Chris Howland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chris Howland, 2009

John Christopher „Chris“ Howland (* 30. Juli 1928 in London; † 29. November 2013 in Rösrath[1]) war ein britischer Schlagersänger, Radio- und Fernsehmoderator, Schauspieler und Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Redakteurs der BBC wuchs in Südengland auf und lernte den Beruf des Imkers. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Chris Howland am 12. März 1948 Mitarbeiter des Radiosenders der Britischen Armee BFN (British Forces Network, heute BFBS). Noch im Jahr 1948 wurde er Chefsprecher und Chef der Musikabteilung beim BFN. Beim neuen Soldatensender mussten alle Sprecher vielseitig verwendbar sein, so dass Howland auch in einer Sprecherrolle der Serie Adventures of Robin Hood zu hören war. Hauptamtlich moderierte er insbesondere die Sendungen Family Favourites und Breakfast Club.

Howland sprach 1952 beim NWDR vor und wurde dort als Diskjockey eingestellt. Man hoffte, mit ihm an BFN und AFN verlorene jugendliche Hörer zurückzugewinnen. Am 1. September 1952 moderierte er die Sendung Rhythmus der Welt, in der er als „Schallplattenjockey“ („Disc-Jockey“ wollte man den deutschen Zuhörern nicht zumuten) zwanglos über Trends und Neuheiten der internationalen Musikszene berichtete.[2] Sein britischer Akzent und seine knarrende Stimme machten ihn schnell bei den Radiohörern beliebt. Wenig später moderierte er die Radiosendung Spielereien mit Schallplatten. In einer dieser zahlreichen Sendungen gab er sich selbst den Spitznamen „Heinrich Pumpernickel“, später auch „Mr. Pumpernickel“. Anfang 1954 zog er mit dem BFN von Hamburg nach Köln, dem neuen Hauptsitz des BFN. Im selben Jahr begann er beim NWDR Köln, der sich ab Januar 1956 nach der Regionalteilung WDR nannte.

Am 6. September 1953 hatte der Fernsehfilm Schlager-Expreß Premiere, in dem Howland als Sänger auftrat. Dies war der Beginn einer Vielzahl von Kinofilmen, an denen Howland mitwirkte. In der Musikromanze Ball der Nationen (25. Dezember 1954) spielte er den Dr. Johnson, in Der Major und die Stiere (28. Oktober 1955) tauchte er in der Rolle des Sergeant Bobby auf, eine Rolle als junger Engländer übernahm er in dem Film Verlobung am Wolfgangsee (25. Oktober 1956). Die Heinz-Erhardt-Komödie Witwer mit fünf Töchtern (6. September 1957) präsentierte Howland in der Rolle des Mr. Printice und in Haus Vaterland (13. August 1959) erschien er als Freddy.

1959 ging Howland vorübergehend nach Großbritannien, um dort die Fernseh-Talkshow Peoples and Places zu leiten. 1961 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, wo er zuerst beim WDR die Hörfunksendung Musik aus Studio B ab 22. Oktober 1961 moderierte, die dann ebenfalls vom Fernsehen übernommen wurde und bis 1970 61-mal gesendet wurde. Ab dem 18. Juli 1961 war er Moderator der Sendung Vorsicht Kamera, der deutschen Version der britischen Fernsehsendung Candid Camera.

Parallel dazu verlief Howlands Plattenkarriere. Nach einem eher erfolglosen Debüt um das Jahr 1953 hatte er mit Japanisches Abschiedslied, der deutschen Version des Liedes Japanese Farewell von Kay Cee Jones, seinen ersten kommerziellen Erfolg. Seine größten Erfolge feierte er im Mai 1958 mit Fraulein und im Mai 1959 mit Das hab’ ich in Paris gelernt. Beide Titel wurden von Hans Bertram in Köln produziert und erreichten jeweils Platz 3 in der deutschen Hitparade.

Einen weiteren Höhepunkt erfuhr Howlands Karriere durch sein Mitwirken in fünf Karl-May-Filmen der 1960er Jahre. War sein Einsatz in Winnetou 1. Teil (als Lord Tuff-Tuff; Premiere am 11. Dezember 1963) noch ein Füllsel, um den Film lustiger zu machen, erhielt er schon in seinem zweiten May-Film Der Schut (20. August 1964) als Butler Archie nach Hauptdarsteller Lex Barker die zweithöchste Gage. Diese Rolle spielte er auch noch in Durchs wilde Kurdistan (28. September 1965) und in der Fortsetzung Im Reiche des silbernen Löwen (31. Dezember 1965). Im selben Jahr stand er dann noch ein letztes Mal in einem May-Film vor der Kamera in Das Vermächtnis des Inka (9. April 1966), der ihm allerdings keine großen schauspielerischen Leistungen abforderte, konnte er doch als verlauster Indio „Don Parmesan“ die meiste Zeit unter einer Decke Siesta halten.

1970 verließ Howland Deutschland erneut, um sich um sein Hotel auf Mallorca zu kümmern, wo er auch am Aufbau des ersten deutschsprachigen Radiosenders beteiligt war. 1975 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und moderierte erneut Radio- und Fernsehsendungen. Im Zeichentrickfilm Asterix bei den Briten lieh er dem Briten Teefax seine Stimme.

Seine letzte Sendung, die zugleich seine alte Sendung beim NWDR war und die er bis zu seinem Tode moderierte, war Spielereien mit Schallplatten, die 2004 auf WDR 4 wieder aufgenommen wurde. Titelmelodie aller seiner Sendungen war Melody fair von Robert Farnon.[3]

2002 wurde Howland mit dem Scharlih ausgezeichnet, dem ältesten Preis, der mit dem Namen Karl May verbunden ist. Damit wurden seine Auftritte in den Karl-May-Filmen geehrt. Im Juli 2009 erschienen mit Yes, Sir! – Aus dem Leben eines englischen Gastarbeiters seine Lebenserinnerungen. Im Herbst 2012 stiftete er sein „Ein-Mann-Tonstudio“ aus dem Jahr 1986, das seit etwa 20 Jahren nicht mehr benutzt worden war, dem Phono- und Radiomuseum in Dormagen, wo es bei Präsentationen und Workshops auch wieder in Gebrauch genommen werden soll.

Howland lebte in Rösrath bei Köln und trat in Musiksendungen mit seinen alten Erfolgsplatten auf. Außerdem hatte er Auftritte in Talkshows und Lesungen. Howland ist am 21. Dezember 2013 im Friedwald Lohmar-Heide bestattet worden.

Filmografie[Bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten]

  • 1955: Die letzte Nacht der Titanic
  • 1970: Das Mädchen seiner Träume
  • 1971: Glückspilze
  • 1979: Noch ’ne Oper
  • 1980: Hollywood, ich komme
  • 1982: Das Traumschiff: Grenada
  • 1986: Fraulein – Ein deutsches Melodram
  • 1990: Hotel Paradies
  • 2004: Unser Charly: Geheime Wege
  • 2007: Die Märchenstunde: Aschenputtel – Für eine Handvoll Tauben

Fernseh-Sendungen[Bearbeiten]

  • 1961–1969: Musik aus Studio B
  • 1961–1963: Vorsicht Kamera
  • 1976: Gestatten neue Platten
  • 1982: Chris Howland präsentiert Höchstleistungen, Aus dem Guinness-Buch der Rekorde
  • 1983–1987: Souvenirs, Souvenirs
  • 1991: Vorsicht Kamera, Neuauflage bei Sat.1
  • 1993: Küsse unterm Regenbogen (Oldie-Sendung)
  • 2007: Der große Witze-Abend (2 Teile) beim MDR
  • 2011: Germaine Damar – Der tanzende Stern (TV-Dokumentation) – Regie: Michael Wenk

Diskografie[Bearbeiten]

Singles

  • 1957: Japanisches Abschiedslied (gesungen von Kay Cee Jones, mit deutschem Kommentar von Chris Howland) / I wore dark glasses (Kay Cee Jones)
  • 1958: Fräulein / Mama
  • 1958: Susie Darling / The Rain Falls On Ev’rybody
  • 1958: Verboten / Ja, ja, wunderbar
  • 1959: Das hab’ ich in Paris gelernt / Blonder Stern
  • 1959: Der Dumme im Leben ist immer der Mann (Duett mit Fred Bertelmann)
  • 1959: Patricia / Venus
  • 1959: Es braucht nicht alles wahr zu sein / Kleines Mädchen aus Berlin
  • 1960: Und schuld daran sind nur die Frau’n (Duett mit Fred Bertelmann) / Das macht ja nix
  • 1960: Die Mutter ist immer dabei / Geh’n Sie nicht allein nach Hause
  • 1961: Hundert schöne Frau’n / Elisabeth
  • 1961: Gnädige Frau, wo waren sie gestern? / 1,2,3,4,5,6,7, wo ist meine Braut geblieben
  • 1961: Hämmerchen Polka / Sie weiß noch nicht, dass ich sie liebe
  • 1962: Mädchen für alles / Cleopatra
  • 1962: Sagst du alles deiner Frau (Duett mit Bill Ramsey) / Zwei alte Freunde (Duett mit Bill Ramsey)
  • 1962: Das hat sich Tante Emma aus Italien mitgebracht / Das tut gut, das tut gut, das tut gut
  • 1963: Knallbonbon / Schade, dass sie schon vergeben sind
  • 1963: Lilo, die tätowierte Dame / Ich test ihre Küsse
  • 1964: Superkalifragilistisch Expiallegorisch / Unterpfaffenhofen über Oberpfaffenhofen
  • 1965: Wenn ich James Bond wär’ / Jenkka, Jenkka, Blindekuh
  • 1975: Europa hieß die Dame
  • 1976: wischi-waschi, bla bla bla
  • 1982: Bäng-Bäng Lulu / Tante Frieda schreibt an einem Sex-Roman

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chris Howland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemeldung zum Tod von Chris Howland auf mhowland.de (abgerufen am 3. Dezember 2013).
  2.  Heiß vom Plattenteller. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1952, S. 28 ff. (online).
  3. Nachruf seines Redakteurs auf WDR 4; abgerufen 3. Dezember 2013