Der Zauberflöte zweyter Theil. Das Labyrinth

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Dieser Artikel behandelt das Werk von Schikaneder. Zu Goethes Fortsetzung der Zauberflöte siehe Der Zauberflöte zweyter Theil.
Die zentrale Szene der Oper: Die Königin der Nacht beauftragt Monos­tatos, ihre Tochter zurück­zu­holen. Julia Novikova und Klaus Kuttler, Salzburger Festspiele 2012

Der Zauberflöte zweyter Theil. Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen (auch: Zweiter Teil der Zauberflöte) ist der Titel einer Oper von Emanuel Schikaneder mit Musik des Komponisten Peter von Winter und die am frühesten entstandene Fortsetzungsoper der Zauberflöte Wolfgang Amadeus Mozarts.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Textbuch dieser "großen heroisch-komischen" Oper schrieb Mozarts Librettist Schikaneder, der bereits für Die Zauberflöte (1791) den Text verfasst hatte. Komponiert 1797/1798, fand die Uraufführung am 12. Juni 1798 im Wiedner Theater (Wien) statt. Es wirkten mit: Schikaneder selbst als Papageno, Josepha Hofer als Königin der Nacht (die 1806 in Frankfurt am Main von ihrer Schwester Aloisia Lange gesungen wurde), Josephas zweiter Mann Sebastian Mayer als Sarastro, und Mozarts posthumer Schwager Jakob Haibel als Monostatos.

Rollen der Oper[Bearbeiten]

Jacob Schroth: Papagenogruppe am ursprünglichen Hauptportal (Papagenotor) des Theaters an der Wien (1801) in der Millöckergasse. Schikaneder als Papageno mit seinen jüngeren Geschwistern in Der Zauberflöte zweyter Theil (Akt I, Szene 16). Kurz nach dessen Uraufführung im Wiedner Freihaustheater 1798 erfolgten erste Pläne zum Bau dieses Theaters.[1]
  • Sarastro.
  • Königin der Nacht.
  • Pamina, ihre Tochter.
  • Tamino.
  • Papageno.
  • Papagena.
  • Erste Dame (später: Venus).
  • Zweite Dame (später: Adonis).
  • Dritte Dame (später: deren Page).
  • Erster Genius. Zweiter Genius. Dritter Genius.[2]
  • Monostatos, ein Mohr.
  • Tipheus, König zu Paphos.
  • Sithos, sein Freund.
  • Oberpriesterin
  • Erste Priesterin. Zweite Priesterin
  • Gura, eine Mohrin
  • Papageno. Papagena (die Alten).
  • Erster Priester. Zweiter Priester.
  • Erster Wächter des Labyrinths. Zweiter Wächter des Labyrinths.
  • Mehrere Priester und Priesterinnen.
  • Mehrere Krieger des Tipheus.
  • Viele kleine Papagenos und Papagenas.
  • Viele Mohren, und Volk.

Die Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung dieser Oper (zu weiteren Fortsetzungen siehe unten) beginnt kurz nach dem Ende der Handlung der „Zauberflöte“ und schildert die Rivalität und den erneuten Kampf zwischen der Königin der Nacht und Sarastro einerseits, Trennung, Prüfung (in weiteren Erprobungen mit den Elementen Erde und Luft) und Zusammenführung des Paares Tamino und Pamina andererseits sowie die Ereignisse um das Paar Papageno und Papagena; auch diese werden getrennt, wieder zusammengeführt und besonders Papageno verschiedenen Versuchungen ausgesetzt.

1. Akt: Pamina wird auf der Hochzeitsfeier von ihrer Mutter entführt um sie mit Tipheus zu verheiraten, Papageno wird von Papagena getrennt und mit einer Mohrin verkuppelt.

2. Akt: Papageno findet Pamina für Tamino und beide bestehen ihre letzte Prüfung. Papageno kehrt zu Papagena zurück, Tamino besiegt Tipheus, die Königin der Nacht und ihr Gefolge werden an einen Felsen geschmiedet.

Ausführliche Inhaltsangabe[Bearbeiten]

Das Libretto[Bearbeiten]

Emanuel Schikaneder gilt heute noch als „gewiss einer der originellsten und einflussreichsten Theatermacher seiner Generation“.[3] Anhand der (ausführlichen) Inhaltsangabe wird deutlich, welchen diskontinuierlichen Aufbau Schikaneders Libretto aufweist, das ganz in der Tradition der "heroisch-komischen Oper" steht und fast ausschließlich auf frappierende Effekte hin angelegt ist. Die Handlung ist verworren, vermag aber zahlreiche lebendige Situationen für Ensemblenummern zu schaffen. Besonderen Anklang fand und findet die Szene, in der Papageno seine Familie wieder findet und viele kleine Papagenos und Papagenas die Bühne bevölkern. Alexandra Liedtke, die Regisseurin der Salzburger Festspielinszenierung von 2012, sah Schikaneders Libretto „als ein großes Märchen [...], in dem das Beispielhafte und Spielerische im Vordergrund stehen.“[4]

Die Musik der Oper[Bearbeiten]

Schikaneder setzte in den "kurpfalz-bairischen" Kapellmeister Peter von Winter höchste Erwartungen, denn das Werk sollte nach dem 1797 von Johann Mederitsch und Winter gemeinsam verfassten Werk Babylons Pyramiden gleichfalls eine zugkräftige Oper werden. Eine Erkrankung Schikaneders verursachte zunächst eine Überziehung der Beurlaubung des Münchner Kapellmeisters von Bayerischen Hofdiensten, dadurch wurde ihm das dortige Gehalt gestrichen. Winters künstlerische Ansprüche gerieten in Konflikt mit dem „Theateralltag“ von Schikaneders Wiedner Theater, so dass seine eigentliche Könnerschaft, wie er sie in Das unterbrochene Opferfest (Hofoper Wien 1796) oder später in Maometto (Mailänder Scala 1817) unter Beweis stellte, nicht in vollem Maße zur Geltung kommen konnte. Die Ouverture ist als eine Art Potpourri der Oper angelegt, indem einige Themen aus den Finales zitiert und verarbeitet werden. Sonnleithner hebt in seinem Artikel die szenisch und musikalisch reizvollen Ensemblenummern hervor, deren Anlehnung an Vorlagen aus der Zauberflöte er jedoch tadelt. Sonnleithners Resumée lautet, die Musik sei "theilweise gefällig, nicht selten aber langweilig; nirgends erwärmend und ergreifend.“

Überlieferung[Bearbeiten]

Heute sind zeitgenössische Klavierauszüge in drei verschiedenen Ausgaben[5] und (mindestens) sechs Partiturkopien[6] bekannt. Der zur Uraufführung erschienene Librettodruck enthielt lediglich den Text der Gesangsnummern. Die Dialoge sind dagegen nur in handschriftlichen Text- bzw. Rollenbüchern erhalten[7], aber allem Anschein nach bis 1991 unbekannt geblieben. Seit 2000 sind (als Leihmaterial) Neuausgaben der Partitur erschienen, so die Erstausgabe von Manfred App. Das vollständige Textbuch enthält das Buch von Jahrmärker/Waidelich.

Zeitgenössische Kritik[Bearbeiten]

Der außergewöhnliche Erfolg der Zauberflöte wiederholte sich nicht. Die Aufführungszahlen (für Wien sind 67 Vorstellungen nachgewiesen) belegen eine interessierte Aufnahme durch das Publikum, auch, als in den Jahren 1799 bis 1803 beide Teile der Zauberflöte an aufeinanderfolgenden Abenden gegeben wurden.

Alle zeitgenössischen Kritiken und Rezensionen[8] rügen an erster Stelle die Mängel des Librettos in Handlung und Sprache. Die Musik wird als mittelmäßig, mit wenigen Glanzpunkten, beschrieben. In den Augen der Zeitgenossen sind sowohl Schikaneder als auch Winter weit hinter ihren Fähigkeiten geblieben. Durch alle Äußerungen über diese Oper zieht sich deren Bewertung als „Ausstattungspektakel“ ohne Wert und Anspruch. Leopold von Sonnleithner hat in seiner umfangreichen Beschreibung der Oper in den „Recensionen und Mittheilungen über Theater, Musik und bildende Kunst“ (1862)[9] nicht mit kritischen Bemerkungen und Seitenhieben gespart.

Fassungen und Bearbeitungen[Bearbeiten]

Für die Berliner Erstaufführung 1803, die noch weitgehend der Originalfassung folgte, wurden Einlagearien von Vincenzo Righini komponiert.

1803 inszenierte auch Schikaneder selbst die Oper in Wien neu und nahm in den beiden Finales erhebliche Kürzungen vor, die vor allem eine Straffung der Handlung in diesen Teilen bewirkte. Außerdem ließ Schikaneder durch Abbé Vogler die Introduktion des zweiten Aktes bearbeiten sowie Einlagearien und ein Ballet komponieren.

Für die Aufführungen in Frankfurt 1806 gab es Einschübe von Fernando Orlandi und Giuseppe Farinelli (i.e. G. Francesco Finco). Für diese beiden Inszenierungen wurden auch Dialogpartien erweitert, verändert oder ersetzt. Die Inszenierung 1807 in Nürnberg brachte eine tiefgreifende Bearbeitung der Dialoge mit sozial- und ständekritischen Passagen mit sich.

Das Duett von Papagena und Papageno aus dem 1. Akt („Herbei, herbei ihr Leute“) war Vorlage für Klavier-Variationen von Joseph Wölfl, die bereits im Jahr der Uraufführung erschienen.

Inszenierungen im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Inszenierungen im 20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Transparent anlässlich der Salzburger Festspiele 2012

Die Oper wurde wegen der zu dieser Zeit nicht mehr bekannten Dialoge mit neuerfundener Handlung neu inszeniert und zwar

Weitere Fortsetzungen der Zauberflöte im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mozarts Zauberflöte fand schon bald nach ihrer Uraufführung zahlreiche Bewunderer. Und obwohl der Text wenig Wertschätzung fand, gab es, neben Schikaneder selbst (der noch 1803 eine zweite Fortsetzung der Zauberflöte ankündigte, dieses Vorhaben jedoch nicht mehr ausführte), noch drei weitere Autoren, die sich mit einer Fortsetzung der Zauberflöte beschäftigten.[11]

Zuerst ist das Zauberflöten-Projekt von Johann Wolfgang von Goethe zu nennen, der sich über den Zeitraum 1795 bis 1801 damit befasste und eine Vertonung durch Paul Wranitzky erwog. Eine brieflich geäußerte Meinung Schillers mag Goethe veranlasst haben, die Arbeit beiseitezulegen. Verschiedene andere interessierten sich für diesen Text, zuerst der Dramatiker und Theaterintendant August Wilhelm Iffland (1798 und erneut 1810), später dann der Komponist Carl Friedrich Zelter (1803 und erneut 1814). Zelter scheint einige Teile von Goethes Text vertont zu haben, die heute aber verloren sind, von Bernhard Anselm Weber ist die Komposition einiger weniger Stücke bezeugt.

1886 kamen zwei weitere Fortsetzungen auf die Bühne. Zelters Enkel Wilhelm Rintel vertonte das Libretto seines Vaters Ludwig Rintel, Zelters Schwiegersohn. Der Titel dieser Oper lautet Die Zauberflöte, II.Teil. Eine weitere Oper, Nitokris, der Zauberflöte zweiter Teil, fußt auf einem Libretto, welches Goethes Fragment mit einbezieht, hier vertonte Heinrich August Schultze das Libretto seines Sohnes Martin Schultze.

Als letzte eigenständige Fortsetzung jenes Jahrhunderts kam 1892 das „Musik-Drama“ Sarastro des Liszt-Schülers Karl Goepfart auf einen Text von Gottfried Stommel zur Uraufführung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leopold von Sonnleithner: Der Zauberflöte zweiter Theil; in: Recensionen und Mittheilungen über Theater, Musik und bildende Kunst, 8 (1862), Nr. 29/30, 20./27. Juli, S. 449-466.
  • Fritz Brukner (Hrsg.): Die Zauberflöte. Unbekannte Handschriften und seltene Drucke aus der Frühzeit von Mozarts Oper. Verlag Gilhofer&Ranschburg, Wien 1934.
  • Fritz Brukner: Der "Zauberflöte" zweiter Teil. Eine heroische Oper von Emanuel Schikaneder und Peter Winter, in: Österreichische Musikzeitschrift 1949, S. 180-184.
  • Der Zauberflöte zweyter Theil unter dem Titel: Das Labyrinth oder der Kampf mit den Elementen. Eine große heroisch-komische Oper in zwey Aufzügen von Emanuel Schikaneder. In Musik gesetzt von Herrn Peter Winter, Kapellmeister in Churpfalz-bayrischen Diensten. Vollständiges Textbuch. Erstveröffentlichung nach den zeitgenössischen Quellen und mit einem Nachwort hrsg. von Manuela Jahrmärker und Till Gerrit Waidelich, Hans Schneider Tutzing 1992.
  • Werner Wunderlich, Doris Ueberschlag und Ulrich Müller (Hrsg.): Mozarts "Zauberflöte" und ihre Dichter. Schikaneder, Vulpius, Goethe, Zuccalmaglio. Faksimiles und Editionen von Textbuch, Bearbeitungen und Fortsetzungen der Mozart-Oper, Verlag Mueller-Speiser, Anif/Salzburg 2007.
  • Ronny Dietrich/Christian Arseni (Hrsg.): Peter von Winter Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen Der Zauberflöte zweyter Theil, Programmbuch der Salzburger Festspiele 2012.
  • Till Gerrit Waidelich: „Schikaneder schien es eigends darauf angelegt zu haben, dem Geschmacke des Publikums zu schmeicheln“ Papagenos Selbstvermarktung in Peter von Winters „Labyrinth (Der Zauberflöte zweyter Theil)“ sowie unbekannte Dokumente zu dessen Entstehung, Überlieferung und Rezeption in Wien und Berlin 1803, in: Acta Mozartiana, 59 (2012), S. 139-177.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahrmärker/Waidelich (siehe Quellen und Literatur), 1992, S. 135.
  2. Die Drei Knaben sind im Personenverzeichnis des Librettos der Zauberflöte 1791 ebenfalls als "Genien" bezeichnet.
  3. Peter von Winter • Das Labyrinth. Programmheft der Salzburger Festspiele, 3. August 2012
  4. Peter von Winter • Das Labyrinth. Programmheft der Salzburger Festspiele, 3. August 2012
  5. Klavierauszug von Johann Baptist Henneberg; 1798 zuerst erschienen im Selbstverlag Schikaneders, später übernommen von Tranquillo Mollo; 1799 bei Nikolaus Simrock, Bonn; ca. 1799 bei Johann André, Offenbach.
  6. 1.: Partiturkopie für die Berliner Aufführung 1803; jetzt Staatsbibliothek zu Berlin (Signatur: mus.ms.23153); 2.: Partiturkopie von 1812, benutzt für die Aufführungen von 1818; jetzt Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (Signatur Sl, HB XVII 682 a,b); 3.: Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main (Signatur: Mus.Hs. Opern 628,1); 4.: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Signatur: Hs Ma 259); 5.: Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel; eine sechste Partiturkopie ist in der Bibliothek des Konservatoriums Florenz; eine siebte Partiturkopie ist im Zweiten Weltkrieg in Darmstadt verbrannt. Im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ist entgegen der Angabe von Robert Eitner keine Partitur überliefert.
  7. Opernsammlung der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek (Signatur Mus.Hs. Opern 628,6) und Lippische Landesbibliothek Detmold (Signatur: ms. n. 238, Nürnberger Fassung).
  8. Jahrmärker/Waidelich, 1992, S. 85-93.
  9. Jahrmärker/Waidelich, 1992, Abb. 18a-h.
  10. Das Labyrinth auf der Webseite der Salzburger Festspiele.
  11. Jahrmärker/Waidelich, 1992, S. 133.