Barnim

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Dieser Artikel beschreibt die Landschaft Barnim in Berlin/Brandenburg; zu weiteren Bedeutungen siehe Barnim (Begriffsklärung).
Barnim im Tegeler Fließtal zwischen Lübars und Schildow
Rathaus Biesenthal

Der Barnim ist eine eiszeitlich gebildete Hochfläche und gleichzeitig eine historische Landschaft im mittleren und nordöstlichen Brandenburg und im Nordosten Berlins.

Als Teil der in der Weichseleiszeit gebildeten Zone der Brandenburgischen Platten und Urstromtalungen besteht der Barnim aus Grundmoränen, einem Endmoränenzug und Sanderflächen zwischen dem Berliner Urstromtal im Süden und dem Eberswalder Urstromtal im Norden.

Anteil am Barnim haben heute die Landkreise Oberhavel, Barnim, Märkisch-Oderland und Oder-Spree. Auf Berliner Stadtgebiet liegen die Stadtbezirke Reinickendorf, Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf zu großen Teilen auf dem Barnim.

Abgrenzung und Untergliederung[Bearbeiten]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Die naturräumliche Lage des Barnim

Die Grenze des Naturraumes Barnim kann recht genau gefasst werden, da sie fast ausschließlich deutlich ausgeprägt ist. Die Südgrenze bildet das Berliner Urstromtal, welches hier von der Spree durchflossen wird. Weiter südlich schließt sich die Hochfläche des Teltow an. Die Grenze zwischen dem Barnim und dem weiter westlich gelegenen Ländchen Glien wird von einer von Nord nach Süd verlaufenden Urstromtalung eingenommen. Diese wird ihrerseits von einer glazialen Rinne durchzogen, die heute die Havelseen beherbergt. Im Norden und Nordosten begrenzt das Eberswalder Urstromtal den Barnim. Allerdings besitzt der nordöstliche Teil, das heutige Oderbruch, einen deutlich anderen landschaftlichen Charakter als die westlichen Abschnitte des Eberswalder Tales. Die Buckow-Rinne oder Löcknitz-Stobber-Rinne, die neben diesen beiden Flüssen vom Roten Luch, vom Stobberbach und von Seenketten geprägt wird, bildet die Grenze zum sich östlich anschließenden Land Lebus, mit dem der Barnim landschaftlich verwandt ist.

Untergliederung[Bearbeiten]

Der Barnim wird traditionell in den Niederen oder Niederbarnim und den Hohen oder Oberbarnim untergliedert. Der Niederbarnim nimmt den südwestlichen Teil der Hochfläche ein, der Oberbarnim den nordöstlichen. Die Grenze zwischen den beiden Einheiten ist nicht genau definiert; meistens wird eine Linie von Strausberg über den Gamengrund bis nach Eberswalde als Grenze gesetzt.

Die Untergliederung in Niederen und Hohen Barnim ist insofern berechtigt, da das Plateau des Niederen Barnims zum allergrößten Teil unter 80 m ü. NN liegt. Lediglich in den Randgebieten zum Oberbarnim steigt das Plateau bis auf 90 m an. Große Teile der Barnimhochfläche im Berliner Stadtgebiet liegen sogar unter 60 m. Der Hohe Barnim besitzt hingegen großflächig Höhen über 100 m ü. NN. Der Semmelberg bei Wölsickendorf ist mit 157,6 m ü. NN die höchste Erhebung des Barnims. Weniger als 5 km entfernt liegt das Untere Oderbruch nur wenige Meter über dem Niveau des Meeresspiegels.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Bis zum starken Wachstum Berlins im ausgehenden 19. Jahrhunderts war der Barnim nur dünn besiedelt. Für den östlichen Teil gilt das bis heute. Außerhalb Berlins liegen auf dem Barnim mit Bernau und Strausberg nur zwei Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Werneuchen, Altlandsberg und Biesenthal sind kleine Landstädte. Um den Barnim herum reihen sich perlschnurartig mehrere Städte, ursprünglich gehörte Berlin auch dazu. Weiterhin zählen zu dem Stadtring Oranienburg, Eberswalde, Bad Freienwalde, Wriezen, Buckow und Berlin-Köpenick. Heute gilt der westliche Barnim als dicht besiedelt, zum Teil auch zersiedelt. Zahlreiche einwohnerstarke Dorfgemeinden existieren dort im Berliner Speckgürtel.

Geologischer Bau, Oberflächenformen, Böden[Bearbeiten]

Der Barnim verdankt seine Entstehung, wie fast ganz Brandenburg, den wiederholten Vorstößen des Skandinavischen Inlandeises während des Eiszeitalters und wird daher zum allergrößten Teil aus eiszeitlichen Sedimenten aufgebaut.

Festgesteinsvorkommen[Bearbeiten]

Als geologische Besonderheit stehen am südlichen Rand des Barnims bei Rüdersdorf geologisch deutlich ältere Gesteine, Kalksteine aus dem oberen Buntsandstein und dem Muschelkalk, an der Erdoberfläche an. Die hohe Lage des Rüdersdorfer Kalksteines wird mit einem Salzkissen im Untergrund erklärt. Das zuwandernde Salz presste die darüber befindlichen Schichten nach oben. Bereits in unmittelbarer Nähe des Steinbruches tauchen die Festgesteine schnell in große Tiefen ab und spielen für den geologischen Bau des Barnims daher nur eine untergeordnete Rolle.

Die Kalksteine werden dort bis heute in einem ausgedehnten Steinbruch abgebaut und besaßen auch in der Vergangenheit eine große Bedeutung für die Baustoffversorgung Berlins (z.B. Turm der Marienkirche).

Die Rüdersdorfer Steinbrüche sind auch von wissenschaftshistorischem Interesse, da der schwedische Geologe Otto Torell im Jahre 1875 Gletscherschliffe auf der Oberfläche der Kalksteine nachweisen konnte. Die Inlandeistheorie wurde damit für das nördliche Mitteleuropa endgültig belegt.

Elstereiszeit[Bearbeiten]

Retsee bei Hönow

Die Ablagerungen der ersten Eisvorstöße während der Elstereiszeit können im Untergrund des Barnims Mächtigkeiten bis zu mehr als 100 Meter erreichen. Besonders mächtig werden sie als Füllung Glazialer Rinnen. Elsterzeitliche Sedimente bestehen überwiegend aus Geschiebemergel und Absätzen von Eisstauseen. Schmelzwassersande und Kiese treten dagegen zurück. Auf Grund der Überlagerung mit den ebenfalls sehr mächtigen saalezeitlichen Sedimenten stehen sicher elsterzeitliche Ablagerungen nur ganz vereinzelt am Oderbruchrand direkt an der Erdoberfläche an. Auch zeigt die Oberkante der elsterzeitlichen Ablagerungen noch keine Beziehung zur Oberfläche des heutigen Barnims.

Saaleeiszeit[Bearbeiten]

Erst die beiden Hauptvorstöße des Eises während der Saaleeiszeit ließen den Barnim als Hochfläche deutlich hervortreten. Geologisch wird der Hauptteil des Barnims aus Sedimenten des jüngeren, des Warthevorstoßes aufgebaut, der im Fläming seine maximale Ausdehnung nach Süden erreichte. Der zugehörige Geschiebemergel steht auf dem Barnim an mehreren Stellen direkt an der Erdoberfläche an oder findet sich nur wenige Meter unterhalb. Die Ablagerungen des älteren, des Drenthe-Vorstoßes, der noch weit nach Süden bis an die Nordgrenze der Mittelgebirge reichte, sind dagegen geringmächtiger und von den jüngeren warthezeitlichen Ablagerungen überdeckt.

Während der saalezeitlichen Eisvorstöße wurden die älteren Sedimente im Untergrund zum Teil kräftig gestaucht (gestört). Dies trifft besonders für die auch heute noch besonders hoch gelegenen Freienwalder Höhen (auch als Wriezener Höhe bezeichnet) zu. Neben älteren eiszeitlichen Ablagerungen wurde großflächig Material aus dem Tertiär in die Stauchmoränen eingepresst. So findet man am Barnimrand bei Bad Freienwalde und südlich davon an mehreren Stellen Tone aus dem Oligozän und Sande aus dem Miozän direkt an oder knapp unterhalb der Erdoberfläche. Bei Bad Freienwalde werden diese Tone in einer Tongrube abgebaut.

Weichseleiszeit[Bearbeiten]

Geologische und Geomorphologische Übersichtskarte des Barnim

Der heutige Barnim wurde entscheidend durch den Vorstoß des weichselzeitlichen Inlandeises vor etwas mehr als 20.000 Jahren geformt. Er gehört damit eindeutig zum Jungmoränenland. Dabei wurde das Gebiet nur in der ersten Vorstoßphase, dem Brandenburger Stadium, vom Eis vollständig überfahren. Im Vorfeld des vorrückenden Eises wurden sogenannte Vorschüttsande und -kiese abgelagert, die großflächig mit Mächtigkeiten um die 10 Meter vorhanden sind. Seine maximale Ausdehnung erreichte der weichselzeitliche Gletscher etwa 60 km südlich des Barnims, wo sich eine entsprechende Eisrandlage nördlich von Baruth befindet. Während dieser Zeit wurde über den Vorschüttsanden der Geschiebemergel abgelagert. Typisch für das mittlere Brandenburg ist seine relativ geringe Mächtigkeit, die auf dem Barnim 5 Meter nur selten überschreitet. Stellenweise fehlt er. Vereinzelt wurden auf dem Geschiebemergel noch Oszüge abgelagert.

Zwischen der Bildung der Brandenburger Eisrandlage und des weiter nördlich gelegenen Pommerschen Endmoränenzuges bildete sich auf dem Barnim und dem Lebus eine weitere Eisrandlage, die Frankfurter Eisrandlage. Sie ist in der Fachliteratur jedoch nicht unumstritten, da sie sich in ihrem Verlauf stark an die älteren, saalezeitlich gebildeten Stauchmoränen anlehnt. Echte Endmoränen wurden während der Frankfurter Eisrandlage nur untergeordnet gebildet. Der Geschiebemergel nördlich der Eisrandlage entspricht dem des Brandenburger Vorstoßes. Auch die zugehörigen Sander sind eher geringmächtig und nicht flächendeckend vorhanden. Sie bilden sogenannte Schlauchsander, die die ältere Grundmoräne nur teilweise verschüttet bzw. erodiert haben. Am besten ausgebildet sind noch die Sander entlang des Pankefließes (Pankesander) und der Sander bei Strausberg. Das Schmelzwasser der Sander floss im Berliner Urstromtal, welches sich zu dieser Zeit bildete, nach Westen ab.

Ob während der jüngeren Vorstoßphase, dem Pommerschen Stadium, das Eis zumindest den nördlichen Barnim noch erreicht hat, ist nicht sicher belegt. Markante Endmoränen dieses Vorstoßes befinden sich wenige Kilometer nördlich von Eberswalde. Zu dieser Zeit entstand das Eberswalder Urstromtal. Im Bereich der hochgelegenen saalezeitlichen Stauchmoränen, vor allem südlich von Bad Freienwalde, fehlen weichselzeitliche Sedimente großflächig oder sie bilden nur eine dünne Decke über den älteren Ablagerungen.

Die Ränder des Barnims wurden nachträglich durch die Schmelzwassererosion in den Urstromtälern zum Teil kräftig unterschnitten, so dass die Begrenzung des Barnims fast durchweg deutlich ist. Insbesondere die tiefe Ausräumung des Oderbruches führte dort zu den für Tieflandsverhältnisse extrem großen Höhenunterschieden.

Oberflächenformen (Geomorphologie)[Bearbeiten]

Flachwellige Landschaft am Moorteich am Tegeler Fließ

Das Plateau des Barnim besteht größtenteils aus typischen Grundmoränenflächen. Sie sind flachwellig und recht seenarm, obwohl der Barnim zum Jungmoränenland gehört. Zerschnitten und merklich belebt wird das Plateau von mehreren Glazialen Rinnen. Am bekanntesten ist der Gamengrund östlich von Berlin, in dem sich mehrere aufeinanderfolgende schmale Seen befinden, wie der Gamensee und der Mittelsee.

Die Sander treten nur bedingt als geneigte Schwemmkegel in Erscheinung, da ihre Oberfläche durch jüngere Prozesse, vor allem durch das Austauen von Toteisblöcken, relativ stark gestört wurde. Sie bilden daher sandige, aber recht wellige Flächen, in die häufig Seen eingelagert sind.

Für brandenburgische Verhältnisse extrem reliefreich sind die saalezeitlichen Stauchungsgebiete auf dem Hohen Barnim. Mit Höhenunterschieden von deutlich mehr als 100 Meter auf weniger als 1 km Horizontalentfernung ist das Gebiet unmittelbar südlich von Bad Freienwalde das reliefstärkste in Brandenburg. Verstärkend für das Relief wirkte dort die Bildung von Trockentälern am Ende der Weichseleiszeit.

Größere Verbreitung haben Dünen nur auf dem westlichen und nördlichen Barnim, wo von den benachbarten Urstromtalungen Flugsand auf das Plateau geweht werden konnte. Ansonsten kommen Dünen und Flugsandfelder nur kleinräumig vor und besitzen daher keine große Bedeutung.

Böden[Bearbeiten]

Auf den weit verbreiteten Geschiebemergelflächen haben sich Lessivés entwickelt.[1] Meistens finden sich Übergangsformen zwischen der Fahlerde und der Braunerde, ganz vereinzelt auch Parabraunerden. Stauvernässung in Form von Pseudogleyen kommt nur untergeordnet vor.

Auf den Schmelzwassersandflächen und auch auf den sandigen Stauchmoränen bildeten sich Braunerden. Je nach Zusammensetzung des Sandes können die Braunerden entweder schwach podsoliert oder, seltener, schwach lessiviert sein. Stärker podsolierte Braunerden und vereinzelt auch Podsole finden sich auf den Dünenflächen.

Die feuchten Niederungen werden von Niedermooren dominiert. Gleye treten untergeordnet auf. Die Moore zeigen fast immer deutliche Vererdungserscheinungen als Folge der Entwässerung. Nicht oder nicht mehr entwässerte Moore existieren nur noch an jung verlandeten Gewässern oder als Folge von Renaturierungsmaßnahmen.

Große Verbreitung besitzen im Berliner Stadtgebiet und auf dem westlichen Barnim die anthropogenen (vom Menschen erzeugte) Böden und Stadtböden. Neben den Bodenversiegelungsflächen dominieren junge Rohböden. Bei letzteren überwiegen Lockersyroseme und Pararendzinen. Es finden sich aber auch Hortisole (Gartenböden), Regosole und Kolluvisole.

Berliner Balkon[Bearbeiten]

Auf Berliner Stadtgebiet (Prenzlauer Berg) bildet der Barnim eine deutliche Steilkante zum Warschau-Berliner Urstromtal (37 m über NN), welches dort nur vier Kilometer breit ist und im Berliner Süden wieder zum Teltow ansteigt. Am unbebauten Hang des sogenannten Berliner Balkons in Berlin-Mahlsdorf lässt sich ein Höhenunterschied von 15 Metern vom Barnim zum Berliner Urstromtal ausmachen.

Hydrologie und Klima[Bearbeiten]

Hydrologie[Bearbeiten]

Wasserscheide[Bearbeiten]

Über den Barnim verläuft von Südost nach Nordwest die Hauptwasserscheide zwischen Nord- und Ostsee beziehungsweise zwischen den Flusssystemen von Elbe und Oder. Ihr Verlauf entspricht grob der Frankfurter Eisrandlage. Lediglich im Nordwesten des Barnims entwässern auch die Gebiete nördlich davon in Richtung Havel und weiter in die Elbe. Bekannte Punkte entlang der Wasserscheide befinden sich meistens in Talposition, zum Beispiel zwischen dem Wandlitzer See und dem Liepnitzsee oder innerhalb des Roten Luches.

Fließgewässer[Bearbeiten]

Der Barnim wird von folgenden natürlichen Fließen und Bächen zum Flusssystem der Havel und Spree entwässert (gegen den Uhrzeigersinn):

Erlenbruchwald der Briese bei Briese

Der Oder tributär sind folgende Fließe (im Uhrzeigersinn):

Einige der aufgezählten Fließgewässer haben kleinere Zuflüsse oder tragen lokal abweichende Bezeichnungen. Zusätzlich gibt es zahlreiche von Menschenhand angelegte Entwässerungsgräben.

Seen und Kleingewässer[Bearbeiten]

Straussee mit Blick auf Strausberg

Die flachwelligen Grundmoränenlandschaften des Barnim sind, obwohl zum Jungmoränenland gehörig, relativ seenarm. Nur vereinzelt finden sich isolierte Seen innerhalb des Plateaus wie der Haussee bei Seefeld (Gem. Werneuchen) oder der Weiße See in Berlin-Weißensee. Innerhalb der Sanderflächen befinden sind auf Grund der Verschüttung und des nachfolgenden Austaus des Toteises häufiger Seen. Vor allem das Seengebiet um Wandlitz ist bekannt.

Die meisten Seen innerhalb des Barnim befinden sich aber in Glazialen Rinnen. Sie sind in den meisten Fällen langgestreckt und zeigen eine Ausrichtung von Nord/Nordost nach Süd/Südwest wie beispielsweise eine kleinere Seenkette am östlichen Barnimhang zur Stobberniederung, die sich vom Dolgensee (25 ha) über den Kesselsee (3,5 ha) und Lettinsee (16 ha) nach Nordosten bis zum Klostersee (55 ha) bei Altfriedland zieht.

Zu den bekanntesten Seen des Barnims gehören:

Zusätzlich zu den natürlich entstandenen Seen wurden zahlreiche Teiche als Mühlen- oder Fischteich angelegt. Am bekanntesten sind die Karower Teiche im Nordosten Berlins.

Klima[Bearbeiten]

Der Barnim liegt, wie die umgebenden Regionen auch, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Auf Grund seiner bescheidenen Relativhöhe besitzt der Niedere Barnim, im Gegensatz zum Hohen Barnim, keine ausgeprägten Witterungsunterschiede gegenüber seinem Umland. Auch auf dem Hohen Barnim sind die Differenzen zu seinem Umland gering, jedoch bei bestimmten Wetterlagen deutlich zu spüren.

Kältester Monat ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen um -1 °C, wärmster der Juli mit ca. 18 °C (Station Berlin-Buch: Januar: -0,8 °C; Juli: 17,8 °C, Zeitraum 1951-1980[2]). Der Hohe Barnim ist nur unwesentlich kälter.

Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt auf dem Niederen Barnim etwas über 550 mm mit einem ausgeprägten Sommermaximum und Winterminimum. Der Oberbarnim empfängt mit Niederschlagsmengen um bzw. knapp über 600 mm spürbar mehr Niederschlag. Auch gibt es dort ein sekundäres Wintermaximum. Die trockenste Jahreszeit ist dort der Frühling.

Klimatisch interessant ist der deutliche Unterschied zwischen dem Hohen Barnim und dem zum Teil mehr als 100 Meter tiefer gelegenen Oderbruch im Osten. Es macht sich dort ein vergleichsweise deutlicher Regenschatten bemerkbar, der durch die südlich gelegenen Höhen des Landes Lebus und die Höhen um Chorin im Nordwesten noch verstärkt wird. Während der Hohe Barnim für brandenburgische Verhältnisse vergleichsweise viel Niederschlag erhält, ist das Oderbruch in seinem Regenschatten mit Niederschlagsmengen von deutlich unter 500 mm eine der (klimatisch gesehen) trockensten Regionen in Deutschland.

Blick vom Kienberg auf dem Niederbarnim  über Hellersdorf und Kaulsdorf-Nord Richtung Berliner Urstromtal

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Altsteinzeit, Slawen, Etymologie[Bearbeiten]

Siedlungsspuren lassen sich im Barnim für die Zeit der ausklingenden Vereisung im Jungpaläolithikum nachweisen. Dabei folgten Jäger und Sammler überwiegend den Flussläufen, wie archäologische Funde im Bereich von Oranienburg, Eberswalde, Birkenwerder oder am Tegeler Fließ im Norden Berlins belegen. Vor rund 6000 Jahren entstanden an den Bächen und Flüssen mit der Herausbildung der Landwirtschaft erste Dauersiedlungen. Aus der jüngeren Bronzezeit liegen Funde von Bronzesicheln und Steintrögen aus dem westlichen Barnim vor. Im Stadtgebiet von Strausberg wurde eine bronzezeitliche Besiedlung aus den Jahren 1200–700 vor unserer Zeit nachgewiesen.

Orte um 1250

Hier siedelte der germanische Stamm der Semnonen.[3] Nach deren Abwanderung folgten im 6. und 7. Jahrhundert die slawischen Stämme der Sprewanen und wahrscheinlich der Rezanen, die bei Biesenthal / Wandlitz saßen. Am Finowfließ bei Biesenthal befand sich eine ausgedehnte slawische Burganlage.

Barnim ist ein im Slawischen häufig vorkommender Eigenname, siehe Barnim I. oder Liste der Herzöge von Pommern. Der Barnim wurde laut Märkischer Fürstenchronik von den Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg um 1230 von dem pommerschen Herzog Barnim übernommen und daher als nova terra nostra Barnem bezeichnet. Wolfgang H. Fritze hat 1986 aufgrund des aktuellen Forschungsstands diese Hypothese für die wahrscheinlichste erklärt.

Aufsiedlungen des Plateaus ab 1230[Bearbeiten]

Während bis in die slawische Zeit eher die Niederungen um den und die wenigen Fließe auf dem Barnim bevorzugte Standpunkte für die Gründung von Dörfern und Befestigungsanlagen gewesen waren, begann eine erste konsequente Aufsiedlung auch des Plateaus in den 1230er Jahren unter den gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. im Zuge des deutschen Landesausbaus nach Osten. Entsprechende Siedlungsaktivitäten gab es auch durch die wettinischen Markgrafen von Meißen. Während die Askanier über den Nordrand des Oberbarnim über Oranienburg bis ungefähr nach Strausberg vorgedrungen waren, stießen die Wettiner von Süden über ihre Burgen in Mittenwalde und Köpenick auf den Niederbarnim vor. Die Frage der Landesherrschaft über diese Siedlungsgemengelage führte zu den Kämpfen um den Barnim und Teltow, dem Teltow-Krieg zwischen 1239 und 1245, den die Askanier für sich entschieden.

Feldsteinkirche in Hönow, gebaut vor 1250

Nach jüngeren Untersuchungen versuchten die Wettiner unter dem Meißener Markgrafen Heinrich dem Erlauchten sehr wahrscheinlich mit einem Dörferkranz um Hönow und Altlandsberg nordöstlich des heutigen Berlins eine Herrschaft auf dem Barnim zu errichten. Zudem hatte auch der Rivale der Askanier, das Erzstift Magdeburg unter Wilbrand von Käfernburg, Besitz auf dem Plateau. Das von ihnen 1180 bei Jüterbog gegründete Zisterzienser Kloster Zinna besaß ausgedehnte Ländereien um Rüdersdorf bei Berlin, wo die Mönche um 1230 den bis in die jüngere Zeit bedeutenden Kalksteinbruch Rüdersdorf begründeten.[4]

Nach dem Teltow-Krieg hatten die brandenburger Markgrafen die Herrschaft über den Barnim inne. Dennoch verblieb ein großer Teil des südwestlichen Barnim um Rüdersdorf bis zur Linie Stobberbach/Löcknitz bis zur Säkularisation im Besitz des Klosters Zinna. In einer Urkunde von 1247 bestätigten Johann I. und Otto III. dem Kloster Zinna den Besitz auf dem Barnim ausdrücklich.[5][6]

Zur Stabilisierung ihrer Herrschaft gründeten die Askanier in der Mitte des 13. Jahrhunderts das Kloster Chorin und das Frauenkloster Friedland. Chorin und die Ruinen Friedlands mit der Klosterkirche gelten architekturhistorisch als bedeutsamste mittelalterliche Klosterbauten der Region.[7]

Siedlungswelle nach dem Dreißigjährigen Krieg[Bearbeiten]

Bis zum starken Wachstum Berlins im ausgehenden 19. Jahrhunderts blieb der Barnim weiterhin vergleichsweise dünn besiedelt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es noch eine größere Siedlungswelle insbesondere mit holländischen Kolonisten, die bei der Trockenlegung des Havelbruchgebiets halfen. Doch blieben auch diese Bewegungen wie auch die steuer- und abgabebegünstigten Kolonistendörfer in friderizianischer Zeit weitgehend auf die Fluss- und Kanalbereiche beschränkt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brandenburgisches Namenbuch, Teil 5: Die Ortsnamen des Barnim. Bearb. v. Gerhard Schlimpert, Weimar 1984.
  • Wolfgang H. Fritze: Zur Deutung und ursprünglichen Beziehung des Landschaftsnamens „Barnim“. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 37 (1986), S. 41-50.
  • L. Lippstreu, N. Hermsdorf, A. Sonntag: Geologische Übersichtskarte des Landes Brandenburg 1 : 300.000 - Erläuterungen. – Potsdam 1997, ISBN 3-7490-4576-3.
  • Carsten Rasmus, Bettina Klaehne: Wander- und Naturführer Naturpark Barnim. KlaRas-Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-933135-09-5.
  • Werner Stackebrandt, Volker Manhenke (Hrsg.): Atlas zur Geologie von Brandenburg. Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg (heute: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, LBGR), 2. Aufl., 142 S., 43 Karten, Kleinmachnow 2002, ISBN 3-9808157-0-6.
  • Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436, Seite 43.
  • Ludger Gailing, Karl-Dieter Keim: Analyse von informellen und dezentralen Institutionen und Public Governance mit kulturlandschaftlichem Hintergrund in der Beispielregion Barnim. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Materialien der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Zukunftsorientierte Nutzung ländlicher Räume (LandInnovation), Nr. 6, Berlin, 2006 Onlinefassung (PDF; 1,3 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barnim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Barnim – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information zu den Bodengesellschaften gibt es auf den Internetseiten des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg online
  2. Daten aus M. Hendl: Das Klima des Norddeutschen Tieflandes. - in: H. Liedtke & J. Marcinek (Hrsg.): Physische Geographie Deutschlands, 559 S., Gotha 1994, ISBN 3-623-00840-0
  3. Publius Cornelius Tacitus: De origine et situ Germanorum liber, 39, in Manfred Fuhrmann: Germania, S. 55
  4. (Landes-)Herrschaft und (Land-)Besitz müssen voneinander unterschieden werden. Die Frage, wer das Kloster Zinna auf den Barnim holte (Erzstift Magdeburg oder die Wettiner) ist ebenso umstritten wie die "Magdeburg-Hypothese" von Rolf Barthel (im BNB Barnim), mit der eine zeitweise Landesherrschaft des Erzstifts auf dem Barnim behauptet wird.
  5. Helmut Assing: Wer holte Kloster Zinna in den heutigen Barnim? Eine neue Streitfrage. In: Dieter Pötschke (Hrsg.) Geschichte und Recht der Zisterzienser. Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 2. Lukas Verlag, Berlin 1997, S. 64–77 ISBN 3-931836-05-3
  6. Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Bd. 12.2., Regestenverzeichnis. Lukas Verlag, Berlin 2000, Eintrag Nr. 91 ISBN 3-931836-46-0 ISBN 3-931836-45-2
  7. Uta Puls: Altfriedland. In: H. Jürgen Feuerstake, Oliver H. Schmidt (Hrsg.): Die Zisterzienser und ihre Klöster in Brandenburg. Ein kulturhistorisch-touristischer Führer. Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2005, S. 52ff ISBN 3-936872-23-6

52.666666714.25Koordinaten: 52° 40′ 0″ N, 14° 15′ 0″ O