Arapgir

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Arapgir
Wappen fehlt
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Arapgir (Türkei)
Red pog.svg
Basisdaten
Provinz (il): Malatya
Koordinaten: 39° 2′ N, 38° 29′ O39.03333333333338.483333333333Koordinaten: 39° 2′ 0″ N, 38° 29′ 0″ O
Einwohner: 6.169[1] (2008)
Telefonvorwahl: (+90) 422
Postleitzahl: 44800
Kfz-Kennzeichen: 44
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Haluk Cömertoğlu (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Arapgir
Einwohner: 11.311[1] (2008)
Fläche: 974 km²
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner je km²
Kaymakam: Engin Aksakal
Webpräsenz (Kaymakam):
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Arapgir (armenisch Արաբկիր, Kurdisch Daskûzan, auch als Arabgir oder Arapkir bekannt) ist eine Stadt in der türkischen Provinz Malatya. Arapgir ist gleichzeitig auch Hauptort des gleichnamigen Landkreises Arapgir. Die Bevölkerung des Landkreises beträgt 11.311 (Stand 2008). Die Stadt hat 6.169 Einwohner und liegt in der Nähe des Euphrats. Die Bevölkerung sank von 1985 bis 2007 von 21.017 auf 11.470.[2] Das heutige Arapgir wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Die historische Stadt Arapgir liegt etwa 3 km weiter südwestlich und wird heute Eskişehir (Altstadt) genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Es wird davon ausgegangen, dass der Ort seit 1200 v. Chr. besiedelt war. 850 v. Chr. herrschten hier die Assyrer, 612 v. Chr. die Meder und Perser. Später wird Arapgir Teil des byzantinischen Reiches. Die Byzantiner siedelten hier ihren armenischen Vasallen, König Seneqerim Johannes, dem letzten Herrscher des Reiches von Vaspurakan, an. Seneqerim Johannes gründete im Jahre 1021 die heutige Stadt Arapgir.[3]

Bis 1070 blieb Arapgir unter armenischer Herrschaft. Die Byzantiner kannten die Stadt unter dem Namen Arabraces. Nach 1070 fiel Arapgir an die Seldschuken. 1178 herrschten hier die Seldschuken von Rum. Nachdem diese in der Schlacht vom Köse Dağ von den Mongolen besiegt wurden, ging Arapgir in den Besitz der Mongolen über. Danach herrschten die Karakoyunlu. 1515 siegten die Osmanen in der Schlacht von Tschaldiran und wurden Herren über ganz Anatolien. In den Aufzeichnungen der Osmanen von 1518 ist Arapgir einer der zwölf Sandschaks von Diyarbakır. Zu Zeit von Süleyman I. war Arapgir Teil von Sivas, ab 1834 wieder Teil von Diyarbakır. Arapgir wurde ab 1847 ein Teil des Vilâyet Mamuretül-Aziz (Heute Provinz Elazığ). Arapgir war bekannt für seine Trauben und Maulbeeren.

1928 wird das anatolische Arapgir ein selbstständiger Landkreis in der Provinz Malatya.

1957 wurde die armenische Kathedrale von Arapgir gesprengt.

Textilindustrie[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Arapgir eine Textilindustrie. 1836 1.000 Webstühle, die Textilien aus Garn, das von den britischen Inseln kam, webten. 1907 gab es 1.200 Webstühle. Der Stoff, der in Arapgir gewebt wurde, hatte den Namen Manusa. Im Zuge dessen wuchs Arapgir und wurde größer als die Provinzhauptstadt Harput. 1883 erhielt Arapgir einen eigenen Bürgermeister. Da die Textilproduktion bereits ein Jahr nach den Armenier-Massakern von 1895 unter Sultan Abdülhamid II. ihr altes Niveau erreichte, geht Donald Quataert davon aus, dass entweder sehr viele Weber Muslime waren oder nur wenige Armenier umkamen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In Arapgir lebten 1880 29.000 Menschen und davon 4.800 muslimische und 1.200 armenische Familien.[4] Nach einer Studie [5] von Nejat Göyünç von der METU in Ankara lebten 1911 in Arapgir 20.000 Menschen, von denen mehr als die Hälfte armenische Christen waren.[6]

Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Armenier Opfer von Übergriffen. 1895 massakrierten die Hamidiyemilizen die Armenier in Arapgir. 4.000 Armenier wanderten in der Folge aus nach Amerika und Ägypten und pflegten engen Kontakt mit der Heimat.[7] 1915 lebten 9.500 Armenier in der Stadt Arapgir neben 7.000 Türken.[7] Am 26. April 1915 beginnen die Verhaftungen von armenischen Händlern. Vom 19. Juni 1915 an werden Konvois von Armenier aus der Stadt deportiert und unterwegs umgebracht. Der letzte Konvoi verlässt am 5. Juli 1915 die Stadt. Viele finden ihr Ende an den Ufern des Flusses Thoma Cay bei der 40-Bogen-Brücke ’Kirk Göz’. Die Operation wird durch den Kaimakam Hilmi Bey durchgeführt (in dieser Funktion vom 2. März – 19. Dezember 1915). Nach Quellen des Innenministeriums wurden von den 9.500 armenischen Einwohnern 8.545 'deportiert’.[8]

800 überlebende Armenier des Bezirkes Arapgir wanderten 1922 in die Nähe von Jerewan aus, wo sie ein Stadtviertel Arabkir gründeten.

Kirchen, Moscheen und Gebäude[Bearbeiten]

Die Kirche Surb Astvatsatsin fasste mehr als 3000 Menschen.

Die armenisch-apostolische Gemeinde hatte vier Kirchen in Arapgir: die Muttergotteskirche (Surb Astvatsatsin), die Kirche des heiligen Gregor (Grigor Lusavorich), die Georgskirche (Surb Gevork) und die Jakobskirche (Surp Hagop).[9] Die größte Kirche fasste 3.000 Menschen. Darüber hinaus gab es zehn christliche Schulen in der Stadt. Die Kirche wurde 1915 niedergebrannt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Kirche restauriert und als Schule genutzt. In den 1950er Jahren wurde sie wieder beschädigt. Es gibt nur noch wenige alte Gebäude, die aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammen.

In Arapgir gibt es noch die Ruinen einer Festung, einige seldschukische Moscheen, einen alten Friedhof und Silberminen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Պատմութիւն հայոց Արաբկիրի = Patmowt'iwn hayoc' Arabkiri [Geschichte der Armenier von Arabkir], New York 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arapgir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 21. November 2009
  2. Bevölkerungsangaben auf Seite des Landkreises
  3. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 116
  4. Ottoman Manufacturing in the Age of the Industrial Revolution p. 86-99 ISBN 0-521-89301-1, von Donald Quataert et al., Cambridge University, 1993, auf Englisch
  5. Osmanlı idaresinde Ermeniler von Nejat Göyünç, Gültepe Yayn. in Ankara, 1983, auf Türkisch
  6. „…in the Center of Arapgir, the Armenians formed 53 % of the total population while they formed only 18 % of the population in the periphery areas of Arapgir.“ aus The Armenian question according to Takvim-i Vekayi (PDF; 536 kB) von Pınar Kundil, METU, Ankara, auf Englisch
  7. a b Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006 ISBN 2-7381-1830-5, S. 494
  8. Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006 ISBN 2-7381-1830-5, S. 497
  9. Pars Tuğlacı: Tarih boyunca Batı Ermenileri tarihi. Cilt 3. (1891–1922), Pars Yayın ve Tic., Istanbul und Ankara 2004 ISBN 975-7423-06-8, S. 275