Steinkreis

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Als Steinkreis, (Steinring, oder Steintanz) werden runde oder ovale Arrangements aus ursprünglich stehenden, im Wesentlichen unbearbeiteten Menhiren bzw. Findlingen bezeichnet. Der englischen Begriff Cromlech ist weiter gefasst.

Kreisförmig gesetzte Steine wurden auch als Einfassung von Dolmen, Grabhügeln (Cromlech von Saint-Marc-sur-Mer), Tor-Cairns oder ähnlichen Strukturen verwendet, werden aber in der Regel nicht als Steinkreise, sondern als Pseudo-Steinkreise bezeichnet.

Manche Henges, darunter Avebury und der Ring von Brodgar, weisen zwar Steinkreise auf, werden aber aufgrund weiterer Merkmale ebenfalls nicht als Steinkreis bezeichnet.

Steinkreis von Drombeg, County Cork, Irland

Verbreitung[Bearbeiten]

Steinkreise der Britischen Inseln[Bearbeiten]

„The Hurlers“, Nordkreis, Liskaerd, Cornwall
Merry Maidens, Cornwall

Steinkreise sind mit mehr als 700 Exemplaren auf den Britischen Inseln verbreitet, wo sie sich insbesondere in Cornwall, in Nordirland, im County Cork in Irland und am River Dee in Schottland häufen. Aubrey Burl (1926-2009) vertritt die Auffassung, dass Steinkreise eine britische Erfindung seien. Manche Forscher halten sie für eine steinerne Umsetzung der in den Lowlands verbreiteten, aus hölzernen Pfählen gestalteten Henges (Woodhenge), in die mit dieser Ressource ausgestatteten Bergregionen. Die Ringgräben der Henges waren in Gebieten mit steinigem Untergrund nur sehr schwer herauszuarbeiten. Einzig der Ring von Brodgar, Orkney, weist einen in den Sandsteinuntergrund gearbeiteten Kreisgraben auf. Es gibt eine nord-südlich verlaufende Zone, in der sowohl Henges als auch Steinkreise vorkommen. Neun der 13 größten britischen Steinkreise liegen in dieser Überlappungszone. Sie entstanden zwischen 2100 und 700 v. Chr., also im ausgehenden Neolithikum und der Bronzezeit.

England[Bearbeiten]

Auf der Hauptinsel war nach Ansicht von A. Burl der Lake District das Entstehungszentrum der megalithischen, etwa 30 m weiten Steinkreise (Castlerigg), die etwa gleich alt sein sollen wie die Stones of Stenness (auf Orkney), für die eine C14-Datierung auf 3040 v. Chr. vorliegt. Allgemein wird anhand der Datierung der dort gefundenen Great Langdale Beile die Entstehung um 3400 bis 3200 v. Chr. angenommen. Die bekanntesten Steinkreise sind Stonehenge (bei Salisbury, Wiltshire, England), Avebury (in Wiltshire östlich von Bath) und Mitchell’s Fold in Shropshire. In Cornwall befinden sich die Merry Maidens und The Hurlers. Daneben gibt es primär in Wales die „umwallten Steinkreise“ (engl. Embanked Stone Circle[1]) und die Ring Cairns.[2]

Schottland[Bearbeiten]

Steinkreise liegen auf Talsohlen, auf Flussterrassen, auf niedrigen Pässen und in der Nähe von Gewässern. Der stark zerstörte Steinkreis von Lochmaben bei Gretna Green konnte auf 3275 v. Chr. datiert werden. In Cumbria ergeben sich durchschnittliche Durchmesser von 37 m bei Steinkreisen, während sie für Henges 73 m betragen. Später wurden die Kreise größer und 14 von ihnen haben mehr als 61 m Durchmesser.

Die Steinkreise von Callanish gehören zur größten heute bekannten Megalithformation auf den Britischen Inseln. Sie liegen auf der Isle of Lewis auf den Äußeren Hebriden.

Am River Dee stellen die „Recumbent Stone Circles“, die liegenden Steinkreise, eine eigene Gattung dar. Ein Beispiel dafür gilt Nine Stanes. Verbreitet ist diese Sonderform auch mit wenigen Exemplaren in Irland. Ihre Besonderheit ist, dass der Kreis aufrechter Steine an einer Stelle durch einen Altarstein unterbrochen wird, der waagerecht liegt und eng von zwei oft hornartig zugespitzten Steinen flankiert wird.

Perthshire ist Hauptverbreitungsgebiet der kleinen „Four Post Stone Circles“ (z. B. Goatstones), die aber auch am River Dee vorkommen (Steinkreis von Aboyne).

Irland[Bearbeiten]

Steinkreis von Kealkil – mit Outliern und dem Cairn mit radialen Steinsetzungen (im Vordergrund rechts)
Brautlade Boitin Mecklenburg

Seán ó Nualláin unterscheidet vier lokale Gruppen:

Die ältesten bekannten Ringe stammen aus der irischen Bronzezeit, die etwa 2000 v. hr. begann. Es sind die Steinkreise von Beaghmore (1600 v. Chr.) in der Nähe von Cookstown (Ulster, Nordirland). Sie bestehen zum Teil aus Hunderten manchmal nur kopfgroßen Steinen, sind also weitgehend amegalithisch. Die Beaghmore-Kreise berühren sich. Sie waren vor ihrer Entdeckung von Hochmoor überwachsen.

Die irischen Steinkreise haben Durchmesser zwischen drei und 60 Metern und konzentrieren sich in den Grafschaften Tyrone (Nordirland) und Cork, wo der eisenzeitliche Drombeg Stone Circle der besterhaltene und der Steinkreis von Templebryan North einer der größeren ist. In den kreisarmen Regionen im Westen und Osten der Insel ragen unter den 19 Kreisen diejenigen am Lough Gur (Steinkreis von Grange) im County Limerick, die Steinkreise von Glebe im County Mayo und die Pipers Stones im County Wicklow heraus. Manche sind von Wall und Graben umgeben. Sie können Boulder tombs, einen Menhir, aber auch Passage tombs umschließen.

Die Kreise in Ulster liegen auf dem Plateau südlich der Sperrin Mountains, sind im Durchmesser größer, die Steine selbst sind allerdings zumeist kleiner und nur selten höher als einen Meter. Die Ulsterkreise kommen oftmals in Moorgebieten und als Gruppe vor und werden von Menhiren oder Alignements begleitet. Die größte Steinkreise sind Grange (113 Steine 48 m Durchmesser) im County Limerick und Beltany tops (64 von 100 Steinen sind vorhanden 44 m Durchmesser) mit den Überresten eines Cairns im Zentrum.

Cashelkeelty

Im County Cork konzentriert ist eine Gruppe von eher unscheinbaren kleinen Steinkreisen (z. B. Carrigagulla, Cullomane, Glanbrack), die als „Five-stone-circle“ bekannt wurden. Die Form wird aber auch im County Kerry (Cashelkeelty) und auf der britischen Hauptinsel (Druid’s Circle, Five Stanes, bei Jedburgh) angetroffen. Eine andere Gruppe wird als radial-stone cairns (Kealkill, Knocknakilla, Knockraheen 1) bezeichnet, weil die Steine mit ihrer Schmalseite zum Mittelpunkt zeigen.

Resteuropa[Bearbeiten]

Harrespil Okabe, bei Lecumberry (Pyrénées-Atlantiques)

In beschränkter Anzahl kommen Steinkreise in der Bretagne (Er Lannic), im Le Midi (hier heißen einige auf Baskisch „Harrespil“) und auf der Iberischen Halbinsel (Almendres, Portela de Mogos) vor.

Daneben finden sich jüngere Steinkreise in der Schweiz und in Skandinavien. In Schweden wird diese, im Norden am stärksten verbreitete Gattung, Domarringar, also (Richterringe) genannt. Der Domarring auf dem Gräberfeld von Blomsholm in Schweden hat einen Durchmesser von 33 m, die Stoplesteinane bei Eigersund im Rogaland Norwegen haben 21 m Durchmesser.

Einer der wenigen bedeutenden Steinkreise ist der Boitiner Steintanz in Mecklenburg-Vorpommern. Die 12 „Steinkreise von Odry“ in Polen und wikingerzeitliche Grabkreise gehören in die jüngste Gattung, sie stammen aus der Eisenzeit.[3]

Afrika und Asien[Bearbeiten]

Der Steinkreis von Nabta-Playa in Afrika

Unerforscht sind die prädynastischen Steinkreise von Nabta-Playa in der Sahara. Im Senegal und in Gambia finden sich etwa 50 Senegambische Steinkreise. Auch auf Malta (Brochtorff Circle), in Indien, Jordanien, Pakistan, Syrien, und in Kirgistan kommen Steinkreise vor.

Funktion[Bearbeiten]

In Skandinavien wurde vermutet, es handele sich bei den Steinkreisen um Thingplätze. Die Steine der Domarringar stellten demnach die Sitzplätze der Richter bzw. des Ausschusses dar. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Deutung als Grabstätten häufiger. Diese These wurde mit der Auffindung von Gräbern, die sich innerhalb der Ringe fanden, bestärkt (etwa auf Öland). In Skandinavien werden sie durch die Radiokohlenstoffdatierung frühbronzezeitlich bis vorwikingerzeitlich datiert.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinkreise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steinkreis deren Ringsteine innerhalb eines oder auf einem niedrigen breiten Stein- oder Erdwall gesetzt sind. Diese Kreise fallen nach Aubrey Burl's drei Phasentheorie der Entwicklung der Steinkreise in die mittlere Periode (2670-1975 v. Chr.)
  2. Ring Cairns sind runde oder ovale Steinwälle (ohne Menhire), mit einem freien Raum in der Mitte, der in einigen Fällen später aufgefüllt wurde. Obwohl in einigen Bestattungen gefunden wurden, scheint dies nicht der ursprünglichen Sinn gewesen zu sein. Sie könnten als Steinkreise gedacht sein, denn im Verbreitungsgebiet der Ringcairns im Südosten von Wales sind Steinkreise selten. Die Plattform der Cairns, ist ohne Ausgrabungen nicht immer zu erkennen.
  3. M. Schmidt: Die alten Steine S.58
  4. Tore Artelius: Domarringar i västsverige. Seite 42ff.