Chuck Yeager

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Chuck Yeager vor dem Cockpit seiner Bell X-1
Chuck Yeager im Jahr 1969

Charles Elwood „Chuck“ Yeager (* 13. Februar 1923 in Myra, West Virginia) ist ein US-amerikanischer Fliegerveteran des Zweiten Weltkrieges, ehemaliger Testpilot und General. Als erster Mensch durchbrach er die Schallmauer. Anders als bei allen mutmaßlich früheren, nicht belegten Flügen mit Überschallgeschwindigkeit war für das Durchbrechen der Schallmauer mit der Bell X-1 kein Sturzflug nötig.

Der Name Yeager leitet sich vom deutschen Wort "Jäger" ab und wird im Englischen auch so gesprochen. Seine Vorfahren waren Deutsche, die ihren Namen anglisiert hatten.

Der Flug durch die Schallmauer[Bearbeiten]

Den Geschwindigkeitsrekord brach Yeager mit der Bell X-1 am 14. Oktober 1947 in der Flughöhe von 45.000 Fuß. Er durchbrach die Schallmauer mit einer Geschwindigkeit von 1080 km/h unter Temperatur- und Luftdruckbedingungen, bei denen die Schallgeschwindigkeit 1060 km/h beträgt.

Dieses Flugzeug war ein experimentelles Raketenflugzeug, dem er den Spitznamen Glamorous Glennis, nach seiner Ehefrau Glennis, gegeben hatte. Die Bell X-1 befindet sich heute in der ständigen Ausstellung des National Air and Space Museum der Smithsonian Institution. In der Folgezeit stellte Yeager weitere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf.

Biographie[Bearbeiten]

Yeager, Sohn der Farmer Susie Mae und Albert Hal Yeager, wurde am 13. Februar 1923 als zweites von fünf Kindern in Myra (West Virginia) geboren. Er hatte zwei Brüder, Roy und Hal jr., sowie zwei Schwestern, Doris Ann und Pansy Lee. Beim Spielen mit der Schrotflinte des Vaters erschoss der sechsjährige Roy versehentlich seine kleinere Schwester Doris Ann.

Yeager schloss die High School in Hamlin, West Virginia ab. Seine erste Begegnung mit dem Militär hatte er bei der Teilnahme am Citizens Military Training Camp im Fort Benjamin Harrison 1939 und 1940.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Yeager meldete sich am 12. September 1941 als Freiwilliger bei den US Army Air Forces und wurde zum Flugzeugmechaniker in Victorville Army Air Field, Kalifornien ausgebildet. Im Juli 1942 begann er im Rahmen des „Flying Sergeants“-Programms mit dem Flugtraining. Bei seinem ersten Flug wurde er luftkrank, was ihn allerdings nicht abschreckte. Bald wurde sein außergewöhnliches fliegerisches Talent erkennbar. Am 10. März 1943 erhielt er seinen Flugschein und die Beförderung zum Flight Officer in Luke Field, Arizona. Er wurde der 357th Fighter Group in Tonopah, Nevada zugeteilt und begann seine Kampfpilotenausbildung auf einer Bell P-39.

Im Dezember 1943 wurde Yeager mit seiner Gruppe nach Europa versetzt. Yeagers Gruppe wurde in Großbritannien auf der RAF Station Leiston stationiert. Er flog dort eine P-51 Mustang, die er Glamorous Glennis, nach seiner Freundin und späteren Ehefrau Glennis Faye Dickhouse, taufte. Nach einem Luftsieg wurde Yeager bei seiner achten Mission über Frankreich am 5. März 1944 selbst abgeschossen. Mit Hilfe der französischen Résistance gelang ihm am 30. März die Flucht nach Spanien; er kehrte am 15. Mai nach Großbritannien zurück. Trotz der Regelung, Piloten, die aus einem besetzen Land fliehen konnten, zum Schutz der Widerstandsgruppen nicht mehr über feindliches Gebiet fliegen zu lassen, gelang es Yeager, wieder als Kampfpilot über Europa aktiv zu werden. Dies brachte er dadurch zustande, dass er zusammen mit dem geflüchteten Bomberpiloten Capt. Fred Glover am 12. Juni direkt zum obersten alliierten Kommandanten, General Dwight D. Eisenhower sprach. Da die Invasion Europas schon begonnen hatte und sich die Maquis-Widerstandsgruppe offen mit der deutschen Wehrmacht bekriegte, konnten Yeager und Glover bei einer eventuellen Gefangennahme ihre Retter nicht mehr in Gefahr bringen. Nachdem Eisenhower die Befugnis des War Department, in diesem Fall selbst zu entscheiden, erhalten hatte, kam er dem Wunsch der beiden Piloten nach. Kurze Zeit später wurde Yeager mit fünf weiteren Abschüssen das erste amerikanische Fliegerass in seiner Squadron. Diese fünf Abschüsse konnte er an einem einzigen Tag erzielen und wurde dafür mit dem Silver Star ausgezeichnet.

Er beendete den Krieg mit 11,5 offiziellen Abschüssen, wobei ihm am 6. November 1944 ein Luftsieg über ein Düsenflugzeug, eine Me-262, gelang. Zu den 11,5 Abschüssen kommt ein weiterer während eines Trainingsfluges in der Zeit, als er nach seiner Flucht noch nicht wieder zu Kampfeinsätzen zugelassen war. Er schoss hierbei eine Ju-88 ab, die eine beschädigte B-17 Flying Fortress angriff, und rettete somit der B-17-Besatzung das Leben. Da er befehlswidrig angegriffen hatte, wurde der Film mit dem Abschuss, der von seiner Schießkamera festgehalten wurde, seinem Flügelmann Eddie Simpson übergeben und diesem somit der Luftsieg zugesprochen. Yeager flog seine 61. und letzte Mission im Zweiten Weltkrieg am 15. Januar 1945 und kehrte im Februar 1945 im Rang eines Captains in die USA zurück. Am 26. Februar 1945 heiratete er Glennis Dickhouse, die er schon während seiner Ausbildung kennengelernt hatte.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Yeager blieb nach dem Krieg in der Air Force und wurde Testpilot. Er wurde ausgewählt, die raketengetriebene X-1 im Rahmen eines Forschungsprogramms zu fliegen. Am 14. Oktober 1947 gelang Yeager mit diesem Flugzeug in einer Höhe von 13.700 m (45.000 ft) das Durchbrechen der Schallmauer, wobei er Mach 1,06 erreichte. Zwei Tage vor diesem Flug hatte er sich zwei Rippen bei einem nächtlichen Ausritt mit seiner Frau gebrochen; er erkannte beim Heimritt zu spät, dass ein Gatter geschlossen war. Aus Angst, dass er nicht fliegen könnte, ging er nicht ins Krankenhaus seines Stützpunktes, sondern zu einem Tierarzt in der Umgebung und erzählte nur seinem guten Freund Jack Ridley von den gebrochenen Rippen. Durch diese Verletzung war es für Yeager unmöglich, die Luke der X-1 zu schließen, so dass ihm Ridley das Ende eines Besenstiels besorgte, das Yeager als Hebel zum Schließen der Luke verwenden konnte. Für den ersten offiziellen Überschallflug wurde ihm 1948 die MacKay Trophy, die Collier Trophy sowie 1954 die Harmon International Trophy verliehen.

Später brach Yeager zahlreiche weitere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde. Außerdem flog er als erster amerikanischer Pilot eine MiG-15, mit der sich ein nordkoreanischer Pilot nach Südkorea abgesetzt hatte. In der zweiten Jahreshälfte 1953 war Yeager an dem USAF-Team beteiligt, das an der X-1A arbeitete. Dieses Flugzeug war konstruiert, um Mach 2 im Horizontalflug zu erreichen. In gleichen Jahr begleitete er in einem Verfolgungsflugzeug seine enge Freundin Jacqueline Cochran, als sie als erste Frau ein Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit flog. Als erster Mensch übertraf am 20. November jedoch Scott Crossfield mit einer Douglas Skyrocket der NACA Mach 2 im Horizontalflug. Nachdem diese Marke überboten worden war, entschieden sich Yeager und Ridley, mit der „Operation NACA Weep“ diese Leistung zu übertreffen. Dies gelang ihnen mit ihrem Team am 12. Dezember 1953, als sie eine Geschwindigkeit von Mach 2.44 erreichten. Allerdings verlor Yeager hierbei die Kontrolle über die X-1A. Erst nach einem 51 Sekunden dauernden Trudeln über alle drei Achsen bekam er die Maschine wieder unter Kontrolle und konnte sicher landen.

Zwischen Mai 1955 und Juli 1957 kommandierte Yeager die mit F-86H Sabre ausgerüstete 417th Fighter-Bomber Squadron (50th Fighter-Bomber Wing), die in Hahn im Hunsrück und im lothringischen Toul-Rosières stationiert war. Während seiner Zeit in Deutschland war er Mitglied des Segelflugclubs am Mont Royal bei Traben-Trarbach. Von 1957 bis 1960 kommandierte er die mit F-100D ausgestattete 1st Day Fighter Squadron, stationiert auf der George Air Force Base in Kalifornien und im andalusischen Morón.

Chuck Yeager im Cockpit einer NF-104 am 4. Dezember 1963

Nach einem Jahr Studium am Air War College wurde Yeager der erste Kommandant der USAF Aerospace Research Pilot School, die zuvor als USAF Flight Test Pilot School bezeichnet wurde. Sie diente zur Ausbildung von Astronauten für die NASA und die USAF. Dazu wurden unter anderem NF-104, umgebaute F-104 Starfighter mit einem zusätzlichen Raketentriebwerk, verwendet. 1963, bei einem dieser Flüge, musste sich Yeager aus seiner unkontrollierbar gewordenen Maschine herauskatapultieren. Während des Fluges kollidierte er mit seinem Schleudersitz, dessen immer noch glühender Raketentreibstoff in seinen mit reinem Sauerstoff gespeisten Helm eindrang. Yeager zog sich dabei schwere Verbrennungen zu, besonders im Gesicht und an einer Hand, da er versucht hatte, sein Helmvisier zu öffnen. Nach der Landung wurde er von einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht, wo er einen Monat lang blieb. Allerdings musste ihm nach seiner Entlassung unter großen Schmerzen die Kruste, die sich auf seinen Wunden gebildet hatte, entfernt werden. Bis auf zwei verlorene Fingerspitzen und einige Narben erholte sich Yeager jedoch wieder völlig. Während seiner Zeit an dieser Schule flog Yeager auch den M-2 Lifting Body.

1966 übernahm Yeager das Kommando über die 405th Tactical Fighter Wing auf der Clark Air Base auf den Philippinen. Er flog 127 Einsätze über Südvietnam und Südost-Asien, meistens in einer B-57, einem leichten Bomber. Im Februar 1968 wurde ihm das Kommando über die 4th Tactical Fighter Wing in Seymour Johnson Air Force Base, North Carolina übertragen. Außerdem führte er die F-4 Phantom-Wing während der Pueblo Krise in Südkorea.

Am 22. Juni 1969 wurde Yeager zum Brigadegeneral befördert und im Juli desselben Jahres zum stellvertretenden Kommandeur der Seventeenth Air Force ernannt. 1971 wurde er auf Geheiß des damaligen Botschafters Joe Farland nach Pakistan gesandt, um die dortigen Luftstreitkräfte zu beraten. Während des Bangladesch-Krieges wurde bei einem Luftangriff der Inder auf den Luftwaffenstützpunkt Chaklala seine zweimotorige Beechcraft zerstört, woraufhin er einen amerikanischen Vergeltungsschlag gefordert haben soll.[1]

Am 1. März 1975 schied er im Rang eines Brigadegenerals aus dem aktiven Dienst der US-Luftwaffe aus. Trotzdem flog er noch gelegentlich für die USAF und die NASA als beratender Testpilot auf der Edwards Air Force Base. Er absolvierte niemals das College, ist laut eigenem Bekunden bescheiden in seinen Ansprüchen und wird als einer der talentiertesten Piloten der USA betrachtet.

1990 starb seine Frau Glennis.

Ehrungen[Bearbeiten]

1985 überreichte US-Präsident Ronald Reagan Yeager die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Vermarktung[Bearbeiten]

Einige Unternehmen nutzten Yeagers Popularität in der Werbung, so veröffentlichte der US-amerikanische Computerspielehersteller Electronic Arts zwischen 1987 und 1991 insgesamt drei Flugsimulator-Programme, die Yeagers Namen tragen: Chuck Yeager's Advanced Flight Trainer (1987)[2], Chuck Yeager's Advanced Flight Trainer 2.0 (1989)[3] und 1991 Chuck Yeager's Air Combat[4]. Yeager wirkte bei der Entwicklung dieser Software mit und führte den Spieler (im ersten Spiel noch per Tonbandkassette, später per Sprachausgabe) durch spezielle Übungsszenarien.

Verfilmung[Bearbeiten]

In dem US-Film Der Stoff, aus dem die Helden sind wird Chuck Yeager von Sam Shepard gespielt. Yeager selbst hat in dem Film einen Auftritt als Barmann.

Werke[Bearbeiten]

  • Chuck Yeager, Charles Leerhsen: Press on! Further adventures in the good life. Bantam Books, Toronto u. a. 1988, ISBN 0-553-05333-7.
  • Chuck Yeager, Leo Janos: Yeager. An autobiography. Bantam Books, Toronto u. a. 1986, ISBN 0-553-25674-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Admiral Arun Prakash: How I crossed swords with Chuck Yeager (englisch)
  2. „Chuck Yeager's Advanced Flight Trainer“ auf Flight Simulation Museum (englisch)
  3. „Chuck Yeager's Advanced Flight Trainer 2.0“ auf Home of the Underdogs (englisch)
  4. „Chuck Yeager's Air Combat“ auf Home of the Underdogs (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Martin: Chuck Yeager. Lucent Books, San Diego CA 2003, ISBN 1-59018-284-7.
  • Colleen Madonna Flood Williams: Chuck Yeager. Chelsea House Publishers, Philadelphia PA 2003, ISBN 0-7910-7216-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chuck Yeager – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien