Ammergaubahn

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Murnau–Oberammergau
Strecke der Ammergaubahn
Kursbuchstrecke (DB): 963
Streckennummer (DB): 5451
Streckenlänge: 23,671 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 5,5 kV 16 Hz
5 kV 16 ⅔ Hz bis 1954
15 kV 16 ⅔ Hz [1] ~
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von München
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0,000 Murnau 692 m
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Murnau Lokalbahnhof
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aufgelassen am 3. Mai 1960
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0,411 Murnau Ort
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0,500 nach Garmisch-Partenkirchen
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1,600 Ramsachleite
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3,261 Seeleiten-Berggeist
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5,568 Grafenaschau ehemals Bahnhof 686 m
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9,392 Jägerhaus 752 m
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11,680 Bad Kohlgrub ehemals Kohlgrub Ort 819 m
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13,130 Bad Kohlgrub Kurhaus ehemals Bad Kohlgrub
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14,263 Saulgrub 859 m
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16,623 Altenau (Bay)
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19,000 Scherenau
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20,412 Unterammergau ehemals Bahnhof 830 m
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Ammer
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23,671 Oberammergau ehemals Bahnhof 834 m

Die Ammergaubahn – seltener: Ammertalbahn, bis 1938 Lokalbahn Murnau–Oberammergau – ist eine eingleisige, elektrifizierte Nebenbahn in Bayern. Sie führt von Murnau nach Oberammergau, in der zweiten Streckenhälfte folgt sie dabei dem Tal der namensgebenden Ammer. Die Stichbahn nach Oberammergau zweigt in Murnau von der Hauptstrecke München–Garmisch-Partenkirchen ab.

Betrieb[Bearbeiten]

Ein LAG-Triebwagen im Frühjahr 1905 im Bahnhof Oberammergau

bis 1999[Bearbeiten]

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siehe Diskussion:Ammergaubahn#Dreiphasenwechselstrom mit 800 V und 50 Hz

Am 24. Januar 1897 erhielt die Actiengesellschaft Elektrizitätswerke, vormals O. L. Kummer & Co., Dresden, Sitz München, vom bayerischen Prinzregenten Luitpold die Konzession für den Bau einer elektrisch betriebenen einspurigen Bahnlinie von Murnau nach Oberammergau erhalten. In den folgenden Jahren bis 1900 wurde die Strecke dann zusammen mit dem Wasserkraftwerk Kammerl erbaut, sodass am 13. Januar 1900 der erste Probezug die Strecke befahren konnte. Wenige Monate später am 5. April 1900 wurde die Eröffnung der Strecke schließlich genehmigt. Allerdings schloss diese Genehmigung nur den Betrieb der Bahnlinie ein, nicht aber den elektrischen Betrieb. [2][3] Der geplante Zugbetrieb mit Dreiphasenwechselstrom mit 800 Volt und 40 Hz scheiterte jedoch an den damals noch nicht beherrschten elektrotechnischen Problemen[4] und kam nie über Probefahrten hinaus. Stattdessen wurden zu den Oberammergauer Passionsspielen 1900 ab 5. Apri 11 von Krauss München gelieferte Dampflokomotiven der Achsfolge C1'n2t auf den neu errichteten Gleisen eingesetzt.[5]

Nach dem Konkurs des Betreibers erwarb die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft im November 1903[6] die Bahnstrecke und das Kraftwerk, das sie in der Zeit von März bis November 1904 mit 280 kW 350 kVA Bahnstromgeneratoren für die Erzeugung von Einphasenwechselstrom mit 5500 Volt und 16 Hz umrüsten ließ und erhielt die Betriebskonzession am 31. Dezember 1903.[7] Am 1. Januar 1905 wurde der elektrische Planbetrieb mit den Triebwagen LAG Nr. 674 bis 677 aufgenommen. Gespeist wurde der Betrieb aus dem 1899 gebauten und 1904–1905 umgebauten Wasserkraftwerk Kammerl. Damit war die Ammergaubahn die erste mit Einphasen-Wechselstrom niedriger Frequenz betriebene Eisenbahn Deutschlands.

Am 2. Juni 1921 kollidierten zwischen Bad Kohlgrub und Grafenaschau ein Güterzug in Richtung Murnau und ein Personenzug in die Gegenrichtung frontal. Das Unglück führte zu drei Schwerverletzten und ca. 8 Leichtverletzten. Außerdem entstand ein größerer Sachschaden an betroffenen Loks der Baureihe E69 und an den Waggons.[8]

Mit Wirkung zum 1. August 1938 ging die LAG auf die Deutsche Reichsbahn über. Während die Reichsbahn schon längst mit 15 000 Volt 16 2/3 Hz fuhr, wurde der Inselbetrieb der vom Kraftwerk Kammerl mit 5500 Volt 16 Hz versorgten Ammergaubahn bis zu den Umbauten in den Jahren 1951 bis 1953 beibehalten, als die Bahn und das Kraftwerk auf den allgemein verwendeten Bahnstrom umgestellt und im Kraftwerk für jeden der drei Generatoren ein Einphasentransformator sowie eine Schaltanlage installiert wurden.

Seit 1999[Bearbeiten]

Mit der Zunahme des Individualverkehrs sanken die Fahrgastzahlen auf der Ammergaubahn auf 500 bis 1000 Fahrgäste täglich. Parallel dazu verschwand auch der Güterverkehr fast völlig. Daher kam es zu einem massiven Rückbau der Infrastruktur.

1999 gab es Verhandlungen mit dem Fahrgastverband Pro Bahn und der DB Regio Bayern AG. Pro Bahn forderte unter anderem den Erhalt der Kreuzungsmöglichkeit in Altenau (Bay) und den Erhalt des zweiten Gleises in Oberammergau. Dadurch hätte man die Reisezeit um circa zehn Minuten verkürzen können. Doch die Kosten von etwa vier Millionen D-Mark waren zu hoch, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. [9]

Der Endbahnhof Oberammergau

In jüngerer Zeit wurde die Strecke umfangreich modernisiert. Dieser Modernisierung fiel jedoch auch sämtliche im Planbetrieb nicht mehr benötigte Infrastruktur zum Opfer, was der Deutschen Bahn unter anderem massive Kritik vom Fahrgastverband Pro Bahn einbrachte. So gibt es etwa am Endpunkt Oberammergau seit der Sanierung im Herbst 2005 nur noch ein Gleis, die restliche Fläche wurde unter anderem mit einem Busbahnhof überbaut. In diesem Zusammenhang wurde die Endstation von einem Bahnhof zu einem Haltepunkt zurückgestuft. Gleichermaßen zu einfachen Haltepunkten zurückgestuft wurden die Bahnhöfe Grafenaschau und Unterammergau, dort können sich seither keine Züge mehr begegnen. Bedingt durch diese Rationalisierungsmaßnahmen sind auf der Strecke nach Oberammergau tagsüber keine Sonderfahrten mehr möglich, weil keine Kreuzungsmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen. Die einzig verbliebene Kreuzungsmöglichkeit in Bad Kohlgrub wird für den Planbetrieb benötigt, dort kreuzen die Züge stündlich. Ferner kann am Endpunkt Oberammergau nicht mehr umgesetzt werden, dorthin können nur noch Wendezüge oder Triebzüge eingesetzt werden.

Im Bereich Bad Kohlgrub wurden zehn Kilometer der etwa 80 Jahre alten Gleise erneuert, die neuen Schienen wurden dabei endlos verschweißt. Ferner wurde die Strecke 2005 mit dem digitalen Zugfunksystem GSM-R ausgestattet. Seit dem 28. November 2008 wird die Strecke vom elektronischen Stellwerk Garmisch-Partenkirchen aus ferngesteuert. Durch diese Maßnahme kann auch der bislang in Bad Kohlgrub eingesetzte Fahrdienstleiter eingespart werden.

Die Haltepunkte Seeleiten-Berggeist, Jägerhaus und Bad Kohlgrub Kurhaus werden als Bedarfshalte betrieben. Als Besonderheit fahren die Züge in Jägerhaus bei Dunkelheit aus Sicherheitsgründen durch, weil es dort keine Bahnsteigbeleuchtung gibt.

Elektrisches System[Bearbeiten]

Während der Wechsel des Stromsystems 1951/1953[10] bzw. 1954/1955[11] auf 15.000 Volt / 16 ⅔ Hz unstrittig ist, gibt es zum ersten elektrischen Stromsystem und dem ersten Systemwechsel der damaligen Lokalbahn unterschiedliche Angaben:

  • 5500 Volt bei 15 Hz [12] dann spätere Systemumstellung auf 5000 Volt und Anhebung der Frequenz auf 16 ⅔ Hz[13]
  • 5500 Volt bei 16 ⅔ Hz[21]

Wenn der erste, erfolglose Versuch mit 800 V 40 Hz außer acht gelassen wird, fuhr die Ammergaubahn laut Ralf Specht aber von 1905 bis zur Beendigung des Inselbetriebs 1951/1955 durchgehend und unverändert mit 5500 V und 16 Hz.

Bei der Umstellung auf 15.000 Volt und 16 ⅔ Hz wurden vier der fünf Elektrolokomotiven der Baureihe E 69 entsprechend umgebaut.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten]

Nachdem die Ursprungs-Lokomotiven der Baureihe 169 Anfang der 1980er-Jahre wegen Überalterung ausgemustert wurden, ersetzte man sie durch Elektrolokomotiven der Baureihe 141. Am eingesetzten Wagenmaterial änderte sich dadurch nichts, es wurden weiterhin n-Wagen eingesetzt (zwei Personenwagen je Zug). Vor wenigen Jahren wurden die lokbespannten Züge schließlich durch moderne Triebwagen der Baureihen 425 beziehungsweise 426 abgelöst, für den Planbetrieb wurden zwei Umläufe benötigt. Die letzten Wendezüge mit der Baureihe 141 verkehrten im Herbst 2004. Seit Sommer 2013 verkehren statt den Fahrzeugen der Baureihe 425 und 426 Elektrotriebwagen des Typs Bombardier Talent 2 (Baureihe 442) im Vorlaufbetrieb der Werdenfelsbahn. Im Planbetrieb werden weiterhin zwei Umläufe benötigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Roman Rossberg: Die Lokalbahn Murnau–Oberammergau. Frankh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1970, ISBN 3-440-03731-2
  • Ralf Roman Rossberg: Die Lokalbahn Murnau–Oberammergau. In: Eisenbahn-Kurier. Nr. 215/Jahrgang 24/1990. EK-Verlag GmbH, ISSN 0170-5288, S. 46–48.
  • Bernd Mühlstraßer: Die Baureihe E 69: Die bayerischen Localbahn-Elloks und die Strecke Murnau–Oberammergau. EK-Verlag GmbH, Freiburg 2005, ISBN 3-88255-169-0
  • Peter Blath: Die Lokalbahn Murnau - Oberammergau. In Schienenverkehr im Werdenfelser Land. Sutton-Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-886-7.
  • Hermann Bürnheim: Localbahn A.-G. München 13. Localbahn Murnau-Oberammergau, Zeunert, Gifhorn 1974 ISBN 3-921237-21-1 S. 76-78

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bahnbetriebswerk Freilassing - Die Lokalbahn AG München (PDF; 11,4 MB) In: flr.luciaclemens.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  2. Ralf Specht: Geschichte und Technik des Wasserkraftwerks Kammerl in: Elektrische Bahnen, 99 (2001), 11, Seiten 444–452
  3.  Peter Blath: Schienenverkehr im Werdenfelser Land. Sutton Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-886-7.
  4. Ralf Roman Rossberg: "Bahnstrom" als geniale Notlösung. In: schule.de. 2005. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  5. Hermann Bürnheim: Localbahn A.-G. München 13. Localbahn Murnau-Oberammergau, Zeunert, Gifhorn ISBN 3-921237-21-1 S. 72
  6. 1903 laut Ralf Specht, 19.11.1900 laut der Bronzetafel am Eingang des Kraftwerks
  7. ungenau wohl: Deutsche Reichsbahn: Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken; Eröffnungsdaten 1835–1935. Berlin 1935; Nachdruck Dumjahn, Mainz 1984, ISBN 3-921426-29-4 Nr 1900/12
  8.  Peter Blath: Schienenverkehr im Werdenfelser Land. Sutton Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-886-7.
  9. Ammergaubahn. Pro Bahn Werdenfels, abgerufen am 16. November 2013.
  10. so Ralf Specht
  11. so wohl die nachstehenden Quellen
  12. Geschichte der ersten Staatsbahn Bayerns, „Elektrifizierung“. In: kbs820.jimdo.com. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  13. Bahnbetriebswerk Freilassing (PDF; 11,4 MB) In: flr.luciaclemens.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  14. Eisenbahnen-der-Welt, Entwicklung des elektrischen Bahnbetriebes. In: eisenbahnen-der-welt.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  15. Bauartunterschiede - Baureihe 169. In: bundesbahnzeit.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  16. Murnau-Oberammergau. In: bundesbahnzeit.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  17. KBS 963 - Die Ammergaubahn. In: mittenwaldbahn.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  18. VDI nachrichten vom 7. Januar 2005. In: schule.de. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  19. Fahrzeughalle auf der Webseite des DB-Museums in Nürnberg. In: deutschebahn.com. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  20. Georg Schwach, Oberleitungen für Wechselstrom in Deutschland, Bern 1989, Seite 472, Elektrifizierungsdaten mit Vermerk „Eindeutig belegt durch R. R. Rossberg, Die Lokalbahn Murnau - Oberammergau, Stuttgart 1970“ (PDF; 1,5 MB) In: homepage.hispeed.ch. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  21. Geschichtliche Entwicklung der elektrischen Zugförderung. In: tu-dresden.de. TU Dresden. Abgerufen am 23. Februar 2013.