Die Feuerzangenbowle (1944)

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Filmdaten
Originaltitel: Die Feuerzangenbowle
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 1944
Länge (PAL-DVD): 92 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Helmut Weiss
Drehbuch: Heinrich Spoerl
Produktion: Heinz Rühmann
Musik: Werner Bochmann
Kamera: Ewald Daub
Schnitt: Helmuth Schönnenbeck
Besetzung

Die Feuerzangenbowle ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1944 von Helmut Weiss nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl und Hans Reimann. Dem Film ist ein Zitat aus dem Roman vorangestellt: „Dieser Film ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, daß die Schule es nicht merkt.“

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Bei einer Feuerzangenbowle erzählt sich eine Herrenrunde Geschichten aus ihrer Schulzeit. Der erfolgreiche junge Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer (Heinz Rühmann) beneidet seine Freunde um den Spaß, den sie in der Schule hatten. Ihm selbst blieb solches versagt, da er von einem Hauslehrer erzogen wurde. Seine Freunde beschließen daraufhin,ihn als Schüler zu verkleiden und für ein paar Wochen eine „richtige“ Schule besuchen zu lassen, ein Gymnasium in der kleinen Stadt Babenberg.

Dort angekommen mietet er sich ein möbliertes Zimmer und besucht die Schule verkleidet als Oberprimaner Pfeiffer. Er ist bald in der Klasse beliebt und spielt zusammen mit seinen Klassenkameraden den Lehrern Crey, genannt Schnauz, Bömmel und dem Direktor Knauer übliche Schüler-Streiche. Seine extravagante Freundin Marion reist ihm derweil nach und versucht ihn zur Vernunft zu bringen, wie sie es nennt, da sie glaubt er sei verrückt geworden. Er lässt sich auch zunächst von ihr überreden nach Berlin zurückzukehren, beschließt aber im letzten Moment doch weiterhin an der Schule zu bleiben und Marion allein zurückreisen zu lassen. Im Verlauf seiner weiteren Schulzeit verliebt er sich in die 17-jährige Eva, die Tochter des Direktors, und offenbart ihr seine wahre Identität. Eva nimmt ihn diesbezüglich jedoch nicht ernst.

Durch diese Zurückweisung gekränkt, beschließt er seinen Hinauswurf aus der Schule zu provozieren. Er lädt die Oberklasse der benachbarten Mädchenschule zum Unterricht ein. Er selbst hält den Unterricht, als Prof. Crey verkleidet (der wahre Professor hat durch Pfeiffers Verstellen seiner Wecker den Unterricht verpasst). Just am selben Tag besucht jedoch der Oberschulrat das Gymnasium, um die Eignung des Prof. Crey für das Direktorat einer eigenen Schule zu prüfen. Als das den Unterricht visitierende Lehrerkollegium feststellt, dass Pfeiffer als Crey verkleidet den Unterricht hält, fleht ihn der Direktor an, den Schwindel weiter zu spielen. Gerade als der Oberschulrat, zufrieden mit dem Unterricht, abreisen möchte, stürmt der wahre Prof. Crey zur Türe hinein und steht Pfeiffer gegenüber. Der Oberschulrat empfielt den beiden Herren sich zu einigen, wer denn nun der wahre Crey ist und reist ab. Pfeiffer beendet die Maskerade und erwartet seinen Hinauswurf für diese Aktion, der Direktor weigert sich jedoch ihn zu entlassen, da er Pfeiffer Straffreiheit zugesichert hatte. Davon verwirrt beschließt Pfeiffer um die Hand von Eva anzuhalten, er gibt dem Lehrerkollegium seine wahre Identität zu erkennen.

Der Film endet mit der Einblendung Pfeiffers, wieder als Erwachsener in der zu Beginn des Filmes gezeigten Szenerie. Er erklärt, all das oben Erzählte sei eigentlich nur erfunden. Nur die Szene mit der Feuerzangenbowle sei Wirklichkeit.

[Bearbeiten] Hintergrund

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Heinrich Spoerl und Hans Reimann und hält sich eng an die literarische Vorlage. Man kann größtenteils die Dialoge mitlesen, lediglich einige wenige Stellen wurden ausgelassen oder geringfügig verändert. Bereits 1934 war eine etwas freiere Verfilmung des Romans, ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle – hier sogar als Doppelrolle – unter dem Titel So ein Flegel erschienen, das Drehbuch schrieb Hans Reimann.

Der Film spielt in „der guten alten Zeit“, die nicht genau definiert ist. Das zeigt sich beispielsweise auch an den Schülermützen, welche zum Drehzeitpunkt schon seit etlichen Jahren abgeschafft waren. Die Kleidung der vorkommenden Personen entspricht jedoch in etwa der Zeit um 1900. Auch die Tatsache, dass Pfeiffer am Anfang des Films zu dem Treffen mit seinen Freunden mit einer Kutsche gefahren wird, spricht für diese Datierung. Radium, das Pfeiffer den Schülerinnen und Schülern vorstellt wurde 1898 entdeckt. Das im Direktorenzimmer hängende Bild zeigt den schon 1888 verstorbenen Deutschen Kaiser Wilhelm I.

Die Feuerzangenbowle wurde weitgehend auf dem Gelände der Ufa-Studios in Babelsberg gedreht, die Schule war ein Modell. Das Modell soll zwei Schulen in Berlin nachempfunden sein: Dem Rheingau-Gymnasium in Friedenau/Schöneberg und dem Goethe-Gymnasium im noblen Berlin-Wilmersdorf. Einige Innenaufnahmen wurden in den Schulräumen des damaligen Peutinger-Gymnasiums und heutigen Landgerichts in Ellwangen (Jagst) gedreht. Dies wird beispielsweise in der Szene deutlich, in der die Jungen und Mädchen gemeinsam im Klassenzimmer unterrichtet werden. Durch das Fenster ist das Ellwanger Schloss und die Wallfahrtskirche Schönenberg zu erkennen. Teilweise wurde für die Dreharbeiten auch ein großes Panoramabild mit der Silhouette Ellwangens auf die Scheiben des Lehrsaals geklebt. Der Kameraschwenk über die morgendliche Stadt vor der Szene mit den vorgetäuschten Bauarbeiten in der Schule zeigt die Altstadt von Schwäbisch Hall. Die Einstellung der Kamera auf eine Rathausuhr zeigt das Rathaus Potsdam-Babelsberg.

Um die jugendlichen Darsteller möglichst lange vor dem Einzug zum Kriegsdienst zu bewahren, wurde die Produktion des Filmes verzögert und einzelne Einstellungen bis zur Perfektion immer wieder gedreht. Doch bereits zum Zeitpunkt der verspäteten Premiere waren einige der Darsteller im Krieg gefallen.

Bei der Zensurbehörde stieß der Film zunächst auf Unverständnis. Man warf ihm „Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten“ vor. Der NS-Bildungsminister Bernhard Rust, ein ehemaliger Gymnasiallehrer, empörte sich maßlos über die Art, mit der sich dieser Film über den Lehrkörper lustig machte. Produzent Heinz Rühmann konnte die Aufführung des Filmes aber durchsetzen. Es gelang ihm, den Film Hermann Göring im Führerhauptquartier vorzuführen, wo der Film das dortige Publikum derart begeisterte, dass er auf Anordnung Hitlers freigegeben wurde. Man erkannte, dass sich der aufheiternde Film dazu eignete, die Menschen von der Wirklichkeit des Krieges abzulenken.

[Bearbeiten] Kritiken

  • „Bis in die Montageprinzipien hinein, bis in die Kostüme und Bauten vermittelt der Film das Glück einer emotionalen Rückwärtsbewegung, eines erlösten Verschwindens. […] Er vermittelt eine Strategie des Vergessens, der sich niemand vollständig entziehen kann; sie entfernt von der historischen Wirklichkeit ebenso wie von den wirklichen Erfahrungen der Institution Schule, wie von dem Ärger, den wir heute morgen im Büro hatten.“ – epd film 3/94
  • „Immer noch vergnügliche Verfilmung von Heinrich Spoerls humoristischem Roman (…) Unterstützt von potenten Komiker-Kollegen, zeigt sich Rühmann von seiner liebenswürdigsten komödiantischen Seite.“ – „Lexikon des internationalen Films“ (CD-ROM-Ausgabe), Systhema, München 1997

[Bearbeiten] Aktuelle Rezeption

Vielerorts – häufig in Universitäten – werden in der Adventszeit Vorführungen des Filmes organisiert, die Eventcharakter haben. So wird während des Films Glühwein oder besser noch Feuerzangenbowle (manchmal auch Heidelbeerwein in Reagenzgläsern) ausgeschenkt, mit Taschenlampen wird während der Szene im Geschichtsunterricht auf die Leinwand geleuchtet, und bei jeder passenden Gelegenheit werden mechanische Wecker geläutet.

[Bearbeiten] Historischer Hintergrund und Kritik

Der Film wurde zum Ende des 2. Weltkriegs während der nationalsozialistischen Diktatur gedreht. Er entspricht der von Joseph Goebbels vorgegebenen Richtlinie und eskapistischen Tendenz, Filme mit Unterhaltungswert zu liefern, die von Politik und Moraldiskussionen ablenken sollten.[1][2]

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Unterhaltung und Ideologie im Nationalsozialistischen Film, Deutsches Filminstitut DIF e.V., available through filmportal.de
  2. filmzentrale.de: DIE FEUERZANGENBOWLE gehört zu jenen schizophrenen Filmen aus der Spätzeit des Nationalsozialismus, die zugleich dem Regime dienen und über sein Ende hinausblicken wollen, die voller offener oder unterschwelliger Nazi-Ideologeme sind, und zugleich von einer Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung zeugen, die sozusagen schon mit der Verdrängung der Schuld beginnt, während sie noch geschieht.
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