Böhmische Masse

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Als Böhmische Masse oder Böhmisches Massiv (tschechisch Český masiv oder Česká vysočina „Böhmisches Hochland“) wird das geologisch alte Rumpfgebirge in Tschechien und im Grenzgebiet von Nieder- und Oberösterreich sowie Bayern bezeichnet. Es ist als stark erodierter Rest eines alten Gebirgsmassivs aus dem Paläozoikum ein charakteristisches Element der Geologie Mitteleuropas und Teil der europäischen Mittelgebirgsschwelle.

Geografie[Bearbeiten]

Oberflächengestalt[Bearbeiten]

Die Böhmische Masse bildet großteils flachere Landschaften. Die Rumpffläche (nördlich der Donau) ist geprägt durch sanfte Mulden und Täler sowie weitgespannte, niedrige Rücken und Kuppen. Aus dem sauren Grundgestein haben sich vor allem Braunerden entwickelt, in Mulden und ebenen Flächen auch vom Grundwasser beeinflusste Gley-Böden.

Wie in anderen Gebirgen der europäischen Mittelgebirgsschwelle sind die Talstrukturen unregelmäßiger und weniger scharf gegliedert als im vergleichsweise jungen Decken- und Faltengebirge der Alpen. Orografisch gleichförmiger sind hingegen die Hochflächen. Die Durchbruchstäler, die zu dieser geologischen Region gehören, sind die Wachau, der Strudengau sowie das Donautal von Vilshofen über Passau und die Schlögener Schlinge bis Aschach

Geografische Gliederung[Bearbeiten]

Das böhmische Massiv wird in folgende Einheiten gegliedert:

Kleinere Streifen finden sich auch am Südostrand im Wiener Becken, sowie südlich der Donau:

Geologie[Bearbeiten]

Das Böhmische Massiv (Teplá-Barrandium und Moldanubikum) als Teil der Varisziden in Mitteleuropa

Geologische Gliederung[Bearbeiten]

Das Böhmische Massiv bildet zusammen mit dem Schwarzwald und den Vogesen den Zentralbereich des mitteleuropäischen variszischen Gebirges.[1]

Die Tschechische Stratigraphische Kommission hat mit Beschlüssen aus den Jahren 1992 und 1994 folgende sechs regionalgeologische Einheiten für das Böhmische Massiv festgelegt:[2]

  • Moldanubische Zone
  • Kuttenberg-Svratecká Zone
  • Bohemikum (Mittelböhmische Zone)
  • Sächsisch-Thüringische Zone (südöstl. Teil vom Saxothuringikum)
  • Westsudetische Zone
  • Moravosilesikum (Mährisch-Schlesische Zone)

Gesteine[Bearbeiten]

Die Böhmische Masse besteht aus kristallinen Gesteinen, vornehmlich aus Graniten und Gneisen. Die erstgenannten Tiefengesteine und Umwandlungsgesteine lagern im Süden und Westen, setzen sich aber in der nördlichen Umrandung von Böhmen fort. Die metamorphen Gesteine aus Gneis und kristallinen Schiefern liegen großteils im inneren Ring, sowie in Mähren und Niederösterreich.

Geologische Störungen[Bearbeiten]

Vom Südrand der Böhmischen Masse ziehen mehrere Störungszonen nach Nordosten; Es sind dies etwa die Rodl-, Vitiser- und die Diendorfer Störung, die auch am Satellitenbild auszumachen sind. Diagonal dazu verlaufen die Donau-Störung, die Pregarten-Störung und die Klam-Störung.

Das Böhmische Massiv und die Alpen[Bearbeiten]

Die Böhmische Masse lag während des Paläo-, Meso- und Känozoikum im tropisch-subtropischen Klimabereich. Erst im jüngeren Tertiär drehte die Eurasische Platte nach Norden.[3]

Die Böhmische Masse war Widerlager der Alpidischen Gebirgsbildung. Sie wird auch als kristallines Grundgebirge bezeichnet, weil sie über weite Gebiete unter die jüngeren Formationen der Ostalpen und der Molasse des Alpenvorlandes zu liegen kam. Es handelt sich teilweise um tektonische Überschiebungen von weit mehr als 100 Kilometern, angetrieben durch die Afrikanische Platte und ihre Norddrift. Diese löste vor etwa 30 Millionen Jahren die alpidische Gebirgsbildung und weiträumige Bewegungen aus.

Unter den Nordalpen befinden sich die Gesteine der Böhmischen Masse als langer, flach deformierter Streifen. Beim Traunstein – etwa 60 Kilometer südlich der Donau bei Linz und damit fast 100 Kilometer vom heutigen Rumpfgebirge entfernt – liegt dieses Kristallin in 7 bis 10 Kilometer Tiefe. Die Dichteanomalien machen nur wenige Prozent aus, lassen sich aber trotz dieser Tiefen im lokalen Schwerefeld nachweisen.

Bodenschätze[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Harz, Ural und anderen variszischen Gebirgen finden sich in der Böhmischen Masse kaum Lagerstätten von Erzen. Dagegen sind Granite, Granodiorite und wenige Diorite in vielen Steinbrüchen erschlossen. Kaolin wird z.B. in Schwertberg abgebaut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter, Roland et al.: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage, Schweizerbarth’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992. ISBN 3-510-65149-9
  2. Ivo Chlupáč et al.: Geologická minulost České Republiky. Praha (Academia) 2002. S. 13-19 ISBN 80-200-0914-0
  3. Zur Geologie und Genese der Kaoline des Böhmischen Massivs (PDF-Datei; 68 kB)

Weblinks[Bearbeiten]