Sivas (Provinz)

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Sivas
Nummer der Provinz: 58
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Über dieses Bild
Landkreise
Sivas districts.png
Basisdaten
Koordinaten: 40° N, 37° O39.51972222222237.295Koordinaten: 40° N, 37° O
Provinzhauptstadt: Sivas
Region: Zentralanatolien, Schwarzmeerregion
Fläche: 28.488 km²
Einwohnerzahl: 638.464 (2007)
Bevölkerungsdichte: 22,4 Einwohner/km²
Politisches
Gouverneur: Ali Kolat
Sitze im Parlament: 5
Strukturelles
Telefonvorwahl: 0346
Kennzeichen: 58
Website
www.sivas.gov.tr (Türkisch)

Sivas ist eine Provinz in der Türkei und liegt etwa im Scheitelpunkt zwischen Schwarzmeerregion, Ostanatolien und Zentralanatolien, zum größten Teil liegt sie aber in Zentralanatolien und wird daher auch der Region zugerechnet. Die Provinzhauptstadt heißt ebenfalls Sivas. Die Provinz ist umgeben von den Provinzen Ordu, Giresun, Erzincan, Malatya, Kahramanmaraş, Kayseri, Yozgat und Tokat.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Während in der gesamten Provinz Sivas 638.464 Menschen leben, beherbergt die Stadt Sivas 280.000 Einwohner. Die Fläche beträgt 28.488 km² (vgl. Belgien 30.518 km²) und damit ist sie nach Konya die zweitgrößte Provinz der Türkei. In Sivas leben größtenteils Türken und daneben, im Osten der Provinz, auch in geringer Zahl Zazas und Kurden. Außerdem war Sivas für die Aleviten ein wichtiges Zentrum. Hier spielte sich 1993 der Brandanschlag von Sivas ab.

Bis zum Ersten Weltkrieg hatte Sivas einen großen Anteil an Armeniern und Pontosgriechen und zählte daher zu den Sechs armenischen Vilâyets (Vilâyat-ı Sitte).

Landkreise[Bearbeiten]

Die Provinz umfasst 17 Landkreise:

Geschichte[Bearbeiten]

Sivas Besiedlung reicht bis 7000 bis 5000 v. Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten hier von 1600 bis 884 v. Chr., danach für etwa 100 Jahre die Phryger (800–695 v. Chr.). Die Phryger wurden durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 v. Chr. an die Perser. Das persische Achämenidenreich wurde von Alexander dem Großen unterworfen, so dass Sivas bis etwa 17 n. Chr. von den Diadochen beherrscht wurde. Bis 395 war Sivas Teil des Römischen Imperiums, danach bis 1075 byzantinisch. Unter Kaiser Diokletian war Sivas Hauptstadt der Provinz Armenia minor.

Nach mehrjährigen Verhandlungen entschädigte Kaiser Basileios II. 1021 Seneqerim Johannes, König von Vaspurakan in Südarmenien, mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Seneqerim Johannes zog mit seinem Hof, dem hohen Klerus und 14.000 Familien nach Sivas und verwaltete es als byzantinischer Vasall.[1]

Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte die Danischmenden-Dynastie über Sivas. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und ließen unter anderem 1197 die Ulu Cami (dt. Große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wurde Sivas, wie weite Teile Eurasiens, von den Mongolen überfallen. Den Mongolen folgte das Beylik von Eretna, dem seinerseits von Kadi Burhan al-Din ein Ende gesetzt wurde. 1398 eroberten die Osmanen unter Sultan Bayezid I. die Stadt, nur um sie 1400 an Tamerlan zu verlieren, der die Stadt zerstörte. 1403 gelang es den Osmanen sie zurückerobern.[2] Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Teil des osmanischen Eyalets Rum. Im Jahre 1864 wurde es eine eigenständige Provinz, das Vilâyet Sivas.

Die Osmanen regierten die Provinz bis zum Ersten Weltkrieg. 1913 kam es zum Boykott christlicher Unternehmer und Händler in der Hauptstadt Sivas.[3] Im April/Mai 1914 wurde der Markt von Sivas Opfer eines Brandes.[3] Am 5. Juli 1915 begann die Deportation der armenischen Bevölkerung von Sivas. Bei diesem Völkermord hatte die Provinz Sivas die größte Zahl an getöteten Nichtmuslimen.[4] Die überlebenden, nach Armenien geflohenen Armenier gründeten in Jerewan das Stadtviertel Malatya-Sebastia.

Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg formierte sich unter Mustafa Kemal eine Widerstandsbewegung. Sivas spielte während des nationalen Befreiungskampfes der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Mustafa Kemals Gruppe hielt vom 4. bis 11. September 1919 in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye ab.[5] Der französische Besatzungsmachthaber Major Brunot drohte im Falle einer Versammlung mit der Invasion der Stadt. Beschlossen wurden eine Vereinheitlichung des Befreiungskampfes, die Gründung einer Exil-Regierung außerhalb von Istanbul und ein Aufruf zur Gründung einer parlamentarischen Volksvertretung. Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel in der Hauptstadt Sivas[3] mit 37 Toten.

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Der Ort Kangal, 68 km von Sivas entfernt, ist bekannt für sein Thermalbad Balıklı Kaplıca.
    In diesem Thermalbad wird in erster Linie die Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis) mit Hilfe kleiner schwarzer Fische durchgeführt. Diese Fische gehören zu der Art der Rötlichen Saugbarbe, auch Kangal-Fische genannt. In der Türkei werden sie auch Doktorfische (türkisch: Doktor Balıklar) genannt, die aber mit den unter wissenschaftlichen Namen bekannten Doktorfischen nichts zu tun haben.
  • Der Ort Kangal ist Namensgebend für den Kangal (türkisch: Kangal Köpeği), eine türkische Hunderasse, die gelegentlich auch Sivas-Kangal (Sivas Kangalı) genannt wird, und ihre Wurzeln in dieser Region hat. Hunde dieses Typs werden – ebenfalls unter Berufung auf einen türkischen Ursprung – auch unter den Rassebezeichnungen Anatolischer Hirtenhund und Karabasch gezüchtet.

Kulturveranstaltungen[Bearbeiten]

  • Asik-Veysel-Kultur- und Kunstfestival in Şarkışla am ersten Wochenende im Juli jedes Jahres.
  • Gedenkveranstaltung für die Sivas-Opfer jeden 2. Juli vor dem Madımak Hotel.
  • Cogi Baba Alevi Kultur Festival in Cogi Baba, jedes Jahr im Juli
  • Samut Baba Alevitisches Kultur Festival in Kangal, jedes Jahr im Juli

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 116
  2. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 190
  3. a b c Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006, S. 533
  4. Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006, S. 543
  5. Halil Gülbeyaz: Mustafa Kemal Atatürk. Vom Staatsgründer zum Mythos. Parthas, Berlin 2003, ISBN 3-932529-49-9, S. 87 ff.