als integraler Bestandteil des Bildungssystems verstanden und eine flächendeckende Versorgung angestrebt.

Innerhalb des Volkshochschulwesens wird zwischen klein- und großstädtischen Volkshochschulen unterschieden. Volkshochschulen in Großstädten sind gegenüber den Volkshochschulen in kleineren Städten komplizierte Organisationseinheiten mit einer stark differenzierten Angebotsstruktur, einem großen Mitarbeiterstab und einer großen Teilnehmerzahl. Die größte Volkshochschule in Deutschland ist heute die Münchner Volkshochschule. Berlin stellte insofern einen Sonderfall dar, als es dort keine einheitliche Volkshochschule für die ganze Stadt gibt, sondern eine Vielzahl von Bezirksvolkshochschulen.

Volkshochschulen in der DDR[Bearbeiten]

In der DDR wurden ab 1945 mit Genehmigung der SMAD Volkshochschulen eingerichtet. Nach der Gründung von Ländern unterstanden sie diesen bis zur Neugliederung des Staates in Bezirke (1952). Anschließend kamen sie in die Zuständigkeit des Ministeriums für Kultur. Eine weitgehende Umgestaltung und Gleichsetzung mit den regulären Schulen erfuhren die Volkshochschulen nach ihrem Wechsel ins Ministerium für Volksbildung (1956). Es entstand eine staatliche „Abendoberschule für Werktätige“ mit der Hauptaufgabe, nachträglich Schulabschlüsse zu ermöglichen. Sie unterstand dabei einem festen, für alle Volkshochschulen gleichen Lehrplan und vergab Zeugnisse. Erst in den 70er Jahren erfolgte ein vorsichtiger Wandel zurück zu traditionellen Kursangeboten (Fremdsprachen, Naturwissenschaften, auch Kunst und Kultur). Die betriebliche Weiterbildung erfolgte in den volkseigenen Betrieben unter eigener Regie durch Betriebs-Volkshochschulen und in später entwickelten Technischen Betriebsschulen (TBS). Kulturelle und populärwissenschaftliche Angebote wurden von der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse (Urania) übernommen.

→ Siehe auch Hauptartikel: Bildungssystem der DDR

Volkshochschulen in Österreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Volkshochschulen in Österreich

Die erste österreichische Volkshochschule war der 1887 von Eduard Leisching gegründete Volksbildungsverein in Margareten, das noch heute existierende polycollege. Aktuell gibt es in Österreich 272 Volkshochschulen mit insgesamt bis zu 500.000 Kursteilnahmen pro Jahr.

Volkshochschulen in der Schweiz[Bearbeiten]

Eine erste einer Volkshochschule ähnliche Bildungseinrichtung gab es bereits 1900 mit der Université Ouvrière de Genève in Genf. Richtig los ging es in der Schweiz jedoch erst später, nämlich während der politischen Krisenzeit, ein Jahr nach dem Generalstreik von 1918, in den Städten Basel, Bern und Zürich. Bis zum Zweiten Weltkrieg hin breitete sich die Bewegung vor allem im Kanton Zürich rasant aus. Es wurden insgesamt 36 Schulen im Kanton gegründet (heute sind viele davon unter der kantonalen Volkshochschule zusammengefasst). In der gleichen Zeit wurden in der restlichen Schweiz lediglich acht neue Volkshochschulen geschaffen, wobei keine einzige davon in der Romandie geschaffen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfasste die Bewegung schließlich auch die französisch- sowie italienischsprachige Schweiz. Heute gibt es in der ganzen Schweiz ein Netz von Volkshochschulen.

Am 25. Januar 1920 wurde die „Freie Volkshochschule Linden“ als Bildungseinrichtung feierlich eingeweiht. Die Geschäftsleitung übernahm Ada Lessing, die dieses Amt über 13 Jahre bis zu ihrer Emigration in die Tschechoslowakei 1933 innehatte. Theodor Lessing beteiligte sich mit mehreren Vorlesungszyklen und widmete sich ansonsten seinen Lehraufgaben an der Technischen Universität Hannover sowie seiner publizistischen und journalistischen Arbeit.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Siebert: Erwachsenenbildung in der Erziehungsgesellschaft der DDR. Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf 1970 (keine ISBN vorhanden).
  • Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen 2001, ISBN 3-8100-3349-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Volkshochschule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ich-will-lernen.de
  2. Vgl. zum Gründer der Humboldt-Akademie: Wolfgang Ayaß: Max Hirsch: Sozialliberaler Gewerkschaftsführer und Pionier der Volkshochschulen. Berlin 2013.
  3. Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen 2001.
  4. Vgl. Rainer Grossbröhmer, Karin Kirch (Hrsg.): Von Bildungsbakterien und Volkshochschulepidemien : ein Beitrag zur Geschichte der Volkshochschule Essen 1919-1974; Essen 1994; ISBN 9783884742280. – Zwar gab es zuvor diverse Volksbildungseinrichtungen in der Stadt Essen, wie beispielsweise den 1865 gegründeten „Gewerbeverein“, die seit 1907 bestehenden „Akademischen Kurse“ wie auch die betrieblichen Bildungsinitiativen für die je eigene Belegschaft, so seit 1899 den „Krupp'schen Bildungsverein“; von einer „Beteiligung“ der „Firma Krupp“ an der Volkshochschulgründung kann allerdings keine Rede sein. Hervorzuheben ist vielmehr die Bedeutung der 1918 verfassten und 1919 vom Essener Freien Ausschuss für Volksbildung verlegten programmatischen Schrift des Pädagogen Artur Jacobs Ueber Wesen und Ziele einer Volkshochschule. Ein Entwurf zu einer neuen Volkserziehung (Essen 1919) für die Gründungsphase der Essener VHS.
  5. Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen 2001.